Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 56 (3.8.1906)
- Date
- 1906-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mtioschkitiilg Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentum einer Sozietiit. — Herausgeber und Chestediliiteur: 3iiItoli Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: 3. Dnnnel’erg, M. Vukes Nachfolger, kfaasenstein & Vogler, Ruftolf inoffe, M. pozsomft, fl. Lchalek in Wien ferner alle flnnoncen-Lxpeditionen im fluslande. EinzeL - Nummer in Wien 15 Heller. Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgeqengenommen werden: Hermann Goldschrnidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgasse 7; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Administration: Telephon AbonnementS-Preis: ftür Wie» u. Oesterreich- Ungarn s. Frankozustellung: Ganzjährig.... L IS.- Halbjährig .... X 6.— vierteljährig . . . K 3.— Für daS gesamte AuSl 7 b Ganzjährig . . . K 15,12 IX/1, wafagastr M. Nr. 14723. Preis der Anzeigen: Die »mal gespalt. 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Wenn somit die Lan-desrepraseirtanz nach der llvnscssion gewählt werdensollte, oder die Juden als eigenes Volk in Betracht kämen, hätten, sie die Be rech ist -guug, nach dem- Gleichheitsprinzip 11 Prozent, d. h. 11 bis 12 ffteichSvatsluaudate zu bekommen!. Vondieser Zahl fallen, ans die Inden, die sich zur polnischen Ralivn-akität, zumindest aber zur polnischen Umpanpssvrache bekennen) mehr als (>20.000, also nrehr als 8 Prozent, der Landesbevölkcrnng; die jüdischen Polen haben somit die gerechte Prärension, das; ihnen hv diesem Verhältnisse die Möglichkeit geboten werde, einen Anteil an der parlamentarischen Repräsentanz nnsereS Landes zu erringen. Angesichts des Umstandes, das; die allgeineine nationale Strömung, die in den heutigen Zeiten auch einen Teil der indischen Bevölkerung ergriffen hat, wie nicht minder, daß diese Bevölkerung in Galizien eine hervorragende. Steife in Handel, Gewerbe und den freien Bernsen inne hat, und das; sie bisnnn ans die Wahl ihrer Abgeordneten zumindest in den Handelskammern rechnen konnten, war! tind ist der Wunsch Ml kommen gerechtfertigt,! daß bei der Bildung von Wahlkreisen ans j Grundlage des allgemeinen Wahlrechtes die j jüdische Bevölkerung als solche verückstchtigt! Iverde, wenn' atich die Kvnsessivncn als solche nicht die Grundlage für die Anft-eilting der Mandate bildet. Unsere jüdischen Abgeordneten. haben diese Forderung auch wirklich ansgestellt, der sei. Abg. Dr. B y k hat in der polnischen Wahlreformkomntission die Anschauung vertreten, daß man bei der Einteilung der Wahlkreise für die Inden dir Möglichkeit schassen '.nüsse, acht, wenigstens aber sieben Abgeordnete der jüdischen.gonsession zu wählen. Im Einklänge mit diesent Wtinsche sowie in Anerkennnng der Notwendigkeit, den Juden' einen. Ameil an der Landesrepräsentanz imReichsrate zu sichern^ beschloß unsere Wahlresormkoininission iin EjiWerständnisse mit dem- Polenklnb, s e ch S st ä d t i s ch e W a h lk r e i s e m i t e i n e r a b s o Inte n j it d is ch e n> Bc e h r h e i t zu bilden, also Wahlbezirke, in denen zwar ein Jude nicht unbedingt kandidieren und gewählt werden müsse, in denenaber die Juden die Möglichkeit und die absolute Sicherheit haben, einen Inden zu wählen, wenn sie die Wahl eines solchen wünschen. Reben! diesen sechs Wahlkreisen mit einer absoluten jüdischen Mehrheit bildeten wir noch eilte Anzahl von städtischen Wahlkreisen, in denen die jüdische Bevölkerung entweder eine relative Mehrheit besitzt; oder aber im - Streite zwischen Polen und Rntheuen eine enti scheidende Rolle spielen, wobei sie ebenfalls tm; .gompromißwege auf ihre Repräsentanz rech-! neu körnen.! Tie sechs städtischen Wahlkreise, in welchen! die Inden die absolute Mehrheit haben, sind! folgende: ' 1. Ein Wahlkreis in der Stadt Lemberg,; j 2. ein Wahlkreis in der Stadt.grakan; j .1. Stauiislan;! 1. .golomea;! 6. Brody, Tlesko, Zalosce, Lopatyn,! gegenwärtig aber, nach dem letzten Beschlüsse! der .llvmnnssion: B-vody, Zborow, Jezievnag! 