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Nationalzeitung · 1906-07-27 · Heft 54 (27.7.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 54 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nationalzeitrmg Nr. 51 beitvit imiB'iüi, Durch men Dicfc am nach-drücklichsten ucitu’tcn ivctDeti können. Dies geschah jcD'üd) n«ich-t. Der Krakauer Plrefessor Tr. Leon Dternbach wurde zumjüdischen Lairdes schul rat einfach ernannt. Bald stellte es sich jedoch heraus, das; Professor Sternbach für diese verantwortungsvolle Stelle nicht die geeignete Persönlichkeit ist. Er mißachtete oder übersah die religiösen' und nationalen' Bedürfnisse des größten Teiles der galizlschen Jrideit rmd gab seine Zustimmung zu Verfügungen«, welche diesen- Bedürfnissen direkt zuwiderliefetr. Alles, ivas Professor Dr. Sternbachj bisher irr seiirer Eigenschaft als LandeSschrilrat getan, lvar stets von einem unüberwindlichen- Haß gegen den- Zionismus und gegen! jede national-jüdische Regnn,g diktiert, der ihn dazu brachte, auch die Kultusgenwinldenzu harangieren und alles auszttbieteu, unr, sie für sein e assim-i la to ri sch en- Zwecke zu gewi nnen. Um sein« Ziel Zu erreichen-, scheute der jüdische Lanrdesschnlrat auch die rinschönsten Mittel nicht. Hier sei nnr einer der vielenunliebsamen! Vorfälle erwähnt. Rabbiner Dr. B r a u d e war gloich,zeitig Rabbiner und Religionsinspektor für die Stauislauer Mittelschulen. Dr. Brande, der in allen Gesellschaftskreisensich sowohl als Gelehrter, wie auch als Ka-nzcil'redirer und nicht minder als Pädagoge des größten> Ansehens erfreut, ist bekanntlicheintreuer, überzeugter Anhänger des- Zionis-mius, in -dem er >>uch eine hervorragende Rolle spielt. Der j ü d i s ch e Landesschulrat Pvof. Dr. Stevnbach konnte es jedochnicht verwinden, daß Dr. Brande 'ich mit ganzer .Hingebung der zionistischen Sache widmet, und begann nunein Kesseltreiben gegen- Tr. Brande. Zunächst versuchte -er die Stanis lauer Geineind-e zu bewegen, daß sie Tr. Brande entlasse. Dann erließ er an, die Direktoren der Stanislaner Schulen ein Zirkular, in welchent er den- Religionslehrevn uüttoi'lte, daß sie den Weisungendes Inspektors Tr. Brande kein! Gehör zu schenken brauchen-, unld ihm den Eintritt in den Lehrfaal verwehren mögen. Schon, dieses- Borgeheu des jüdischen Landesschulrates hatte einetiefgehende Erbitterung selbst in nichtzionistischen bürgerlichen Kreisen Stanislaus zur Folge. Die Erbitterung kam dann auch in einer vou Bürgerm! einberufenlen Pvck-citversammlun'g zu erregtem- Atlsdru-ckc. Schonin dieser Persamm-lnng wurde gegendie -eigentümliche Vertretung jüdischer Interessen drrrch Prosessor Dr. Leon Sternbach Stellung gen-omm-eu, seiner Amtstätigkeit ein Mißtran-ensvotnm arisgesprochen rmd gefordert, daß er seine Stelle als Landesschulrat uiedevl-ege. Dr. Sternbach kümmerte sich nicht um die argen i'bn, herrickeude Stimmung rmd setzte seine Agitation gegendie notionalelt Bestreb un-- gen der galizischen! Inden, solveit sie init soiireln Ressort in Verbindung standeu, -mit uilgesch-lvä!chter