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Nationalzeitung · 1906-07-13 · Heft 50 (13.7.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 50 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nationalzettrmg Nr. 5o -So sicht die Assi>milatio//smorak ///rd die geistigen Führer derselbe/i aus! Für die .Heldem der Bialystoker Pogro/ne fanden in Prag zwei würdige Feiern statt. Die erste am 4. d. Nt. — eine Veranstaltung der VniItutsgen/etnderegräsentanz — in der Klanssy//agoge, die z.iveite, eine Veranstaltung der Prager Zionisten am 8. d. M. im Hotel Central. Bein/ TrauergotteSdierrste an/ 4. d. M. hielt Oberrabbiner -Tr. Ehren seid eine Rede, in der er die Helden als Vorkämpfer der Freiheit feierte,' er griff die Hantesinance an, die Geld -zur Veranistaltn-ng der Pogr-öme herbei ge schafft nnd gedachte des Führers der Judenschaft, Dr. Theodor Herzt, dessen Todestag sich znm Aweiten'lnale /ährte. Mit einem, eigens hierzu /»erfaßten „El nwle rachamim" schloß die religiöse Feier. Tie Versammlung am 8. d. M. gestaltete sich Au einer imposanten Manifestation der Prager Juden. Eine vielhnndertköpfige, allen Gesellschasts-!schichten angehörende Menge füllte den Saal des Hotel Central, die Gallerte und den Stiegenanfgang bis ans das letzte Plätzchen. Mit Befriedigung konnte der Obmann des jüdischen Vvlksnereines Herr Tr. M. Ü o H n in seiner Begrüßungsrede, «welche Herr Dr. Berka tschechisch wiederholte, Hochschulprofessoren und Dozenten begrüßen, den Oberrabiner Herrn Dr. Ehrenfeld und aridere Vertreter seines Standes, Studenten, Kaufleute und -Arbeiter, auch tschechische Vertreter der freisinnigen Presse und der Studenten waren erschienen. Für den in Aussicht genommenen Referenten Abg. Strauche/', welcher sein Fernbleiben mit Krankheitssällpn in der Familie entschuldigte, trat Herr Dr. Weisel aus Wien ein. In einer oft von stürmischem Beifall unterbrochenen Rede sagte er, es sei natürlich, daß die Juden, welche der Kultur ihre Freiheit dankenauch für! ihre im „dlnss iedl/mgsYayon" schmachtenden russischen Stammesgenossen die Freiheit erwirken wollen. Leider Habe der Ta>nmel, der durch das Zauberwort „Verfassung" die Finden ergriffen, nur kurze Zeit gewährt. Einige Stunden haben genügt, um alle ihre Hoffnungen Au vernichten. Die Dumarede des Fürsten Urusow hat gezeigt, .wie die Pogrome an 140 Orten systematisch inszeniert wurden, Metzeleien, welche die Bartholomäusnacht überbieten. Wähl wurde in allen Bertretnngskörpern dem Zlbischeu über die Greuel, mit denen das russische Volk selbst nichts zu tun Hat, Ausdruck gegeben. Aber die Negierungen der Kulturstaaten antwortenmit einem: Non poßumus. Ein Mittel hat es gegeben, um Rußland zur Raison zu bringen: seine Anleihe nicht zu fördern. . An allen, die es -getan, klebt das Vergossene Blut. (So ist es!) Und daß auch dient die jüdische Zeitung als Lehrer, Prediger und Rituale. Zur dritten Klasse endlich gehören diejenigen Leser, die in der Zeitung eine Verteidigerin der Juden erblicken, die es gerne hören, wenn die Antisemiten mit