Mannheim
Compact Memory

Nationalzeitung · 1906-07-17 · Heft 51 (17.7.1906) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 51 (17.7.1906)
Date
1906-07-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
80% known words query
IRI
…/2429839-2429840-2429891--367-2430464
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

;M-. 51 NettlvnalZeitung Soite .-5 E ch -et I i t s i e ti o ch f it r c i 11 M n pital - lt n t c n ni e f) in e ir n e fl -c n ö c ii1;} i o n i •;> - in ii s I) i o 1t, nicht rmud) persönliche ^icibcicicn ko-m-promitti-ert Iwi-b-c. Im iUm-a/cn müssen wir Herrn Tr. Schalst und je-dem airderen-das Recht obsprochen, unseren Berichten eine crirbcic Tendenz nils unserer Idee zum 2teste zu verhelfen, nnterznschivben'. Uns chlt die Sache alles, die Personen, voransstefcht, das; sie sich zur Durchs fi'chrnnst der Sache-eipn-en, sind nns cst-e-ichstültch. Tie Redaktion. Dir $m,z dev Wiener KnLtuHLreüwterr. Sehr geehrter Herr Redakteur! Jnr Hinblicke dara-nf, baß Sie sich, wie! Sie in Ihrem. g>esch. Blatte mitteilteu, die Ausgabe stellten, unter an-derem. auch für die b e >r e ch - tilgten Wünsche der Beamten unserer jüdische-n- Gemeinde zur Zeit ein'-enorgisches Wort zn sprechen,, «damit dieselben durch ErsüllnW de recht i q-st, Wünsche pflichtgemäß und unbefangen, ihren anstrengenden Dienst im- Jn-leresse der Geinetirde versehenkönnenerlaube ich -in-iv, Sie häsl. darauf ansmierksain zu ibuchen,, daß, bb* wohl der Staat, die Banken!, die Kb-mm-nne und rille größeren Anstalten infolge der bekannten, sich stetig steigernden -enorm-eui Verteuerung säm't-licher Gebens!nittel und Grhöhuirst der Wohn-nngspreife ihren, Angestellten bereits 20- bis ZOprogentige GehaktsZilliagen b'ew-illigteni, die B-eamtc-n! unserer jüdischen.' Gemomlde jedoch, wie mir bekannt ist, bisher tvohl Vertröstungen tlrarum. nicht sofortige Erfüllung "der Wünsche, wenndie berechtigte Fiordcumgderselben an>erka!nnt wird?), aber keine wie immer gmrtete En-tschädi-Wng aus An-l-aß der Teuerung, erhalten, haben-, wasbesoiiders von> 'bm Subalternbcanit-en! aturt/ so schwerer empfunden wc-rd-cn muß, alsdieselben, selbst nach! einer Niemlich großen! Antzahill von, Diienstjahren lachievlid)' kleine Gehalte bezi-ch-en-. Wohl ist es unser ' Wunisch, nämlich! der Wunsch! bcn St-enerzatzler, daß der Knstnsvorstand mit den, Steuergeldern ö-kouomisch mn-gehe, jedoch auf einer Seite spare, wo es mehr a-m> Platze ift: J!n!dem ich! Sie, gc-e!hrt-er Herr Redakt-enr, ersuche, diese Zellen durch Berösfentltch-n-n-g in Ihremgesch. Bla-tte d-em Kniltnsvorstcmb-eb-cka-nntgumacheuzeichn-e ich mitbestem Tanke hierfür und dein Ans drucke vorzüglicher Hochachtung. Ein Stenerzah-lev. Dreyfuß — Hilsner. Alfred D r e y f n ß ist vom, Pariser Kiassatio-nsho-se vollständig freigesproch-en worden.. Er wurd-e in seinen! Offiz iersranig, dessen sitzen. Lmst -der jüdischen Bevölkevung-szahl sollte d-ie Düma wenigstens 24 jüdische Abgeordnete haben. Di-e viertgrößte Zahl jüdischer Gesetzgeber weist der D e u t s ch e R e i ch, s t a, g mit, 11 jiddischen Mit-glield-eivnauf. Die meisten, von ih-nien wurden, voinder sozial d e m o, k r a - t i s che n Part e i inden Reichstag entsendet. Di«e