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Nationalzeitung · 1906-07-13 · Heft 50 (13.7.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 50 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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.Nr. .,U Nrcttwnalzeitung Seite * Ijdt beruhen, sondern mir auf ö-er Einheitlichkeit der wahrhaft patriotischen (Gefühle, ans jener Einheitlichkeit, die ans der ein Jahrtausend hindurch innerlich antalgautierten Juteresseugemein'schaft entsprossen ist, und auf jenen patriotischen Gefühlen, ivelche sowohl bei den magyarischen, als auch bei den anderen Völkern mit denn eigenen Rassengesühl unzertrennlich verschmolzen sind." Tie Adresse befaßt sich dann mit der Frage des' Vollzuges des G. A. 20 vom Jahre ISllS bezüglich der Gleichberechtigung MD staatlichen Unterstützung öor rezipierten Känfesstonen rmld fordert, daß dieses Gesetz a l l e n K' e> n - feffione n gegen ü b c r aitf Grund der 9techtsgleichl)cit dtlrchgefähkt lverde, da durch Bevorzugung einzelner Konfessionen' nur neue berechtigte Erbitterung hervorgernsen wird. Der Vertreter der Nationalitäten, Abg. Tr. Michael P o l i t, sagte in seiner großaugelegten Rede, mit welcher er den Adreßentiourf im Abgeo'rdnetca'hause befürwortete, u. a. auch die folgenden bedeutsamen Worte: „Man glaubt, daß die A s s i m i l a t i o \v D'Cii Mangel der homogenen Nation ersetzen könne. Jur Mittelalter 'haboir solche Assiinilationen stattgefunden, aber zumeist durch Feuer und Schwert. Aber im modernen Leben geht es nicht mehr mit Feuer und Schwert, sondern die Assimilation kann nur durch die führende Kultur b i s zu e i n e m g e w i s s e n Gra d c g e l i n g e n. Warum man nur alle diese schöneir Sentenzen gerade den I u d e n gegenüber nicht gelten lassen will!" Prager Brief. Die Begebeulheiten der letzten Tage hobeln auch in Prag das sollst ruhige jüdische Leben ein wenig aus der ungesunden' Stagnatiou aufgerüttelt. Die Aeußerung des Ministers des Innern Bienerth betreffs der für die Dcintscheu in Bickitz in Anspruch genommenen Alaudate gab der Prager israelitischen Knktnsgemeiudcrepräfcntauz Gelegenheit, eine außerordentliche Sitzung einznberiifen, nur gegen die Worte Bieuerths Ul protestieren. Am 29. v. M. war der Saat im jüdischen Nathans von Zuhörern anSna,hmswei>se stark besucht — Stndenteu und Pvakezionisten fanden sich dort ein, mit die Weisheit der „Vertreter" der Prager Judenschaft aus erster Quelle zu vernehmen. Die Afsimitanten vom Schlage Rosenbacher und Kous orten tonnten sich über die Erklärung, welche Freiherr v. Bienerth ohne ihre Einwilligung getan, nicht genug anfregen und ließen den reichen Gedankeufchatz der Assiurilationsphiivsophie und Afsimilativnspvlitit wieder einmal glänzen — zur nicht geringen Unterhaltung der aulweseuden Zionisten. Daß eine Protestresolution abgenickt wurde, 'wird keinen wuuderuehimen, der die Art nnd Wjeife der Verhandlungen im jüdischen Rathaufe zu Prag kennt. Den Geist des Fortschrittes und die Idee der Befreiung des jüd'ischetl Volkes wird die Prager .guktusreprä'sentauz ebenfowenig anfhalteu, wie ihr Leibjvurnal, die „Bohemia", welche über die Enuuziativn des Ministers sehr entrüstet tut und sich mit aller .graft dagegen währt, daß „ein Bestandteil des deutschen Volkes ans demselben ansgefchlvssen iverde"....?lie tschechi'schen Zlisfimilanien haben auch Verschiedenes zu verzeichnen, was ihnen gewiß nicht das Angenehmste sein dürfte. In erster Linie wäre der Eintritt des Doktor Josef Podvinee in Kolin in die zionistische Partei zu erwähnen. Herr Tr. Podvinee, der noch vor kurzem an der Spitze der jnngtlchechischen Beweglnng in der Koliner Gegend stand, kam zu der Ueberzeugung, daß für die JUdeu nur im Zionismus der Weg zur Rettung sei nud trat als Ehrenmaun, der seine UeberzeUgnug and) offen deklariert, in die zionistische Partei ein. Darob großes Entsetzen 'bei den Tschechen .mosaischer Konfession nud das humoristische Blatt, welches sich