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Nationalzeitung · 1906-08-03 · Heft 56 (3.8.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 56 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Lilienbrunngaffe 19. Heinrich Groß. Wien, Kutscher, i7.Bez., Lacknergasse 15. Dr. Albert Friedmann, Wien, Arzt, 8. Bez., Laudongasse 37, Alfred Gallitzenstein Wien, Bankbeamter, 1. Bez, Schotrenrtng 15. Gustav Bloch, Wien, Handelsangestellcer, 1. Bez., Börsegasse 7. Hugo Popper, Alsistent im Politechnikum in Göthen (Herzogtum Anhalt). John Rudolf Hitschmann, Leipä (Böhmen) Jurist, 8. Bez., Neudeggergasse 16. Isidor Leopold Schorstern, Stockerau, Privatier, 1. Bez., Kärntnerstraße 34. Malvine Preßburger, Koritschau (Mähren), Private, 13. Bez., Penzingerstr. 64. Leo Engelsmann, Wien, Jngenreur, 1. Bez., Franz Josefs-Kai 25. Ella Lob (geborene Friedrich), Wien, 9. Bez., Althanplatz 4. Richard Sorer, Brünn, errvcl. zur., 13. Bezirk, Braunschweiggasse 5. Agnes NaivraUl (geborene eldmann), Belic (Böhmen), Buchhalterin, 4. Bez., tarhemberggasse 7. An on Hörth, Oberstockstall (Bez. Tulln), Schlossergehilfe, 5. Bez., Siebenbrunnengasse 48. Hugo Fischl, Wottiz (Böhmen), 5. Bez., Wienstraße 18. Eugenie Feuchtman (geb. Brüll), Bielrtz, Jnspektorswitwe, 3. Bez, Krieglergasse 11. JsaakJaslowsky, Gelisabethgrad (Rußland), 2. Bez., Ob. Augartenstraße 2. Ernestine Grünwald, Popudin (Ungarn) Weißnäherin, 21. Bez Bismarckplatz 18. Gerson Burghauser, Neumamajestie (Bukowina), Schneidergehilfe. 20. Bez. Rauscherstraße 15. Berta Wetzler, Private, 21. Bez., Stadlau, Ziegelofengasse 111. Sigmund Diamant, Wien, 18. Bez. Schumanngasse 38. Adele Weiß, Memes Kürth (Ungarn), Private, 9. Bez. Sobjeskygasse 5. Hermann Haas, Varin (Ungarn), Anstreichermeister, 2. Bez. Große Sperlgasse 8. Theresa Fried, Konstantinopel, Private, 9. Lazarethgasse 18. Anna Margulies (geb. Brandeis), Prag. 4. Bez. Technikergasse 5. Chaim Leiser vel Kamillo Rosenzweig, Czernowitz (Bukowina), 6. Bez., Relkeng. 8. Ferdinand Schwarz, Wien, (röm. Kath.), Austritt in Tischnowitz. Adolf Gerstl, Prag, Pivalbeamter (dz. Berlin), Frischenstraße 10. Mary Anna Götz, Wien. Jda Deutsch (geb. Neumann), Budapest, Schriftstellersgattin, 9. Bez., Sechsschimmelgasse 23. Paul Hirschler, St. Beit, Kunsthändler, 9. Bez., Seegasse 4. Alfred Deutsch, Wien, Schriftsteller, 9. Bez., Sechsschimmelgasse 23. Amalia Straffer, Hirschstetten, Handarbeiterin, 21. Bezirk, Leopoldserstelgaffe 10. Malvine Chiavacci (geborene Perlsee), Wien, Schriststellersgattin, 9. Bez, Eisengaffe 9a. Dr. Siegfried Jritzer, Preßburg, Malzfabrikant, I.Bez., Canovagasse?. Frl. Gisela Pollak, Wien, Modistin, 1. Bez., Kärntnerstraße 17. Emil Delej, Budapest, Opernsänger, 4. Bez., Frankenberggasse 5. Heinrich Hirschler, Wien, Ziseleur, 9. Bez., Seegasse 4. Oskar Fröhlich, Fabriksbeamter, 9. Bez, Servitengaffe 14. Robert Neuda, Wien, Privatbeamter, 9. Bez., Peregringasse 1. Siegfried Baranek, Wien, Hörer der Rechte, 3. Bez., Pfefferhofgasse 6. Ilse Rosa Weiß (geb. Falkenheim), Königsberg (Ostpreußen), Kausmannsgattin, I.Bez., Falkestr. 6. Georg Weiß, Wien, Kaufmann, 1. Bez, Falkestr. 