Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 56 (3.8.1906)
- Date
- 1906-08-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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iXr. 56 Natvonalzeitung Seite 3 kiomiuenbegriffen uni) Die breiteste Grundlage der Wahlen zur Hauptbedingung für die Lebensfähigkeit politischer Organisationen erhoben. Namentlich in Oesterreich-llnga-rn! vereinigten. sich Kaiser nnD Volk, um einen rutsche iDenDen Mampf gegen Die hie un-D Da noch anfuetenDen rückschrittlichen Zluschannngenm führen. Diese Erwägungen alleiiv dürften genügen, bvc Schntzmauorn Der Wiener KulLnsgiemem-de zum Fallen: zu: briu-gerr. Es Ntüßle dem. jüDischen Volke iir Wien klarer Einblick in die Angelegenheiten der KultnsgemeinDe gewährt tverden, Die 'bisher von seiten deserstereuals eine Art Geheimkauzlei betrachtet toorDen ist. Tie Wiener Kultusgemein-De kann nicht plus royal que le roi merric im eigentlichen- Sinne des Wortes bleiben. . . Aber noch manches andere verdient von rrn-s beachtet zu werdeir. Wir dürfen nicht vergefsen, Daß die Lande', welche die modernen Tn Den: an. ihr Kultusleben noch knüpfen-, sehr locker gewovDen sind. Nach dieser Richtung hin tannte Da» Prinzip de» allgicntieineu Wahlrechtes Dem Judenkum gar weriveile Dienste ert reisen — Dienste, Die im politischen Leben kaum, von- Belang sein Dürftcin. Der Bürger eilte» Lande» wird inkeinem, Falbe weniger, sou-Dern nur' .geringwertiger Bürger dadurch, daß er kein: Wahlrecht besitzt. Er wird immer sein Land als Vaterland betrachten uni) lieben, seinen Pflichten in bezug auf dasselbe Nachkommen. ja — Nachkommen m i't f | e n. Wie anDcr» ist cs aber bei dem Juden in bezug auf seine- Knltusgenremdc. In mir. vereinzeltem Fällen seines Lebens kommt er mit dieser in Verührung, iiu Fällen, Die für seinen Lebenslauf von so einschlägiger Natur sind (Beerdinitnacn, Trauungen usw.), daß er dabei auf dieihm Hilfe leistende- .gultusgemeinde nur flüchtig achtet. Von den Orthodoxen abgesehen, die unter den- Wahleinschränkungen nicht weniger, vielleicht noch mehr?, leiden, aber nichtsdestoweniger ein Interesse am. Kultus- Wesen bewahrcit!, stehen ganze Schichten, Der jüdischen Bevölkerung den Kuitus-fragen indifferent g,egenüber. Für diese Inden. muß gesorgt werden — das Wahlrecht in der Äultusg-cmeiude könnte vieles in i'h-rier Erinnerung uem beleben, was aus gemerzt zu: sein schien-. Ein frischer Lu-ststroin wird durch! die Emfi'chnlNg des allg-em/eitt-en Wahlrechtes in Die Knltusgcmemde eitt-ziehen!, dessen- Folgen sehr feg-ensreich fein, dürften.. Jchj glarkbe, in denvorstehendM Zeilen die ,Nc0twen'digkeit der neu einzufich-renden Wah-lreforur in der Wiener Kriltnsg-emeinde genügend beleuchtet zn haben.. Was die verfch-iedenen- Vorschläge belnifft, so verfechte ich ' gemäß meinen Ausführungen die breiteste Grundlage der Wahlen, ohne Rücksicht aus die Steuerzahlung. Ich behalte mir vor, in einem zweiten Artikel auf die anDrerfeits in dieser Angelegenheit in Vorschlag gebrachten Riojektc näher einzugehen. Ei» Steuerzahler. Die Affäre Hilsner. Unter dem Titel: „Geh et hi n n n d t n e t d e s g l e i ch e n " fordert M a x N o rd a u in der „Neuen Freien Presse" vom 29. Juli 1906 insbesondere Die österreichischen Inden auf, alle» Daranzufetzeu, um Hilsner» Unschuld zu beweisen unD- Damit die Schmach, der furchtbarsten LeschulDigung von sich abzuwälzen. Wenn sie ihre Pflicht nicht erkennen und nicht tun, rechtfertigen sie die Antisemiten, die sie feig und ehrlosschimpfen.. Hilsner leibet bereits sieben Jahre unschuldig im Kerken. Sein Prozeß, war auch der de» Judentums. Nordauhat recht und abermalsrecht. Seine Worte sind-, wie so oft schon, eine Tat. Wer wird sic aber in bewußte', tatkräftige Handlungen umsetzen? Nordall führt den Para-llelisnms der Fälle Drcyfns und Hilsner bisins- Derakl au». Er