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Nationalzeitung · 1906-07-20 · Heft 52 (20.7.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 52 (20.7.1906)
Date
1906-07-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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i\r. 52 Nationalzeitung Seite 5 Auf ibie Fwige, wie Dreyfus von dem Offizierskorps aufg-cnomm'e-n werdenwird, antwortete ArtilleriMirektor Vouissonn „Ich kann ohne Mühe diese Frage beantwor'leu. Major Dreyfus wird Lei uns als guter, ausgezeichneter Kamcrad ausgenommen werden. Die Prüfu-Nlgen, welche ihm anferlegt wurden', dann seine NehabiMerung und die Auszeichnungen, welche ihm nun zuteil gewordensind, empfehlen ihnein wenig mehr unserer Aufmerksamkeit, aber dasist auch alles. Ich habe keinen meiner Offiziere gesprochen, allein, ich verbürge mich für alle, daß sie ineine Gefühle! teilen. Ich kannte Dreyfus in der Kriegsschule und habe ihn als einen glänzenden, L-esoniders intelligenten Offizier betrachtet. Von. dem«, was ihm in der Vergangenheit vorgewü'vfen wurde, kann, nichts mehr Zurückbleiben. Nach bienihn verurteilenden Nichtersp'rüchen der .Kriegsgerichte haben' lvir uns vor der gerichteten Sache ^gebeugt. Nach dem Urteil des- Kafsationshofes, welches Dreyflls rehabiliti-eck, Lengen wir uns wieder vor der gerichteten. Sache. Wenn Dreyfus bei uns erscheint, werden wir ihmdie Hand drücken, er wird in diesem Bureau Platz nehmen und wir werdenarbeiten." Mülhausen (Elsaß). Die endgültige Freisprechmtg und Rehabilitierung des- Kapitäns Dreyfushat in Mülhausen, seiner Vaterstadt, besonderslebhafte S-ympathi>ekllN!dgedungen ausgelöst. — In T h a n n. wurden am Grabe des Senators ScheurewKdstnior, des- Vorkämpfers für Dreyfus' Rehabilitierung!, kostbare Blumcir und Kränge: nied-ergelegt. Paris, 17. Juli. Im gestrigen Ministerrate war beschlossen, worden, Major Dreysus dem in Vincennes garniso-n'ierenld-eir Artillerie- Regiment Nr. 12 als EskaLrons'kommanldauiten zugu t eile n, und heute bringt das offizielle Blatt eine Ve-Uantlbxrrlmg, daß Dreyfusnicht diesem Regiment, sondern dein Gen-era-lftab zu'gell'ilt ift, mit Verweud-un'g bei der Artillerie direkten von Vinecnnes. Nachdein Mini-sterrat ist die Aend-erung ei-ngetreten, die erst aufgeklärt werden muß. Ter Oberst des 12. Artilleri-e-N-egiments, lvelchem Dreyfus hätte zugeteilt werden sollen, äußert im „Petit Parisieu", daß Dreyfuseiner guten Aufnahme in seinem mum R'-giment sicher fei. RV'ginrentskoinmandairt Oberst Meyer erklärt folgendes: „Ich. bin glücklich, die Bekanntschaft von.- Dvcyfns zu!N!ai.l)cn>. ] i ,'ifcr neuer Major wird vonr R>egi>ment gut aufgenommen, werden und insbesondere von. seinem Kommandanten." im Auszüge hier mitgeteilte Ansprache : „Wenn ich vor die hochverehrte Versammlung trete, um sie angureden, so bin, ich in dem! glücklichen Falle, daß Bild und Gedanke nahe liegen! und mir dargeboten sind: das Bild des Tempels, der Gedanke des Unterrichtes! Blicken! Sie zu diesen Fenstern, hinaus, und nur zwanzig Schritte fernragt die Westmauer des- Tempels empor. Es ist der einzige Uebervest einer längst dahingegangenen Zeit und einer