Energie fort-. Es wird von ihrn beha-riptet, daß er gegendie jüdischen Lehrer, welche sich zrun Zionisinns bekennen, eine wahre Hetzjagd orgguifiert habe, und dadurch die Denunziatiou> mrd Berleum'dnug seitens kriecherischer Lehrer zur Blüte brachte. Undnutw haben diejüdischen Studentender Krakauer Universität am- 4. Juli ihrem Uiunut. über die Haltung des Professors Dr. Sterw bach ineiner Deinonstration« Ansdrnck verliehen, über deren, Verlauf ich Ihnen im meinicitt jüngsten- Berichte! bereits Mitteilung genracht habe. Hier tväre miU" n-och rr-achzuhole-n,, dasst die Demonstran-ten noch eine Disziplinarstrafe" zugewärtigenhaben. Die jüdischen Studenten lvollen jedoch di>e Sache n-icht an-f sichberuhen' lassen rrnd« planen -eine Agitati-oir im* 1 ganzen Lande, welche die Entferurmg Pros. Sternbachs vom Landesschulrate zum Zwecke hat. Es zirkulieren bereits Aufrufe rurd Flugschriften', in welchen das ganze Sündenregister Dr. Sternbachst a-rstgezählt ist rmddie Forderung gestellt wird, daß Pros. Dr. Sternbach feilt Anü als Lanidesschtvlrat rtuv-erzüglich niederlege. D. I. Die staatsrechtliche Stellung der Jade« in Preuße«. Ein Epilog znm neuen Volksschulgesetz.*) Von Dr. I. D-ob rz y nskt. D-u stiesmlüttevliche Vshan-d-tunlg, die dom I-u-den-trttu in de>m neuen- VotkAschrUigeisetz zuteil -geworden, ift in -der Presse und dem Pa-rla-m-ent gell!Üge:n!d ib-ospr-ochen worden,' da-geg-e^nist bisher lveniig oder fast ga-r> nicht erörtert -worden, ob diese Beha-nbtnng rnit der staMArechUichen- Stellnvg der tü-dischen itiel'igionsgesell-schaift -vereintbar ist. Bei d-e-r rmchsolmud-cn Behan-dtn-iig dieser Frage wird ansaeg-ange-n von d-er doppelten Bebe-ntrllig -des Begriffes „ Net i-gio, is-gesell-s ch«a-st", der sich verschiedengestaltet, je nach demrn-a-n -den Nachdrart a«us -den ersten Teil des -Wdrtes, -ans „Netigivu" oder a-vs den zweiten Teil, aiüf „Gesellschaft" verlegt. Dein- Beispiele N-u>dols Dohms *) Der vorl-ie-genbe, dem „Verl. Tagbl." entnommene Aln-ssatz, -den nicht nur -der S-ta-atsrechtler, son-dern a>nch «jeder pvili-tiU)- i-nteressierte Dia!ats'biivger mit Fbteresse lesen wird, ist um so z-oitge-mätzer, als gerade die letzte «Ditzu-n-g des Herrenhauses am 7. Jiulr, in der bas Schulgesetz angen-mnnren unrrde, den Be-w-eis daf-ür gellesert hat, welche Gesinnin-ng auch die pren-ßischeu Negievu-n'gskreise -gegen'iiber der jlidische-n N«e>ligl-onsgejseMschast erfüllt. Fall in-dividnell geprü-ft lverden und nur die ansgewiosen -werden, welche sich, sei es auch ein leichtes Vergehen, haben zu Dchnlden kornmen lassen, selbst wenn sie Desernure sirid, da auch Rußland irr der letzten Zeit an Oesterreich Deserteure ansliesere." Diesen Po-lizeia-kt kann man vlme Protest rrrcht bingehen lassen. Tie Juden und die Agrarfrage. In anau Gespräche mit dem Pariser Korr, der ,,.N. Fr. Pr." sagte Anatole Leroy-Beaulieu u. a.: „Tie Hauptfrage in- R'ttßlond ist die agrarische Frage. Die Bau e-r n wollen aus der Sklaverei entkommeu, in welche sie Die Besitzlosigkeit führt. Sie lvelleu das Land- oder