0. Trohobyez, Tnrka, Boiechow, Stole. Diese Anjchannng vertrat atich der selige Tr. B y k, der, sich auch vollständig mit den Beschlüssen der Wahlroformkonunission einverstanden erklärte, Nach dein Tode des Dv. Byk ist keine Aenderim-g der Wahlbreisc mit jüdischer Mehrheit zuungunsten der Iirden eingetreten. Im- Gegenteil, ich proponierte und führte in dev Kommission tm Eilwerständnisse mit dem letzten Wunsche des Tr. Byk die Aendernng durch, daß wir aus dem städtischen! Brodyer Wahlkreise die Stadt Öles ko, Zalosce und Lopatyn ans schieden, hingegen aber die Städte Zborow und Jezierna einreihten. Auch für die Stadt Lemberg habe ich im Einverständnisse mit dem Polenklnb die Aendernng dnrchgesetzt, das; ans dem Wahlkreise mit einer jüdischen Mehrheit die Bezirke ansgeschieden wurden, die von, der christlichen Bevölkerung bewohnt tverden, hingegen reihte ich in diesen Feuilleton. Unsere Aufgabe. Von Oskar S. Strans-New Uork. lSchluß.) Erinnern mir uns, daß es der Parteienzwist war, der zur Zeit der Zerstörung JernsalenrS unter Titus den Sturz des jüdischen Königtums herbeiführte. So laßt uns nicht in unseren Bestrebungen, eine neue jüdische Kolonie zu, gründen, gleich im Beginne uneins werden. Wir müssen znsammenstehen. Das Problem ist verrvickelt tmd wir brauchen das Genie eines Zangwitl, den anfeuerden Geist eines Herzl, den historischen Scharfblick eines Lueien Wolf und alle die großen und weisen Männer unserer Gemeinschaft, deren Herzen durch diese Schicksalsschläge erschüttert wurden. Nur vereinigte Bemühungen können die erfolgreiche Lösilng des Problems herbeiführen. Doch hatte man mir sowohl in Amerika als hier versichert, daß Mr. Zangwitl ein Träumer sei. Dies entspricht der Tatsache. Aber der Mann, der mit Meisterhand die Träumer des Ghettos gezeichnet hat, kann uns auch aus dem Ghetto erlösen. Es gibt Tränine, welche itur die Phantome einer kränklichen Einbildilngskraft sind, und es gibt andere, welche aus historischer Voraussicht entsprießen und prophetisch die Zukunft verkünden. Keine große Bewegung wäre, ohne Träumer zu denken. Sie sind die Idealisten, welche die goldene Stadt sehen, ehe wir sie erreichen. Wir brauchen den Träumer, den Idealisten, den Alaun, der früher als wir die lebendige Wirklichkeit wahrnimmt, der sie uns schildert und der uns ihr zuführt. Er, der Unpraktische, bedarf aber auch unseres Schutzes. Daher benötigen wir alle unsere Kräfte, und jeder Zwiespalt wegen eines Namen oder Ideals konnte verhängnisvoll für uns werden. Glauben Sie, daß es möglich sei, daß eine große Anzahl Weißer sich in den unbewohnten Ländern der britischen Krone niederlassen würde, ohne in kürzester Zeit zur Selbstregierung zu gelangen. Hat England nicht jeder seiner Kolonien so viel Rechte zngestanden als sie benötigten'? Warum sollen nur uns also schon im Beginn über diese Gegenstände streiten? Wie können Sie verlangen, daß die Regierung etwas für Sie tue, wenn verschiedene Parteien sich ihr nähern? Kein auswärtiges Amt würde die schivierige Ausgabe übernehmen, irgendein Stück Landes, welches unter britischer Flagge steht, zu verteilen, wenn gleich im Anfang ein Zwiespalt durch die Reihen ginge, indem der eine Teil sagte „wir brauchen es", der andere aber wir brauchen es nicht". Dies ist ganz unmöglich. Sie bringen Ihr ausivärtiges Amt in eine schwierige Lage. Erst müssen Sie alle Zusammenkommen und sich allein beraten, ehe Sie sich vereinigt Ihrer Negierung nähern. Und ich bin sicher, daß, wenn die Juden im fernen Afrika oder sonst irgendwo Kolonien gründen und dort die bedeutendsten Erscheinungen derwestlichen Zivilisation vereinigen werden, so ivird bald ein neuer Diamant in der britischen Krone erstrahlen. Der britische Imperialismus hat seine erste Auslegung, seine wirksamste Betätigung unter dem großen Premierminister erfahren, der den orientalischen Idealismus unserer Rasse besaß. Und es ist dieser Geist, der alle britischen Kolonisatoren unseres Volkes leiten wird. Sie werden nicht vergessen, was Beaconsfield geleistet bat, und wenn nur unter uns Männer haben, die fähig sind, seinen Spuren zu folgen, so werden wir imstande sein, der britischen Krone einen Stern hinznznfügen, der zwar nicht so groß ist als der Stern Indiens, doch leuchtender durch seinen Wert und seine Zivilisation. Die nächste Nummer erscheint Dienstag den 7. Augnst.