den schwerwi-egendsten Bezeichnungen belegt werden, oder daß irgend ein Ho!sfude vom Kaiser eine Einladung erhielt, oder daß ein Jude bei einem Pre/sschwimmen den ersten Preis davontrug. Tliese Leser erinnern mich lebhaft an einen Wiener Gassenhauer, dessen Titel mir nicht mehr erinnerlich, dessen Refrain aber einst sehr populär war nnd lauteie: „Gott, wie talentvoll sind unsere Leut'!" Die Klassifilzierung der Zeitungsleser könnte anch ans die Leser jüdischer Micher angewendet werden, doch erscheint dies hier überflüssig, denn es gibt so wenig Leser jüdischer Bücher, daß sie kaum der Rede weri sind, mit Ausnahme der Prosessionsleser und auch unter diesen sind die! Leiser apologetischer Bücher überwiegend. > Es liegt in der Natur >der Sache, daß die! Inden für Beweisen ihres moralischen und intellek-! tuellen Wertes, sowie fiir den Nachweis ihres i wohltätigen Einflusses ans das Land, in welchem sie leben, besonderes Interesse bekunden. Alle Minoritäten tun dasselbe, und alle Minoritäten werden m/terd/Ä/ckt und verleumdet. Ein interessanter Beweis für diese Tatsache ist wohl die Herausgabe einher katholischen Enzyklopädie, rvelche, angeregt durch die „Jewish Encyklopedia", gleich dieser komp i lato risch bearbeitet, soeben zur Alusgabe gelangt. Ter Prospekt, der Mir zu Gesichte kam, unterscheidet sich Juden unter den Förderer// waren, ist eine Schande. (Rufe: Pfui Taussig!) Mo// hat versucht, die russische Regierung in Sch/l-tz zu nehmen r/nd alle Schuld ai/f die Jn-den zu wälze//. (Ruse: Pfui Kramak!) Wir aber sind stolz auf nüfere rnssiche// Brüder, welche Gut nnd Blut in/ Dienste der höchste// -meuchlichen Gitter ppfern. Was ist nun tzn tun? Ein Jahr dauert die russische Answandernng. Diie J/ide// si//d mißtrau-isch,' herrscht Ruhe, so ist es die Ruhe des! iVeflttvs, der plötzlich! ansbrecheudsie begr/aben, ' wird. Diiese Tausende?lusivanderer sind eine! ittler/lntio/lale Katastrophe. Tie Gre/tzsperre und Ausschließung sind n//r A/lge/rbkick,/nittel. Nür! eine inter//>a>tio/lal>e K-o/rferenz der Regie runge/v! nnd Völker tont die Judensragc löse//, um de// J-u-deu die freie Leben smöglichkeit zu geben. Möchten sie doch bald die Initiative ergreifen, anders geht es nicht. Und welches Gebiet ihnen ar/z/tweisen wäre? Nur das, wohin ihre ganze Sehnsucht zieht — -wir müssen es Jlinen nicht sagen, Sie wissen es." Lang anhaltender Beifall löhnte den Redner. Herr -Prof. Wertheimer schlägt eine Resolntioit vor, in der die jüdische Bevölkern-ug Pags ihren/ Abscheu Ansdr/lck gibt über die an der/ Inden Rußlands verübten Verbrechen, aber auch jene verurteilt, welche ei// derartiges Negieckrngssy-ste/n fi/iaüziell //nterstützen. Sie drückt den russischen Juden für ihren Heldenn/iut Dank und Bewunderung aus, sieht aber nur in der Schaslfu/ig einer gesicherten Heimstätte die einzige Lösung und Rettung. Der eins'ti/nm-igen Zlnnahme derselben sprach noch techn. Hirsch gegen die Aüsfälle Kramaks, der in diesem Falle gewiß nicht der Dolmetsch der Gesinnung dies gesamten tschechischen Bolkeö gewesen sei und r/amens der Prager Organisation der „P o a l e - Z i -o //" ca//d. jur. Gach, der in scharfen Wprten die jüdische Hochsinanz, welche kurz //-ach de// Herbstpogronrs ihr Geld z/ir Veranstültur/g neuerlicher Pogronre herlieh, angrisf nnd zur Selbsthilfe und Selbst wehr ansso ruderte. Mit Worten des -Dankes a/r alle Erschie//-e/>-eu ..