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Nationalzeitung · 1906-08-03 · Heft 56 (3.8.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 56 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nationalzeitung Nr, 56 Wahlkreis einem leii De« airafauei Bezirkes ein. Der faft ausschließlich von. Da jüDlscheu Bevölkerung bewohnt wirD. Außer Den sechs Wahlkreisenmit eurer absoluten jüDischen Niehrheit haben wir in Ostgaliziern siechen ftäDtische Wahlkreise, inwelchen Die jü Di sehe Bevölkerung zwar in, Der ÄciuD-erheit ist, wo sie aber eine relative Bk e h r heil iw Vergleiche zur polnischen! unD rutheuischeu Bevölkerung besitzen. Diese Bezirke siuD: 1. Tamopol; 2. Stryj, Kalusz; 3. Brzezany. Rohatyn, BhoDormv, BbzozDowce und LanDgememDeu; 4. scokal, Rawa, Ziolkie'w, Belz, strystynopol, Tartukow. Wielkie oezy, Warensz; 5. Buezacz, Borszezow, Sniatyn, Zaleszezyki, Tlumacz und drei Landgeweinden; 0. Zloezow, Zaliosce, Radziechow, Lopatyu, Podkawieir unD LanDgemeinDen-, 7. Bobrka. ZyDaezow, NozDo-l, Bmsztyu, Bolszowee und LanDgemeinDen. Aus emjigen (?) der obigen Wahlkreise, z. B. aus Stanislau, kommen Ikachvichtcn!, Daß in Diesen- Wahlkreisen suDisehe KanDiDaten nicht (?) austreten werden. Eine solche Erscheinung wäre vollstän-Dig int Einklang mit Den Intentionen unserer Wechlreformkommission. Es war nämlich dmchaus nicht in unserer Intention, von. vornhereln sichere süDisäie Mandate' zu schassen und von anderen Wahlkreisen Juden auszuschließen, aber wir beabsichtigten von vornherein, AusDruck unserer Loyalität, unseres guten Willens zu geben, indem wir Don Juden Die Möglichkeit ließen, in sicherenstädtischen Wahlkreisen! aus eigener Ntraft und ohne unsere Hilse einlett Juden m wählen. Im nalioitalen Interesse wäre es hingegen gelegen, daß in diesem oder jenem Wahlkreise mit Mischer Majorität ein Nichtjude gewählt werde, andrerseits aber, daß in Bezirkenmit jüdischer Minderheit ein Pole m o s a i s ch c r K onfoffio n gewählt werde. Ueber Aussorderun-g. des Subkomitees der österreichischen Wahlresormkommission wurde einem dieser Wahlkreise Buezacz, Sniatyn, Zaleszezyki,Tlumacz noch die Stadt Borszezow und drei polnische Landgemeinden angeschlossen, um in einem! Landgemeindenkreise den Ruthenen eine Majorität von 77 Prozent zu sichern. Dieser Wahlkreis besaß auch früher keine absolute jüdische Mehrheit, sondern nur eine relative, und eine solche Mehrheit behält (?) er auch weiter! fort. Hingegen wurden .zugunsten der Judendurch, den letzten Beschluß der Wahlkommission-. gestärkt die Bezirke S t r y j, K a l u s z, an welchen anstatt Tolina, das nur zum vierten Teile jüdischer Einwohner zählt, gegenwärtig Kalusz angcreiht Natürlich kann das Problem, welches wir jetzt vor Augen haben, nicht in einer Stunde gelöst werden. Alles, was wir jetzt leisten kötmen, ist, einen vernünftigen Anfang §u machen. Und wenn unser Unternehmen verdient, zu gedeihen, wenn die materiellen Bedingungen günstig sind, so wird es gedeihen, nur dürfen wir nicht vergessen, daß unser Problem nicht ein-, sondern vielseitig ist. Fünf oder sechs Millionen Menschen können tticht im Ausland nntergebracht werden. Bestenfalls kann ein kleiner Bruchteil so versorgt werden. Ob nun das Auswandergebiet die westlichen Länder, die Vereitügten Staaten seien oder ob es in Kanada oder in Mesopotamien liegt, es wird nur ein kleiner Bruchteil dorthin wandern, der größere Teil wird in Rußland Zurückbleiben. Und wir müssen diese Tatsache nicht aus den Augen verlieren, während wir für den kleineren Teil ein Asyl suchen. Wir müssen unser Augenmerk auf den größeren Teil der Zurückbleibenden richten. Sehr viel Diplomatiewird angewendet werden mussen, um ihr Los zu verbessern, und dazu brauchen wir das Wohlwollen unserer Regierungen. Natürlich würden wir in unseren Bemühungen, die Regierung zum Handeln zu bewegen, nicht gute Amerikaner und Engländer bleiben, wenn