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Nationalzeitung · 1906-07-20 · Heft 52 (20.7.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 52 (20.7.1906)
Date
1906-07-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nationalzeitung Nh 52 thencn gegenüber? Gewiß nicht, ich glaube sogar, daß Sie in den heißesten, Gebeten für die Entlvicklnng Ihres Volkes, iubvüitsti-g die Stimme erheben: Herr, lasse beiitie Olu-thrnen/ so intelligent, so klug, so bildun'gshuugrig und dann auch so bildungssatt werden, wie es die Inden sind, die in, unserer Mitte wohnen,! Vergessen Sie nützt, daß das gewisse Recht, das Sie uns großmütig zuerkenueu, gauz bedenklich nach deini Privilegien- und Schutzs udeiütuin früherer Jahrhunderte riecht, Ivo das Ghetto noch bestand und Realem und Fackelschwinger ihre rohe Kunst an, uns übten. Damals gab man uns gewiß Rechte, wenn, wir, die Kdnmi.erkne-chte der geheiligten römisch eir Majestät deutscher Nation-, nur flott zahlte ir, heute wollen Sie uns gewisse Rechte geben, wenn- — die Gegenleistung wird salbungsvoll und zeitgemäßer bezeichnet — wir mit den Christen' int Wahlbezirke in Frieden leben,, d. h. wem: wir den Willen der Christen tun, wenn wir blinde politische Gefolgschaft leisten, sonst gibt es eben, keinen Frieden. . . Das ist Ihre wahre Meinung. Nicht Bundesge nassen sollen, wir Ihnen sein, sondern politische Knechte, Sie wollen uns mit den anderen kulturell hochstehenden Nationen,, den Polen in Galizien, den Deutschen und Rumänen in der Bukowina entzweien, damit wir in die Hörigkeit einer Nation, geraten,, die bis vor nicht langer' Zeit leider Gottes die ganze Schn rach und das große Weh der Leibeigenschaft hat ertragen müssen. Nein, das wird Ihnen nicht gelingen, da haben Sie in einem unbewachten Momente uns' die Augen geöffnet, damit auch die Blindenunter uns sehend werden. Für diese ungewollte- Offenherzigkeit sagn wir Jhnieni Dank. Antichristen können wir sein? Das ist ein häßliches Wort, weil es das konfessionelle Moment besonders betont, weil es die finsteren Schatten wieder herausbeschwvrt, die! wir irn Lichte der Aufklärung schon gebannt glaubten. Das jüdische Volk ist unfähig zum Hasse, denn sonst hätte es nicht für die Freiheit jener Völker in vorderster Reihe gekämpft, die sich lange, bange Jahrhunderte in grausamen Judenve-rfolgu-n-g-e’n das Höchste geleistet habeu. Für das Böse, das mau uns tut, haben wir kein 'Gedächtnis, für das wenig Gute — ewige, unauslöschliche Dankbarkeit. Antichristen sind wir nicht, auch nicht Antiruthenen, wir wünschen nach wie vor dem ruthcn-ischen- Volke freieste Cn'tloicklunig und weitgehendste Entfaltung -aller nationalen und politischen Kräfte, aber mit aller Kraft verwahren wir uns gegen jeden- Angriff auf u n s e r e Volks- und politischen Rechte, mögen^ diese Angriffe von wem immer kommen, selbst von einem — Freunde. Dr. Mayer Ebner. Drt crßd Itv-Konhreh. -i) -sz. Ans London kommt uns' die Meldung zu, daß dort am 1. August d. I. ein intornasionaler Kongreß des „Jowish Territorial Council" stettsiudeu wird, dein u. a. auch Delegierte aus Deutschland, O e st e r r e i ch - it n g a r n imd t)iußland beiwohnen, werden. Die K'omimission wird sich, nach besagtem Berichte, mit der Besprechung der endgültigen Schritte zugunstender Erwerbung eines T e rv i t o r i u m s m i t a nt o nom e r V e r - Iv a l t ll u g, aber unter, englischer Schutzherrschaft, zur Ansiedlung solcher Juden' beschäftigen, die aus bestimmten. Gründen ihre jetzige Heimat verlassen.. Der Plan einer jüdischen Kolonialgvündung in U ga n-da, wird ebenso wie andere Projekte, zur Beschlußfassung gelangen. Mit diesem Kongreß tritt die von Zangwill inaugurierte territorialistische Beivegung in das Stadiunr der praktischen Tätigkeit. Wie denn dem Führer der Jto überhaupt nicht das Zeugnis versagt iverden kann, daß er sich in seiner Arbeit fast ausschließlich von praktischen Motiven leiten läßt und seine Tätigkeit stets vorn Gesichtspunkte der Notwendigkeit