6. Erwin Altschul Leipa (Böhmen), Chemiker, 9. Bez., Berggasse 27. Zusammen 144. Der Zionismus in Rußland. (Ein Situationsbericht.) Ueber den heutigen Stand der zionistischen Organisation in Rußland gibt das nachfolgende Zirkular der zionistischen Leitung des O d e ssae r Rayons ein anschauliches Bild: „Die zionistische Organisation macht jetzt eine neue Krisis durch, welche sehr schwer zu Kopftücher haben die Frauen übergeschlagen, und häufig geschieht es, daß mein künstliche Scheitel an ihnen sieht, weil eilt Gesetz ihrer Religion den- Ehegatten verbietet, Die Zier Der eigenen Flechten zu. tragen. Auch ihre Stimmen sind für das geübte Ohr anders als dir ihrer christlichen Nachbarn; keine harten, festen Stimmen, sondern meist nachgiebige, tveich klingende Organe, in denen eine gewisse Musik sich leise verbirgt. Sie teilen mit ihrer Umgebung die Armut, aber sie haben elue eigene Methode, sich in der Arnnit abzurackern. Zum lauten Hallo, zum lärmenden Umsichschlag.n des Proletariers kommt es selten bei ihnen. Ihr Leben ist ein Unalücklichsein im stillen Seufzen, im verbissenen Fluchen, im quäkenden Sehnen. Fremdes Blut sickert in den Bewohnern des Berliner Ghettos, die aus Oesterreichisch^ und Russisch-Polen ciugewandcrt sind. Sie hänselt Tür au Tür mit dem deutschen Nachbarn. So ist es kein Wunder, daß die Kinder mit jugendlicher Schnelligkeit die Gewohnheiten der neuen Heimat annehmen. Die Alten können oft in westlichen Lettern nur stümperhaft leien und schreiben. Mit konservativem Bewusstsein sehen sie in tvestlicher BilDung zwar ein nützliches Mittel im Kamme ums Dasein, aber einen gefährdeten Schädling anch, der imstande ist, bei ihren Kindern die Anhänglichkeit an den rituellen Glauben ihrer Väter zu untergraben, und Trauer erfüllt sie, wenn ihre Kinder ganz mit den Gelvohnheiten der Umgebung verschmelzen. Die schwersten Familieuzerwürfuisse sind schon Nationalzettung ertragen sein wird. Zwei Drittel der Organisation entbehrt jeder lebendigen Arbeit. Trotzdem besteht nur für die Organisation die Gefahr des vollständigen Zerfalles, aber nicht für die Bewegung: In den Volksmassen ist eine verstärkte zionistische Stimmung fühlbar. Wenngleich die zionistischen Vereine sich nacheinander auflöseu, so bleibt die große Masse doch treu unserem Ideal, und wartet nur auf ein lebendiges Wort, das geeignet ist, sie zur Arbeit aufzumuntern. Dieser kritische Zustand wurde durch verschiedene Ursachen herbeigeführt. Die Mittelklasse hat während der Jahre, da der politische Zionismus en vogue war, in dem Glauben gelebt, daß das zionistische Ideal in kurzer Zeit werde durchgeführt werden können. Als aber dasLeben ihnen bewies, daß der Zionismus viel Mühe und Opfer erfordere, da begannen die schwachmütigen Anhänger allmählich von der Organisation abzufallen. Fast in allen unseren Vereinen ist nur die Jugend zurückgeblieben, welche an unser Ideal unerschütterlich glaubt, vor gar keinen Schwierigkeiten und Hindernissen zurückschreckt, und bereit ist, die Opfer zu bringen, welche man von ihr fordert. Die selbstbewußte Jugend vereinigt sich in Gruppen der „Zeire-Zion", „Hatschijah", „Jung-Juda", „Poale-Zion" usw. Außer der angeführten Ursache, welche in der Entwicklung unserer Idee liegt, bilden auch die politischen und ökonomischen Bedingungen, unter welchen wir seit nunmehr drei Jahren leben, einen Grund für den Verfall unserer