Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 52 (20.7.1906)
- Date
- 1906-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Dolfes, RatMchrilM« Grschriut jeden Dienstag und Freitag. Eigentum einer Soriclät. — Herausgeber und Chefredakteur: Aakok Kraus;. Inserat,: übernelimen die firmen: 3 Danneberg, HT. Tufes Nachfolger, ksaasenstein & Vogler, Ktibolf Ulosie, Ul. porlonyi, N. Lchalek in Wien ferner alle KiinonceN'Lxpediiiouen im Kuslande. Ginzet - Nummer irr Wie« IS Heller. 9-—W Red Aktion: IX/1, Wafagage 31. Telephon Sir. 14723. Sprechstunden: An Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Nationalzeitung" Wien. IX|«. Beschwerden wegen vcrspäteier oocr gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir unS drinacnd. — INsnurtzripie werden «letzt zuräcbeesteiit. Postsparkasten-Konto 47037. In das Abonnement kann man täglich eintrelen. tz-ä Administration: Telephon AbonnementS-PreiS:??ür Wien u. Qesterreich- Nngarn s. Arankozustellnng: Ganzjährig . . . . K IS.— Halbjährig . . . . K Vierteljährig . . . K 3 — KürdaS gesamteAuSl r b Ganzjährig ... X 18.12 L- IX/1, Wasagaste 81. Nr. 1472». Preis der Anzeigen: Diesmal gelpalt. Nonpareille» zcile oder deren Raum IS ti. „Eingesendet" die Sspaltige Nonpareillezeile 50 Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. Verschleißstetten unseres Blattes, in welchen auck Abonneinents entsieqengenonmien werden: Hermann Goldschnndt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgasse 7; Robert Weiß, Wien, l. Jnkobergasse 7. M. 52 Wien, Freitag Len 20. Inlr 1906 (27. Camus 5666). VIX1. Jahrgang. Nicolai v. Wasstlko, der freie, aufgeklärte Manu, der Vorkämpfer Ihrer unterdrückten Nation!, der auch von. Juoeu .gewählt-c Abgeordnete, Sie, der Sie schon so vielm. einzelnen Juden Wohltaten erivi'cfen mD von, uns Juden immer zu den Freunden der jüdischen Sache gezählt wurden-, Sie wollen' uns nur eine er c - w isfe Berechtigung Aden,, unsere Abgeordneten zu wühlen, aber nicht das unbest r i t t c u e Recht? Ihnen, Herr Abgeordneter, haben die Juiden für kleine Wohltaten große Dienste geleistet, und es drückt. Ihnen -das Herz ab, daß wir auch! dasselbe Recht. Habens föiiiiTtcini, das Sie mit der ganzen' Kraft Ihrer Persönlichkeit für Ihre Kon-nationalen erstreben«? Ihnen, haben jüdische Politiker trotz warnender Stimme politischen Snkkurs geleistet, haben mit den RuGenen ein, Bündnis geschlossen, das zwar -gottlob vloim« jüdischen Volke noch nicht sanktioniert ist, das aber für Sie unddie Bukowinaer Rrrthenensehr wertvoll geworden ist, unid dennoch wollen Sie! uns nicht ein einziges, sicheres' jüdisches- Mandat gönnen'? Sollen wir glauben, daß auch! ini Ihrer Brust zwei' Seelenleben, daß Siel zu jenen Christengehören, die für die armen B-etteljnden und die verstümmelten Opfer russischer Rcgierun'gsbestieni Mitleid, gegenüber jeuelni Juden, aber, die' iw besseren' Verhältnissen sind und Muße rmd' Bedürfnis haben, -am politischen Leben aktiven Anteil zu nehmen, nur Widerwillen, empfinden? Bon Jbnieni das zu. glauben, fällt uns schwer, aber« Ihre Worte im Wahilrieformanslschuß Haben' wie ein Blitz in dunkler.Nacht Ihr Inneres