erloschenen! Lichtherrlichkeit. Als diese Tempelmaueru wankten, der Fall der heili-gon Stadt unvermeidlich war, da ließ ein Mann, scheinbar als Leiche, sich aris der Stadt. hmaustrageu — denn die Fanatiker hätten ihn. sonst als Verräter erschlagen — um für seine Brüder, für! Weiber rm-d Kinder rnn Gnade zu flehen-. Als der Feldherr diese versagte, ihm aber eine persönliche Gnade zugewähren! versprach, bat Rabbi Joch-anan ben Sat'kai: „Jaß mich in, Jabn-e eine Schule begründen-. " Der Römer gewährte lächelnd die Bitte und ahnte nicht, 'daß inihrer Erfüllung eine ganze große Zukunft des JrtdentumS liege, welche das eiserne Rom überdauern und den Sieger einst besiegen! sollt-e. Rabbi Jochannn beu Sakka-i sah, daß es mit dem StaatsleLen der Juden zrr Ende ging, und er faßte den Gedanken einesgeistigen Reiches, eines geistigen- Jerusalems, welchesdas weltliche, nunmehr in- Trümimevn liegende, überdauern! sollte. (Schluß folgt.) Urrschiedems am dem Kiewer Goavernemenl Bon, Lchrer I. I. B r a. u n, Radoinisl. Als ich vorige Woche Kiew verließ, herrschte m der Stadt eine schrecklichenervöse Erregung, dennseit Wochen sind schreckliche Gerüchte in Umlauf, die eine Zeit grausamer Ereignisse für die Kiewer Judenheit an-kündigeu. Vonallen Seiten kommen Nachrichten von, einem bevorsteheuben Pogrour, und so-lche Gerüchte und Berichte müssen natürlich die Bevölkerung Kiews in -eine nervöse Stimmung, versetzen. Es gibt in Kiew bereits viele eingeschüchterte Gemüter, die selbst bei Ta-geshelle nur mit Herzklopfen a-uf die Straße gehen-, b-ei ein tretender Dunkelheit um teuren P-reis aus ihrer Stube zu bringen sind. Sie fürchten sich vor den täglich st-attfindenden Raubüberfällen. Von der Regierung freilich sind Maßregeln getroffen, diesen Greueln Einhalt zu tun,; aber noch sind die Erfolge gering undalltäglich früh, beim Aufwachen findet man in. den Höfen gedruckte Proklamationen, -die einen bevorstehenden. Pogroman künden. Im Kiewer GoUv., versteckt zwischen! den Ber-grieseu, liegt mein, Wohnort Radomisl. Die Kreisstadt führt ei-ni Dasein voll idyllischer Ruhe. Nur selten verirren sich Touristen nach dem am Flusse Teterowgelegenen- Nadomist, trotzdem dieses! S-ehonswürdigkeiten. aufweist, biiei Wohl nir.geu.dsim ganzen Gorivernement wieder, anzu-treffen sind- Rado- 'inisl ist nämlich' eine Bildergalerie unter freiem Himmel. Hier inder loürzigeu Waldluftgedeihen aber die Antisemit-en lvie Unkraut und alltäglich, beendi-gen, wir den Tag mit Zähueklapperin! und erwachen mit unsäglicher Singst. Unser Leben ist hier in Mördorhä-nde-n und sie verfahreu mit uns Unglücklichen nach Willkür. Viele, die nur eine S-nm-me von 100 Rs. aufzub ringen imstande sind, fliehen nach Amerika. Sie verkaufen ihr Hab und- Gut für Spottpreise. Ein neuer Schrank, der 25 Rs. gekostet hat, wirdsü>r 3 Rs. feilgeboten-, Betten, Konimodon- und andere Wirtschaftsgerätschaften werden für eine Bagatelle abgegeben. So leben wir hier! Gbtt erbarme sich unser! Aus Zuaim. Znaim, 7. Juli 100-6. Ms Pendant zu Ihrer Nachricht ans Pardiübitz, aufol-ne welcher die Juden dort znm e-rstenv.uii seit 00 Jahren ohne Vertretung in der Gerne i-nde-stnbe sinld, diene Ihnen- ,nn.d