Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 53 (24.7.1906)
- Date
- 1906-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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RatimchkitNg Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentum einer L-zjeliit. — Herausgeber nnd ChefredaKtenr: Jabsb Krauor. Inserate übernehmen die firmen: I. Vanneberg, M. vukes Nachfolger, ksaasenstein & Vogler, Hubolf Mosse, M. pozsonyi, fl. Schale! in Wien ferner alle klnnoncen.Lxpeditionen im Ausland«. Einzel - Nummer in Wien IS Heller. Redaktion: IX/l, Wafagajse 81. Telephon Nr. 14723. Sprechstunde« r An Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Nattonalzeitung" Wien. IL>l. Serrdveröe» wegen verspättter oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns dringend. — Iflaniubriptt werle» MKkt x«rleRc«iteiit. Vostsparkasfen-Konto 47037. In das Abonnement kann man täglich eintreten. m-d Administration: Telephon AbonnrmeutS-PreiS: Für Wien u. Oesterreich- Ungarn f. Frankozustellung: Ganzjährig. . . . K 12.— Halbjährig . . . . K 0.- Bierteljährig . . .K 8- Für das gesamte SluSl d Ganzjährig . . . K 15.12 IX/l, Wafagaste 81. Nr. 14723. Prei» der Anzeigen: Die 5m al gefpalt. Nonpareillezeilr oder deren Raum 12 h. „tkingefende^' die3fpalti,e Ronpareillezeile 50 Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgegengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile II; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgcisse 7; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Kr. 53. Wien, Dienstag den 24. Kuli 1906 (31. Tarrrns 5666). VIII. Jahrgang. 3niun8sfdinii.il. KomsMdeuM Inland. Unsere Spendensammlung für die russischen Auswanderer. Weiters liefen ein «von den Herren B. Roman X 10, Dr. Herimann Knhner K 10. Weide in Wien. Znisainmen K 20. Hierzu die in! Nr. 62 cm-sgewieisenen L 520.86, 'z!usa>milnen K 540.86. Die eben beendete Neichsratssaison hat wieder einmal deutlich gezeigt, wie viel resp. wie wenig die österreichische Bevölkerung im atfgem,eineni im-b di>e! Jude n. Oesterreichs im besonderen! von den> verschiodenieu Reichsratsparteien, zu erwartenhaben. Das „hohe Haus" ist auf Ferien« gegaingen«. Das Ergebnis seiner „Tätigkeit" ist aber« Null! Ein tot a l u nbra u ch> bare s G ew e r b e g e s e tz, WÄch-esi eine weitere Etappe auf dein! Wege zum! Ruine des Gewerbestandes rm>d speziell der jüdischen Geschäftsleute bildet mb in politischer Hinsicht die W a hi l r e f o r m, die keineswegs den Wünschen nnd Bedürfnissen! dev Bevölkerung und des Reiches entspricht, sondern den einzigen- Zweck hat, den verschiedenen m a n d n t sh u n g r i g e n Parl a« m e n t a r i s ch> e n Cliquen eine ^bestimmte Anzahl von Mandaten zu sichern. Dabei eine Vergewaltigung bcr Hei n e r e \i Boilksstamme, in allererster Linie der Juden! Was wir slolvdern und wofür auch! unter den österreichischen Inden energisch P r op a g a m b ai ' gewacht werden m u ß, ist das allgemeine, gleiche nnd direkte Wahlrecht mit P r o p o >v t i o n a l w a. hi l - s y st e M!, sowie zumi Zwecke einer dauernden nationalen Ordnung eine R e v> i s i o n der .Reichsverfassthng imSinne der n a t i o n a. li e n A u t o N! o m l! e a l l e w Völker der Monarchie. Alles andere ist Stück- und Flickwerk! Die Flitterwochen der magyarischen Koalition scheinen, varüllerzu sein. Auf den Freudenrausch folgt die E r n ü ch> t e r n n> g, zu dev besonders die u n g arischen Juden allen Anlaß haben. Wie bei sämtlichen chauvinistischen Strömungen! in Zis- und Transliüthanieni erntet auch bei -den M a g y ar e n die klerikal-aiitisemitische Reaktion, was der extreme Nationalismus gesäet. Im Ministerium, der mngyaitschen Koalition herrscht der Geist A P p o n y i - Z i ch y, welcher besonders im- Schulwesen nnd bei Böschung von Aemtern als reaktionärer, judenfeindkicher sich' offenbart. Es ist kein Znfall, daß gerade j ü - d i s ch e Abgeordnete, wie Dr. B a z s o n y (Demokrat), Dr. Brody (Demokrat) und Mezöfy (nationaler Sozialist) in ^Opposition gegen das Koalitionsmi n i steri'mn sich befind-en, trotz d e m« s i e v or k u r z e m noch a u f sei -t, e n d e r K o> a l i t i o n standen. Heute aber erschallt bei ihren! Reden nur Bei^- fall ans den- Bänken der — n l cht magyarischen Ratio n a l i t ä t e n - Abgeordneten, - welche, wie ans ihrer Adresse an die Krone ersichtlich, henke in Ungarn allein -die Prinzipien der Freiheit, der nationalen, konfessionellen und fo-zialen Gleichberechtigung vertreten. . Wien. Der Verein zue Mbw'chr des Antisemitismus hat