Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 56 (3.8.1906)
- Date
- 1906-08-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nationalzerkmtz Nr. 56 iU'u <'oiiU'ücitcn öcit crstell Teil eines schwierigen numnnilürcn Hilfswertes in erfreulicherweise zum Abschlnsz gebracht. Sie konnten ihr Work nur lösen, indem sie bereitwillige UnterstntznnÄ bei edlen GlaubensMNvssen in den verschiedensten Teilen Englands fanden. Ter zweite Teil der Aufgabe, der nun noch l-nter der bewährten Leitung der genannten Persönlichkeiten zu lösen bleibt, ist die Unterbringung der Kinder in ihrer neuen Heimat, in der ihnen hoffenllich nach den entsetzlichen Erfahrungen ihrer Jugend eine bessere Zukunft blühen wird. Wir zweifeln nicht daran, daß die Opscrwilliglcit unserer Glaubensgenossen nicht Nachlassen w'ird und daß es möglich fein wird — sollten sich hier nnd dort Schwierigkeiten ergeben — die Kinder doch ausnahmslos in bester Weise unterznbringen. Tie Anmeldungen, die bei Fräulein Pappenheim, der Vorsitzenden der sämtlichen jüdischen Frauen vereitle Deutschlands, sowie bei der Großloge für Tenrschland und beim Hilfsverein der Teutfchen Inden in V'er'vollstäiMgnn'a der Londoner Bereinbarllngell eingelanscn sind, lassen es rlichr zweifelhaft erscheinen, daß, so weit es in menschlicher Macht steht, die Kinder einer helleren Zutun st ciltgegengesrihrt werden. Vermischte Nachrichten. Diplomatische Intervention für die rusllscheu Juden. Wien, 30. Juli. Es ist gemeldet worden, daß wenige Tage nach den Ereignissenvon Bialystok seitens des Vorstandes der Wiene-r israelitischen Kultus gemeinde im Vereme mit dem Vorstände der israelitischem Allianz an den Minister des Aeußern Grafen Goluchowski eine Eingabe gerichtet würbe, in. welcher die Bitte rmr einen gemeinsamen. Schrill der Mächte in Petersburg exneue-rt wird. Heute liegt uns der Wortlaut dieser Eingabe vor. Sie lautet: Ew. Exzellenz l Vor wenigen Monaten, im Dezember 1905, haben unter Führung des Vorstandes der israelitischen! Kultus-gemeinde in Wien Vertreter von 427 Kullusgemeinden Oesterreichs in tiefer' berechtigt er Sorge um ihre unglücklichen Glaubensgenossen in Rußland an Ew. Exzellenz die Bitte gerichtet, gemeinsammit Repräsentanten anderer Mächte an die russische Regierung die Mahnung richten zu wollen, daß diese den seit Jahren- und Jahrzehnten sich wiederholenden Pogroms, bei welchen. Tausende und Tausende unserer Glaubensbrüder organisierten Mvrderbanden schutzlos preisgegcben werden, endlich Einhalt gebiete. Tie Erregung, welche solche Vorgänge in, Kischenew, Hömel, Schitomir, Kiew und anderen Orten in der ganzen gesitteten Welt hervorriefen, ist noch! nicht gewichen, unr> wieder dringt zu uns die Künde vonneuengrau sauren Verfolgungen. Roch vernohinen wir täglich und stündlich das Wehklagen der aus Rußland flüchtenden- Opfer früherer Exzesse, un-5' schon schließen sich ihnen die in gleich nmnhafter Bedrängnis zu Bettlern gewordenen Hinterbliebenen der jüngst in Bialystok Ermordeten an. Tie Exzesse sind um so nichtswürdiger, gefährlicher und empörender, als deren Vorbereitung und Tu-rchführung allen bei uns einlaufendeu Nachrichten zufolge geradezu ans die Urheberschaft n-nd die tätige Mitwirkung der kaiserlich russischen Regiemmg, nämlich jener öffentlichen Autoritäten-, welche die Negierung zu repräsentieren, berufen sind, Hinweisen. Einige Zeit vorher