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Nationalzeitung · 1906-07-20 · Heft 52 (20.7.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 52 (20.7.1906)
Date
1906-07-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nationalzettung Nr. 52 Si'flfvf muit jüdischen Lkandpnukte einer mMfanociteu Aivitif unterzogen werden. Nach genau dreijähriger Tätigkeit hat die ■0 n teil igenzpartei i n ge ra dezü n ie d-e-rs chmettern>de r Weise abgewirtschaftet,' von den 6 Mitgliedern des Gemeinderates wurde nur eines im zweiter: Wahlkörper wie'dergewählt, ihre hervorragendsten Ausschuß männer wurdengeradezu ir-eggesegt, von einer ansehnlichen Majorität ist die Beaintenpartet zu einer an Zahl und Einflug bedeutungslosen Minorität he rabge stucken und all das trotzdem nnverke urbar deren Geldge'barnng in der Gemeindestuöe und städtischen Sparkasse cin'wandfrci war. Was also hat diese überraschende in Ung.- Hradisch noch nicht dageweferle .u-lirzlebigkeit einer aus mannigfaltigen Gründen in einer kleinen Landstadt so mächtigen Beamten- und Intelligenz- Partei herbeigesührt? Lagen wir es sofort hier und ohne Umschreibung, die innere Unaufrichtigkeit '.'i'd die lleherhebnltg. Lie uannsen sich freisinnig und bedrückten die Minderheiten, wo immer sie nur konnten, sie nannten sich eine Bokkspartei und waren hochnäsig bis zum Ueberdrnsse, sie waren vermöge ihrer Vernfszngehörigkeit die Rechts- und Ordnltngspariei an sich nud ließen in ihren letzten Ausläufern der Entsittlichung, der gesellst Eichen Auffassung, der 'C'Urrechtnng großer, stenerkräftiger Bevölkernngsschichten, der Verhetzung der Ei nohn erschuft untereinander, der Gefährdung der freien wirtschaftlichen Betätigung des einzelnen, ja den Eingriffen auf Ehre, Leib und Leben freien Lauf, wo immer es dem entarteten Mob, halbwüchsigen gestern eingewanderten gc-nz, halb- oder gar nicht gebildeten Burschen gefiel, die Schreckensherrschaft nach der oder jener Richtung über die eingeborene seit mehreren Menschenaltern ansässige Bevölkerung auszniiben. Daß unter diesen Verhältnissen die Inden am meiste:', litten, bedarf keiner besonderen Begründung. Ter gesellschaftliche und wirtschaftliche Boykott derselben -wurde offen betrieben,' namentlich isnrdtn in der von der sogenannten Imelligenzparter erhaltenen Zeitung diejenigen angeführt, die es wagten, mit einem Juden in irgend eine GeichäftsVerbindung zu treten; vor den Kaufmau.:släden der Inden wurden Wächter ausgestellt, ium zu kontrollieren und hierauf zu dcnnnzieren, welcher Nichtjnde zum Juden kaufen geht. Tie Gasthäuser, die jüdisches Bier schenkten, wurden boykottiert. Tie öffeMiche. W'ache verhütete, daß die Landbevölkerung den für den Ein- und -Verkauf von Lebensmitteln steuerzahlenden Gewerbsleuten während der Marktzeit in derer: G< schütte oder auch Wohnungen Lebensmittel zum A:,k« nfe anbiete. Tie eingeschüchterten Juden wurden bei -bohlen in die Steuerkommission, in die Handelsnnd Gewerbekammer und in sonstige öffentliche Vert-eliungs'körper durch Trohungen vermocht, der steher unter den ausdrücklichen Versicherungen - ihrer Nichtbeteil-igung vergebcus für die Maßs losen. Dieselben, Herr R. Mosche, Schmelke > Horowitz, R. Tundal