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Nationalzeitung · 1906-08-03 · Heft 56 (3.8.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 56 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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iNr. 56 Nationalzeitung '-'"ils 5 pslallz-t an Waffe rbächell, dessen -Früchte zur rechten Zeit reifen, -essen Laub nie wel'keu und dessen Tun stets gedeihen wird." Mit einem liebet für Le. Majestät den Sn»!tan, die Kaiser von Oesterreich und von Deutschland, unter deren vereintem Schutze und Fürsorge die Schule zu solcher Blüte getaugt ist, schloß »der iwirlkungAvolle Bortrag. Hieralls folgte die Festrede des Herrn Direktors Ephraiul Cohn. Sodann ergriff der k. k. öfterreichisch-ll-rlgarische Konsul, Herr Ritter von Zcpha»rovich, das Wort zu folgerlder Ansprache: „Hochverehrte Anwesende! Bevor ich mich beehre, der geistvollen Rede des Herrn Schuldir-ebtors Cohll einige an!f die Feier des hentigell Tages bezügliche Worte beizllfü'gen, gestatie ich mir, Jhaen folgende Mitteilung zu lllacheu: Leine Exzellenz der Minister des Kais, und König!. Hauses und des Zlenßeru hat der Simon Edler von Laemelschen Ullterrichtsanstalt anläßlich der Freier ihres fünfzigjährigen Bestarrdes ein Bild Seiner k. und »k. Apostolischen Majestät gespendet, welches ich dem Herrn Direktor mit dem Ersuchen riebrgebe, dessen Emhülkung jetzt vorzllu-ehm'en." Nachdem sodann das Kaiserbild enthüllt nlid im Zlnschl'nß daran die österreichische Bokkshymne gesungen war, fuhr Herr von Z. fort: „Mairie sehr geehrten Damen und Herrell! Wann innnTcr wir Oester reicher die altehrwlirdige Weise unserer Bolls'hy>mne vernehnlen, da ü»berikommt uns ein mächtiges Gefühl der Nsihrnng, der hingebenden llnd begeisterten Liede zll uns-erern Kaiser und K'öwi-g, dessenväterliche Flirsorge und Gnade alle seine Nntertallen ohne Unterschied des Ranges, der Nationalität und des Gl-an-bens umfaßt. Ader seine Herrschergüte beschränkt sich nicht auf die Grenzen nliseres geiliebtell Baterlan- «des: alles, was vaterländischer Fleiß u»nd Edelsinn ge schlaffen Hat, erfve>ut sich seines mächtigen lind großnllitigen Schutzes, mögen auch tallsende voll von Meilen das Denkmal Heimischer Kultur vom teuren Baterlaude trennen, und mögen deren Schöpfer längst in 'kühler Erde ritßcit. Auch jene wackeren Oesterreicher, die rittst an dieser Stätte -'ein. so schönes Werl für ihre Glaubensgenossen geschaffen, sie sind nicht mehr: ihren Epigvnell aber ziemt es, wicht nur in daliibar-er Verehrung der Mii'bürger zu gedenlken, die für" eine ante und edle Sache ihr Bestes eingesetzt hab»c!ll, sondern auch in ihrem Geiste nieiterzuarbeiteu, a»Us daß die Saat zll voller Reise gede-ihie» und gute Früchte trage. So wolleri wir hellte, da ein halbes Jahrhundert seit der Gründung der Edler von Laemel- Schlrle »verflossen ist, dawkbar des allverchrten- und geliebten Aionarcheri, Seiner Maij-estä»k des Kaisers F-ranz Josef gedenken, unter dessen. Schutze diese Anstalt erblsiht und erstarkt ist," wir werden uns aber auch pietätvoll der öfterroichischen- »Grlürider dieser Schlule erinnern, die de»nersten Ste!il>. zu diesen! Blain gelegt haben. Die Na»ln>e»n der edlen Stisterin, Elise Edle von Laelllel, »di»e ihrem Baker Simon, wie es jm Ski st s'b riefe heißt, eill Denlklwal setze, daS wirkt, »bildet und edel macht, der Naime des großen Plhilanthropen und deiltscheill Dichters Ludwig dlngnist Fra-nkl, sie sind irr den H»e>rzew aller Schüler" dieser dlnstalt eingegrabeu, 'welchem Staate sie auch als Bürger