wenigstens ihren Anteil an Dem Lande. Die liberale Partei hat mit großem Verständnis diese Seite der Frage anfgegriffeit. Der Deputierte Herzen st e i u, e i n I u d e, hat die Agrarfrage in bewnnderungswürdige-r Weife behandelt und die g e v c ch t e i c Verteil u n g von G r u tt d u n d Bode n b e f ü r w o r t e t. Möge diese vielleicht zufällige Tatsache Den Russen Den Weg zeigen, die Iudeufrage in gerechter Weise zu lösen. Mau beschuldigt die Juden, daß sie an der Revolution Anteil n-ehnrem Das ist doch ganz natürlich. Sie find vor allentdie Bedrücktsten. Manwird die Revolution der Hilfe der Juden rasch berauben, wenn man die jüdischen. Einwohner den anderen Bürgern« des Staates gleichgestellt." Zur Demoustration gegen Pros. Sternbach. K r a k g u, den! 10. Jnli. In Ergänzun«g meines kurzen Berichtes über die am 4. d. M. stattgesundene Temonstiation gegen Professor Dr. Sternbach, fei m-ir gestattet, auf die Vorgeschichte hin-zuweisen, durch welche die Erregung der nationaljüd-ischen SlUdeltterrschast in Galizien verursacht wurde. Seit dem BestaiVe «der Einrichtung des Landesschulrates käntpsteu die Juden Galiziens für die Gewährnng ihter Forderung, daß im Landessch-u-lrat auch ein Jude Sitz un-d ^tstmne erhalte, damit auch-die jüdische K«onfessiongleich den anderen im Lande auerkan-nterr Religionen ihre Vertretung habe. Fast vierzig Jahre verhallten die sicherlich -gerechten Fotd-ertlngen der Juden« ohne Erfolg, bis sie endlich vor zwei Iahten gewährt wurden. Tie Jüdischnationalen dachten allerdings, als sie die Forderung nacheiiremjüdischen- Landesschulrate zu der ihren machten, daß die Wahl des jüdischen Vertt-eters im Landesschulrate -den Juden selbst werde überlassen -bleiben-, da es sich ja umihre Interessenhandle, sie daher am zwanzig Stunden Ort und Kreis zu verlassen hatten. Es waren meist ältere, vermögendere Leute, die plötzlich von dem Schicksale der Ausweisung bettoffen wurden. Der Natschalnik — Drtsvorsteher. — war für: das rechtzeitige Verlassen der Juden verantwortlich und verfuhr mit außerordentlicher Strenge. Tie Inden mußten von damren ziehen. Herrn Montier wtlrde auf die Fürbitte eines Gutsbesitzers, der rtissischerStaatsa-n>gehöri-ger -geworden war. gestattet, bis zur Abwicklrntg einiger dringender Geschäfte im Orte zuverbl-pben. .Hingegen mllßte seine totkranke Frati und die ältere Tochter augenblicklich die Reise antreken. Sie wandten sich nach Frankreich, nach Calais, wo Monkler einen Verwandten besitzt. Dort sollten sie vorbleiben-, bis der Mann rmd seine jüngere Tochter, das blasse Kind, das an seiner Seite stand, lind das sich infolge eines Sturzes ins Wasser ein Fieber zngezogen hatte, dahin nachkäme. Monkler hatte seiner Frau seine ganze Barschaft inder Höhe von!