erhellt, so daß wir nunmehr wissen, waswir von dem- DL ,e n - s ch. e u Wasstlko', was wir aber auch von dem P o l i t i k e t zu halten haben. Zweck dieser Zeilen! ist aber nicht, Ihrer gewiß hochachtbaren Persönlichkeit nahezutreten, sonidierni Sie und die Oeffentlichkeit arifzuLlären, weshalb von einer großen Gruppe Jüdischnationaler, in deren Namen-' und' Auftrag' ich diese Worte an Sie richte, folgende A-usführuwgen« allen Blättern übergeben wurden : Es steht am allerwenigsten einem. Ruthenenführer an., ftir fein eigenes- Volk das unbestrittene Recht, seine Abgeordneten allein zu wählen, zri' verlangen, und' einem anderen, gleichfalls rmterwirtickten Volke nur eirni ge«- wisses, bedingtes Recht zuguorLenwen. Wer Recht für' sich will, muß es a'u.ch für anldere haben. Weiters dürfen Siel nicht vergessen, daß gerade die Ruthenen die' Existenz einer jüdischen Nation anerkennen-, daß der erste Punkt d'es politischen' Programmes dieser Nation-, die volle Gleichb-erech-tirzung und' die Anerkennung der Gleichwe'vtigkeit ist, daß Sie demnach dem jüdischen Volke bei der w i ch t r gst e n« Gelegenheit, wo es für seine' politische Zukunft vorzusorgen hatte, den empfindlichen Schiimps angetan haben', dve jüdische Nation alsminderw-ertig. zu. 'bezeichnen', indem Sie ihr nur einminderes', mit wenn, und aber verklausuliertes Reckst Anerkannt haben. Sind wir wirklichminderwertig? Sindwir es den Ru- Ein offenes Wort an den Herrn Abgeordneten Nicolai R. v. Wasfilko. Nach. Inhalt des stenographischen Protokollen über die Verhandlungen des WahlrefornrauHschusses haben Sie gesagt: „Der Abgeordnete v. Ouciul hätte gern ein jüdisches Mandat konstruiert-, welches unbestritten den« Juden gehöre. F ü r ei n s o l che s M a n d a t w ä r e R e d> u e r ■a i s K e n u e ad e r B c r h ä t t n i s s e i n d e r B n k o w i u a n i ch t. Er. wolle den Inden die Möglichkeit geben, daß sic, wenn, sie mit den anderen Natüc-nali täten in Frieden leben, eine gewisse Berechttiigung haben, ihren! Abgeordneten zu ivählcn', n i ch t a b -e r das u n b e st r it t e n e R e cht, dort, wo auch andere Nationalitäten., umbzwar in großer Stärke wohnen, ganz ohne dicisekbeu i hw-e n A b g e o r d - n e t >e n w ä h len z ri. k ö n n e n'. Er. sei gewiß kein Antisemit (!), aber er vertrage es auch nicht, daß den Jriden möglich gemacht würde, sozusagen Antichristen (!) zu seiir, zu sagen: Wir brauchen! die Christen nicht, wir können allein kommandieren." Ails wir diese bei einer ernsten! Sache abgegebene Erklärung des. Abg. v. Wassitko gelesen haben,, ist uns über den: Stanneu die Entrüstung -vergangen.. Was? Sie, der Abg. Feuilleton. L. A. Frankl und die Lämelschule in Jerusalem. (Zum fünfzigjährigen Jubiläum dieser Anstalt.) Am 27. Juli d. I. werden.- es fünfzig Jahre, daß die Einweihung der voll. Frau Elise voll Herz-Läinel gestifteten S i m o u E d l e n v o n! L ä ul, e l scheu Lehranstalt tu Jerusalem stattfaud. Die Gründnng und Errichtung dieser für -die heilige Stadt zunr Segen ge.