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Nationalzeitung · 1906-07-13 · Heft 50 (13.7.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 50 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nationalzeitung iNr. 50 mal einen einzigen jüdischen Wahlkreis zubilligen, weil — man Ijüie und greise sich bei dem Kopfe — Die Juden Dann „kommandieren'" würden. Herr von Wassilko ist so gnädig, Die Berechtigung Der Inden! nach einem ManDat in Der Bukowina anziierkeniieii, aber er will de'iS nur in einem gemischten- Bezirke tun, d. h. in einem Bezirke, wo selbst Die Juden in verschwindender Minderheit sinD und daher von der wechseln Den- Laune der anderen- Völkerschaften auch nur bei der Erlangung eines einzigen Mandates abhängig seinsollen. So spricht bei sich immer als FreuuD der Inden gebärdende Herr v. Wassilko! Da war die Haltung des Abg. von £ it e i it l — wir untersuchen nicht, ob aufrichtig oder nicht — eine wohlwollendere; Denn er war bemüht, wenigstens einensicheren- Wahlbezirk der Inden-schaft in der Bukowina 31t kreieren. Was den Abg. Skedt betrifft, der seine Judenfeindlichkeik mir deshalb zur Schau trägt, mn das Llädtemandat Sereth-tlladantz- Suczawa zu — erlangen, wollen wie vorläeisig seine zweifelhafte Kntissentätigkeit nach nicht blofchegen. Herrn SkeDt war es hauptsächlich um die Erlangung eines arischpchristlickp deutschen Lemdgemein-demandates zu tun, um seine fast ausschließlich jüdischen Wähler und um das Interesse der Judenschaft in der Bnkw wina ist dieser wackere Mann nicht besorgt.Auch mit Herrn Skcdl werden, wir uns gelegentlich eingehender beschäftigen müssen. Und was Galizien betrifft, fragen^ wir: Wo sind die Freunde der Juden, die Herren von A b r a h a m 0 wie z, Tr. D n l e m b a, Dr. Gl 0 mbi n s k i, P a st 0 r und wie sie alle heißen, die das Recht der Juden auf eine angemessene Vertretung wiederholt anerkannt haben? Werden, sie sich von Herrn v. Wafsllko behindern lassen, den Juden die in Anssicht ge-itellten. sichreren' Wahlbezirke zuzuwenden? Und was inacht denn- Dr. K 0 lis ch e r, der steh sogerne als Schützer seiner jüdischen Vol'ksgenosseu in« Galizien und als einflußreich im Poleuktub ansschelt, was Herr von, Rapchp pcrt? Warum treten sie nicht energisch im Polenklub für das Recht der Juden ein? Wir sehen, daß wir nirgends Freunde haben-! Lernen wir von den anderen. Völkerschaften, organisieren war uns unb halten wir stramm zusammen! Den Herren Polen und Rurhenen aber sagen wir, daß wir uns gegen die unerhörte Vergewaltigung und Beraubung unseres Wahlrechtes und einer uns gebührenden Vertretung wehren werden. Aach dürften sich noch so oft Gelegenheitenergeben-, in denen die Herren- — selbst bei Wahlen — die Hilfe der Juden anrusen werden-. Tie Judenwerden wissen, wie sie sich zu verhalten haben. Aber auch an der Regierung ist es, das Recht des jüdischen Volks-stammes auf eine seiner Zahl rmdseiner wirtschaftlichen Kraft entsprechende Vertretung vom staatlichen- Gesichtsprnrkte ans zu sichern. politische Kundschau. In der Geineindcratssitzung 00m letzten Freitag interpellierte Genwiniderat Dr. H e i n deir Bürg.rmeiste, iregen Präterieriing gewisser städtischer Angestellten bei Beförderungen., rmd als Dr. L r, e g c r in seiner Antwort Diesen Vorwurf entrüstet zmückwies, rückt-e Dr. Heiir mit der Farbe heraus und rief : „Was i st's m i t d e n I rr d e n,?" Auf diese Bemerkung meinte der Herr Bürgermeister, daß ein solcher Zwischeirrrrf gerade ihm gegenüber nicht um Platze wäre, ireil gerade er sieh stets dafür eingesetzt hätte, daß die Inden anders b e h a 11d e l t ln e r d e n in ö g c 11. In dieser Bemerkung des Bürgernrei-st'ers ist das Schuld-bekenntnis enthalten-, daß die herrsehende Parteiinu Gemeinderate den Judennicht diejenige „Behandlung" zn-teil ivorden, läßt, weliche ihnen als gleichberechtigten Bürgern und Steuerzahlern' zukommt. Sonst weiß ja der Herr Bürgermeister seinen Willen! bei seiner Partei