Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 54 (27.7.1906)
- Date
- 1906-07-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 54 Nattonalzeitung Gurgg. M. M-oriß, Glücklich, PuvkerSvorf (Niederlösterr.), Jurist, 8. B'ez., Piarüstertg. 40. Dr. «dWlifr Kraus, Pilsc'», (BWimen), Arzt, 8. Bez., Fa,sang. 58. Paal Gv-ldschanidt, Hokie (B-öhmen), Opernlsänger, 4. Bez., Schwinsg. 8. Babelli Mlvr, Höllisch all (MMren), k. t Pöstaspirantin, 20. Bez., T reihst r. 0. Kanillla Gellner, Anstritt in Brünn. Sllsred Selkes (Selkus), Wien, 10. Bez., Rntlhg. 6. Ta". Egon Mh-m, Wien, Chemiker, 1. Be-z., .Unrniitcrftr. 28. Erihst 'Straffer, Wien, 8. Bez., Bioatrixg. 14. Jv)ic>s -Hertzk-a, RaÄvonltz (iSchtesien), Prilvat, 7. Bez., Renba-ug. 28. Johanna Weinreb, Wien, Private, 0. Bez., Porzellang. 50. Alexander Wied-mann, Statih allere!, Trickst. J,v!ses Pvllak, Wie», 0. Bejz., Stumpe rg. Nr. 86. Sfroii GroHWd', Jmoslaim iC^afiiä'i'c'ii), Neisender, 2. Bez., Gr. Sperlg. 7. E'lsa AltmalMl, Wien, Schan.spielerin, 2. Bez., AnSstellnngSstr. 20. Margit Deutsch, Ba>rez (Ungarn), Private, 4. Bez., Hamptstr. 12. Eduard Heinrich Unger, Wien, St>tlöent, 2. Bez., Eastellezg. M. 'R'ina LÄveusteill, Wieli, Private, 0. Bez., Mehnertg. 0. Stephanie Mathias, K rata», A'd'vv'kateiigattin- 0. Bez., Wasag. 11. Volitifche Rundschau. Die Wahlrefor «t, welche der Ausschuß zutage gefördert und die ein allgemeines, gleiches (!), direktes Wahlrecht angeblich repräsentüireil soll, sowie die Reden, welche daselbst gehalten wurden, liefern' eine deutliche Charakteristik der Unailfrichtigkeit und des maßlosen Fraktionsegoismus der derzeitigen „Vol'ks"-Ver.treter. Wegen zwei (!) Mandaten wurde die ganze Wahkresorm gefährdet, von den Vertretern der dlMsch-bohmischieN BomiMoisiv, die lange genug ihr -eigenes Volk, alle übrigen .Nationalitäten und das ganze Reich im selben Maße, wie die Abgeordneten der tschechischen Bourgeoisie durch! ihre nationalen Herrschaftsbestrebnngen und chanvinistischen Quertreibereien an jedem sozialen und politischen Fortschritt! hinderten. Schließlich! lvurde das Scheitern! der ganzen WahlrefMmaiktion nur dadurch verhindert, daß übe>r die Köpfe der vereinigten dentschböhnüschcm und tschechischen-, Abgeordneten binweg die übrigen Parteien! den- Vermittlungsantrag Löcker votierten. In Mähren, rvo ähnliche Verhältnisse herrschen', wird über die .Köpfe der Juden hintveg tm Ciuverständnisse mit den, afsnn!ilatorischen jüdischen Führern zur Tagesordnung üibergegangeii,. Als seinerzeit die Wahlrechtsaktion von feiten: der vokkst reuen. jüdischen Elemente die Massen au'srütteln! sollte, mn, eine entsprechende Vertretung der Indien zu erkämpfen, da haben diese Herreu an Quertreibereieil und allerlei Terrorismus der schlimmsten. Sorte in, Göding, Mähr.