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Nationalzeitung · 1906-07-31 · Heft 55 (31.7.1906) · p. [Seite]

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 55 (31.7.1906)
Date
1906-07-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. RatimcheitW Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Gigkntnm cinkr Lsjictät. — Herausgeber und Cheftedakteur: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: 3. vanneberg, ITT. vukes Nachfolger, yaasenstein & Vogler, Ruöolf Masse, M. pozsonyi, kl. Schale! in Wien ferner alle Knnoncen-Expeditionen im Auslände. Einzel - Nummer in Wie» LS Heller. Redaktion: IX/1. Wafagasse 31. Telephon Nr. 14723. Sprechstunden r An Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse; „Nationalzeitung" Wien, IX|l. B(t(lMVerd<n wegen verspäterer oder gar nicht erfolgter Anstellung erbitten wir uns dringend. — Manurllkipte werllen nicht rurSekgene»». Postsparkasten-Konto 47037. In daS Abonnement kann man täglich eintretcn. -d Administration: Telephon AbonuemeutS-PreiS: Für Wien u. Oesterreich- Ungarn s. Frankozustellung: Ganzjährig. . . . L 12.- HalbjShrig . . . . K 6.- Bierteljährig . . .K 8— Für das grämte SlnSl r b Ganzjährig . . . K 15.12 IX/i, Wasagastr 81. Nr. 14723. Preis der Anzeigen: Diesmal gespült.Nonpareillezeile oder deren Raum 12 h. „Eingesenbet" die3spaltige Nonpareillezeile SO Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgegengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgasse 7; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Ur. 55. Wien, Die«*tzden 31. Juli 1906 (9. All 5666). VIII» Jahrgang. Jeituilgsschau. „. KmchlindetlM Inland. Wien. (Lcichcnbrgä'!WNs boc Frau Regina Kuranba.) Unter auffermDentlich starker Anteilnahme der Gesellschaft hat von der Halle des Zentlatfriedhoses ans das Leichenbegängnis der am Freitag in Ischl verstorbcimr Frau Regina Kuranda, der Wistve nach dem bekannten^ Politiker, stattgeftlitden. Ei»we große Anrzahl prächtiger Bllmrenspendeir schmückte den Sarg, der die irdische Hülle der Verstordenrn barg. Nachdein ein Tratirrchor unter Leitung des Oberkantors Singer verklungen war, hielt Ob erlabbin er Dr. Gü bemann der Verblichenen einen warm empsnnaenrn Nachruf, in dem er ihre mifopferude Herzensgute und ihre Lebeus- Unghcit hü beredten Worten^ pries. Sodann erfolgte die Beischung. Der Tmuerfeier wohnten unter anderen bei: EisenbahlinrinHster Dr. v. Terfchatta mit denn Prcksidialisten. Sektiousrat Müller, der Vizegouveruenr den: Bodenkreditanstalt Theodor Ritter v- Taufstg, Sektionsrat Freiherr v. Buschmann, Direktor Popper vom Wiener Bankverein und zahlreiche Bnkdiwktoren, Advokaten nnd Gelehrte. Buezacz. (Eine merkwürdige Ballotage.) Der hiesige Verein „Ziou" hat seinen hebräichen Sekretär aus dem Vereine ausgeschlossen. Merkwürdig ist jedenfalls die Begründung dieses Ausschlusses. Der hebräische Sekretär, der ein eifriger Zionist ist und ein sehr eifriges Vorstandsmitglied war, wurde deshalb mit der höchsten Strafe belegt, die ein Vereinsmitglied überhaupt treffen kann, weil er gegen den Beschluß des Vereines gegen die Verananstaltung einer Trauerandacht für den Abgeordneten Dr. Emil Byk, als Zionist protestiert und dagegen Verwahrung eingelegt hat, daß Herr Dr. T a u b e l e s aus Tarnopol, den Verstorbenen als hervorragende jüdische Größe feierte. Ungarn. Budapest. (Steuerfreiheit der Bethäuser.) Anläßlich einer aufgetauchten Frage hat der kön. ung. Finauzminister folgende wichtige prinzipielle Entscheidung getroffen: Die ausschließlich zum Gottesdienst verwendeten Gebäude, ob sie Tempel oder Bethäuser genannt werden, auf öffentlichen Plätzen oder unter anderen Häusern stehen, grundbücherlich eingetragen wurden oder nicht, bilden als solche nicht den Gegenstand der Grundsteuer, deren Eigentümer können daher zur Zahlung der Erwerbsteuer zweiter Klasse nicht verpflichtet werden. Budapest. (Uebertrittsbewegung.) Laut dem jüngst erschienen amtlichen Ausweise sind im Jahre 1904 in Ungarn 471 Juden zum Christentum übergetreten. In dieser Summe ist jedoch nicht die Zahl derjenigen inbegriffen, die aus den: Judentume ausgetreten sind, ohne eine andere Religion anzunehmen. Budapest. (Verein der orthodoxen israelitischen Gemeindebeamten.) Hier wurde ein Verein der ungarländischen orthodoxen israelitischen Gemeindebeamten gegründet, dessen Mitglieder sämtliche Gemeindefunktionäre orthodoxer Gemeinden — mit Ausnahme der Rabbiner — sein können. Der Zweck des Vereines im Sinne seiner Statuten ist: 1. Auf Grundlage der Gegenseitigkeit der erwerbsunfähig gewordenenMitgliederPension, ihren Witwen Versorgung, ihren Waisen Erziehung zu sichern. 2. Unterstützung der ohne eigenes Verschulden und ohne Arbeitsunfähigkeit zeitweise erwerbslosen Mitglieder. 