sogena-mstenfveisinniige-n, Pa-rieien! weigern sich sogar, einen! gotauftien Indien, m ihre ^Reihen zu »ch-m-en. Im P r e uß i s ch e n L a n bt ag e sitzen 7 Jckden. Sie l)-a-ben> den Spitzuameni: „Die sieben Weifen G-iäech-en-lan-ds", weil sie i-m-mer — schweigen, wenn -es sich um jüdische Angelegenheiten, handelt. Erinnerlich ist noch die eigentliche Hallmrg dieser „bösen Sieben" am läßlich der Debatte über die Nussenauslveisungen, ans Berlin, kein! einziger von, ihnen fand es nötig,, für die ansgewiesenen- Juden ein Wort einzul-eg-en. Inunserm, ö st e r r -e i ch, i f ch e n> R e i' ch s^ x et, t e fitzen 6 Inden, ivähvend den schon, nach ih-rer Berölkern-nMza-hl w-en-i-gstens 24 Sitze im Pinrlaüniente z-u!kom!men. In F r a, n k r >e i ch, I t a, l i e n! und Holl and -gibt es je 4 jüdische Abgeordnet-e. In- Italien und Holland^ gab >cs schon lviederholt auch, jüdische Minister. er nach seiner ersten Veriirteilnug itrna gransanieu Formalitätenentkleidet lvurde, w-ieoer eingesetzt. Tie Wahrheit hat über die ^ttge gesiegt und die siegreiche Wahrheit Null nnn mit allemlvas lügenhaft war und noch ist, an dieser „Affäre" gründlich ansrännum. Dein Märtyrer der Rieder-tracht und des gemeinen Rassenhasses soll jede Gen!n-gtunn-g gewährt werden, di-c tm- Gesetze vorgesehen ist, und auch das Andcnkcn derjenigen- Freunde und Verfechter der' Wahrheit, di-e seinerzeit selbst auf .llosteir ihrer Popularität und ihrer Existenz nicht aufhörten, inmitten des immer mehr anschtveltenden, Schlamm-es von Fälsch-nnge-ir, Verlen.mdnngen- und Meineiden 'ihre Uebcrzengu-ng vonder Un-sch-uld des Verfolgten aufrecht,zuhalt eir und iir alle Wrlt zu verkünden, soll jetzt all jene Ehrungen' erfahren, die großen, unerschrockenen Vorkämpfern der Wahrheit zuteil zuwerden! pflegt. Nun>, da die „Affäre" zri Ende ist, wird es lvoht am Platze sein-, auch die Rolle' sestzustelleir, welche uns Inden! inihr znfiiel. Das Judenknnr haktemit Dreyfuß eigentlich nichts z-u tun. Er spielte im jüdischen Leben, gar keine und als seine Sache — nicht, von uns Jndeir — zu einer Judensache gemacht wurde, auch, da hat er alles vc-rm-iedcnwas ihn irgendwie mit dein Jndenknnr als solchem in- Verbindn-ng hätt-e bringen können. Dveyfnß soll sogar voin eilfertigenJournaliston i-n.terveni-ert,g-el-egc-nklich, sogar seine Ab-n-cigung für jede natiounljüdische B-clveg.ung geärißert hab.e'n. Das Interesse tici: Juden an der Dreysnß- Affäre war ein doppeltes-, u-nd zwa-r zrinächft einfreiwilligesweil es im, Wesen des Indemtrmrsliegt, für Wahrhe-i't u-nd Rocht eruzntret-eni, imb 3'lniciit-en^ ein au>fgezwnn,genes, indem di-e fr-auzösifchen Antisem,it-en> rind hintor ihn-en die G csi mrrmezs-gon ossen, dev ganzen' W-elt diese schmutzige Gesch-ichte zu einer antisemitisch>en!, d. h. -geigendas ganze Inden tu-m gerichteten stempelten, aks sie sahen, daß ihre Nie'd-ertracht n-ahe dara-n' ist, als solche entla-rvt zn worden-. Von diesem. Gesichtspunkt arrs betrachtet, haben wir in Oesterreich auch unsere „Affäre", nur der Raine, anden sie sich knüpft, ist ein anderer; hier heißt er H i l s n e r. H i l s - ner ist nns Inden als Person vollkommen gleichgültig, d-er Märtyrer ö-sterveichtfcher Nebenjuftiz ist an, sich, eine vie-l zu unbedententdv, jasog-a-v recht unsympathische Persöuli'ehkeii, aber g!