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Nationalzeitung · 1906-07-24 · Heft 53 (24.7.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 53 (24.7.1906)
Date
1906-07-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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beit« 2 Nation»lz«ikmg Nr. 53 Ignaz Kuran-a, öcr i'&r int Jahre 1884 in den Tod LwrcmsgegcmMu ist. '4kach Ausöntch der MKqMwcMn-g des Jahres 1848 war Kuranda ans Loipzig, tvo er die „GrettWotett" herausgaib, ^tach W!teNzttrückaekehrk. Zit daS'sc-lbe Jahr stillt feine Verniählung, die in Kvlin gefeiert mvtibc. Kttvanda gehörte ö-cint FitMiigerMtsischutz an, den Wien, nach Franikfurt entsendete» n>n>d die Stadt Teplltz tvä-hlte- Hn zu ihrem Vertreter in der PaulAkirche. Batd war stnranda nahen SchnsMa Ser von den Tschechen bestgehaßte Mann. Mit dem ibenttAttten Rechtslechrer .stattMr Wächter erschien/ er als Abgeffanöter in feiner Vaterstadt Prag, lfm zur BeteMgnng m den Wahlen für das Frankfurter Parlanrent attszüsordert:. Dle Dschechem, von Palae'ky geführt, der den Absagebrief nach Frankfurt richtete, und der feudale Adel unter dem. Grafen Matthias Thun, wehrten mit Leidenischäft ab. Die beiden Abnelsandten hatten Nl.>t, mit heiler Haut den Argumenten des Prager Pöbels zu etttkomnten. Tantals wurde von dett Tschechen ein iSchrnählred gegen KUrauda mit Vorliebe gesungen, dessen ein^e'lNe Strophen mit >den Ährte n begannen: ,Kurauda schreibt U!Ns." Diesen nationalen Haß der Tschechon be-kantett der iberlühmte Politiker nn>d seine junge Gattinsogar am Tage ihrere Hochzeit zu verspüren. Vor dem. Hanse in Kolm, in dom Kuranda Wohnamg gen-ommen hatte, säMmÄte sich am Abend seines Hochzeitstages eine sainsatisierte Menge an, die eine so drohenbe Hattn-ng eiunähm, daß Kuranda nnld seine junge Frau aut Leibenitutiö an der Sicherheit ernstlich 'bedroht waren und sich nnr mit MÄhe flüchten kounjten. Nach der Nevoltdtion hat sich Ignaz Kuranda bekanntlich dauernd in Wien angeisicdelt. Er begründete die „Ostdeutsche Post", und int Jahve 1861 würbe er von der Wählerschaft der «Innern Stadt -in. den Landtag, utrd von diesem in den Reichs rat entsendet. Dieses Manldät behielt er auch in der Aera der direkten Wahlen zwanzig Jahve, hindurch. Spä-ter, da sich seine ökouomischon Verhältnisse gebessert hatten, erwarb Km-raUda das Ha-us Ecke der Wollz-eile und des Parkrings. D-ort kamen alle! hervorragenden Persönlichkeiten der damaligen politischen Welt zusammen, und in set-nsinttiger und lrebeusimürdtger Weise machte Frau Regina Kuranda die Honneurs des Hauses. An der Bahrte -der Verblichenen trauern orei Sdhite, «der Ministerialrat im Eifelnibahumtinisterium Camillo Kuranda, der Direktor des Wiener Bankvereins Felix Kuranda, der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Arthur Kuranda, und eine Tochter, Olivia Kurauda. Die Beerdigung fand gestern vormittags aus dem Zentralsriedhofe statt. Wien. Waiser- Fran!z Jo!sefs-Fetpien-hei>m.) Am 7. d. Ml wurde der SerieUweMel in den ReLoNoa-leszenteu-, -Herztraulken!