3, Dadurch die gesellschaftliche Stellung der Gemeindebeamten zu heben und speziell fachtüchtige Schächter heranzubilden. Budapest. (Karl Eötvös zum Abgeordneten gewählt.) Nach einenm fünfunddreißig Stunden währenden heißen Wahlkampfe wurde der bekannte Judenfreund und Verteidiger von Tisza-Eszlar Karl Eötvös gegen den ofsiziellen'Kandidaten der koalierten Regierung Bela B a r a b a s mit fast 1000 Stimmen Majorität zum Abgeordneten für den siebenten Bezirk der Hauptstadt gewählt. Diese Wahl ist auch für die Juden von nicht geringer Bedeutung, weil der Wahlkampf — und zwar gerade von Seite der Barabaspartei — zu einem Kampfe zwischen Antisemiten und Juden gestaltet wurde, in welchem, wie schon erwähnt, die Antisemiten unterlagen. Ich behalte mir vor, in der nächsten Nummer dieses Blattes über diesen Wahlakt und seine tiefgehendeBedeutung ausführlicher zu berichten. I o ch a n a n. N»sere Axsgabe.) Von Oskar S. Straus - Re w y o r k. Das Los der russischen Juden ist tief beklagenswert, und wenn wir näher Hinsehen, werden wir zur Ueberzeugnng gelangen, daß niemals in der gesamten Geschichte der Inden (die Zerstörung Jerusalems mit einbegriffen) ein so großer Teil des jüdischen Volkes von einem ähnlichen Schicksal betroffen wurde, wie in der Jetztzeit. Ich glaube mich nicht in der Behauptung zu irren'" daß zum erstenmal fünf bis sechs Millionen Inden unter dem Joch eines unbeugsamen Despotismus geknechtet werden. Wenn es wahr ist, daß ein gemeinsames Band die ganze Welt verbrüdert, um wieviel mehr muß dann ein so grauenvolles Verhängnis die zerstreuten Ueberreste Israels einander nähern, da solche Schrecken einen so gewaltigen Teil seiner Gemeinschaft *) Wir neben hiev die Rede in getreuer lieberschling die Oscar S. Straus, der frühere Gesandte Amerikas bei der Pforte, einer der besten und angesehendsten Männer, in den Vereinigten Staaten, bei einem ihm zu Ehren gegebenen /teste des Maeeabean-lltubs in London gehalten hat, und die, wie in unserer vorigen Dienstagnummer berichtet wurde, auch die Veranlassung für die jüngste Konferenz in London war. Die Redaktion. erschüttern. Bei all der Trostlosigkeit, welche der Anblick dieser Greuel verursacht, gibt es aber doch einen Lichtblick. Wir Amerikaner wurden den Engländern näher gebracht und mit unseren Glaubensgenossen in anderen Lätiderit enger verknüpft. Nun müssen wir sehen, wie wir vereint das Elend mildern können, welches unsere russischen Glaubensgenossen betroffen hat, die leiden, weil sie unsere Glaubensgenossen sind. Was nützt es, diese Tatsache zu verbergen? Ich bin gefragt worden, ob ich Jtoist oder Zionist sei, oder zu jenen gehöre, welche glauben, daß das jüdische Problem in Rußland selbst zu lösen sei. Meine Antwort lautet, daß ich Amerikatier bin und als solcher in einem Lande wohne, dessen Grundgesetze mit dem Ideal der jüdischen Bürger übereinstimmen — dem Ideal der persönlichen Freiheit! und unter der Decke meines Amerikanertums (schlägt ein jüdisches Herz. Nnd dieses schlägt nicht unpatriotisch, denn die Amerikaner sind, im ganzen genommen, gleich den Engländern, ein ideales Volk, und als solches achten sie die Schmerzen ihrer Mitbürger, welche zu leiden haben unter der Blindheit und den Jrrtümern der Regierung eines Landes, von welchem zwar angenommen wurde, daß es sich im Bereiche unserer modernen Zivilisation befinde, welches aber in erstes Linie durch sein Verhalten gegen unserr Glaubensgenossen bewiesen hat, daß es noch den barbarischen Ländern beizuzählen ist, und als solches von allen zivilisierten Mächten angesehen werden sollte. Wir haben in Amerika 750.000 bis 1,000.000 solcher Flüchtlinge, welche dem religiösen Druck in ihrem Vaterlande entflohen sind, ausgenommen. Amerika war seit jeher ein Asyl für Flüchtlinge. Von dem Moment an, als der fremde Pilger den Fuß auf amerikanischen Boden setzte, haben die amerikanischen Gesetze sich derer angenommen, die in politischer oder religiöser Beziehung bedrückt wurden. Die Frage, ob ich Jtoist, Zionist oder Kolonist sei, ist daher beantwortet, wenn ich erwidere, daß ich alles gleichzeitig bin. Ich bin überzeugt, daß wir so viele Heimstätten als möglich als Schutz für unsere armen und verfolgten Brüder haben müssen. Leider war in Amerika eine schreckliche Anhäufung in Newyork nicht zu vermeiden, so daß wir in dem unteren, östlichen Teil unserer Stadt 500.000 bis 000.000 russischer Flüchtlinge beherbergen, welche in diese elenden Stadtteile gedrängt sind und unter Platzmangel empfindlich leiden. Ihr Zustand ist traurig und herzzerreißend im höchsten Grade. Die nächste Nummer erscheint Freitag den 3. August.

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