//nd eil/er Ausforder/lng an die Mildtätigkeit zugnnste/r -der Hinterbliebenen von Bialystok schloß Dr. Kohn die Versam>mlu//g, welche gleich beim Tranergottesdienst eine erhebliche Summe für den angeregten Zweck ergab. Zuw 75. Geburtstage Lektor M. Lriedwauu's. Vor wenigem Tagen feierte Lektor M. F r i e >b m a rti n in seltener körperlicher und geistiger Frische seinen 75. Geln/rtstag. Aus diesem Anlässe kamen den/ greisen Meister zahlreiche herzliche Gliickwnnsche ans der grosten Schar seiner Ji'm-ger und Fverm-de zu, die in sehr von allen bisher ges'chia>sse//'c'/l ähl/llich-en Werken, bes-or/ders aber von den/ de/rifchen Werke von Strotzev und Welte. Diese n-m/e katholische Enzyklopädie hat a/lgenscheiNkich den Z/veck, die Se-lb-stachtu-i/g der Kbth-olikeu j-n diesen/ Lar/'de z-// hebln, sie von der Wüch-tigkeit des Kalh-vlizisnms zi/ überzeugen, weil es sv/ist nicht gut zu erkläre// wäre, was e>in Man// wie P a st e // r i/t dieser Ei/Zyklopädie z// suche//- hätte. -Es gilt sicherlich, zn> be-iveisen, daß ///an ei// ergebe//er Katholik //nd den/rvch ein großer Gelehrter sei//- köuue. D-ie J/löen haben zweif-ollos viel eher apologetische S-chrilsten rtötig, als jede andere Neligionsgeimeiüschast, oder ttc/me/t wir sie Nationalität, Volk oder wie iittittter. Es gibt nichts Verwerfliches zwischen Himn/el //nd Erde, das de-n Jt/de/lnicht in/pukiert -ivnrde. Eine der hänsigste// Besch/lldign-ngen' ist seine angebliche- Fähigiiei-t, Geld a/i-zuhä/ofe//. Als einen besonders till/n-oristischen Fall evwähne ich hier eine- Fluigschrist, di>o i/n Jahre 1768, als den J/lde/i in Eugla-nd die Emanzipation' gesetzlich ge»vährleistet /vnrde, erschien-en rv'ar. Die Flugschrift, versaßt vor/ eiu-ein/ judeu-sei-udlicheu dlgitatvr, führte de// Le-serl/ die Möglichkeit vor Angen, daß die Jüde/t im-u/uehr E/igland überfluten, jeden verfügbar-e// Flecke// Grde sogar it/rrt den mehrfachen Pre/s a/lska/»fe// wlirden, /i/n/ dan/r d/t, jüdisches Königreich in England z/l etabliere-//. Und donil/vch ist es n/än-- nigtich bekan//t, daß die Arni/it u/ttcr den Juden, besonders i/n Oste// Europas m/d i/n Orie-nt geradezll erschreckend ist. U//d es -ist ebe/lso interessa-r/t, z/l seihe/r, daß -die dlgilatüvn« gege/c die J/ldel/einwandepu/lg sowöhl in Engtar/d wie i/t iTjtrtl den ibcak/i jüdischen- Volkslehier innig verehren. Ein idealer Volkslehrer ist er seit seiner fmhesieii- Jugend. Nicht bloß durch seinen! kiesen, w/tzsprühende//- Geist m/d durchseine fessel-nd-e Phantasie, die netzen der kristallklare//, präzisen Ausdr/icksweife seine zahlreichen Vorträge imb seine tzcde//tei/den We/b'e kennzeichnen, sondern d/l-rch, feine g-ai/ze, tzczauitzerl/de Persönlichkeit übte! un'd übt er noch immer auf alle, die das Glück hatten!, ihn kenne//! zu fernen, einen segensreicheir, mächtigen Einftnn a/lS. Il/ltzergefflichies hat Lektor Fviedma//-!