-Qstrari, Holleschau, Mskowitz, Friedet, Qderberg risiv. es nicht fehlen lassen, und mm. ist es soweit gekommen, daß sie stolz daraus sein können, daß die Abgeordneten Tr. G r o ß rmd S t ra ns k i) im Wahl ans schuß ihnen bezeugen, daß die« jüdische Wählerschaft das Herdeiwieh ist, das zur Wahlurne kommandiert tvirD, mir ihre Stimmen abzngeben für die Vertreter der engherzigsten chauvinistischen' deutschnatioualen rmd tschechischuationalen Koterieupolitik. Zur Ulustrierrrng der Richtigkeit dieser Tatsache dienen folgende Aussprüche : Dr. G r o ß meint, daß „die Jude n ü b e v w lege n d auch dort, wo sich die Vertretungen in tschechischen (!) Händen befinden, treu znr deutschen (!) Sache^ gehalten, rmd wenn eine Verminderung dar jüdisch-deutschen Wähler Platz greift, so geschieht dies deshalb, weil die Juden infolge des V o y k ot t s von feiten: der T s ch e ch e n i h r e E r i st e n z n i cht m e h r finde n> k ö n n e n rmd auswanderir". Abg. Dr. S t r ansk y erwiderte darauf, daß keine Juden answandern, denn „irr Mähren geht es den Inden ganz, g u f (!!), sie werden mit der Zeit tschechisch (!) lind da sie in drei Wahlbezirken' eine sehr große Majorität Huben, so werden! sie wahrscheinlich einen Juden, wählen, der aber wahrscheinlich tschechischer (!) Rationalität sein wird". Das alles lassen sich ruhig die von ihren Führern (!) v e r führtenin ä h r i s che n> Jriden biete'n, und sie müssen sogar von dem Wolrtfüh-rer der Tschechischradikaleu, dem Abg. Dr. C h o c, die Belehrung empfangen, es gebühren, den Inden zwei bis drei jüdische Abgeordnete, aber i-n dem derltsch-tschechischeni Streit seien, sie nicht befrigt, sich als Schiedsrichter einzumischeu, sie täten am besten, nent,ral zni bleiben. Dies wäre heute mehr als je die richtige Politik. Aber die OrtZgewultigen in Göding, Boskowitz rrsw. haben ihre egoistischen Sonderinteressen, die es erheischen, die alte, den- Antisemitisimls förmlich züchtende Politik des Verrates des j ü d i s ch e n Volkes fortzuseßen. Ihnen schadet sie ja vorläufig noch nicht! lim so mehr ist es die Pflicht unserer Gesinnrmgsgenossen, in ganz Mähren und Schlesien sich wieder zn rühren, an die ausklärende agitatorische rmd organisatorische Arbeit ungesäumt irrtganzen Lande zu schreiten! Wien. (Das Geseh über den Hausier-- Handel. ) Im Sinne eines Berichtes des Abgeordneten Förg wurde der Gesetzentwurf über den: Hausierhandel angenonrmen. Auch dieser Entw-rrrf ist ein Produkt jener Parteistirömring, der die neue GaiverbeNiovelle ihre Emstehnng verdankt. Das Herrenhaus bar eine Aeirderrmg vorgenommen, ivonach das Verbot des Hausierhandels, welches eine Gemeinde beantragt, vom- Handelsministerinm genehmigt Iverd-en: muß. Rach der urspr-ürrglieheu Fassrmg des Abgeordnetenhanses sollte das Verbot von der politischen Landesbehörde erlassen werden. Das Abgeordueteirhans hat zwar dem Beschlrifse des Herrenhauses zngestinunt, aber daran den- Zusatz geknüpft, daß die von einer Geiueinde vo'rgeschlagene Harisi-ersperre als genehmigt gilt, lvenir die Gemeindever'iraltnng von der Ablehnung ihres Antrages ni-cht innerhalb sechs Monaten verständigt wordenist. Ferner