an Maijor Dreyfns ein GAickniun'schichreiben gerichtet, in weichem es zum Schlüsse heißt: „Der Verein Hegt iMiei leise Hoffnung, daß auch für das in nnfer-em Staate 'schmachtende Opfer ei ne rl ähnlichen Intrige, für den 'des Mordes bezichtigten Unglücklichen aus Pol na -die Stunde der Erlbsnug s r ü H e r schlage u werde. Mir gebenuns der Ho'sinnng Hin, daß JH-nen diese allgemein geteilte, nn'wande'kbare Gestnimmtz einigerm'aiß'eu Entschäbiguug für Me namenlosen «seelischen und Mrperlichen Quaken, die Sie so lauge bedrückten, bieten." Wien, sTodesfall.) In der Nacht >vom 19. aus d-eu 20. d. M. ist in MMl'rng Fra!n Rosa Fuchs, geborene Kornfeld, im 63. LebeusjaHre gestorben. Frau Rosa 'Flachs war eine Schwester des Präsidentender ungalrischen all>gemeinen «Kreditbank, Magnatenhausmitgliedes Siegimrnd Kornfeld und des Hof- und Gerichtsadookaten 'Dr. Jguaz Kornfeld unddie Mutter des Privatdozenten Dr. Alfred Fuchs. Regina Knranda. In. Jjschl ist am 20. ds. Hochbetagt Frau Regina K«nra>n>da, geborene WittelsHiölsen, gestvisben. Die Vevblichen«e>, die das Alter von 82 JaHren erreicht Hat,!war die Witwe nach dem berüHmten Politiker und Publiz-isterr Feuilleton. A«s -er alte« Preßburger Zeschibah. Als ich jüngst im Archiv der Preßburger Schule alte Dokumente und ältere Zeitschriften durchstöberte, wurde meilie Aufmerksamkeit durch eineu Artikel in einer Preßburger Zeitung gefesselt, der von einer Auszeichnung eines Talmudjüngers handelt. Es lvird nicht uninteressant sein, einiges über diese Auszeichnung hier mitzuteilen, denn dieser Fall dürfte wohl der erste und — niemes Wissens — bis heute der letzte sein, daß einem jungen Talmudschüler, eine königliche Auszeichnung zuteil ivird. Unter den im öffentlichen Leben tätigen Juden gibt es wohl eine verhältnismäßig große Allzahl solcher, die Allszeichlumgen erhielterl, die geadelt, viele, die baronisiert wurdell, aber llur ein geringer Teil dieser Auserwählten fanu wirklich als Jude bezeichiret werden, denn die meisten unter ihneir haben das Juderltlim bereits verlassen, oder un bestell Falle sich dermaßeli assilniliert, daß sie für das Jndeiltum verloreil sind. Die Auszeichlnulg jedoch, voll der hier die Rede ist, wurde dem Talmndschüler für die Ulierschütterlichkeit seiiles religiöseil Gefühles und seilles Glaubens verliehen. Im Jahre 1874 feierte Ungarn das 25jährige Regiernilgsjubilärun des Königs. Aus diesenl Anläße drückte der Preßburger Jeschibah-Bachur in eiilem in klassischem Hebräisch abgefaßtell Gedichte seine Huldigung denr Köllig alls. Seüle Majestät nahm dell hebräischen Gruß huldvollst all ulld gab dem in einem Allerhöchsten Handschreiben Ausdruck. Mit der Ueberreichung des Halldschreibeils an dell jungen Talmudisten betraute der damalige Kultllsmiilister Anglist T r e f o r t ben königlichen Studiendirektor Abt Josef Bart off. Die feierliche Ueberreichung des königlicheil Dankschreibens fand am 24. Jänner 1874 ill der Rabbillerschule statt. Um tl Uhr vormittags erschieil Studiendirektor B a r t o n in Begleitlmg des Oberrabbiners Schreiber, und sänltlicher Hörer im großen Schiursaale der Rabbinerschule. Der Stndielldirektor verlas die Zuschrift des Ministers Trefvrt, durch welche B a r t o n beauftragt wird, die feierliche Uebergabe des Darlkschreibells vorzunehm.en und hielt dailn folgenbe Allsprache Ml die Amvesenden: „Sehr geehrte Herren! Ehrwürdiger Herr Oberrabbiller! Se. Majestät unser Herr uild Köllig hat dem Herril Josef. U n g a r, dem Schüler dieser hochverdieiltell Anstalt, welche nunmehr seit 300 Jahren den hohen Gedailkeil des Glaubens verkiüldet und die wärmendell Strahlen der Religioil verbreitet, für feine iil ein überaus geünlgelles hebräisches Gedicht gekleidetell Glückwünsche der Auszeichllung zuteil werdell laffeu, ihm in einem eigenhändig geschriebenen Briefe ben Dank abzustatten. Mir lvurde die Ehre zuteil, das allerhöchste Dankschreiben dem (gefeierten zu überreichem Diese Auszeichnung gehört zu den Seltenheiten, besonders in Anbetracht oes Umstandes, daß sie einen bescheidenen, jungen Schüler trifft. Herr Ullgar! Der heutige Tag möge Sie stets darall erimlern, welch große und wichtige Allfgabeil auf dem Gebiete der Religioil uild der Wissenschaft Ihrer noch im Lebell harrell, alls daß Sie eiuft auch als Bürger dieses Staates dieser großeil Auszeichnullg würdig bleiben. Gilt diese Auszeichlllmg auch in erster Linie dem Gefeiertell, so berührt sie doch auch diese Allstalt und ihre Schüler, iuSbefoubcre aber Die nächste Nummer erscheint Freitag den 27. Juli. -*»«