Organisation. Der Krieg, die Revolution, die Repressalien, Streiks und Pogrome, welche wie ein Sturm durch unser Ansiedlungsgebiet dahinbrausien, hatten Armut und Not unseren Massen zur Folge. Der Hunger und der lähmende Schrecken verursachten eine unorganisierte Emigration. Unter solchen Umständen ist die Führung einer organisierten Arbeit in der Regel unmöglich. Zieht man nun das große Interesse, welches der gegenwärtige historische Moment bei uns wachruft, einerseits und andrerseits den Kriegszustand in Betracht, in welchem sich unser Ansiedlungsgebiet gegenwärtig befindet, und welcher eine Propaganda und Veranstaltung von Versammlungen unmöglich macht, so werden wir es begreifen, weshalb unsere Organisation in letzter Zeit so viel gelitten hat. Und endlich gibt es einen dritten Umstand, dem wir die Schwächung unserer Organisation zu verdanken haben, das ist die zu große Spaltung in verschiedene Parteiungen. Die zu starke Zerbröcklung in verschiedene Pavteirichtungen führt zu Krieg und Haß zwischen den einzelnen Vereinen und schwächt die Gesamtorganisation. Im Odessaer Rayon aus Grund derartiger langsam fortschreitender Gegensätze erwachsen, Gegensätze, zu deren richtigem Verständnis mau Herz und Ohr haben muß. um sie nicht als Ausgeburt einer heimailosen- Volt'smasse zu verwiüffchen. Dean die Heimatlosigkeit ist das Gefühl der Ghetiobewohner, die auf deutschem Boden die Werkelfrönmnakeit ihres Glaubens gefährdet wähnen. Aber auch ein anderer Menschenschlag lebt unter ihnen, der oben ivegen seiner Heimatlosigkeit mit allen Kräften arbeitet, seit in dein Zusluchtslaude einzmvnrzeln. Das find Tag und Nacht rastlose Genies der Arbeit, Männer nnd Frauen, die Erniedrigung auf sich nehmen, Schlaflosigkeit nnd unglaubliche Entbehrungen, und die Groschen auf Groschen legen, um nnr weiterzukommen. Und sie kommen! weiter. Sie erscheinen den Konservativen wie Abtrünnige. Sie kümmern sich nicht um dergleichen Vvrwürse, sondern streb.'n mit allen Mitteln danach, in das soziale (Gefüge des deutschen Mittelstandes ganz sich einzureihen. Ans der Mitte solcher Eriffennn geht dann eine zweite Generation hervor, die schon mehr ins Zentrum der behaglichen Bürgerlichkeit drängt, die zu Berufen gelangt, die nur den Intellektuellen offen stehen. Gro'ßkanslente, Künstler mit Weltrnhin, berühmte Schriftsteller! und Publizisten sind im Berliner Ghetto geboren. Jüdische Schwachsimttgenfürsvrge in Deutschland. Bekanntlich hat der Deutsche Israelitische Gemeindebund anläßlich der slldir. 56 finden sich Gruppen aller Parteien. Die Hauptströmungen sind die „Bourgeois" und die „Proletarier". Zu den ersten zählen sich die sogenannten allgemeinen Zionisten, zu den letzteren die „P o a l e - Z i o n". Die Jugend wieder hat die Tendenz, sich auf einer gemeinsamen Plattform zu vereinigen. Bezüglich der „Poale-Zion" ist es schwer, ausführliche Mitteilungen zu machen, denn sie halten sich vorläufig weit von unserer Organisation und haben ihre Beziehungen zum Kongresse noch nicht klar festgestellt. Palästina. Die Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Laemel-Schule in Jerusalem. Am 20. Juni waren fünfzig Jahre verstrichen, seitdem die Edler von Laemel-Schule durch Ludwig August Frankl eröffnet wurde. Das Jnbilün-msifest