ist der Ausbruch des Pogroms an dein betreffenden Ort aller Welt Vebekamll. Ten bedrohten- Inden, welche kompetenten Ortes rnn Schulz bitten wird derselbe verweigert; dort, wo sie sich als Abwehr organisieren, werden sie von den Behörden zwangsweise entwaffnet. Polizei und Militär nehmen-eine Haltung ein, welche nicht nur nicht als Abwehr, sondern vielmehr als Unterstübring der Räuber unö Mörder erscheint. Amtspersonen, Polizeimeister, Offiziere, Generale, Befehlshaber, Gouverneure, lvelche jene Exzesse unterstützen, werben seitens der kaiserlich russischen Negierung nicht znr Verantwortung gezogen, ja sogar, ivie die Künde geht, nicht selten befördert. Tie Mörderbanderr der Hooligans geberden sich, als ob sie eine anerkannt kaiserlich russische Negierungsinstitution wären. Elv. Exzellenz! Angesichts dieser erschütternden Ereignisse wiederholen wir unsere Bitte um Intervention der hohen k. u. k. Regierting, bitten wir dringend, daß dieselbe im Vereine mit anderen Mächten ihrengewichtigen Einfluß geltend mache, daß Rußland dem Bandenunwesen, welchemes im Vereine mit. Oesterreich-Ungarn in anderen Staaten erfolgreich zu steuern bemüht ist, doch endlich im eigenen Lande ernstlich entgegentrete. Tie enge Freundschaft, welche nach der vor wenigen Tagen verkündetenallerhöchsten Thronrede Oesterretch-Ungarn mit deni- -russischen' Reiche verbindet, und das nach einem Ausspruche Ew. Exzellenz 31t einer erfreulichen Intimität sich verdichtende Verhältnis zmn russischen Rächbarreiche könnencs nicht als unberufene Einmischung erscheinen lassen, wenn die _ hohe k. u. k. Regierung den Gebotender Menschlichkeit und deren- Gesittung folgend ihre mahnen,de Und warnende Stimme erhebt. Für den Vorstand der israelitischen- Allianz zu Wien: David R. v. G u t m a n n, Präses! T-er Vorstand der israelitischen Kuiltusgcme-inde Wien: Tr. Alfred Stern, Präses; Tr. Lieb c ir, Sekretär. Kundmachnng -betreffend die Aufnahme in die Brldungsan-stalt für israel. Reli-gionslehrer an Volks- und Bü-rgerfchuieu. Tie zufolge Beschlusses des Vorstandes der Wiener israel. KuttusgsmeiNde zu errichtende Retigi-vnsKhrelibildungsanfta>lt wird im Schuljahre 1906/07 aktiviert werden. -Die Anstalt wird ans einer Klasse mit Vierjährigem Lehvkurse besteihen. -T'.ie Bedingungen der Aufnahme sind aus den nachstehenden 8 0, 10, 11 des Organisatronsst-atutes ersichtlich-: 8 9. Blei der Aufnahme werden Be-merder, die zumindest die vier erstell Klassen einer Mittelschnle mit Erfolg absolviert haben, bevorzugt. Es können jedoch auch solche B-eiwerbe-r ainsgen-mn-nlien werden, die eine- Bürgerschule Wik gintem Erfolge absolviert -haben oder eine anderweitig evworbene entsprechende -Vorbildung nachweiftn. Die Bewerber nm Aüfn-ah-m-e in den erstell Jahrgang müssen das 11. Lebensjahr z-nrlict gelegt haben, körperlich nnd geistig gesund mrd in ihrem sittlich religiösen Lebenswandel unbescholten fein. 8 10. Das Anlsnchen uni Aufnahme mus; durch die gesetzlich^ Vertretung des Bewerbers erfolgen. Tie- Bewerber haben beiznbringell: 1. Geburtsschein und HeimatAscheili; 2. das zuletzt erwovbene Schulze uguis: 3. das vvli einem dlmtsarzte ausgestellte Gc- 'sundhe itsgeillg n-is und 1. ein Zeugnis über ihren -sittlich religiösen Lebenswandel. 