hatte das Herrenhans die Bestmmrmgen: über den Hansierhand-el in D.en* sogenannten begünstigten Gegenden derart forüruliert, daß er den Bewohnern solcher Gegenden gestattet sein soll. Das Abgeordnetenhaus hat diese Fassrmg dahin geändert, daß die- Begünstigung, nur den in solchen Gebieten, heiinatsberochtigteli oder seit fünf Jahren ansässigen Personengetvährt loerde. Ties bedeutet eine wesentliche Erschwerung, denn die heimatsre-chtlichen' Verhältnisse sind oft soungeordnete, daß selb't Personen, die in, begünstigten Gegenden' ansässig sind, do,rt noch nicht heimatsberechtigt e-rscheineu. Besonders bedenklich ist das Erfordernis der fiinfjä'h-rigen Seßbastigkeit. Gerade den bedürftigsten Bewohnernlvird es oft schwer fallen, diesen Nachweis zu erbringem da sie meist vorübergehend als Wändevarbeiter Arbeit suchen- und nur, wenn sie in der Laudwirtschast ihrer" Heimat Beschästignug finden, dahin zurückkehreu. Der Zweck der Begünstigung wird durch' eine solche einschräukende B-estimmmrmg sehr häufig illusorisch iverdeu. Czernowitz. (AnAweisung russischer Flücht- .linge.) T'ie- Hiesi-Mn Soziawe'MVk.vaten veranstalteten NliWwoch den 25. -£>. 6 Itfjr abends ini H-ose o-es Gelwerkschaiftslvlales eine allgemein zugängliche V'ol>ks-ver,jalml»ng. TageSordn>n:ng: Stellimgnähme z»r dlnSiweisn-ng russischer Arb-eiter. Die „Bel'kspreisse" berichtet «üiber die>se überraschend kvm'mende»- -9lnHm'ei-sn»ge'n 'durch die -Staatspolizei: „Es wird seder russische Arbeiter vorgeiladen »»-d ihur lkrr-rz-erh'and ncktgeteilt, -d-atz ein binnen 14 Tagen Czern,o,M'itz verlassen' »küsse, widrige»,salls er an die rnissijsche Grenze.gebracht 'wird, vbivoh-l eine Alnsweisung einenlschristlichen BeWl erfordert. Ta die Polizei j'e'övch nur die Adressen derjenige» hat, die' längst geine'l-det sind- und in Arbeit sieben, iverd-en gerade diesezuerst a»Sgewiesen. Ans unsere Intervent,iv-ll bei der Landes reglernng wurde n-ns erklärt, daß dieser Vorgang allerdings »ngesetz-lich sei, weil dadurch den- Russen ein Rekurs »»liubglich gewacht werde, daß muh tu der Lande s regte rnng an eine pauschale AnS'ivejsimg nicht gedacht sei, vielmehr solle, jeder hungrig, mir ist, als ob ich gegessen hätte. Ein gutes Wort ist soviel, wie eine gute Tat . . . Te-r Bauer begann tut», Vorbereiktlugen für die Weiterreise zu tres'sen. Sie 'hielten sich anden- Hä-nden und es war ihnlenschwer, sich zu '.rennen. — Wann iverden wir nnZ noch eiirmal sehen, 9tuchs'm .... — Hin-, .weiß ich. Es scheint, damals, wann ich mit meiiiem- Sshu. Zhr eriwaatet den Eurigen und e-r ivitd ko,minien nnd ich habe nach m-eilieur weine A'N'geu «iviun'dgeschant und -iveisg daß er niemals zjuvücklehrt. Euer Weg ist eilt anderer tt-nd oneinj Wieg i,st e-i„, anderer. Bei En-ch ist: es Mittag nnd lang'sa'M! geh:'s in die Höh', bei mir ist bereits Abend und der Gipfel. Und ich . . . tut .... ivas tun . . . Gott gedantt attch dcifür. — llnd tviürdet ihr nicht mit mir anfsitzen und