-, Skoofulloseninnd Erholnnigstolouien, sowie in der Souder- -kolonie für solche Schulkinder, die für Tübetikirlose dispottiert sind, vollzogen. Die he-itttgskehrten Lchützlittge weise» glättzende ErhMungserfolge und Ge!wichMutta,hmett -bis zu vier Kilogramm an-f. dkahej'iu 660 arute, kranke Kinder tverden in diesem Jahre der segensreichen Wirksamkeit des .stailser Franz Fosess^Feriettlvc-itns teilhaftig, das der Fötder-tntg aller CdeldeNkettdon Hestetts empfohlen sei. Spendet: trnd BvitrittskerMruttigen wolle man an das BereinAbttr-eau, Wien, 8. Bez., Dürkettistraße 17, gela>ttgcn lassen. Wien. (Mntsjubtlänut.) Aus Anlaß der 25iäthrigeu Attttstätigkeit der EfseEteusett'salett Ignaz Geitoilsch, Bioritz Fieisch-ntantt und J-u-ltns Z-ettel fand am 20. d. M. int Btireau der Effekte: tsen-salr der Wiener Börse eilte Feier statt, -tvelcher attch der laUdes-sürstl-iche Kottttnissär, Mt trister ial rat Tr. Pöschl, ifoiwie der Generalsetretär der Börsekatnlmer Fran.z Lick nnd der Generalsekretär- Stellvertreter kaiserlicher Rat Ludtv-ig Bidtzky beiwohnten. Dett Jnbila-ren wn-rdeu von dem Präsidenten des Sentsa-lengretttti-uints, Herr» Jo-ses Beck, tust warntett Begteittvorten Glückwunschadressen ü'bergetbett.!J>tt längeren' Redett sprachen attch Bktittisterialrat Dr. Pöschl fotvie die Vertreter der Börsäkaimittter ihre Gratttlatiotten aus. Die J-ubilare daniktett in herzlicher Weise. .Herr Gc- 'tv-itsch ist PräsidetttsteHltvertreter des Sensalengremi-ums, «Herr Zettel Kassier 'desselben. Herr Gewitsch hat aUläWich >de.r Feier dem Gremi-Um der Effekteustnlsale 40.000 L, dem- Vere-itte zur Unterstntzuitjg hilssjbMirftiger lB!örsetbe>sucher) 5000 X tmd dem Kratttken- und Unterstütznugsvcreine für das Hi-lfspersonai 1000 K gespendet. Lemberg. s'Tas Mandat des ver'stovbettetr Mbgcordttete-tt Dr. B-yk.j Wie „Gatzeia Na-rodma" erlsährt, bewirbt sich u>m das dttrch, das ^lbleben des -A-bgeordtteten Dr. Byk e-rledigte Rei-chsratsnt-a'ttdat im: Städteheg iirlf Btt.'dy-!Z!toezo-w der Metier Hotsuttd Gerichtsatdvokat Dr. Korn-seld. A-ls -ernster Kandidat gi-lt der Brcdyer Vitzetbürgernteister und Han-delslkaintutersekretär Dr. Statt istaus Nittel. Lemberg. (Ein jüdischer Oberpostkoutrollor.) Herr Leopold Goldberg, Vorstand des Hiesigen Teleph-onattttes, wttrde z-um Otberpostkontrollvr ernamtt. Diiese -Erneun-Ung wird in hiesigen j'üdifchen Kreiselt mit FreudeU begrüßt, -denn sie ist die ZltteBen-tiittttg -gediegener Sachbonnttt is und großen DieUsteis-ers, tvobei noch zu bemerken ist, daß Herr Goldberg auch ein treuer, opfe-vwWjger Jude ist, was er auch nt# Stolz zur Schau trägt. Lemberg. 'Vorige Woche fand hier eilt K-ongreß rttihenlischer Mademi'ker statt, aas welchem die Fvivderung nach einter ruttheu-ischen Universität zur BeratUttg stand. Mehrere Redner bespra'cheu auch die Stellung de,r Judeu in Galt z t -e -n, denen dieselben Rechte zugestaniden wurden, wie dett übrigen Nation-alitäteu. Es wurde beschlossen, an die jüdische tt Hoch schäle r Galiziens die Atl-ffvrderung zu richlett, daß sie bei de» J-ufkriptione tt nicht die pol n i f ch e