als das Blatt der Intelligenz gertereu will, der Parüubitzer „Rozvoj" findet nicht genug 'Fehler, -welche Herr Dr. Podvinee in feiner dl-ussasfung des Zionismus angebliche auisweist. Wir begreifen es, daß es den Herren nicht gleichgültig ist, wenn einer ihrer Besten sie verläßt und zu uns kommt. Das hefte Zeichen für die Haltlosigkeit der Alsfimilationshestrebullgen! Doch nicht nur diese, sondern auch andere groß-mächtige moralische Ohrfeigen hatten sich die tschechischen AMmilcmteu zw Hollen. Ter „8powk ceskyeh;,kadeniiku üichd veranstaltete eine Enguete tiber die' Jrtdensrage (lies Ehaueeu der tfchechiifch-füdischen Assimik-ativiO bei*' verschiedenen Autoritäten des tschechischen 'Volkes. Die meisten beschränken sich auf Sympathieerklärnngen für die Idee der AWmilatiou der Juden, doch selbst bei dem „großen" Politiker des tschechischen Volkes, Laudtagsabg. Krejöi, sieht man die Freundschaft, mit der dieser Anhänger .gramals den Indenbegegnet. Dieser Herr verlangt von den Assi mikat Neu die Nenuuug derjenigen, die sich dem Assimikationswerike eutgegen- -stellen. Die Gründe, welche Herrn Kresei zu diese in Verlangen geführt haben, dürften jedermann klar fein. Es gelüstet den Fungischechen höch'stwahrscheinkich wieder darnach, billige Lorbeeren zu holen und nach russischeut Atnster — vnssophil sind sie, das bewies Kramak — einen kleinen Pogrom a la 1897 zu arrangieren. Am interessaulesten sind jedoch die Erklärungen der Führer der tschechischen Intelligent,, deren Ideen stets -mächtigeren Widerhall im tschechischen Volke finden: der Schriftsteller Fan Suatopluk M a ch a r und Jaro H i l b e r t. Ai a ch a r schreibt: ,Fleher den Antisemitismus, von der bnltnrclleu Mission des Juden-tuuis habe ich mich schon an-derilveiitig geäußert und werde nicht iviederhvlcu. Was die Frage der Assimilation anbelangt, ivill ich nur meiueur Wunsche Ansdruck geben. Bei der nächsten Bolkszählnng würde ich folgende Nubriken nulserer jüd-ischen Landsleute gerne n-ach'stehendes ausgefüllt sehen: N a t i 0' n a -l i t ä t: j ü d i f ch. Umgangssprache: tschechisch. -Neligion: Atheismns. J-ch glaube nämlich, daß die Inden ein Volk sind, daß es ihre kulturelle Seudnng erfordert, daß sie ein Volk bleiben-" 'Einen wuchtigeren Stoß konnte Machar unseren assimilativ-nslüsternen Juden nicht v-ersetzeu. Aul Bauche liegen sie vor jener Partei, derengeistiges Haupt Ncachar ist und nunmehr werden sie auch da als etwas Ileberslüssiges und als Schmarotzer abgeschüttekt. Verstehen die Herren vom ,/N o z v v j", welche sich stets mit „ihrem" Machar gcbr'üstet haben, diesen Wink mit dem Zamipfah'l noch nicht? I a r o H i k>b e r t erklärt: „Wenn Sie an mein-em persönlichen Verhältnis MM J udentmn irgen'dwekches Interesse haben, dann erlauben Sie, daß ich Ihnen mitteile, daß ich es nie tiberiwkndeir konnte, für d-ie Juden in meinem Innern voreingeibmmcn z'n sein. Viele ihrer Eigenischaften imponieren urir und das siegreiche Vordriugenderselben kauuich nicht ignorierenh Möglich, wenn ichals Jude gehören worden wäre, wäre ich nscht das, was Sie sind, sondern ein — Z i o n i st." Daß sich angesichts -solcher Aenßertrugen die lschechilscheu A.ssim>ilantett nicht scheuen, die gemeinsten Lügen in die Welt zu p-osannein, darf daun u-icht triundernehmeu. Sv konnte es sich der Ne^ dakteur der „Oeskvxidooski listy" und der geistige Führer der „Ccsti 2ide", Dr. Ottokar G u th, nicht ersparen, bei der Versautjinlnug der „Poale-Zion" am 6. Adas l. I. dreist zn lügen und ztr erklären, daß Professor Masaryk, der Führer der fortschrittlichen tschechifchetr Intelligenz ei neu seiudlicheu StaudpU'ukt gegen den Zionismus eingerrourmetr habe. Doch diese Lüge hatte zu kurze Beine, uachdem Professor Masaryk in einem Briese offen erklärte, daß er mit Herrn Dr. Guth über diese Frage nie gesprochen — das behauptete dieser — und seinen Standpunkt znm Zionismus nicht geändert habe. den 'intellektuell hinter dem nugebildetsten Manu zurück. Worüber hätten