öna-n! so, wie D-reyfuß b-rs zum jüngsten Urteil des Kassationshofes ist Hilsne r un-schnldi-g. verurteilt wo-rd-en!. Schon diese-r U-mstaudallein' muß joden guten Inden veranlassen, feinte Rehabilitierung anzu streben. Aber genau sa, ja in gewisser Hinsicht noch mieh.r aks die Dveyfuß-Äffäre, ist die Hiils-ner- Affäre mit Vorbedacht als -ein Jn-d-onp-ro'zeß a-ns,g.eh-eckt n-ndmit demniederträchtigsten. Ra-ffiuem-ent gegen das g-efa-mte Judentum ansgeschirotet wo'vden. Mit dem! Unterfchi-ede bloß, daß di-e französischen! Fä-lschier und- Meineidszeugen. michr Esprit an,gewendet haben ... Und das uns Juden, aufgez-wung-ene, ana-cdi-chtote j ü d i s che Moment in. der Hiksneu Affäre macht' esuns zur uugblveisbairen Pflicht, alles dara-n! zu-, wendcnt, nicht daß Licht indiese Affäre komme, dennfür >don>, dev schm will, li-egt sie klar zutage, so-nldern-, daß a-uch in Oesterreich das geschehene Unrechtgutgeina-cht. unddi-e österieichische Justiz sich eines Falles entkodi-ge, don die h-ervorragondsten Juristen aller Nati-ona-litätenals einen Justizmordbezeichnen- ... F r a nk r e i ch- — nicht Dreyfnß — ist d-u!rch das jüngste Pariser Urteil von der gesi-tteten- Welt endlich, rehabik-itiert; wann Ivi'rd Hiks-n-er zu sein-emi Rechte kommen?! Wann wird uns in Oesterneich ein Zola erstehen, und Ivas viel wichtiger ist, Uxumni wird die gesamte ö-ffentlichte Mein'nng in- Oesterreich so- -g-elärltert sein-, daß sie auch für H-iksner ein Kassationsnrteil erzwingen wird, wie das fm-w zöfi-sche öffentliche Getvissen -es für Alfred Dreyfriß erzlvnngen hat. Dir gesetzestrrncn IuSen im Zionismus. -TkiS „J-rankfnrter Isr. JamiUnbl." v-er-> üffcirtlicfjt s'vla-ciidoii „Offcn-en Brief": Sehr geehrter Oer-r R-edaktenr! In ä-hrem Bericht über den Berlanf d-eo N>. T-elelp-crientaaes der deutschen Zionisten vermißte ich zitmeinem Bedauern die gruanere TarstellN'Ng einer Interpellation, die einige der anwesende-a MiS-ra-chislen an den Schriftleiter der „Bs.'lt" gerichtet halteti. Tisse Lücke in d-er Berichterstattuu-a -berührte michmn so euipsindlicher, als Ihre gesch. Zeitung, als das chlisrachi-Srgan, auch lvhn-e diese Tebatte in Hanu-v-ver Beranlassnug gehabt hätte, sich mit -dem Inhalt des Artikels, der zn dieser Jnterpellati-vn- Anlaß g-egeben, eingehender z-n -beschästigen. -N-m also deu- Bericht Ihres Korrespond-en-ten zu ergäuzen, bemerke ich, daß es sich in der fraglichen -Debatte um einen.Artitisl iu Nr. 19. d. I. der „Welt" handelt, der Ne .^rit-ik eines englischen Gesetze nt wnris-es zur Regeln nig. -des R-eligionsttuterr.-ichtes in den. englischen.- Bolksschnlen enthält. T-i!e>ser Gefetze.nt,wurf will tat erster Linie dem Religionsunterricht den. obligatorischen Charakter rauben. -Es ist -verständlich, -daß die engliische Geistlichke-it rmid mit ihr die religiös stark in-teressie-rte B-e-v-ölkeru-nig gegen, dies-eu- En-t-ir-,nrf energisch Protest erh,oben hat. An-ch die südi-sche Beivölkerun-g h-at a-n den Leiter des- -Unt-e-rrrchtswes-cn-s und zn-gleich Sch-öp-fer dieser Edn-kations- Bi'll eine Dep-ukati-ou h-ervorrag-eilder Gemeiudemitgljeder mit üe.nr Chief Rabbi an, der Spitze entsandt -und ihm ihre Beschwerden, vorgetragen, „die darin gipselten, daß diereligiöse Erziehung der -Juden, besonders der Unterricht inder hebräi-schen Sprache gefährdet sei." iD-ie-ser -P,rötest -ver-setzt den- Reda-kteinr der „Melt" in Au>fregn-n-g. Er sicht -es „mit Bed-a-uern, daß die Juden -sich a-u-f di-e Seiteder Ä-eu.