stets durchzusetzen, warum gerade dann nicht, wenn es sieh um. Juden handelt? Wom diese Spiegelfechterei?! ... Bei der Post „Unterstützung der Kirchen" kam der ungarische Budgetaus schuß auch auf die R a b b i n e r zu sprechen. Das Mitglied -der antisemitischen Volkspartei Franz B u z a t h forderte, daß -darauf geachtet werde, daß jene Bestimmungdes Gesetzes betreffend die Rezeption der Inden, laut welcher mir ungarische Staatsbürger Rabbiner und Vorsteher der Neliigorisgomeinden sein und die Stelle eines Rabbiners i'.'ar solche erhalten können, die ihre Ausbildung in einer inländischen Anstalt gewonnen haben-, genau eiirgehalten! loeiide, fo,. zwar, daß diejenigen, welche dieser Bedingung nicht entsprechen', eine Kongrua-Evgäiiznng unter keinen- Umständen erhalten sollen. Unterri-ehtsniinifter Graf Albert A p p 0 ny i gab die Versicherung, daß solche Nabbiuer, die den Bestimmungen' des Gesetzes nicht entsprechen, keine- Kongrna-Ergänzri-ii-g erhallen werden. In der Neichsdunm ist ein- „Verband der Autonomisten" entstanden. Diese Organisation zählt bereits 125 Mitglieder und wächst mit jedem Tage. Die grundlegenden-- Bcstimmnw gen des Verbandes sind folgende: Ter Verband vereinigt sieh ans territorial-nationaler Grundlage zur Durchführung Der Autonomie. Der Verband hält eine möglichst vollstänDige Tezentialisation der Staatsverwaltung für unbedingt notwendig. Diese muß dnrchgeführt werden nach dein- Prinzip einer weitgehenden Autonomie Der einzelnen Gebiete. Die Grenzen und dir Rechts schranken' jedes einzelnen' Gebietes oder jeder territorial-nationalcn Einheit miiffcu Den Wünschen ihrer Bevölkerung entsprechend festgestellt werden, irr so fern Die Wünsche den Grriiidsätzen Des Verbandes entsprechen. Die Grundsätze Des russischeir Reiches müssen, indeniiich-trnssischen Gebieten' nicht mir die Zivil- und Kultur-, sondern hauptsächlich die Nationalrechte gewäh'. leisten. Ter Adreßentwurf der Nationalitätenvertreter im ungarischen Parlament enthält manche Stelle, Die anch für uns von Interesse ist. So heißt es n. a.: „Täs Ve stehenllnaarntz von dem Erfolge eines unter den gegebenen ethn-ogrnphischen Verhältnissen dn-rchans mlattssiilhrbaren erkiinstetten RasseUve risch me lz un gsp r-v ze sse s abhäng i,g z rr -machen, hieße nicht weniger, als 'über die Lebens- 'fähiglleit Ungarns einfach den Stab zu brechen-, das in den Herzen der Staatsbürger lebende und in die Zukunft 'Ungarns -gefetzte .Vertrauen und hierdurch zugleich eine Hauptstütze der staatlichen 'Existenz Ungarns zu erschüttern. Zinn Glück ist eine derartige An-sf-assniig durchaus irrtü-mlich. Es wird dies durch die tauisenidjä'hrige Geschichte Ungarns bewiesen. Das polyglotte Ungarn, das fchoir dessen Begründer n-ud erster Wöni-g St. Stc'isanals solches 'kannte, -leistete allenans-wärtigen und in'neren Stürmen dieses 'Ja-Hrtansends siegreichen.Widerstand und erbrachte hierdurch für seine nicht zuerschütternde Lebensfähigkeit einen fo zwetsellosen Beweis, daß es in der Tat mtf feine ge>llünftelten Exisienizgarantien angem-ie/sen ist, und mn -so weniger auf eine so zweckwidrige Exi-stenzgaraniie, wie das Experiment einer er- Vün'stelten Nassenfverfchinelz-ung, welche', wie die Ersahru-ng lehrt, statt der bezweckten inneren N'vnfv'lidativn anch bisher nur ein- Rssuttat anfzniweisen vermag,' jene Zertl'üftnng, die die Bölöer der Krone des heiligen Stc>sanschon jetzt in zwei Lager teilt. Solchen- 'Gefahren dabf jedoch Ungarn nicht ansgesetzt und es mnß daher niit dem alten System auch in dieser -Beziehung aistgerätmit werden. Wir müssen die llon'solidativu -unseres Staates nicht itc der Zerrtüftnng der -Böller Ungarns sn-chen, die durch eine durch ans zwecklose Staatspolitik kün-st lich hera-nsb-e!sch!wvren wurde, sondern in deren Ei «per nehmen. Diie'ses Eiiiveruehmen- -kann, nicht ans der schon an sich un-möglichen -sprachlicher» Ein- Die Herzlsche 'Alternative. Im Gotus setd und werdet ihr es immer