Ihren p. t. Lesern die- Kunde, daß nu-sere Kon-se!ssi>o-n in Znai-m ifeit 8 Taigen z-mn ersten,mal überhaupt int Geu'eindeaüö'ßhnsse durch etn-ett- J-n>den vertreten ist! Schon vor drei Jahren waren die hiesigen Juden m'it -der -Forderu-ulg an die herrschende Pastei hemn'getrete-lr, -ihnen, mit Rücksicht ans die Steuerletst-nua mch die J-utelliaentz nniserer Glaiuhens- -genossen eine Bertretna-g im> Ausschn-sse ein-zuräiinnen. T'amals uurrde die -gewiß n-i-cht n-nt'illi-ge Jvrdernnig mit Rücksicht au-f -eilten -art-ge-bl-ich anden -V'ürgertueister ein gelangten anonyüuen Brus, i-n lvelch-etn erklärt lvordensein soll, di-e Nkieh-rzghl der -hiesigen Juden reflektiere it i cf) t ans die Wahl eines j-lidischen Gerneitideans-schlnsses und auch mit Rlicksicht davailtis, als nn-ser Vorsteher offiziell er- 1lärt-e, di-e Krrltusgenrein-de als solche stehe der Mitati-otk- -zur Erlangn-rm eiuvö Ge-lnei-lldeajusisch-rißstelle jertte, -z-u-rückgotviesen. Dies-ma-l aber, -tv-v die Sl-g-itatiorr eitle ättßerst etter-gi'sche war, und unsere Glanhensgetloffen tvie ein Man-ti mit der Fendernilg ati-f Cstlrätlnt'mtg zitve-i-er SRandate a-tlfgetretett- .tvarett-, gela-tig es, i-ttsbes-ottdereda der hertsche-tt-deti. sog. li-herale» Getneinde-vertrietn-ng in den- -Tesltschnattvtl.alett einerecht nttbeguetne Kotckurrett^ geg-ertüherstatid, beqtl-ettrtensich die Herrenvon der herrscheti'dett- Partei, detl Jtl-detl ein Bian-dat, uttlö züv-ar ans-drücklich, siir Herrn Rtidolf Wotzilka, Brattereiu'tth Spirittlsra-ffitieriebesitzer ein'zn-rä!ti!tttett, tvel-cher anch, ttachdettt sich die Jtldettsvlldar'ilsch u-nid ehrensv-örklich verpflichtiet hatten, denr Nusgestellt-ett: Katkdiidatett ihre S-t-i-tttttie ztl geben, ltoivkl-ich, tvett'tr attch a-lS letzter, d. h. mit den wenigsten StimNten gewählt, atls dev Urne hervorging. Rköge Herr Wvtzelka tlicht v-ergeff-en, daß er f-eitt Mindat seinen- Glaubensgenossen verdatet! Vermischte Nachrichten. Unsere Spendensammlung für die rnssischen Auswanderer. Weiters tatnen uns zu von den Herren: Hermann Pla-schkes K 6, R. rüern'schitz K 0, beide tu Wien. Zusammen K 12. Hierzu die in Rr. «^1 ausge tvie fetten L 508.86, znsamntett K 520 86. Richtigstellung. In die redaktionelle Siotiz zn dem in voriger Nnmmer veroffentlichU'tt Lingesettdet des Herrn Dr. I. Schallt betreffend dert .Urakauer Parteuag bat sich ein sititl-stvrender Trucksehler eitiaeschlichen. ES soll da lauten: „. . . daß eine Idee, deren nryn-nnglichste Bertr.yr wir schon zu einer Zeit waren, als Herr Dr. Lchalit sie noch.- fü.rein Kapitalverbrechen lnnd nicht Kapitalunternehnten) hielt" usw. Wien. (Po-ale-Zion.) Atn mo-rgigett Vortragsabend der P-vale-Zionisten wird jur. Alex. Weisz über „A r b e i t e r s ch u tz" sprechen. B-eginn 8 Uhr abends; Lokal: Eafe Stesattie — -Skefani-estraße. Gaste willkommen. Wien. (Ziouistische Patästin-areist.) Der zwurftische Zemoalveveiil. in W-i-eu gedenkt im Herbste d. J-. eine ziomstische Patäfnnarelse zu veranstalten'. Die dwife ist für ca. 22 Tage berechnet und soll nach dem Sukkotfeste im November unternommen werden. T>er Besuchder jüdischen Koloui-eu in der Umgebung, Jerusatems- und« Jaffas