ange'hörenm'ögen>: nnd wenn sie das Gedächtnis dieser Wohltäter ehren, so ehren sie damit iiüro Lehrer und sich selber. Dawögebete steigen ans zum, Throne des dlllerhöch'steu, daß Gottes Scge» a»n»f dieiselll Hailtse so lall ge geruht hat und zur lehendigen» Wahrheit wird das Wort »des Psalnristen: Mdipi alelim rvejon'kiNl jissadetv o»s, „Ans dern Nknude der K'ilider und der UwMüu-digen wird »Gottes Macht verkündet" (P-s. 8, 6). Denn, mm\ eS uns »der Borredn»er so 'meisterhalst geschildert hat, es war ivahrlich ein dornenvoller Weg, den» die Laenlel-Schule in »den fünfzig Jahren -ihres Bestandes znriickgelegt hat. 9lelchere und innere Gefahren bedrohtell ihre Existell»z, un»d gar oft hatte es der, Anschein, als ob das an»f dein steilrigeu Boden Palästinas gepflanzte junge 9!eis oerdvrrell sollte. Mißtrmllell» und llndn-ldsauikeit der maßgebenden Kreise, epideuiische EvkralBnngen, sprachliche Schwierigkeiten Venn Unterrichte,, lliid vor allen! »der i-lnlmer lviederkehl'en»de Geldmangel haben öfter als ein»ma-l erliste Krisen herallsbeschlvoren. Mer wo die Not am größte»)», »war auch stets die Hilse an» nächsten, u»n»d inrnler fandensich opsevivillige, für den knltlll'ellett F-ortschritt ihrer Glanhensgell»ofsen degeisterte Ntän-ner, lvelche, die hohe Be- -dentirttg der Laeinel-iDchll-le »fiir das tJtrdelltllim Palästinas erkerillend, zltr rechtell Zeit helfend eingrissen il-nd die Schule vor dem Untergänge retteten. Ter Wendeplln'kt trat eilt, als im Jahre 1887 der deutsche „Verein zur Erziehung jüdischer »Wa»iselr in Palästina" die Verein»igltng der Waisenschlile mit der Laeruel-'Schllle b»c!schloß und die Ver'pslichtnng silbern ahm, für die die Zinsen deS!3ti<ftint't5g|fn»»pitatö übersteigenden Auslagen zu sorgen. Von da an da»tiert die Periode des Aufsthwll»nges, der stetigen Weiterentwickllung dieser »Schule, deren schöne Erfolge ihnender hochverdiente Dire»kto»r Ephraim C»0hn edeiu vor Au»gen geführt hat. Oh-n»e dieses »werktätige »Ein-greffeu des delttschen Be reines Hätte die Laelmel-iSchule nie das werde»» kön»n»e«n, was sie heute geworden ist; sie hätte uicht siegreich alls dem Kampfe mit einem widrigen' Schicksal »hervorgehen, nie die hohe K-tt!ltnr!m»is!sion für das Judentwm Palästin»as ansführen kön»uen, die schon Da!u!s»enden znm .Heile und z-llün Segen geworden ist. Mieine verehrten Anwesen den. Ich bin an: Schlüsse rneiner Ausführnn'gen, die ich io dem Satze zlrsamlmenfasse: Was Oesterreich hier ge>sch»a!ssen> das' hat »das Deutsche Reich erhalten. UUd wenn» wir zwln Bilde des Kaisers ll»nd Königs Franz J0ses des Ersten verehrnngsvoll awsblickeu, delm Bilde, das für ewige Zeiten ein Wahrzelichen der österreichischen H»ei-Nl-at dieser Allstalt se>in soll, so. »wollet» wir »lnit nicht ntinderer Dankbarkeit des erla!ir-cht>en- und -mächtigen Verbündeten -unseres Herrschers, Sr. Masestät des Delltschen Kaisers und Kölligs von Pre!ll-ß»e»rl, ^Wilhelm des Zweiten, gedenlken, dessen 'iveise Regierung, »wo es n'ottat, dieser An!stalt stets hilfreich zna Seite stan»d, des Schätzers und »Lchützers deutscher Kultur, des »Herrschers über so viele Tent!sch»c jüdischen. Glailllbens, die in sellbstlvser, opferw'illiger Weise an ö-em Gedeihen der Silli'on Edler von L-aemel-»Schllle mi-tgearbeitet halben. J-hnr zll'm Preise erschalle »mtw aus aller Kehlen das Lied: „Heil dir i»m SiL»geslkranz." Hiern»ach sprach n»och der Kaiserkich deutsche Kollsnl, -Herr Dr. Schmidt. Mit lelbhaftenr Beifall wll.rdeli die von den Zöglingen der Schweste!rän>sta»lten!da»rgelbra»chten Glückwü-wsche -au»fgeNlolmlmen.. -N»ajnl»ens der friilheren Schüler trugen die» 'Seimillarksteu Mordechai B'!li»n»ky und N-eho»rai MiSrachi selbstversaßte Gedichte vor, ersterer in Hebräischer, letzterer irr »de'lltscher Sprache. Ein vonder K-in!dergärtn»e>rin -Fräulein Gli-s.ssingedichteter stimlmlun»gslvoller hebräischer Dialog iv-lirdc von Zöglin!ge»n des Ki»ndergartens, ein in he>brü-ische>r Sprache von Herrn Lehrer Snta, in deutscher Sprache von der Lehrerin- Frä'li'lei.w D»ch'ilbingleischrselbener, poetischer Grnß wllrde vo»n zlwei Zöglingen» der -Mädchen»- schnle vorgetragen. Die eindriirksvolle Feier san-d ihren- Adschlluß in ein»er »Festlvvrstelllllng, »welche am Alb»en»d des 28. Jnni voll ehemaligen ll-n>d geg-enlwärtigen ZögliU'gen der Schll»le veranlstaliet »wurde. Jerusalem. (Künful Dickson.) Der englische Mnsu-l in Jern-sa-l-em, Mr. D i ck s o n>, ist hi-er gestorben». Mr. Dickson» war ein chivlicher. Fwetmd der Inden, nnd» hat besonders den fit'O Wen Gbrnbensbriidern» vi»ete gnto Dienste eriviesen. Jerusalem. (Tod des Cha»cha»ln Baschi.) Vorige Woche starbhivr i»nii Witter von 89 Jahren» der Chacho-m. Baschi, Jakob Sollt E l i s a s ch a r. Dev Verstorbene in-air von der türkischen» Ne»giernn>g als Oberhaupt der tiirki sche»r Jllden-Heit und als Chef der GenchbZbarkeit unter den» türkischen Inden» bestätigt. Trotzdein der verstorbenle Chachain Baschi von 'den, schken»a>sischon» Indenals Obechalipt nicht anerkoirnt wnivde, g-eno-ß er »iveg-en seinen, her- 'vo'rraig,enden, tatmndischon K>en,n»tnisse Nnd 'seines milden, Charaiktevs auch im diesen Kreisen großes Nlnfch'en!. Cchgcham Baschi Elijas ch a r Hot, »wie an, a-nderer Stelle bericht-et wird, noch bei der Jubelfeier der Lämelschnle flluktion-iiert. Die Rettung der Poyromnraisen. 'IN» Ergä-ll!z»n»lllg ll-n»serev iw djer DietlSiag- Sülllll-liwr mrölffentlichten telegraphiischell Berichte li'ber die A>ktioll zur Bersorgu-ng »der voll» den P »g rmll-opse r » zubü ckgebliobe new Wa i se nlkindc r, lassen, rvir den llns vv,n „Hilfs»vere-illder Dewtschelk Jnlde-ll" z»llr -Berfüglllng gestellten Bericht folgen: Der Elllpfang in Lemberg war eill geradezllt großartiger. Herr Ritter von- Hvrowitz n'nd die Levpol iS lv»ge hatte ll a»nlf BeratilasslUlg von Herrn Berget alle nötigen Veranstaltungen für dic Ansna'hme der Waisen ans Rußland getrosfeli. Aber atich die Bevölkerung bewahrte eine wahrha'ft b»ewnwdernswcrte nn»d im höchsten Grade sympa- .tische Haltnug. Tallsende erwarteten die Kinder vor dem Bähuh-olf: Pferde bah nwagen standen für dies-ellbeu bereit irnd sie.wurden als»dan»ll sofort in »das »dortige jü-dische S-chlllhans überführt, das für die An'fwahme der Elterulolsen in allen seinen Teilen hergerichtet und zur Verfügung gestellt w-ordew war. Mir die »Stimlmn-ltg in Lemberg ist es bezeichnend, daß das dortige Generakkom- -nl,an»do -sei»ne B»e»ihi»llfe für eine zwecknläßiae Aufnähme der Kin»der in- Humanster Verleitiwilllgkeit gewährt hat; es »hat alls dem Militärischen- Depot 120 Matratzen, 120 Decken und 120 K-opskissen zur Vei sügn-ng gestellt, so daß für die Kin >der in dieser Beziehung allsgeOichnet gesorgt war. Die Fahrt der Pserdehaihulwagen- -init den Kin»dern durch die Stadt gestaltete sich zu einein wahren Triil,li,phzug. Die Vevölkerltng brachte den Kleiwcn O»vationen itn-ö als die Kinder im Schnlhau»se ankanlen, »fand eine Bewirtung mit Tee n-nd »leichten Speisen statt, während die Bevölkernug noch irn-nler vor dem Hanse st-alld und ihrer Sympathie »fiir die Opfer der Pogrome Ausdruck gab. Biel fach brachte Ulan auch allerlei Gaben für die K-irrder, die aber ausnahmslos zurückgewiesell werden lwußten, -mit A»u.sua>hme der Geldspen'den. Sie w!n»r»d»e-n angeno»m!m!e»rr, da auf diese Weise das ziMinistige Los der Kinder erleichtert werden kawli. Es ist dah-ei zu bemerken, daß anch ein großer Teil der christlichell BevöKeruug Lembergs Ge-k»dspeu,deu für-- die Kinder herge»g>e>beu hat. dlls Au-sdntck der Stimmllng der geisa-nlten Bevölkerung kann es endlich betrachtet werden, daß' der »d-ortliiM -Sta.