8 11. T-ie Bewerber haben sich einer Aufnahms- Prüfung zu llnterziehell. Ueber die Zulassung zn de-rselben entscheidet das Kuratorium. Bei der Prüfung haben die Bewerber nachzu-meisen: 1. im He-bräi-schen: vollkv-lilmene Fertigkeit im korrekten lind gelänfige-n Legen und die Fähigkeit, leichtere -Abschnitte aus dem Pentateuch und dein Gedeih uche zu i'M'rsetzcn,' 2. ill allen übrigell.Fächern: die dell Lehrau-sgaben der vier luiteren Mittel-srhultlassüi, be-ztehüllgswei-se der Wi-rgerschule, elllsprechenden -Kelinttlisse. Sv,weit letztere alls dem. vorliegelwen Zeugnisse ersichtlich sind, länn bei Mittelschülerrl vor einer allgMv'inelr Prüisung abgesehen rverden. Eine Befreilllig voll der schrifttichml PMung ans -der Unterrichts,spräche und der lrüündlichen alls Netigi-olr findet jedoch in keilieln Falle statt. 'T-ie Gesll-che nun Ali-fnKhiile sinsd an das K-uratorinnl der Vildungsaii-stalt für israel. Neligivnslehrer, Wüli> 1. Bez., Teitelllstetkengasse 4, bis spätestens 19, Septe m b e r 1006 zll überreiclien. Das Kuratorinm. Ein jüdisches Vcreinshaus in Wien. Seit dem 1.^ d. Rc. besitzt die jüvischc Bevölkerung der westlichen- Bezi-rke Wiens eiltntü allem Ko-mfort eingerichtetes jüvisches- Vereinshaus. Es ist dies das Haus llcr. 21 der Herklotzgasse.- im 15. Bezirke. Wie sehr vieles, was mif jüdisch-humaultärem Gebiete lu diesem Stadtteil in den, _ letzten Jahren geschaffen wm'de, ist auchdiese neue! Jnft-itutiou. der eifrigeln^iillinte'rnmde'U- und umsichtigen Tätigkeit der- Fabr-ikaiitensga-llin Frau. Leopo-lb L a nde i s^zu danken. Das Haus, wA-ches tirsprün-glich Fran L a nb ei s erworben hatte, ist un!nmchu in? den Besitz des „Vereines zur Ausspeisung armer is-t-aelitisch-er Schnlkinber des 52., Pst, 14. und 16. Bezirkes, dessen Präsidentin Frau- Land,eis ist, ii-bergegaii-geli. Außer diese Mi Be-rciil-e ivivd das jüdische Vereliushaus auch die Fünfhaüfar. Sektion des vollder Bnai Lrith ins Leben gerufenen „Veveines zur Errichtuing! und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder" mrd den „Turnverein „Zion" in Füu sh aus" bcherbeuge-n. Tiefeierliche Einweihting des jüdischen- Vercinshallses Wird detu-n-ächst stallsUnden. Ein u-ähe-re Leschveibullg der Lokalitäten folgt in eitler der nächsten .Nummern. Frankfurt a. M. (Befi-ndendes Oberrabbiil-ers Schreiber.) Wie uns aus Frankfurt berichitet wi'rd, ist in dem Befindendes zur Ku-r dort weil-enden Preßbupger Oberrabbiners S ch x eibe r eine erfreuliche Bessernn-g eingetreten. Die gesamte Jlibeu-h-eit wird diese Rach-richt gewiß mit Freuden begrüß-eit. Ter Kaiserliche Hof in Reichenberg. Währe nd d>es Atlfeuthaltes S-r. Majestät des Kaisers wurde das für die Hofhaltting beltötigte Gebäck mir aus der Musterbäckerei in der Ausstellung bezogen. Auch S-e. k. k. Ho-h-eit der Erzh-erz-og Ferditiand- Karl äußerte sich über das ihm in-, d-er Ausstellung gereichte Eeves- G-ebäck sehr lobend. In der Mtl-sterbäckevei' der Reicheubergier Ausstelltl'u-g wiivd als einziges und bestes Pfla-nzeitfell nur C-eres- Sp-e-isefett (aus Kokosnüssen) mit bestem Erfolge verwendet. Bonner kenswort ist, daß „Ceres" das einzige Kokosspe-isefett ist, das in d-er eigenen- Fabrik ans der Kokosnuß selbst gepreßt wind, wodurch die größte Garantie für reruliche Herftellung it-n'-b feinste Qualität geboten wird. Eingesendet. •lballaolie» lil Heinrich Neugebauer ___ vormals MolnAr Wien, @9" Optiker -ML I. Schottengasse 8, Mbaus SchotteaNäg. 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