sich diese Met tischet t auch wnierhakten 'sollen? Sicherlich nicht über das TrNstprvbletn 'oder über eine euglisch-fraitzösische Verstäu'd'igung tvegen der Zubtutst Marokkos. Mährend meiner jüngsten Reise durch Nutzend hatte ich Gelegenheit, dieses ltzhetioleben ein weniig keuuen zu lernen. Ich toar in Brest- Litvwsk und besichtigte die Synagoge. Es w'ar bereits Abend: etntge amvesende Tempekbefttcher sührteir m>ich i-m Syn-agogenranm herNm. D>a feidvch die Zeit für den Abendgottesdienst noch nicht da uw, ging ich i;. tt.Kn benachbarten Frisierladen, um mich daselbst frisieren zu lassen. Während ich beim Friseur rvar, wartete einer der Männer, die mir die Synagoge zeigten, ans der Straße. A-us die Straße znrückgetehrt, dächte ich, der Manu tvärte ans ein Trinkgeld, obgleich er mir nicht danach ansgesehen hatte. In der Tat refüsierte er die Gabe. Aus meine Frage, was er denn iviünsche, frug er mit ermartnugsoollen Blicken: „Haler gechap-pt a halben stknbel?" Diesen Adanu i-ntere'ssierte eS offenbar viel mehr, zu or- 'fahren, um tvieviel der „Tatsch" vom Barbier -gernpft ivinrde, als ob und toelche Rechte -der Duma zttgestaudeu werden sollen, eine Frage, die damals die ganze Welt beschäftigte.... ES gibt mm eine z-ioeice A lasse Zeitnugsleser, 'für die eine Zeitung die Fortsetzung der Synagoge b-ildet. F-n uniserer houtigen Diaspora wie w-enu R-ehe röhren, nn-d Adler pfeifen, in den Lüften'. Tie Gräber schireigen, mir Me und bei bewegt sich eine lose Rose ans dünnem Stengel. Man« höt dos Atmen der N-ächt. Dnrch die Seele aber geht jenes Beben, von dem. man nicht weiß, wieso es euntebt, warnin es das Herz beklennnt nnd d-ie Angen mit Tränen fällt. David Nvthblum. Jüdische Streitschriften- Sammlnng. Bvu Prof. Tr. Gotthard Detttsch-Ckucinuakk. kl Ilse re Alien u nterischieden vier Klassen Studierender, oder, ivke sie es nanuken, solcher, die „vor dem Weisen sitzen". Die jüdischen Prediger 'der alten Zeit liebteu es, die bilder für ihre Redervenduii'geu ans den Leib'eusuevhältNlissen ihrer Zell zu holen. Es ivürde mir uicöt viel Mühe -kosten, auch die Lehrer jüdischer Bücher nnd Zeitungen in vier Er lassen zu reihen, obgleich noch eine andere.lllasse, diejenige der dtichtleser, existiert, deren Zähl sämtlicher vier Klassen zNsatNmen übersteigt. ES ist jedvch jt'icöt nretue A'bsicht, die „Maggidim" der alten Zeit ,vit im>lliereu. Ich begnüge Mich mit drei Klassen von Zeitnngslesevu. Die erste Kkasse — ich fürchte, sie ist die zahlreichste — besteht ans solchen, die nur die 'Aenigkeilon ans der Geiselllschast leseu. Ein-ige Rabbinen beanktvvrieten die Frage, w'vrin die Sünde M-vsis bestanden habe, damit, das; Adoses die Kinder Israels Rebeüc'n genau-nk habe l2. B. Al., Kap. 20, B. 10). Ihrer Ansicht nach 'war es ein Uurecht, die Nachkommen Abräha-ms, Isaaks ni-d Faevbs so tief zu verletzen. Alir jedvch liegt es ferne, diejenigen Nachkvumten! Abrahams, Isaaks nud Jaeobs, -tvelche den „Zlmeriean Jsraelkke" oder eine audere küdiische Zellnug lesen, zu mißachten. Als Histiotriker itverde ich sie eher be greise,, als verurteilen. Wir sin'd ein Ghettvvolk. Unsere Vorfahren lebten- Jäh-rhuudecke laug Utsaktimengepfercht in den engen Jude »'vierteln, irgend einer kleiueu Stadt. Selbst jüdische 'Metropole, wie Prag nnd F ra n k fu r t a m Al a t n tvaren für unsere -heutigen B>egrifse kleine Städte, in denen alle Leute einander kannten. Auf diese Weise kvnzeütr'ie'rte sich Jährhtluderte lang das Interesse nliserer Vorfahren in der Frage, wer die Sarah heiraten, oder u»ie hoch das Bermögen des Aibräham geschätzt werde. Die Dichterin Martha Wolfen stein liefert uns in ihren Erzählungen herrjlichie Zeichuinuge n d iese r. Lebenss'verliä ltuksse. Wie konnte es auch anders sein?! Die Männer hatten eiu eng um'schriebenes Betätignugsgebiet, besaßen kein Interesse an der Politik und erhielten eine sehr begrenzte Er.;>iehtlug. T'ie Frauen stau- KrtCB5flF0TnCKC 5. 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