Salant rin-d R. Jeschaja! Bordaki, ließe:: nun durch einen Abgeseudeten! Herrn Tr. Frankl bitten, sich für die Freilassung der Verhafteten zu verwenden, worauf sich derselbe sogleich zum österreichischen' Konsul begab, und seiner Fürbitte Ratten es die Verhafteten zu danken, daß sie schon nach 24 Stunden — obschon zu dreitägiger Hast verurteilt — freigegeben> wurden. Herr Tr. Frankl hat, unbeirrt von all bom Kleinen und Gemeinen, mit denr seine berühmten Vorgänger gleich ihm zu känripfen hatten, bereits ein, schönes Haus für die Anstalt gemietet. Aus den Fenstern der Lehrsäle blickt das Auge in den inneren Hofraum des Salomonischen. Tempels und auf die ganze Kupvelreihe der Stadt. Maurer, Tischler, Schlosser usw. sind tätig, das türkische Haus in guter: Stand zu scheu. Ein Komitee, zusammengesetzt aus fünf der geachietsteu Persönlichkeiten, ist bereits mit denr Entwürfe der Instruktionen für zwei Lehrer -— deren glückliche Wahl anerkannt wird — tätig, und die Zahl der zur Aufnahme vorgemerkten .Kinder übersteigt bereits das vierfache derjenigen., welche Raum finden kann. Die Kinder österreichischer Untertanen, dann Waisen, finden unbedingte Aufnahme, dann erst können andere berücksichtigt werden. Tr. Frankl kann nun nicht mehr ungestört durch die Straßen gehen, ohne daß Väter, her: schänden Partei die Wahlkegitimation ansznfvbz'Il. Das Ansehen des Gerichtes wurde durch die in des Volk unmerklich, aber doch die allgemeinen Sitten verderbend eingefickerte und gednkdete Meinung. daß persönlicher Einfluß des Vertreters der Rechtt Durchsetzung förderlich seinkönne, gefährdet. In der einst friedliebenden. Stadt war ein Geist der gegenseitigen Anfeindung eingedrnngen, der für den wirtschaftlich schwächeren, meist vom Tageserwerbe abhängigen Inden zu einer bedrucke!: den, unerträglichen Last anwnchs. Wurde in Brünn eine -Entschließung gegen di" Errichtung einer tschechischeu Universität gefaßt, so wurde in Ung.-Hradisch nicht gegen die Tenrschen, sondern gegen die Juden demonstriert, wurden den Inder: die Fenster eingeschlagen, wurde ihnen von denjenigen, die ihr Geld für Vertrernngskvsten unter der -bereits erwähnten sittenoerderbeu den durchsichtigen Nieinn n gsevr egnng wahllos v\ nahmen, -osten erklärt, es seien Indenmetzele ien wie in tliußkarld nicht nötig, mall rnüsse den Inden rrur grundsätzlich, wirtschaftlich u-nd gesellfchasrlich anöweichen, darin werden sie schon selbst die Stadt -verlassen. Auch die nicht-jüdische bürgerliche und Arbeite:l.evölkerung litt bis zürn Ueberdrnsse unter dieser mir für denjenigen, die es selbst miterlebt hat, faßbaren schwülen Luft. Wie ein Alp lag es auf der Brust eines jeden, der nicht durch eine öffentliche Beamknng oder durch einen gänzlich -der Einflußsphäre der rnaßgckend gewordenen, durchwegs erst jüngst in, das Land und die Stadt eingowanderten Elemente entzogenen siche re rr Erwerb gedeckt war. 