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Nationalzeitung · 1906-07-31 · Heft 55 (31.7.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 55 (31.7.1906)
Date
1906-07-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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öeite 2 Mtisnsl-eitung Nt. 55 Devtschcs Mich. Kvi«, 24. Juli. (Oberrabiner Dr. Güdema.m über die Wiener Schechita.) Von Herrn Rabbiner Dr. Frank erhält die Kölner „Jsr. ^emeindezeitung" folgende Zuschrift: In Nr. 4 der „Zeitschrift des Verbandes Rheinisch - Westfälischer Tierschutz -Vereine" vom 1. Juli d. I. ist ein Aufsatz „Zur Schächlfrage euÜKilte», welcher den bekannten Bericht der „Köln. Ztg.", Nr. 555, gegen welchen das hiesige Rebbmat bereits Verwarung eiug«'lcgt hat, wörtlich abdruckt. In diesem Aufsatz heißt es nun weiter: „Eine andere Frage," die beim Schächten von wese sicher Bedeutung ist, ist die religiöse Seite. In dieser Bestehung sind wir der Ansicht, daß es nur Sache der Israeliten fein kann, zu entscheiden, ob das Schächten als in Bibel und Tradi.iou religionsgesetzstch begri'ude'- und für die Be enner des Juden'ums verbindlich anzusehen ist. Doch meinen wir, daß das be'täubungZlose Schächten keinen wesentlichen Best: nd eil der Rel.gion bilden kann und schießen das schon daraus, daß in Wien schon seit viele.: Jahren zugleich mit dem Schacht,"chni-'t betäubt wird, tutb zwar^ mit Zustimmung des dcv'llgen Rabbinats. Sollte nun nicht das, was in W>en uwglich ist, auch anderw,"cts eingesührt werden können? Ter religiöse R'/.ns des Schächte,:s b'-ebe dabei unangetastet. und die Betäubung, die zugleich mit dem Schäch«.schni.st' eiriist', wücde das 'Tier sofort bewußt-os machen". Obgleich ich mir bewußt war, daß diese Mi eilung über die Wiener Schechita nicht der Wirtlichkeit entspricht, schrieb ich an den Obcrrabbiner von Wien, Herrn Dr. Güdemaun und bat um Aufklärung, die mir auch umgehend zuging und welche Sie gütigst v^roffen-liaicu wollen. Sie laufet folgendermaßen: Baden b. Wien, 20. Jlsti 1906. Sehr geehrter Herr Kollege! In sofortiger BeantwortungJhr-es Briefes vom 18. d. M. er lace ich die Angaben der „Zeitschrift oes Verbandes Rhc'.nllch- Westsälischec Tierschutz-Vereine" dato Köln, 1. Jn'i 1906, S. 28, wonach angeblich „in Wien schon seit vielen Jahren zugleich mit dem Schächtsch.Dt betauot wird, und zwar mit Zustimmung des dortigen R a b b i u ci t in ihren: ganzen U'.nfange für eine Unwahrheit. Hochachtungsvoll und ergebenst Dr. M. G ü d e m a n Oberrabbiner der Jsr. Cultusgemeinde in Wien. Wie leichtsinnig man innerhalb der Tierschutz-Vereine über die Schechita urteilt, Es wurde und wird uoch versucht, sie im ganzen Lande zu zerstreuen. Doch ist dies leichter gesagt, als getan. Es ist natürlich, daß diese bedauerlichen Menschen (unter denen viele verarmt und mittellos sind), wenn sie in ein Land komme,:, dessen Sitten ihnen fremd und dessen Sprache ihnen unverständlich ist, sich dort niederlassen, wo ihre ihnen vorangegangeuen Landsleute sich befinden. Es w:rd daher noch einige Jahre dauern, ehe an ihre Verteilung in verschiedene Länder zu denken ist. In der Zwischenzeit muß ich a's Amerikaner sagen, daß eine Sistierung der Einwanderung durch fünf Jahre eine große Wohltat für diejenigen bedeuten würde, die sich gegenwärtig dort befinden. Genau so wie das Leben an den russischen Greuzpfählen unerträglich wurde durch den stets anwachsenden Zufluß an Menschen, die ihren Mitmenschen das Brot vom Munde weguahmei:, so verhält es sich jetzt auch in Newyork. Deshalb ist es unsere Pflicht, weiter Umschau zu halten und neue Kolonisationszentreu ausfindig zu machen. Seit den Tagen des Kaisers Titus bis zu der Zeit Nikolaus II. hat sich die Geschichte stets wiederholt Sollen wir nicht in Anbetracht