und der möglichst -raschen Erreichbarkeit des vovgestecktep Zieles '.beherrscht wird. Man ist besonders vonzionistischer Seite bemüht, den Wert der territorialistischen Bestrebungen hcrabzusetzen, die Taktik Zangwills zu verurteilen und sein Ziel alsunerreichbar und aussichtslos hinzustcllen. Aber merkwür-digerweise ist dasjenige, was an dieser vernichtenden Kritik zum Teile Leve-chtigt, gerade ans die zionistische Schule, ivelche Zangwill durchg-enracht hat, zurückzuführen. Wenn man z. B. Zangwill vorwirft-, daß er seine Organisation nicht ausschließlichjüdisch gestaltet, und ihr zu viel arische Dekoration verleiht, so mag ja dieser Vorwurf nicht jeder Berechtigung entbehren, aber -gerade diese Erscheinung kennzeichnete ja auch den- Beginnder zionistischen. Bewegung, da man in lautere Jubel a-usbvach, so oft ein arischer Paradezionist sich hevbeiließ, dein Ziouism.us seine Sympathie zu bekunden. Wir glaubenhier nicht erst mit Beispielen dienen zu müssen. Und nun die Erreichbarkeit des territorialistischen- Zietes! Ist die Gründung ein.es autonomen jüdischen Gemeinwesens außerhalb Palästinas in nbsehba-rer Zukunft erreichbar? Die bisherigen Erfolge des diplomatisch-politischen Zionismus mit dem Endziele der Staatsgründu-Ng in- Palästinasind sicherlich nicht geeignet, den Optimismus in dieser Richtuulg zrr steigern. Aber während der politische Zionismus bisher noch nicht das geringste, greifbare Zugeständnis V-o-m Sultan aüfzuweiseu. hat, kannsich ZaüKvill ditf ell^P-rä^dens, auf das Wtorische Faktum be-ruseir, daß die englische Regi-erüng deir- Jrweitein AlisieMulgsgebiet angeboteit hat, und in-, eingeiveihten Kreisen besteht heute kein. Zlveisel darüber, daß das auch von Herzl fa-bori-sierfe Uga-jDatzroj-ekt aritf dem sechsteü Kongresse nickst’lvesteii, dos Kvinmissionsbevichtes gefallen' ist, und daß die Neinsager sicherlich nicht die Majorität der- Ziouisteu repräsentierten.. Was jedoch die materielle Erreichbarkeit betrifft, so muß Zangwill vor allem das Bördle,ist zu-erkaimt werden-, daß esihm gelrmgen ist, auch einen großen! Teil derjenigen Jndeuin seinen Jdeen-kreis zu ziehen-, welche dem Zionismus bislang unzugänglich geblleben sind. Ist mau einmal geneigt, sich über den angesichts der großen-, brennenden- Judenn-ot sicherlich kleinlichen, Partei- und Disziplinstandpunkt zu erheben, so wird mau zunächst zngestcheumüssen, daß der Territorialisinus eine fortschrittliche- Entwicklung des Zionismus darstellt, daß Zangwills Bestrebungensich nicht gegen den.- Zionismus mit seinem E n>d z i c l e wenden, daß der Begründer und Führerber Itr, vielmehr, gedrängt durch -die immer bedrohlicher werdende Lage der Juden-, besonders im- Osten. Europas, nach dem, Prinzipe der Arbeitsteilung die Ausführung desjenigen- Teiles vonr Baseler Programmzri seiner Lebensaufgabewählte, welcher jedem- Juden« und, besonders' jcDc'm Zionisten, eine alle leidenden Juden mufasseude Gegenwartsarbeit innationalem Sinne zur! Pflicht macht. Un,willkürlichüvi'rft sich mm für uns die Frage auf: Gibt es in! Oesterreich tatsächlich keine Anhänger des Zangwillscheu- Territorialismus? Und zweitens: Weshalb wurde bisher in Oesterreichnoch keine namhafte territvrialistische Orgauisation! ins Lebengerufen? Die erste Frage ist füglich nicht leicht zu beantworten. Wir sind jedoch -der Ansicht, daß es in Oesterreich eine größere Anzahl Territonalisten gibt als Zionisten-. Daß dies noch, nicht, mit math-ematischor Germmgkeit festgestollt werdenkonnte, hängt mit der BeantivvrUmg der zweiten Frage zusammieit. Der -Grunddafür, daß bis nun eine bedeutende territorülalistische Orgauüsatioir nicht in Akiton getretenist, liegt zunächst in, einer Art wohl oder übel angebrachten, — dies bleibe vorläufig dahing-estellt — Pietätgefühls für den histori'schen- Boden der Eu-tstetzun-g der organisiertenziouistischien Beivegung. Dev Jude als Pietätsurensch hat eine eigene Scheu davor, auf durch Traditiongeheiligte-m Boden! irgend etwas zu unteruehmeu, was seiner