'Nicht wie gebildete, gesittete Erzieher, die durch erhebendes Beispiel die des Lobes Bürde schwer tragende, minderbemittelte B-evölk einig heran k-il-den und zu gesteigerter nationaler und knltr reller Betätigung aneifern wollen, sondern wie barbarische Eroberer, die den Boden, den sie gen mmen haben, zertreten und die Ureinwvhnerschasr, sei es mit mittelalkerlichen Mickeln der Gewalt sei es mit den modernen,-aber nicht minder gefährlichen- Mitteln der Unterbindung des Lebe, snevves, anszurvUen, beziehungswei-se aus- Lulr>ilen bestrebt sind, haben die Hintermänner der Iutelligerizler ihre Macht ansgeübt. Bei j solcher Sachlage kann es nicht Wunder nehme«, i daß eine Ztvälitivn, wie sie wohl selten im öfserrti kichei: Leben zu finden sein wird, sich bildete, die! dieieu auf jedem einzelnen lastenden Terrorismus! der ,.I-or!tjchrittlichen" — so n-aunten sic sich llämi licb etuch mit Vorliebe, illdem sie die Gottlosigkeit! -mit Iorkschritt, den gapzen Rock mit-Gesittung, den gen.'stznen Schulunterricht mit Bildung, den Eigendünkel mit Selbsterkenntnis, die ansschließlicd.' Beherrschnug der anderen mit Freiheit, die gen a.'rsäure Tnrchsetznng ihres -Willens mit Gerecllickl.it verwechselten — bei den Wahlen in die Witwen., endlich selbst Kinder, ihn bitten, ne! zu. berücksichtigen.! Durch geduldvolle Ausdoner, in welcher i Herr Dr. Frankl namentlich auch durch z)vei! seiner ärztlichen. .Kollegen-, die Herren Doktoren Frän-kel und Nenmann, lvie der angesehensten Ehachamün nn-terstützt wurde, ist jetzt ein Werk geschaffen, das zum. Heil und zmn- Frommen > der heiligen, Stadt gedeihen soll und wird. , In längstens 14 Tagenwird die feierliche - Einweihung stattfinden."; Am 27. Juli 1866 fand, wie schon erwähnt, die Einwe.ihlmg der Schule statt.; Das für die Anstalt gemietete Hans war in allen- Räumen, mit rot-!voißen> Fähnchen zun: , Empfange der Gäste festlich geschnmckt; nn . Lehrsaale, der ebenfalts mit den österreichischen! Fahnen verziert war, pra-ngte auf breiter! Fahne in! prachtvollenr Nahmen das Bild Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich, ein | Weihegeschen-k der Stifterin; gegenilber war dos Bild ihres Vaters, des verstorbenen H-cirrn Simon- Edlen d. Läme'l, mrgebrächt. Längs der Wände gewahrte man die für den Llnscharrungsrmterricht destinnni-eni A-bbildrmgenna-t-ri-rhif tori s eher G egenstä i ide, b i bl if ch er Szenen nftv. Der k. f. österreichische Konsul Herr von Pizzoniano und Herr Dr. L. A. Fran.kl empfingen die geladenen, Gäste; rmter diesen wurde zuerst Se. Exzellenz der Pascha- Dom Jerusalem, Ritter des Grvßkrouzes des Franz Jofefs- und andmer hoh-er Orden, mit seinen: glünzenden Gefolge -begrüßt, dann der Ehacham '! Gcwcit'bcvertrctttng von der einheimischen Einw'.'h urschäst abznschütteln sich zum Ziele setzte» Die j r ns ansässige eingeborene Bürgerschäst ohne Ilitterjchied der tllationäliküt und des Glaubens <Iud>n, Ehristen, Tentsche, Tschechen, Liberale und Klerikale), sie alle cinigien sich dahin, daß sie das Joch der Fremdherrschaft von ihren: 'N'acken abwehren wollen. Und als durch einmütiges Vorgehen bei der Wahl das ange-str-ebte Ziel er:eicht wnr da atlnelien alle friedliebenden Bürger frei au- Ter Bann ist gebrochen, die Furcht beherrscht nichk mehr die -Einwohner der Stadt, allgemein gib: man der Hoffunng üianm, daß einer traurige» Zeit ker Stagnation eine Aera des Aufblühens von Handel, -Gewerbe und In>dnstrie folgen -werde. Und die Juden? Werden sie -aus der Zeit der Bedrückung und aus iw:t Ergebnissen des Wahlkampfes die einzig zlitäsflgell Schlüsse ziehen? 