des großen Unglücks, das uns niedergebeugt hat, uns bemühen, daß ein Grund gelegt werde, der diesen armen Flüchtlingen unbegründete und unwahre Behauptungen aufstellt, beweist wiederum vorliegende Tatsache. Rabbiner Dr. Frank. KolMür. (Wichtiges Gerichtsurteil.) Eine für uns Juden recht bedeutsa.ne Entscheidung hat das Oberlandesaericht in Kolmar am 19. Moi 1906 erlaßen. Es war in einem Prozesse das persönliche Erscheinen der Parteien m dcr Sitzung, die an einem Sonnabend staltfand, angeordnet worden. Der Kläger — ein Israelit — gewann den Prozeß und beantragte dann .die Festsetzung seiner Kostcn und Auslagen, die ihm bc: Gegner zu cZ'allen hatte. Mit der Begründung, daß die Religion ihm verbiete, an: Sabbat zu reisen, berechnete er auch die Auslagen fürden Frei ag und Sonntag. Das Landgericht hatte ihm nur Reisekosten und die Auslagen s,'r den Sonnabend bewilligt. Gegen die Streichung der übrigen Auslagen erhob unser Glaubensgenosse Beschwerde an das Oberlandesacricht in Kolmar. Dieses ordnete an, daß d:e Auslagen für den Freitag und den Sonntag zu erstatten sind, weil dem Kläger als Israelit das Reisen am Sonnabend durch reüg'öse Vorscyrift verboten ist, und ihn: die Verletzung einer solchen Vor,chrift jede::falls dann nicht zugemutet werden kann, wenn o: ohne dieselbe dw richterlichen Anordnungen nicht Nachkommen kann. England. London. (Ein Heim für russisch-jüdische Flücht inge.) Um den armen jüdischen Flüchtlu:gen, welche Rußland verlassen und dadurch ihr Gewerbe verloren haben, Gelegenheit zu geben, sich ihren Unterhalt zu verdienen, hat die „Nord-egyptische Landesgesellschast mit beschränkt^' Haftung" westlich v o n Alexandrien ein Gebiet gekauft, auf dem sich diese Flüchtlinge ansiedeln werden. Das von der erwähnten Gesellschaft gekaufte Gebiet umfaßt einen Flächeninhalt von 14.500 Feddau (ein Feddan —4200 Quodratmeter) und liegt 60 Kilometer westlich von Alexandrien, bei der Station Hamman der Privateste.lbcihn des Vizekönigs von Egypten. Die Bahn selbst ist bereits" 130 Kilometer lang und ihr Bau wird fortgesetzt, da sie bis zur Grenze von Tripolis etwa 450 Kilometer von Alexandrien ansgebaut werden soll. Stürmischrr Zioxistentag in London. London, 26. Juli 1906. Bei dem am vorigen Sonntag hier stattgefundenen Meeting der englischen zionistischen Federation, kam es zu stürmischen Szenen. Die meisten Redner, unter anderem die Herren Dr. Ga st er, Dr. Weizmann, polemisierten in heftiger Weise gegen die englischen Zionistenführer Cowen und ein Obdach bietet, welches ihnen Leben und Freiheit sichert? Ob diese Grundlage nun Zionismus. JtoiZrnus oder Kolonifauon heißt, dies sind nur kleinliche Details, wenn wir sie mit dem Hauptp'an vergleichen, in dem wir vorerst einig sein müssen. I:: einem Punkte stimmen wir alle überein: daß wir ein Mittel finden müssen, damit sich diese Greuel nicht wiederholen können. Ich kann nicht finden, daß wir in etwas anderem uneinig sind, als im Namen oder der Teorie (Kolonisation oder Jtoismus). Ich habe aus der Geschichte nie entnehmei: können, daß eine Völkerschaft nach einem anderen Weltteile ausgewandert sei, und dort beim ersten Anlauf ein wohlorganisiertes, unabhängiges Volk gebildet habe. Die alte mosaische Idee von 40jährigem Umherirren in der Wüste ist da sehr bezeicht.cnd. Wir müssen uns nicht über den P-an streite.:, wenn wir wegen des Mittels einig sind, daß ongewendet werden muß. Wir brauchen eine Kolonisation, aber wir brauchen sie unter Bedingungen, welche uns beständigen Frieden und Freiheit verbürgen. Alles übrige ist nebensächliches Detail. Wenn zehn- oder hunderttausend oder eine Million unserer unglücklichenGlaubcnsgenossen answandert, in erster Linie nach einem Weltteil, der noch nicht von einheimischer Be- G r e en b e r g, weil