- serjvatilven stellen, daß a-nch si-e da-z-rr, be-itra-gen wollen, den Ga,ng d,e-r Zeit, de«' -Steg der 'Freiheit a-nszu-hall-en. W,ir Inden m-üssen im. eigenen, wie i-nr allmen-s'-cht-ich-en Interesse sede.n- Sieg der Freiheit begrüßen. Freilich, wenn alle!Jin>den sich auf d!e!n- Stan-bpn-nkt M-r. -Montefivres stellen, .wenn sie n-n-r in der 'Religion, das -e.i.nzige Band der Bbllker undder Menschen- -sehen-, darinroird für sie vielleicht auch, die Trenrruug voii Staat und K-irche in Frantkreich u-nd England eine -Gefahr -scheinen. Aber wenudein wirklich, so -wäre, darnr wäre das Sch-icksal des Judentrims überhaupt besiegelt . . . Das J'udentnmist nicht daraus a>ngewiesen, nur eine K>on!stssi.ons>gemelN'scha!ft zn sein. Es ist ein lebender Organ-isrn-uS, es ist eirie >Gesell-sch-a-ft, ein Volk. In, den' .R-eihteu, der- Jriden geht ein- Unrbildnugsprckzeß vor sich. — vom Relig ibsen' zuin Nati-vu-aleu. -Esist eirie- Dat'sa-che, rrrrd wir 'koriistatiereusie. Das neue Jrldentnm hängt riicht a-n sta-rrerr D-ogmen. Es ist sich bemußt, daß -sich der Jrida-is,nr,ils a-ns -sich -selbst hera-rrs entwickelnmuß." Es liegt mir -fern, dern Verfasser dieser -Ans- -fü-hru-ngen das Recht -der freierr- -Nkein-uu>gsüuiß-ernn-g zn bestreiterr. Aber z-u- 'scharfe in- ,P-rvtest m-riß die peremptmlischtv dlrt -herans-sv-rdern, mit der er grnudl'egeride 'Fragen des J-tldentuursbehandelt, und andie er rnit den-selben Thevrierr -seiner liberalen Weltan-schannng hemn-tritt rvie etwa an eine Kritik des Jesniteuordens. -Esist tief bedaue-rli-ch, daß ein. „R-nser i-m Streit" das Wesen der jüdischen Lehre iur Gegensatz zu auderrr- Neli-gi-onsbeken-ntu-isse-n so 'sehr verkcurrt, daß er ihren riationälerl Charakter leugnet und die lebendigen Beziehungender vielgelästerten-,, starren Dogmen" zumnationalen- Lebendes jüdischen Volkes nicht gelten läßt. Uns Miimchisten, liegt nichts au -der Uebertragu-ng der ivandelbaren' politischen Prinzipien nuserer Tage -ans die staatlichen Eittri-ch-tuingen. nniseres Bvlkstnuis. Uns lehren -die großen- Wortführer des jüdischen Bol- Ves, daß tt-icht -die einr-vpäilfche Kn-ltn r nachPalästiun getr-a-gen werden müsse, -sondern- -dis K-nttn-r der Menschhei-t durch jüdisches -Gesetz ans de,ne jüdischen Lan-de geholt -werde. Wir -sind auch heute n-ech ü-berzengt, daß das j-ttdische- -Gesetz iininer nach au-fwärts gezeigt, n-ie Mückschritt bedeutet, -daß es die wahre in-nere -Freiheit erst verbürgt. Wäre 'dem, nicht -so, dasjüdische Bol-k wäre -schonlängst vonde-r Erde verschwnn-den -wie die Völker des KREBS APOTHEKE 5. niTTELPflCH Spitzwegerich-ExtraktÄVlrirriS UISam I Uflltan HaaU M. o Bruatairqp wirkt schleimlösend, huatane!Ulend, anfeuch- WI0II» I , IWIWr mOPKI wr. ö t«nd, achwaiaavarmindernd u. auf i# Lunge woliltuand. (Palais Sina) im Zentrum der Stadt. 4 Preis 2 Kronen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.