wir von der Regierung Dinge verlangen würbe, welches eine absolute jüDische Mehrheit besitzt. Sokal-Rawa-Zolkiew Durch Anschluß von Belz mit seiner übeuviegenDeui jüDischen Einwohnerzahl. B-rzezany-Rohalyu Durch Ausscheidung Der LanDgemeinDen aus Dem Bezirke Przemyslany tiuD Dtirch Anschluß an, Deren Stelle von Eho- Dorolv ititD BrzozD-owiec. Es ist freilich schwer, schon' heute vorausznsagen, wie viele JuDen in unserem Lande ReichsratsMandate erlanget: ttn-D in welchen Bezirken Die Juden als KänDi Daten austreten werben. Ich zweifle aber nicht, daß s e t n e r- 3 c i t, a l s die K a n D i D a t e it b e f a n n t f ein w e r D e n, D i e s -e A u g c l c g e n - heit im Einklänge mit Den nation a i e n unD Landest n t e r essen e r- I e D i g t werden wird-. Die Juden, siitd ein so wichtiger Faktor in unserem ganzen ökonomischen Leben, sie spielen aber auch in anderen Wahlkreisen, inwelchen sie die! Ri mb er heit -repräsentieren, namentlich in Den städtischen Wahlkreisen Westgaliziens und in allen! Landgem-einDen- Ostgaliziens eine sowichtige Nolle, Daß Deren Uebagehe.n oder Majorisieren b<i den Wahlen nicht nur ungerecht, sondern auch unklug wäret Bon Diesem Gesichtspunkte betrachte ich und mit mir Die überwiegende Mehrheit Des Polenklubs Diese Frage, und wie ich glaube, auch Die Gesamtheit Der galizischen Polen. Deswegen erachte ich die iln-gcDulD und Unruhe, Die sich deswegen' in manchen jüdischen .Streifen äußert, für ungerechtfertigt. Aus obiger Darstellung erhellt klar, daß auch nach dem Tode dies Dr. Byk die jüdische- Frage in Der Kommissionnichts gelitten! hat und auch tticht leiden konnte, denn kein Mitglied der polnischen Kommission hat je eine Be-ün!rächtigttutg der Juden vorgeschlagen, und sämtliche Beschlüsse der Kommission sind durch den gesamten Poleuklub, in Dem auch Juden ätzen, bestätigt worden-. Zur Wahlreform in der Knltusgemeinde. Das laufende Jahr wird in der Geschichte Desterreich-Ungarns als Wahlrefoirmjahr verzeichnet bleiben. Das gesamte politische Treiben dieser. Monarchieließe sich, in der allerletzten Zeit ans die Wahlreform znrückführen. Es ist der Ruf nach dem allgemeinen Wahlrechte, den v-erschicdene Parteien auf ihre Fahnen geschrieben-, und welcher sich sowohl von Den inden Straßen Da hinsteh enden Massen wie auch. von. der! Hohe der oberen- Regierungsfreife laut Vernehmen läßt. Das allgemeine würden, die unsere internationalen Beziehungen tticht gestatten; denn in erster Linie sind wir Amerikaner und Engländer, und unserer Pflicht gegen das Vaterland? gebührt der oberste Platz. Unsere Absicht war und ist, das Gewissen der Nationen aufzurütteln und sie cm ihre humanitären Pflichten zu mahnen. Die verschiedeneit Nationen der Welt sind einander heute so ltahe gerückt durch imperialistische Bedingungen und durch die Schnelligkeit der Verbindung, daß keine Nation einen Teil ihrer Bevölkerung mißhandeln, unterdrücken oder ausbeuten kamt, ohne die übrigen zivilisiertett Nationen aufs gröbste zu verletzen. In diesem Sinne habe rch mich auch an die Regierung itt Washington gewendet, nicht im jüdischen, sondern im allgemein menschlicheit Interesse, und habe ihr erklärt, daß die Mißhandlung und Vertreibung der Juden nach unseren Ländern die Neutralitätsverletzung seitens eines Landes bedeute, zu dem wir in den freundschaftlichsten Beziehungen standetr. In diesem Sinne hat uttsere Regieruttg gehandelt, und wenn dieser Ruf ttach dem fernen Amerika drang, wie bald müßte er dann in England gehört werdet:, das Rußland weit näher liegt! Wir müsset: das Problem gemeinsam lösen, denn wenn in bezug auf die Koloui- Wahlrecht ist zu einem Postulat Der.Neuzeit geworden., unD kein HinDernis vermag seinen Siegeslauf auf die Datier mlszuha-lteii. Wie schon.' Die Ueberschrist. zu meinen: Artikel zeigt, ziele ich hiermit auf eine andere Wahlreform alsauf Diein. Die allgemeine Volksvertretung ab. Wir Judenhaben unsere Wahlen, ivelche uns tticht weniger, meint schon incht mehr, als- Die allgemeinen' a-ngehen sollten. Es sind Die Wahlen in Den KnltnsvorstanD. Diese vollziehen sich ncch immer nach einem alten, abgekrachten System, Das Dem Geiste Der modernen' Zeit nicht urclju entspricht. Die breiten Schichten.