undein zw>ei-1ägi-ger Libanow Ausflug bilden Hauptpunkte des Pro-grammes. P>reife, die a u ß e r o r d e n t l i ch billig fein werden, sowie sonstige B-edin!gun!gen werden m den demnächst erschemend-en Proipekt-en bekannt-gegeben. Die gewählte Zeit ift für eine Palästinaoche archerordenttich günstig. Das Meer ist im Gegenfatze zum Frühjahr ruhig, die Temperatiuc' angenehm, di-e Z-aht der Pilger ist nm -diese Zeit noch' keine sogroße, so daß lvir für mehrere hundert R-eisende gute Unterkunft veMivgen können-. Alle, die sich, für diese Reise hinte-refsieven, elha-Iten nähere -ätust'uuft beim obigen Verein, Wien, 9. Bez., Türkenstraße 9. ,JZch muß einen Juden erschießen!" Gegen üett Ha-nsb-esttz-er und Anftreichermeister Josef .Eh w v t ka in Otta-trin-g, Stoppstraße Mt. 144, war eine exeltttive -Feilbietung erwir-kr worden, die am 7. Rial d. I. stattsinden sollte, da die voll ihtn atig-e wie fette Zahlung iticijt rechtzetttg erfolgte. Als der VoUstreckuti-gsbea-utte Jg-ttaz bk o tv o : tt y itr Begleii-uttg des Schätz-tneisters Josef bien ma n n, gefolgt pott ei-n-er Schar Kanslnstiger, in die W-vhntmg eitttmten, schrie Eh-tvoika: „Bei mir darf kein Jud herein!" Der VollstreckuttgSbealmte belehrte ihn, daß er verpflichtet sei, jeden t>t-a>ttflustiö-ett eintreten zn lassen, denn die Jeilbietnng sei amtlich ltlndgemacht, utid vertundeie den Beginn 'der Sltnts'hattdlnttg. In diesem! -Augettb'ilck zog Ehtv-viika einen Olevolver aus der Tasche ttttd sener-te einen Schuß ans die Händler ab. Tie Kugel fuhr in detl Boden, die .Unn-fer fiohen -und eiu ÄLachntatUl etttriß -öem Wüteuden, der immer schrie: „Ich muß eitlen Inden e-rschießen!" die Waffe. Ehtvoila tvttr-de treg-en Alvr-dversuch-es, gefährlicher- Drohnng und Erpressuu-g in Uutersuch-ttug gezogeu, doch stellte das Lauidesgericht diefe-Uw ein und trat deu Akt dem Bez irts ge richte -ovsefstadt tvegeu llebertr-ektutg gegen die körperliche Sicherheit ab, vor welchem am 12. ds. die Ver-hmi-dluttg statilfaub Ehwoika sagte, es sei nicht ferne Absicht getveseu, jetna-ttdett an-zuschießeu, aber bei-m Anblicke -der „Lizitationshyä-uen" sei er in solche dlfisregutl-g geraten, daß er, um diese abzuschrecken, einen Schiu-ß gegen den Boden absenerte. — Der als Zeuge -verttotmnene Schätzmeister N-enttta-iltigab an,-E-Htvvika habe schon vorher angekündigt: „Es wird ein Malheur geben. Wen'n ein Jnd in tneine Wohnung kv-tnml, gibt's ein Blutbad. Riindeftens einer mnß hin werden,' zehn Jahr' -wart' ich schon darauf!" Ehivvila ivar sehr a-nfgeregt und ließ sich von n rep: an dom. a nm von seiner Iran nicht, bertlhigen. — Der Richter, Gerichts sekvetär Dr. Thönt), fattd den Angeklagten schuldig, nahnt die beson-dere -Gefähr-lichkeit seines Vvrgehe'ns sowie die Verhrechensgretl-ze als erschtverend an tutd verurteilte ihu zu einer Woche Arrest. Czcrnowitz. (Herzl-Feier.) Die von den ziouistischeni Korporationen. „Enmenah". „Hebrouia", „Zephimh", „Deborah", „Poale- Ziou" tmb- „Zivu" am Samstag den 14. ds. veranstaltete H e r z l - Dratlerfeier uahiu eiueu äußerst lvürdi'geu und ernsten Verlauf. Lange

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