sahricn, ivohitt Ihr wnllf? — Bergelt's Gvtt. Ich kamt nicht fahren, es ist mir, als ob ich fahre- .... Er senkte traurig den Kopf itn,i> starrte ans die Erde. Wmf einmal sprang er wmf. — Leos'» cha, cha, mit welchen Pferlöeu werden wir denn heute sahrett-'? .... Mit den weißen uut> sausten, tote die Kindle-r, oder mit den schwarze» u,»d senlnige», 'wie die Schlangen, öder vielleicht mit diesen scheckigen und schnettett, wie der Wind'? Er siel atis die Bank und lachte nnd tue inte, daß der K-vPs tlimhertanzte. Die Geschichte eines russischen Flüchtlings. Budapest, 17. Juli 1906. Die Llbsaihrtshalle des Qslbahnhoses lvar Mstevu, der Schauplatz -einer rühren-den Szene. In einem, Win-keli Der Hallestauben drei Personell: ein Greis mit silbenveißem Barte, an seiner Handeia kleines, blasses Mädchen-, und neben ihm ein junger Rcann. Ter Greis, ein russischer Flüchtling, lveime laut. Sein, Schluchzen,, in ivelches sich das- Jammern des Atirdes menpte, hatte Die An'fmelksamkeit des Bahnhospn-bliknms. ans sieh gelenkt, infolgedessendie kleine Gvnppe alsbald von, ei ner zahl reichen Rceilge n'ingeben war. Teitilahnisvioll erknndlgtea sich mehrere um das Leid des fremdeil Rcannes. Dieser aber gab anfangs keine Ant- Ivort i eine»! Brief, deil er in« seiner Rechten! hielt, führte er ineh'reremale vor Augen, bedeckte denselben tviederhvlt mit Küssen, nad rief einüber das aaderemak: 'Armes Weib! i>lrmes Kind! Ter neben, dem« jammernden' Fremden stehende junge Mann, ein Badapester Kanfmmm, erzählte den. Anwesenden, der alte Mann sei ans R'nßland ansgewiesener Jude, namens Tobias Montier. Er habedenselben am Balmhose erwartet, nachdem ihn, ein russischer (Keschästssrenind ersucht hatte, dem- Flüchtling eineil bei-gelegten. Brief zu ü-bergeben-. K'anm, habe der alte Mann: den Brief dnrchgelesen, als. er in: lante-s Schlllchzen, ansgebrochen, sei. Erst langsain beruhigte er sieheia Ivenig und erzählte: „Meine Frau> ist leider gestorben-. Meine Tochter ist schwer krank. Hier in diesem: Briese steht es geschrie-beil." Und das Weinen! ging von, neuem' an.. Es dauerte lange, bis er sich wieder fassen konnte. Dann begann: er ans das Ansuchen eines zur Gruppe tretenden- Herrn mit der Erzählung seiner L-cb e i ls g eschich te. Tobias Rcon-kler steht im 77. Lebensjahre. Seit mehr als vierzig Jahrea hatte er in« Velikoje Selo nn. Gouvernement Kiew eine größere Landkräinerei betrieben und hatte sich nach und nach Besitztümer im Werte von, mehrereni tausend Rubeln erloorben,. Vor ungefähr zwanzig Tagen kam plötzlich ein, Ukas, demznsolge Monkler und seine Familie, und mit ihm noch zirka pvanzig ändere Insassen binnen, vierund- 2. f\ITTEI.&/K» Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 (Palais Sina) iw Zentrum der Stadt. Pektoral-Husten-Bonbons. Beetes und sicherstes Mittel gegen Verachte!* inung, Husten. Heiserkeit. Verhindern den Hustenreiz u. bewirken sofort die leichte Entfernung d. Schleimes. Preis pro Schachtel 70 Heller.