Ansicht nach diese Tradition verletzenkönnte. Diesem« Pietätsden, 89iährigcn Greis mit Worten! derart, daß das „Besdin" einhellig beschloß, den Bann über ihn auszusprechen. Es wird von Männern, welche die Lokalznstän-de zu kenn-cu berufen sind, die vielleicht nicht!ganz begründete Meinung ausgesprochen, daß hinter den Fanatikern die Missionsgesellschaft, vielleicht nur! ein oder ein anderes vorgreifend-es Individuum derselben stände, indem jedes für die Juden hier von Inden gestiftete Jm'titut ihre Zwecke, weim nicht völlig störe, doch erschwere. Am 2. Juni fand auf Einladung des Chacham Baschi in feinem Älmtslokala die von Dr. Frankl ebbetcue Sitzung statt. Ich erlaube mir, Ihnen das ordnuirgsmäßig zu Protokoll genommene Resultat derselben. mitzuteileN'. Es ist authentisch, daich Augen-- und Ohrenzeuge war. Ve-rsamm-elt waren die Ehachamim mit den Vorsitzenden! Chacham Baschi 16, und die Vorsteher je 2 von jeder der sieben Gemeinden, die wir mit ihren Namen und ihrer S-oelenzaht hier aufführen: die Gemeinde der Sephardim- 3600, Aschkenasim „Pcruschim" 770, „Ehafsidiin" 430, österreichische 146, Warschauer 146, „Ehabat" 00, Deutsche 67, zrisammen 6137. Möge -diese Ziffer gleichzeitig als Berichtigung der in verschiedenen. Reisehandbücheru VmqMw i •aiiirtfiehtl Qaruchloi! irrig mitgeteilten Zahl der Juden-' in Jernlichung des „Halt" die genresfeust-en Auffordesalem' dienen. runig-en' an alle Ehacham-im d!es türki-sch-en Nacheiner dreistündigen- Debatte wurde Reiches, Schulen! zu errichten!. Dieser zu entzur Abstimmunggeschritten-. Es stimmten sprechen, fehlen! hier' alle Geldmittel, uuid so gegen die Auvahme der A.n-stalt- -acht, für di-e betrachten sie denhochherzigen Gedanken, der Annahme siebzehn, der dliNvesendeu, unter den Frau Elise von Herz-Lümel als einen von» lchtereu der Chacham Baschi mit feinem Kol- Gott gesendeten!, der sie in die Lage setzt, dem leginm als geistliche Behörde der Israeliten Auftrag und der Absicht ihrer Otegierlmg zu der heiligen Stadt, und ein Vorsteher der Geentsprechen', u-nd zugleich ein. Bchürfn-is. nach, meinde „Ehassidiur" und der deutschen Ge- Unterricht evsii-llon, zu können-. Dieses ist imter meinde. , ' vielenso groß, daß sie mit größten' Opfernihre Nachdem, so die überwiegend große Majo- Kinder durch Privatlehrermrterrichtenliasfenrität sich für die Gründung der «ebenisv hmna-nen- und arich null widerstreben-dem Herzen in. die als Kn-ltnr nnd Sittlichkeit fördernden Anstalt protestantische Mif-sio-nsschrcke schicken-, mn> sie ansgesprochen hatte, trug der Vorsitzende ans z. B. die Landessprache, Englisch oder Fran«- eine zweite Sitzmug au, vn« welcher von denen., Misch -erlernen! zu lassen'. . Heimlich geschieht die zugestim-mt hatten-, und voiv Herrn- Dr. dies selbst voneinzelnen! Phairisäern- („Peru- Franikl -ein! P'ro-gra'mm entlvorsen. und angoschim"). nviumeir werden sollte. j Die sephavdifche- Gemeinde, in- Ivelcher eine Um dieses so günstige Resriltat zu begreifen, i bedeutende- Aiizaihl österreichischer Un-tevtanen ist es nötig, zu bemerken!, daß die fep-hardische - vorhan,denwa>r, vereinigte sich. mit. Herrn Dr. Gem-elnde wagensehr trauriger Vermögens- , Frankl zu einem S-chntprogranMüe. Verhältnisse schon! vor zwei Jahren zu ihrem! Es war mm’ eine auffallende! Erscheinung, tiefsten Leidwesen gezlvungen war, ihre Rewie die eistschiedene Miiwrität, ivelche noch däligionsschul-e aufzulösen u-nd durch Verkmst des zu nicht aus Heimi-schen' und nur aus Fremden, für dieselbe bestimmten- .Hauses sich aus feit krirzer Zeit eiiügew-anderteu. Ruissell uud drängender Verlegenh-eit zu helfest. \ Polenbesteht-, sich alle Mühegab, das nunein- Eine zweite n-och größere gesellte sich hinmal Beschlossene zu' stören, zu. Wie bekannt, erließ der Ehachain Baschi > Wir wollen’ annehmen, daß manche! A-eu-ßevon. Klon-stantinopel bald nach der Veröffentrimg oder Demonstration! nicht von' den Vor- M Kcform -$cl>wei$$blätter US

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