- Des Wiener Judentums, jene Schichten, Die am. Bestehen der Institution Der Ku-ltns-gemei-N'De im erster Reihe interessiat sind, werden -von Den Wahlen! im den VorstanD ferngch alten. Freilich unter dem VortvalN.De. daß sie keilte dir-ekten Sten-e-rtt zahlen-. Demgegaiüber muß 'horvorgohoben werdet:, das; etstens Die indirekten Zahlungen Dieser Juden an die Knltusgemeinde' gel-egetttlich ve-rschiedcnvr Reli-gions-bräuche nicht unterschätzt werdeu dürfen!, zweitenskamt nieman-Dwegen- Nickststeu-erzahlens Des- Wahlrechtes als verlustig erklärt werdeit. AtcherDem wären hier ganz andere GrünDe zn beachten-, welche bei Del: Wahlen, in die allgenwine Volksvertretung gar nicht oder in geringem Maße in Befracht konrmcn. Wenn sich also jedem billig denkenden Juden Der Wunsch attsDrän-gt, es möge seitens der- WicnM! K'ultusgement!de das Prinzip des allge-me-ittat Wahlrechtes eheiteits alterkcrimt werD-elt, so geschieht es znitächst deshalb, weil die Juden von altersher a-u.f Die liceuernugen der Außenwelt gar besonders empfindlich zn reagieren pflegen.- Auch eine jüdische K-ul'tusgemeiude, obgleich eine ihrem. Wesen it-ach ultrakottservativ-e Jnstitutiolt!, hat keilt Recht, sich den Fotderungett Des Zeitgeistes gänzlich zu verschließen, ans jene Bestandteile zu, mxsichten, -welche in beit politischen Körperschaften als die aus-fchlaggebendfl-en Faktoren angesehen werden aus Die breiten Volksmass-ew Gin Hauch der Radikalisierung weht über Der mode men Menschheit, unD die Wiener Kultn-sgemeinde darf von dieseitt Hauche nicht vetschont bleiben. Das Volk tvill sernerihiit nicht als unwürdig 'betrachtet worden, es lvill seilte Stimme mächti-g 'erhebet: in allen Fragen, au die sich eilt volks-tütttliches Interesse noch knüpft. Aus dem zusälligeit- Besitzstand eines jeden Mitgliedes kann nicht die Eiitschrän-kung der Miuderbemittelten czefolgert werden, welche auch das Recht haben, in Don. Fragen, die das Interesse der großen Masse berühren, tu gftichom Maße ztt entscheiden. Tli-e modemeit politischen Klö'rperschastet: wie auch! manche Reg-iemn-geit haben dieseit Grundsatz bereits vollsation eine Partei öffeittlich gegen die andere wüten würde, so würden wir die Macht, die wir besitzen, selbst zerstören. Last uits daher? gemeinsam über die vorhaitdenen Schtvierig- * ketten beraten. Wir werden zweifellos eine Enngmtg erzielet:, und wem: wir erst soiveit sittd, so wollett wir utts eiitstimmig tutd eitimütig der Regiermtg ttäherit. Anders köittten wir tticht reüssieren und würdet: es atlch gar tticht verdieiteit. Ich weiß tticht, üb ich tticht zu offen gesprochei: uitd Sie in Ihren Gefühleu verletzt habe. Aber der Gegeustand ist von zu großer Wichtigkeit und zu ernft in seiner ganzen Tragweite, um über diese breittteitde Frage, welche das gesamte Judentum der Welt betrifft, aitders zu sprechet:, als man denkt. Wir müssen dieser Frage ehrlich uts Gesicht schauert. Wir dürfet: tticht eingebildet seut uitd bei einer Meütung verharret:, weil sie die uttsrige ist. Lecky sagt, „it: der Politik muß matt Vergleiche entgehen". Denn wo immer wir mit großer: Massei: zu tut: haben, müsset: wir Kompromisse schließet:, um einen gemeittsamen Bodett zu erzielen. Wie ttotwendig ist dies erst it: dem speüellen Falle! Ich nehme großen Attteil an Dieser Frage, uitd ich weiß, Sie alle fühlen wie ich. Das einzige, was ich beklage mtd was wir alle it: Atnerika beklagen, ist, daß Zwietracht it: Ihrer: Reihen herrscht, eute Pollenz echte Reform-Schweissblätter Mitte toten! Gfltl BtinaMea I

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