- wordenen Ailstalt ging nickst sa leicht voiu stattelst wie dies augesichtA der großen Atittel, lvetche di-e Stifterin zlir Verfüglliig stellte, zu erivarten war. Ein la-ngwierigev Schriftci,-- lvechsel mit der R'egiernng des Sililtans ging ihr voran, und als die Schwierigkeiteili voll dieser Seite behobeu lvaveu, stellte sich ein anderes HiUdcirnis, und zlvav in? den Inden selbst, elltgegeu. In diesem Stadium der Dinge wurde Tr. Ludwig August Frankl nach Jerusalem entsendet, um' mit deili iilaßgebeiDeiljüdischen K'reiseii! die Streitfragen, zuschlichteil lind die Eröffnllllg der Lehrmlstalt 31t, beschlennigeil. AM. 28. Mai 1866 kam L. A. Frankl in Jernsaleiil! an. Uvber den- Emipsa-ii'g und die weitere Tätigkeit Frankls ini Jerusalem heißt es tu eillem! Berichte der daul-aligen. „Wiener Mittei llrngen." alis Irrnjakenl: „Die Auklluft dieses der deutscheil Lesewelt bekail!ii!te!l- Mannes war eine seit Monaten angeküildigte und von uns erwartete. Wir hatten die Fwilde, ihn« a'in. 28. Maim der' heiligen Stadt zribegrüßen. Vonr- Ehacham Baschider Großgemein>de, denl. er dlrrchi den CH-achailr Baschivon Konstantiiio.Pel, von Korfu., von Damasklis, wie von «den« R-'cibbillievn! von Prag und Wien -empfohlen war, lllit -?lnszeichnli,ng oinp fangen, 'ersuchte er ib-ir sogleich! nach seiner Anikri'ilft, -eine Bersa'inmlunig^ des! hohen Rabbi nerkolleginNls n-ild je pvieier Vorsteher jeder Genreinde einznberrlfen, und den Zweck salnes Kommenis, tvi-e seiner 'beabsichtigiten« Gründimg bestiimilter liild klarer vorzulegen, als dies nach beim hierher gesendeten-, kurz gefaßten«, rmd von mancher Seite i«r-rig arrfgefaßteil! Prograllline gesckphen ist.?lm folgendell Tage begrüßte die- Gemeinde „Ehassidi'm" Herrn Dr. L. A. Frankl in einem Schveibelllind durch! feierliche Deputation, solvie der Chachaill- Baschi Hern Almlafia, unigebeii von fei n-en Chachaiuinl., ihin den Besrich , erwiderte. Nicht so frelmdlich sollte der « Abend desselben, Tages für ihn fein. Als der Dichter der' hobräischeir Elegien. „Nach der Zerstörung" an die Westlll-aner des Teinpels ging, um, wie dies am- Freitag üblich ist, daselbst das Minchagebet zu verrichten, und er wohl von wehlllütigeii' Erinwern-ngen und heilig historischer Sch>ellerfüllt sein mochte, gesellte sich! ein selbst hier wegen exzessive-n Failatislllns berüchtigtes Individuum zu ihm mit bm Worten: „Wir wollen« keine Schule, hier' ist heiliger Boden, hier muß alles beim« alteu bleiben, bis der Messias kommt, nur er kann, hetfell'. Hier, wo Zerstörung ist, darf nichts gebaut werden." Neugierige hatten sich angeschlosseu und begleiteten, ohn-e ihn jedoch irgendwie zll, beleidigen, unseren verehrten! Gast, der ein eisernes Schlvoigen entgegensetzte, bis zu seiner Wohnung. Während Frankl am folgenden. Tage in dos historischen' blroßsynagoge des R. Jochanan! bon Sa«kai mit alten synagogalen Ehrenwillkomm-en geheißen lvnrde, ließen einige Fanatiker in der Synagoge „Aschkenasim", „Pevuschim," die Thora! nicht vorilcsen und machten die Gemeinde cmf das Unheil aufmerksam, das ihr durch die zu cirrichtende Kstnderbelvahranstalt drohe. Einige Personen begabcu sich > hiemnf zum Chacham Baschi, ihr' Sprecher, ern > durch Frachheit bekauntes Subjekt, insultierte Die nächste Nummer erscheint Dienstag den 24. Juli. ***