vergaß aber zu betonen und bervorzuheben, daß die! Affäre Dreyfus eine politische geworden! ist, weil sich mit ihr die Regierungen, das Parlament und die Presse beschäftigten, daß von ihr prinzipielle politische EntscheiDnn gen ausgingei!.. Mit Hilsner, der für seine individuelle Entartung )dpn genug lüßt, beschäftigte mausich seit seiner Verurteilrurg, ich möchte sagen, nur theoretisch und wissenschaftlich. Hier scheint es nicht, nötig, eine prinzipielle politische E.u-tschei-Dnn-g. zu treffen. Es gab keine Dränger im Parlament, keine in Versammlungen nn-d Zeitungen. Das Temperamentvolle-, die laute moralische Empörung fehlen, die Freunde Hi-lsuers geb-'n nur ilne Karte ab. Zu Taten schritten sie nicht. Daß die Affäre Hilsner llicht ans dem. Stande der doktrinären Betrachtung und Des Bedauerns heransgehoben wurde, hat feine1 Gründein der Lauheit, welche dem österreichischen Judeninfolge der jahrzehntelangen Bevormundung durch absolutistische Kn-ltusvo-rstänDe anhaftet, ferner in der Letsetrete-rei- und „Digloulatie", deren sich die jüdifchm. Führer als Ztusfluß besonderer Klngheit bedien-en, dann in den politischen Vorgängen der letzten. Zeit, die für die politische: und wirtschaftliche Zukunft der Juden fürchten ließen, endlich! weil die österreichischen Politiker die Macht der Antisemiten fürchteten und in der Affäre nicht» sahen, was ihrer eigenen Macht nützen' könnte. Aber e» dürste Doch allch wichtig sein, die leiDcnde Unschuld zu befreien, weil die» ein Gebot der werktätigen Gerechtigkeit ist. die ein Hauptfundameut politischer Gesundheit ist. Daß der Vorwurf eine» Ritual.uo'.De» ein Schwindel ist und eine vergiftete Waffe des zerstö-rendeu Judenhasses bildete, das weiß wohl jeder, der für soziale Interessen Si.ruhat. Er bildet aber eine politische Waffe. Und diese zu zerschmettern ist eine kulturelle und politische NotwenDigkeit. Sie hat bei Kleinbürgern' imkulturell hochstehenden Böhmen gewirkt. Sie wird eine Gefahr, wenn das allgemeine gleiche undgeheime Wahlrecht realisiert wird. Da treten auch Analphabeten, kulturell Minderwertige zur Wahlurne- Dieses Gift, dieser Wahnwitz darf deshalb nicht geduldet werden. Der- Kampf um Hilsuers Befreiung muß sichdeshalbauch auf politischem Gebiete bewegen, abgesehendavon, daß nur das Parlament der Regienmig- Die Nevisio.n des Prozesses auftragen kann. Und in diesem. Kampfe utuß die Taktik der Inden dieselbe sei-ir wie die der- Feinde-: Gewalt, Rsticksichtslosigkeit und Schrecken. Dort, wo die Juden politisch kräftig, und entscheidend sind, haben, sie ihre Macht für Hilsner und für das beschuldigte und verurteilte Judentum'zu verwenden. .Namentlich in. Böhmen und Mähren bei deutschen und tschechischen- Kandidaten. Hilsner hat die P'la-tßorm, für die Stellung der Juden zum Reichsratskaudidaten zri. fein, dennman reißt Damit ein Stück Goluth nieder, man erobert die Wa'hcheit, die ethische Gleichwertigkeitder Juden. Darummeine ich-, sollte dieser Kampf um Hilsuers Befreiung vor allcnt den natiou-alen Judenam Herzen liegen. Es gilt die jüdische Ehre und Würde, die „R e p t ä s e n tanz d -e -r b ö h m i s ch. e n L a nd e s j u d e n - s ch a f t" aber soll den Kampf organisieren, die Mittel zur Aufklärung des- Falles unter dem Volke herbei scha ffen, die Rechtsbetehrrmg veranlassen, die Machtfaktoren gewinnen. In Böhmen wurde durch Hilsne-rs sßcm'kifimg das Juden-tumi veivu-nglimpft, dort soll die Ehrenrettung -geschehen. Tie Repräsentanz wirb' -eine Tat vollführen, wenn sie im- Voreine.mit den nationalen Juden zmi Rettung der jüdischen. Ehre auf den Plan tritt, mutvoll und frei. Dr. S. Kr. Austritte aus drmIudrutum in Mir« vom 18. April bis 20. Juni 1906. Erwm Mrkolasch, Wi-en (zur röm. kath. Kirche). Melita Beweis, Wien, 2. Bez., Ob. Donaustr. 