gestattete sich zu einer imposanten Feier, wie sie in Jeruisailem wahrscheinlich nie zuvor gesehen wurde. Die festlich geschmückte Aula war von eineru zahlreichen distinguierten Pustliifitint -bis aus den letzten Platz gesiM. Die repräsentative Versaünwku-u-g umfaßte Vertreter des Nabbinakes, der verschiedenen jüdischen Geineindeu nnd Justitlltionen, sowie Vorstecher UicWübischer An st alten. Aus der Tribüne saßen Rabbiner Chasim Eljaschar als Vertreter seines Vaters, des greisen Chacham Baschi, der vsterreichilsch-ungarische Konsul Ritter von Zephabovich, der den Vorsitz führte, der Kaiserlich,.deu«sche Konsul Doktor Schmidt, der Direktor mit &eu gegenwärtigen und den ehemaligen Lehrern dei' Schule. Durch ein für die Gelegenheit von dem bekannten hebräischen Schriftsteller Nt. Piu'es, Tal>m>ndlehrer an der Schule, gedichtetes Festlied wurde die akademische Feier eingeleitet. Dabaius folgte ein Bortrag des Herrn Rabbiners Ehasim Elasschar in hebräischer Sprache, welcher, nachdem er die Wohltat hervorhob, welche die Stifterin Elise Herz von Laewel der heiligen Stadt erwiesen hat, ausführte: Die überaus erfreuliche Entwicklung danke aber die Schule den Bemlühnngen der vereinten Verwaltung in Frankfurt a. M. nud in Wien, an deren Spitze Männer wie Rabbiner Dir. Horovitz, der uuerluiiidliche Gesch-üstAsührer Alfred Geiger luud der frebdig wohltätige Schatzmeisteir -Henry Seliglnauu stehen, und nicht zum wenigsten der hingebenden Tätigkeit deö Leiters und des Lehrerkollegiums der Schule. Herr Rabbiner Elsaschar nahm auch Gelegenheit, der Tätigkeit des „Hilssvereins der Deutschen Juden" in Palästina zu gedenken, dein daö heilige Land bereits für so manche segensreiche Gründung so viel Dank schuldet, und dessen Institutionell in ihrem Verhältnis zur LaenM-Schule „einem Banme gleichen, gebernen Hochzeit dos Deutschen Kaiserpaares behufs Errichtung einer Fürsorgennifticilt für jüdische Schwachsinnige eine größere Stiftung beschlossen. Die soeben! erschienenen Mitteilungen Nr. 06 vom DeutschJsraotitischen .Gemeindebunde berichtion über die seit dem 10. Geineindetnge aufgeweiweten Bemühungen, Fürsorge für die jüdischen Schwachsinnigen zu üben. Durch eine Enquete ist das Material ergänzt worden. Zu den schon bekannten 233 jüdischen Insassen christlicher Anstalten sind die Personalien 216 Schwachsinniger, die sich gar keiner Anstaltssürsorge erfreuen, hinzügekonnnen. . Doch ist bas Material infolge der Schwierigkeit, die in Betracht kommenden Kranken in großen Städten! zu ermitteln, noch immer unvollständig. Von sachverständiger Seite wird allein die Zahl der jüdischen schwachsinnigen Schulkinder ans über 600 veranschlagt. Ausnahme für Die geplante jiidische Anstalt wird für -W schulpflichtige und für 22 j ältere beiderlei Geschlechts gewünscht. Die An-- slall soll auf Dem von Der Stadtgeineiude Beelitz gescheiiikteu^ WalDtermiu' zunächst für 40 jugendliche Personen errichtet werben. Der Ban einschließlich der inneren^ Einrichlting ist ans! 00.000 Mark veranschlagt. Von dieser Summe ist bis jtzt Die Hälfte von seilen der Gemeinden und einzelner Gönner zur Verfügung gestellt. Für den Herbst ist eine Sammlung ztir Beschaffung des Nestes der Vansmnme geplant.

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