sie den Territorialismus begünstigen. Unter anderem wurde auch der Antrag gestellt, daß Mitglieder des Aktionskomitees nicht gleichzeitig Vorstandsmitglieder der Federation" sein dürfen (Cowen und Greenberg sind bekanntlich beides). Gegen Cowen wurde noch geltend gemacht, daß er gegen die Aenderung des Nationalbankstatuts, welche eine Sicherstellung des Bankvermögens für Palästina bezweckt, gegen den Kongreßbeschluß agitiere. Die überaus erregte Debatte kolminierte in persönlichen Beleidigungen zwischen Dr. Ga st er und Cowen, indem Dr. Ga st er unter anderem sagte, daß wenn die Statutenänderung nicht schleunigst dürchgeführt würde, die Befürchtung naheliege, daß „morgen kein Geld da sein m i r d". Hierauf erwiderte C o w e n, der in dieser Aeßerung eine Verletzung der persönlichen Ehrenhaftigkeit der Bankdirektoren erblicke, daß er mit einem Manne, der solche Behauptungen mache, nicht an einem Tische sitze. Auf Wunsch des Vorsitzenden erklärte Gaster seine Aenßerung dahin, daß, falls die Statutenänderung nicht rasch durchgeführt wird, die Territorialisten sich des Vermögens der Bank bemächtigen würden. Der finanzielle Bericht gab ebenfalls zu heftigen Debatten Anlaß. Dem Berichte zufolge besitzt^die Federation gar kein Vermögen und schuldet noch dem Aktionskomitee bedeutende Summen. Aus diesen:Grunde konnte auch der frühere Beschluß, ein zionistisches Organ ins Leben zu rufen und einen bezahlten -Sekretär anzustellen, nicht ausgesührt werden. Der Präsidralbericht des Sir Francis Montefiore hält die Lage des Zionismus für sehr günstig und wendet sich gegen die Nörgler im eigenen Lager, welche es nicht verwinden können, daß die Führer der Bewegung sie nicht von jedem diplomatischen Schritte unterrichten. Die politischen Verhandlungen stehen günstig, und es wäre ein diplomatischer Fehler, wenn man von ihnen heute sprechen würde. Die besonneneren Elemente befürchten, daß die Herren Cowen und Greenberg aus dem Verhalten der Versammlung, an welcher mehr als 50 Delegierte von 26 Vereinen teilgenommen hatten, für sich die Konsequenz ableiten, und sowohl auf ihr Mandat im Aktionskomitee, wie auch auf ihre übrigen Ehrenämter in der zionistischen Bewegung verzichten werden. Andererseits hofft man, durch Ausgleichsverhandlungen den nunmehr in die Oeffentlichkeit gedrungenen Bruderzwist im Lager der englischen Zionisten durch Intervention des Präsidenten David W o l ff s o h n beilegen zu können. Die Szenen in der letzten Versammlung berühren umso peinlicher, als vöiterung ausgefüllt ist und dort eine Kolonie gründet, und diese eine Entwicklung aufweist, welche sie der Unabhängigkeit würdig inacht, dam: würde sie eine solche nicht bloß verdienen, sondern auch erreichen. Und deshalb besteht auch kein Zwiespalt, wenn wir von Jtoismus oder Kolonisation sprechen. Denn wenn die Kolonisation erfolgreich ist, so wird sie auch eine Selbstregierung befördern, und es existiert gegenwärtig kein Land, das sieh besser auf freie und unabhängige Kolonisation versteht wie Großbritannien. wie es durch die Pflanzung seiner Kolonien in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten bewiesen hat. Man muß zugestehen, daß die Amerikaner nie ein so freiheitliches Volk geworden wären, wenn sie den Pilgern und Puritanern nicht gestallet hätten, unter britischer Flagge zu steuern. Und wenn sich die russisch-judischen Emigranten unter britischer Fahne in Afrika, Mesopotamien oder irgendeinem anderen Lande kolonstieren, das vom internationalen Standpunkte betrachtet, praktisch und für sie geeignet ist, so werden ihre Freiheit und ihr Glück gesichert und ihre Unabhängigkeit eine bleibende sein. (Vortsetzunv folst.1 total! Q*ruChlo* I Pollenz echte Reform-Scbweissbläfter

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