bleiben, was Vater Abraham unter Don« K'iuDeru Cheth geweseu: Einheimische Fremde. UnD Das Volk, Dieses teidgotränkte, g-otretene Volk empfand und verstand. Es er hüb sich plötzlich, aus -Dem grauen Allia'g in rm-geaihnte Höhen. Es -erschloß sich ihm ein Sinn, den der Einzelne nie besitzt, -Der mir Der Volksseel-e -eigentümlich ist, der Sinn für die Forts-etzun'g der eigenen Geschichte. Und es ging wie ein- Hauch der Poesie über die ganze Nation. Gewiß, die Not ist keine Dichterin. Und lver den' Slngstschrei des Hungerleideus nicht oernoimnen, lver nackte Judenkiuderchu g-alizischen Winter nichtgesehen, der stverfe aNf di-e Nachfolger des großen „politischen Poeten", die Geg-cnwa-ttspolitik betreiben, den ersten Slein. Ll-brr sie zerstören die Romantik, Hie der politische Poet, mn das Haupt Des alten Volkes gewoben. Undsie legen- Geivieht-e au seinen- Geist, -Das; er nicht in -Die Höhe entschwebt. Und sietretenalte Bahnen- und machm keine Geschichte. Was war das Geheimnis seiner .Straft? Ein Epranil, der die Inden mit der ganzen Verbissenheit seiner finsteren Seele haßte, lud ihn zu sich, um mit ihm zu verhandeln. Er wnrDe unversehens der Fürsprecher seines Volkes, ohne Dazu citainit zu fein. Mau fand, empfand Waschbar I Wasserdicht I Qoruohlos! es ganz natürlich. Er ging zu Königen! als AbgesanDt-er seiner Aellion, als wenn er selbst ein Kön-i-g wäre. Er kann als Fremder zu uns und kannte uns ba-lDfo> gut, daß er nach Englandberufen tvn-vde, um über unser Tun und Lassen Aufschlüsse zu erteilen. Er w-urve der Ma-uu, Deir Das mächtigste RV-ich Der Erde' für würdig hielt, ihm ein- LanD für sein Volk anzubieten. Und mm, so er nicht mehr ist, verweigert Mv. Groy selbst ein, Wort Der Fürsprache für dieses Volk . . . Woriu lag seine Kraft? Er erhob Die- Männer, die' ihn umgaben und mit ihrer werktätigen. Arbeit unterstützteii, zu Volks fürsten, und da er verschied, verließ sie Die Gunst der Nation- und ihre Liebe. 'Als er nochunter dou Lebender. war fragte der eine ode-i andere .Herrscher nach dem Juden-sta-at und so er n-n-s verließ, ist es still ringsumher lvi-e um feltii einsames l^rab . . . Doch nein, es ist nicht still ringsumher. Aus dem Ollen kommt es lvi-e ein. 'langcigezogeiier Tadesruf durch Die' .Nacht. Dobt im Osten wird gemeuchelt, sonder Gnade und- Erbarmen-. Dort tverdeii! un-sere Brüder gemordet, mit Feuer und Schwert, mit Art und Spaten, mit Stock und Stein-, mit Knute und Sense nnd Knittel n,nd Strick. Dorther kommen die vielen Tränen geflossen-, die schlvereir SeNszer geweht. Und die fragen, nach, dem- Jndenstaat . . . Ritter Eisenohr hatte einen Falten, der ihnans allen seinem Wanderzügeii! begleitete, und er hieß: Glaube, daß ich's kann. Das, nreine ich, war Her-zls Falte: Der Glaube, dgs; or's konnte. Und seine zlveite Genossinlvar die Taube: Die Liebe. Die eiidlosc" Liebe zn seinem- Volke, die sein Ich anssüllte, und der Glaube an. sich selbst — das waren die zwei Kiomponeuteii' seines Lebens, ans denen, fein Wirken, resultierte. Daher sah man' ihn, an -der Spitze selbst dort, lvo man ihn nicht vermntete, lv-c'it er glaubte, daß er's koimte. Und was Die Liebe ihm, eingege/een, hat Der (Sll-a-u.be vottführt. Und weil ecdas Volk geliebt hat, dem er entstammte, glanble er an dessen Entwicklung und eudlichcr Erlösung ans tiefem Leid. UuD weil er an Die- E-ntllncklnng- Des Volkes geglaubt hat, lieble -er es imd träumte ihm eine Zickunft vor und einehervorragende S-te-lliinsg imter den Nationen. Liebe und Gl-anb-e . . . darin! lag seine Kiaft. Er glaubte, daß er's kann . . . Da kam der Tod ans filzeueN' Sohlen-, lockte ihn in Die Berge und >vinkt-e ihm ab. Brüdereheu, es hat Zeit', noch ist Das Maß nicht voll . . . Er starb. UmD wir warten auf Josua Bin Nun . . . Es ist N'aeht geworden. Der Straß-enlä-rm! ist verhallt. Vonr Wiener Walde tönt es über die Taimenherüber, Reform-Schweissblätter L» 442

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