Ratiottalität als die ihrige angebeu, weil dadil-rch ein Bkitzve-rihältuis Mischen den übrigen Nationlalitntett g-esschaffen -tverdc, welches nicht der Wirklichkeit ettlspricht. Lemberg. s-Galiz-ischc Jttdcn als Feldarbetter.) Ans Sz-olorntuice in Galizien wird berichtet, das; in der dortige tt Gut swirls Hast eine große -Slittizahl Juden als F-eldärlbeiter beschäftigt sind. D,ie Gutsverwa-lttlng hat sich über -die Düchtvgkeit -der j-iidischcn F-eldarbeiter rviederhott lobe-ud an-Agesprvchen, u-n-d derr Wutisch geäußert, eine größere Anzahl von J-Uden für diese Arbeiten anzutwerbett. Jüdische Gymnaskallehranstalt in Storozynetz. Der israelitische Kultusvorstand in Storvizynetz. ersucht uns nnr Austtahme solgetider K-undtttachtuttg: Unter dem Protektorate ider israel. Kultttsgenteittde Storozynetz eröfsttet Herr Rabbiner D-r. M. Jung in Storozynetz am 1. September l. I. eitr jüdisches Privat-Gymnasium, tvelches nach dem Muster des bereits in Ung.- Brod bc-steheuden geführt -tverden wird. D'as Gymuasium, tvelches die Ten-denz verfolgt: „Gut -ist Dhora vereint mit Lebensart" wird alle jene jüdischetr Kittdertr, tvelche GymuasialstndiU'tnnrit sittlich relig-iöser Ertzieh-u-ng, vereint -mit hübräischein Wissen lind Kenntnissenau-stretben, iu all diesetl Fächertt anszuibildetr. Dlie Direktion wird in dett bewährter Händen des Herrn Rabbiners Dr. M. J'ung steihen u-n-d werden au derselben Anistalt die tüchtig,st-cn Lehrkräfte wirken, fo daß der Erfolg ein gesicherter ist. Da jedoch die Erö-s-fn-ttng, als 'auch Bestelkuttg der Lehrikräfte von der Schulerauzahl abihängig ist, so tverdetr deshalb Amneildnugen, als auch EtnschreMt-ugeN' für die -erste tmtld zweite 'Gytun-asialklasse, die zur Erö-fftmug gelaugen> bis zmn 20. Juli l. I. bei der .st>u-lttlsgenteittde Storozynetz eutgegettgeuommen. Di-e Beding'Nttgett zur Ausuahrne entsprechen vollstättdig jetten eines öffentlichen Gymnasiums. Ueberdies hat jeder -Schliter bei der Eiuschreibrr-ug 20 Kronert zu. erlegen, welche von -demjährlicheu Schtt'lgeilde, das 200 Kronen beträgt utt>d in Monatsraten zahlbar ist, dan-n in Zlbz-ug gebracht weröetlwird. Mit Rücksicht davatts, daß dieses ganze Unternehmen voll der Beteilignug ab- 'häwgig ist, rtud darin für uns!J,tt>deu ein enormer Vorteil liegt, werden alle jene Eltern, die ihre Kittder in dtesenr -Sittne erziehen wollen, ersucht, sich dis zur angegebe-nen Frist bei der Kttltnsgeineiiid'e in Storozynetz anzuweldeu.!SoMe auch eitte gettii-gettdo dlugahl von Bkädchen sich z-n-ttt- Vefttche ntelde-tt, wird eine Mädcheuäbteiluug eb-e:nfalls gebildet rverdeit. Nä-Here AusküUste sind bei Herrtr Rabbiner Dr. Jtutg, Uttg.