89. Simon Kuhn, Wien, Tischlermeister, 2. Bezirk, Zwietracht, die wir nicht recht begreifen können. Wenn die wenigen mangelhaften Worte, die ich heute hier gesprochm Habe, uur irgeudrvie dazu beitragen, daß Sie diese Aiigelegeiihest genreiiisam beraten und daß wir iiichts mehr vorr diesen Zwistigkeiten vernehmeii, dann ftmucu Sie sicher darauf zähleii, daß die gesamte amerikaiüsche Jndenheit Jhneir in jeder Beziehmig beisteheil wird. Wir möchteir rricht mißverstairdeir werderr. Wir haben iiichts dagegen, daß uiisere armen Glaiibeiisbrüder zu uns flüchteii. Wir sind von der Tatsache boeüiflußt, daß die Einwandermig verderblich werden könne für uiis, die wir weiter vorgeschritten sind als unsere armen russischeii Judoii. /Es ist keiiw Spilr vorr Selbstsucht in uns. Wenn wir Antlseiiiltlsniils Hervorrufen sollteii, so sind wir bereit, ihm zu trotjen urid ihii zu bekämpfeii. Wir fürchten rciis iricht; Aiigst ist nicht der Gnuid, ivanim wir Sie bitten, die Einwanderung tu unfer Land zu hemmen. Die, ivelche aus eigeneur Antrieb kommen — mögen sie nur kommen, sie haben ein Recht dazu! Aber wir bitten Sie, die Auswanderung einzudämmert zugitnsten der in den letzten zehrt Jahren bereits Eiugeivanderten, für die eine weitere Einwartdermtg mtheilvoll wäre. Eine Immigration sollte daher unterbteiben, bis eine Verteilung der Eutwanderer tn verschiedene Länder vorgenommen werden kottute. Aeußere Ursachen fbnnen diese Verteilung beeinflussen. Irr den letzten fünf Jahren hat das Dispersiottskonütce 24.000 Mettscheit versandt. Dies ist an sich keine bedeutendeZabl.AberdteVerteilung vollzieht sich auch ohne äußere Mithilfe. Die Eittwattderer, die herübergekommeu sind, um ihre Lebensbedingungctt zu verbessern, sehett sich vor der Notwendigkeit, nach dem Westetr zu wandern, und daher war bisher die Verteilttng eine viel größere als dies tuttuerisch der Fall zu sein schiett. Aber die riesenhafte Anhäufttng ist natürlich noch immer vorhanden. Dies macht mtsere Attsschan ttach tteuen Kolonisatiottsplätzen notwettdig, wo die Zukttttft der Enttgranten nicht bedroht ist. Es ist dies von äußerster Wichtigkeit. Der müde Wanderer, der, an seinen Pilgerstab gelehnt, der Verfolgung entflieht — der Jude — ist schon die lättgste Zeit ein Märtyrer gewesen. Wetttr' tvir uns belehrett lassen votr dem Antlitz dieses müden, verfalletteu und leidettden Wanderers und ihm ein Land zeigen, in welches er flüchtet: kann, dann wird er setttes Pilgerstabes entraten können. Ob dies nun Kolonisation oder Selbstregierung oder Zion hieße, ist unwesentlich, wenn wir nur erst den Platz haben, wo er seit: müdes Haupt hittbettetr kann, das ist die Hauptsache! Huntes Feuilleton. Tos Berliner Ghetto. Das Berliner Ghetto, die im Zentrum Dev Rst'ichshauptstadt gelegen^ Kulturiiifel, die zum größten Teile gekeilt ist tu- Das berüchtigte Scheunckn-vtertel, hat jeder noch mit iu-nerlichem Beben durchmanden. Wen der Beruf an Diese Stätte führte, Den Armenpfloger, den Arzt, man hörte sie klagen über die Seltsamkeit Des Ortes und der Menschen. Ter Geist Des Ghetto lebt in Der Grenadier^ und- Atualionstraße, irr dev Schendelgasse nurd in jenen baufälligen Häusertt', die im nächstetk Umkreis dieser Gegend liegen-. Die Sonne" trifft hier auf schmutziges Pflaster unDauf Menschen, denen Not, Verbitterung und Scheu) vor DemweitgreifetrDeu Leben ins Gesicht geschrieben ist. Sie untevscheiden sich schon ätißerlich von ihren attbersglätlbigen Nfttbelvohuern. Nicht hastig und schlairkerubgehen sie ttach Der einfachen Manier des einfachen- Mannes. Etlv-as Nachdenkliches! liegt in ihren Schritten, eine Müdigkeit, die in fremden Zonen ihren Ursprung hat. KRCBS-rtPOTUCKC 5. niTTELB/ICH Malyptus-Oel. iSs: ItfiAn I Llnkan MaaLt Ma< ft dere ats stärkend. Mittel bei überanstrengenden Muskel- Wfien, I, nOnör marKl Iir. ö bewegungen, Uärachen, Rad- und Bergtouren. (Palais Sinai im Zentrum der Stadt. * Preis pro FlftSChe I K 5Q h.