>80 Rubeln auf den Weg mitgegeben. Er ordnete die Geschäfte so schnell als er konnte. Samstag abends hatte er eben das Gebet verrichtet und schickte sich an, ztir Erinnerung an dm Todestag seiirer Mutter, das Oellänrpchen anzrizünden, als der Pristaw, der Natschalnik rmd zwei Gendarmen zu ihm rm das Zimmer traten. Der Pristaw befahl ihm in barschem Tone, sofort aris dmr Orte zu ziehen. „Lassen- Sie mich mir das Licht anzünden," bat Monkler. „Vorwärts, Jude!" schrie der Pristaw. „Tn hast unsere Gnade lnißbrancht ttmb bist länger, als es erlaubt war, hierg-eblieben!" Monkler bat flehentlichst, ihm- -noch einen halben Tag, eine Stunde einen. Aufenthalt zu gewähren, bis er die zur Reife nötigen Sachen zns-a-nrmengetasft — vergebens. „Wenn du nicht gehst, ivirft du« in Ketten gelegt!" schrie der Pristaw. Monkler nahm sein Töchterchcn, das schlasend im Bette lag und duirch. den Lärm« erwacht war, an der Haird und verließ bei Nacht seinen Heimatsort. Er ivandte sich o,o«rer«st noch Bridapest. Er hatte einen- P«etersbrirger 'K'arifmann gebeten, seine Briefe« an einem Budapest er Geschäftsfreund zusenden und diesem an-ch seine Ankunft zu avisieren. An« Bahnhöfe w-nrde er vondem-selbeir tatsächlich erwartet. Der Karifmannübergab ihm: das für ihn eingelanfeiN' Schreiben. Indeinselbenteilte ihm die Tochter atls Calaismit, daß ihre Mutter zivei Stn-n-- den nach ihreirr Eintreffen! gestorbensei. „Nunstehe ich alter Mainr," schloß Herr Moirkle-r seine Erzählt mg, „mit meinen, zwei Töchtern, allein. Was soll ans den .Kindernwerden?" „Habeit Sie kcin«en Sohn V" wandte stb einer ans der Meü>ge an den- Erzähler. Ein bitteres Lächeln tnnspielte den Mund des Vor ban nt eit. „Ja," sagte er dmnpf, „ich habe einen Sohn . in Sibirien." Sein- Sohn, ein- Hörer der Medizin, war tvegeir einer Rede, die er in Sttidentenkreisen gehaltenhatte, ztt zlvaitzigjähriger Zwangsi arbeit vertirteilt und noch Slbirien verschickt ivordeit. Die einfache, tratirige Erzähltmg. des alten Mannes hatte bei den« Untftehenden« tiefen Eindruck hervorgerufeu. Man leitete eine Sainmlting ein, deren Ergebnis dem. bedanernswerten- Mann die .R'eise zu seiirer. Tochter erlnöglichte. An! der Sannnltutg beteiligten sich auch zwei katholische- Priester, -die in der Halle an-lvesend wareir itmD von dein Leide des aemen Verbannte»- Kenntnis erlangt hatten. Icoch -ain - selben Abend ist dev rnfsische Flüchtling mit s-ein-em Töchterehen nach Wien weitergcreist. B. A« New Z)ork. (Rückkehr jüdischer Einigranten.) Welch große Hoffluingeit die in Amerika leben-den jüdischen« E'nigranten aus die koiistitntioiielle Aera in« Rußland setzten, möge die Tatsache beiveisen-, daß eine große Anzahl jüdischer Emigran«ten! die Rückichr nach Rii-ßland beschlossen« mrdauch tatsäcblich drrrchsetzte. Unter den! Rückwanderern besiirdeir sich and) solche, die es in Amerika bereits zu Nanren und Ansehen gebmch-t halten,. So z. B. der Leiter der Washingtoner Nationalbibliothek Map H o r o w i tz, der als bedeutendster Statistiker A'merikas galt. Ebenso verließ Dr. Ehajini. Sch i ii o« iv s k i), der bekamste Führer der russischen. So-zi-a«l>slen in Amerika die Vereiirigten Staaten, mn in Rußlandam Fr«eiheitska.ntpfe teilzirirehlneir. Bialhstok rmd die Anflöstmg der Dnnm dürften jedoch dieß Optimisten ernüchtert haben-.

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