5 ie Juden haben dessen eingedenk zu sein, daß ihr .stampf nicht etwa ein K-ainpf gegen das Tschechentmn, sondern ein Kampf gegen den chauvittiftischien Nakivnalismns und gegen die Unduldsamkeit-war, daß die Niederbeugnng der Inden nur so lange -möglich war, so lange die Jude): j nicht als Juden, sondern einzeln als Dünger j fremder Bestrebungen in verschiedenen Lagern ' nlitge-mirkt haben. Tie Inden haben von ihren andersnationnlen und andersglättbigen Mitbürgern nichts zu verlangen, als Friede und gleiches Recht zurKräfteentfalinng. Wenn -die neue Gelneindevertretniig das A'lihkbündniS dahin auffnffeit wird, daß es wohl gut ist, sich auf den: tRücken der Inden emporznschwingen, daß aber das Losungswort der niedergerungenen Partei auch fernerhin der Leitstern der christlichen Bevölkerung fein werde, daun rvird sie in iiaher Zukunft das Schicksal der in ihrem eigenen Fett ersticken Jutelligenzpartei ereilen. Die RehkbiütierMg Dreysus'. Major Dreyfrrs. Paris. Major Dr-ey fus wird der Aw tilloriedir-ektiou in- Vincermes zugeteilt. Artilleriedirektor Oberst Bottisfon äußerte sieh einem- Berichterstatter gegenüber lvi-e folg:: „Ich, weiß nicht, welchen Dienst Dreysus hier machen wird, aber schonseit langen: ist di-e Ernennungeines Steilvertreters des Artilleriedirektors notwendig. Die- Artilleriedriektion beschäftigt Hunderte von Airbeitern- und Beamten. Die Mitarbeiterschaft des Majors Dreysus wäre uns sehr nützlich, fallser, wie zu vermutenist, in-it der Stellv-e-rtretnng des AAilleri-odtroktvrs betraut werden sollte." Baschi Abn-lafia, Großrabbiner von Jerusalem, mit seinen: -ganzen _ geistlichen- Kollegimn (Synhedrion). Es erschienen! ferner n:it ihren Dolmetschern lind glänzend! beiv-affneten Dienerndie k. Kioniftiln von Frankreich,, England. Spanien, Sarldinien tisw. Herr Tr. L. A. Fvmckl führte nach der Begrüßung mit zweien an der Anstalt augestellten Lehrern (N-abbiiien) die atifgeuomüienen Kinder vor. Es hakte sich eiüe so große Anzah-l derselben zur Aufnahme gemeldet, daß :uau, da die Mittel und auch der Rann: nicht ausreichend waveu!, die Schüler in interne- undexterne einteilen mußte. Die ersteren-, 20 an der Zahl, erhallten 5Ae-i-d-tlng, Kost und Unterricht, die letzteren-, ebenfalls 20 — somit 40 -Schüler im gangen, — n,ehmen am Unterricht alleinteil. Sie tragen eine geschnrackvolle, gleichförmige orientalische Kle-idnüg; bei der Anfnahine lvnrden ztlnä-chst Kinder k. k. österreichische Uuitertanen, dam: Vateru-nd mutter-lose- Waisen, daunsolche, denen der Vater oder die Mutter gestorben um-, berücksichtigt. Nachgewieseue dlrmut ivar beiallen Bedingu-ng der Aufnahme. .Nachdem die Kinder die ebenso glänzende als bed-eute-irde u-nd ehrivürdige Versa-urmlnug begrüßt und auf denschönen, grünlen Schulbänke::, Platz gen!oui!ineu' hatten., stiiiu::te ein Sängerchor hebräisch, den für die Einweisung eines Hausesgedichteten, 30. Pfatin an : „Ich preise dich, o Gott, daßdu- :::i-r aufgeholfen und meine Feinide nicht frohlocken, ließest über :nich." Hevv Dr. Frankl hielt hiemuf folgende,

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