-tBrod, beim ihren allgemein hochgesetzten und auch über die Grenzen bekannten und anerkannten Meister. Lassen Sie uns den Allmächtigen bitten, er möge unserem allmächtigsten Herrn utrd König noch zu vielen Jubiläen Gesundheit und Kraft verleihen! Gerührt antwortete der achtzehnjährige Talmudist, der seine Rede mit beit Worten schloß: „Der Herr Studiendirektor geruhe meinet: alleruntertänigsten Dank an den allerhöchsten Thron gelangen zn lassen!" Hierauf dankte Oberrabbiner Schreiber in schwungvoller Rede. Unter Leitung des Oberkantors Kohn wurde die Hymne gesungen, womit die dettkwürdige Feier ihren Abschluß fand. Josef Ungar wurde später als Rabbiner nach Pöstyön berufen, woselbst er bald darauf im jugendlichen Alter starb, noch ehe er Zeit hatte, sein überaus großes Wissen zum Wohle des Judentums zu verwerten. Alexander Gobel, Rabbinatskaudidat. (Nachbemerkung der Redaktion: Diese in der ungarischen Wochenschrift .Srombati Ujsäg“ (Sabbatzeitung) veröffentlichte Reminiszenz gewinnt an Bedeutung, wenn man bedenkt, daß der damalige Kultusminister WMtlibarl ffamHHefcit Qaruohloa I August Trefort zu den bekannten Judeuhassern zählte, der bei Besetzung öffentlicher Lehrstellen als wichtigstes Qualiftkationszeugnis den Taufschein verlangte und später, als die Taufen jüdischer Lehrpersonett zu sehr überhand nähmet:, auch diesen Schein nicht ntehr hittreichend fattd, einen Juden für das öffentliche Lehrfach zu befähigen. Ebettso beachtenswert ist auch der Umst'attd, daß es ein Geistlicher war, der in der Talmudschule die Frömmigkeit mtd Gelehrsamkeit des Oberrabbirters und seittes ausgezeichneten Schülers pries). 8. A. Frankl ,mH die Lamelschule in Jerusalem. (Zum fünfzigjährigen Jubiläum dieser Anstalt.) (Schluß.) Wit' Juden sind Bürger dieses Reiches, die heilige Lehre ist 'das unentzichbare Gm-ndrecht unseres geisti-gm Staates. „Latz mich eine Schule gründen!" Dieser Gedanke ist es auch, der in dem Herzen und Geist einer edlen und frommen Frau im fernen Oesterreich, dessen Blick den: Osten zugewendet, die welthiftprischie Aufgabe hat, die Kultur nach Osten zu tragen, rege gewordenist. Kultur ist bic' Sonne, die aus Milliarden Stra'h-len, welche aus Geistern' und Herzen strömen, zusammenfli-eßt wtb die Welt vor den: ioiederkehrelt'den- Chaos rettet und sie erleuchtet! Es ist eine hochherzige Frau, ivelcha die Witwe Jehovas trösten kommt, nicht mit einer Stmlhlengarbe, aber doch mitein-ein, Funken, der, liebevoll angiefacht, fromm, gohüt-et-, zu | einem Stern aMvach-fen kann. Under wird nicht verlöschen, wie atich ein fiutsterer, feindlicher Sturm wichen mag, er wird leuchten und > selbst g-imti Heile -denen leuchten, di>e das Licht ' scheuen und den- Gla-tiben itn Wahne findenl „Latz mich ei-ne Schule gründen-!" Sie ist nunmchr begründet und es ist ein -günstiges Zeichen, daß eim mächtiger und frommer Fiirst, der unter seinein Titeln auch den: eines „Wnigs votv Jernsalem" führt, die junge Anstalt unter seinen mächtt-g-en Schtltz nimmt. Essind sechs- Jahrhunderte verflossen, seitdem auf heiligen: Boden das rot-weitze WaWei: Leopold des Glorreichen entstanden ist uno in: schönen Oesterreich locht und glänzt, während . es hier verschwunden war. Es ist ein günstiges ' Zeichen, daß es seit kann: einet:: Jahre iu Pd- , lästlnawieder entrollt, auch heute in diesen: Saale flattert, als einkostbarer Schnmck, als! eine Witzende Aegide." Pollenz echte Reform-Schweissblälter

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