^rat einistimmig 300 K für die KiN'der be-lvittig'te und eine scharfe »Resolutionder »Entrü»st-u»ng gegen die Urheber der Pogrome annahm. >Na»ch einerg»rt verbrachteu Na-cht wurden die Kinder a»rn folgenden Tage »w-iede,rlllm in z»wecke»nt- -spre-chelidster Weise verpslegt nudnunmehr begann für die anwesen»den zugereisten K'PmMemitglieder nud für die he-iinischen Hillfslkräfte, diesich in -awfopsernidst-cr Weise z-ldr >Verfü»g»n-n»g -gestellt hatten, eine auß-erordentlich schwierige Tätigkeit. Die Kinder nl,n!ßle»n dlirch aulweisen»de 'A»e»rzte, die für »deu Zweck freiwillig a-rbe-it»ete»ll, au sdas sorgfülti-g!ste aus ihren G.o'fllwd!heitszust-au»d nu»te>r>sucht werdell. »Die »lwn'ßteu g-ese-lid-ert w-erdeu, u-lld e»s waren Tispositioneu zu treffen, für die Unterbringung der Klein»c»n, elltsprecheu»d deu Bedingungen, die ifür ihre Au'fnaHlne von Privaten, von Veveinerr und »v»o-n den großen jüdischen Orga»n»ilsatiowen an den verschieden»en Orten und insbesondere von »Engl-a,n»d n»nd A-m»eri»ka gestellt ivordew -waren. Diese Arbeit wird in Lelmberg noch eillige Tage 'iw Zlnispruch llehm-en, da sie mit größter Vorsicht, -wmnikit au-sgedrückten Wiünlschen entsprechen zu kön»nen, ansgeführt werden muß. Es -lverden dabei aber auch »ga'liz besvn»ders die Interessen der Kinder selbst zri berücksichtigen fein. Es nulß versucht werden,, Geschwister in!den,seGen Jnstitluten» -oder iv»eni-gste-llS in» der selben Sl-adt illlterziibringen, n-lld es m»llß auch in lüücksicht gezogen- 'lverdeu, daß bestimmte Anlagenzu einer gewissen Tätigkeit, die sich bei dell älteren Kin-derll bereits gezeigt haben, in zweckentsprechender Weise w »iier ausgebildet »lverden können. Ganz -setbstverstälMich ist es dabei, daß die K'in»der ihrem definitiven Bestim!lllil»llgs»vrte erst dallll zngeführt lv-erdell, iv-cnii nach »sorgfältigster ärztlicher Bevbachrnng Beden»kell in b.izug aus den Gesnildheitszllstnlld der Schützkilllge absolut ll-icht luehr bestehen. ES braucht nicht n-vchmals her vor geh oben zll lverden, daß diese »mehr alS hundert Kirrder lricht die gefaulte Zahl der Waisell darstelllen, denen durch die Pogrome eill so entsetzl-iches Schicksal bereitet ivorden ist. Bielisach habensich die russischen Berwa»wdte!ll von den verwaiste ll Kindern nicht trcnilen lvvllen, viellfach ivar es auch möglich, die Kinder in rn-ffischeli Anstalten unterztt'bringen. Nur darrn, wenu uu-ter -Berücksichtigung aller Uurställde die Fvrtführn»iig der Kiltde-r. als daS Geeignetste erftheinell mußte, ivlirden sie in die Transporte ausgelluninven, und auch so beträgt die Zahl .V'lselbell über — 100. Die Grvs'loge fiir Delitschlaud, in diesem Fall iusbesv-ndore der Delegierte »der selbe ll, Herr Berget, Fräulein Pappenheiln ans F-rankfurt und Herr Dr. Kahn vom Zentralberichksbnrean des HilsSvereins der Dentscherl Fn-den soune Herr Feillberg ans St. PeterSblirg als »Vertreter aller grvßell lll Betracht kolnilnendell- Organlsakionen, haben nach ailßerordewtkich m-ithevollen und lan-

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