/ geleistet, indem er siw in selbstloser, hingetze/wster Weise der jüdische//- Erz/ehnnig unserer Mittel'sch/l.ljngel/'d /vidn/ete. Wenn je einer, so ivar er befähigt, sich -die Herzen der Jngenö z/t erobert/-. Er hat, /ras leider heute so lre/nae ver/nögei/!, es verstanden-, in der jüdischen ll/rdierende,/! J/iaei/d In-!eresse und- Appetit für das althabräische Schrifttum zutvccken, er hat ihr ' Mick sür die nn-ue/gleichliche Schönheit und Größe des Buchesder Bücher gegeben, er hat in ihr dr// Wnirsch lebeu-di-g gei/iachr. oft /n/'ermicstli che// Gei ste s sch ätz e /m sever jtol ze // Literatur buch eigene Arbeit in sich a/lfz/mehnren. Er selbst hat aber' Viele das Erste und Schirerste «gelehrt: Die B /bell e s e m In diese,/! seinen Schnler/r gehört auch Achad-Haan/. -der ihnversicherte, er habe erst von /bm gdlernt, wie man! althebräischc Werke liicft. Denn Lektor Fa/edmann vereinigt in sich die Genialität des Forschers unt einem tzewu-ndernngs/vürdigen psychologischen T/efblick. Eines ist aber für Friedmann das Eharakter/stischeste: Er ist nien/als alt! geworden. Mit der gleichen- Genealität, mit der das althebräische Geistesleben erfaßt m/d da-rg-estellt, hat er auchdie Geisteserrungenschäften des modernsten! Lebens in üch aufgenomn/ei" m/der war immer der cn-crgisck.e Vorkämpfer sür alles Moderne i/n Allgeme///ei/ //nd insbesondere im Jude nimm Als die ne/re jungjüdische Aerai begann, als Perez Smolensk/) seine Zeitschrift erscheinen ließ, die er weil voran!sblicken!d „Ha/itzachar" na////te, da war Lektor Friedinann einer der erste//' Mitabeiter und Mitkämvfev Smolenskys. Seither hat er. der an der Wiege der jnnigjüdifchen. Renaissance gestanden, nicht aufgehört, ohne Bedenken m/d ohne'Nücksicht ans den- /ind jenen offen und kräftig die Zkoil/Hbewsgi/mg zn ni/terstützen, für die dieser wahrhaft einzige Mann eine stolze Zierde geword.-en ist. Und w-eil er so vielseitig ist, haben ihnwenige ganz ersaßt. Tie einen bew/n/diernizzi ihm de// Gelehrten, die anderen den- Meister im dichterischen Nachempfinde//, and-eve -wieder den Psychologen! /md Meister des Vortragesz ///an hat ihn auch den „letzten Agadisten" genannt. Uns aber -erscheint er als ein in, sich geschlossener, moderner, ganzer J/ide, nicht als der letzte Vertreter einer R'eihe von den Veveinigte-tt Staaten mit dem Hinweis ansdie -A t nt // k der Jüben geführt roird. Der J/tdo /verde gegen so geri/iige Euilv-bunng arbeiten //nd ans diese Weise die Herabm-iriber/ing des EMe/iz/nini/nums des Arbeiters herbeiführen. Es ist fe/mer bekan-nt, daß der Reichku/n, de// einige J/kde//' besitzen, // / ch t j ü d i s ch e // Z/uecken zugute kommt, //-nd daß dieser Neichkn-m die Tendenz hat, durch Mischehen in zz i ch tjüd l s ch e H ü n d e ü b e r z // g e h e n. lSo bskn/mt //in// die Tatsache//' ai/ch sein ll/öge/i, so /v'ird //>!«/// -deuu-och die Beobachtn/lg -machen, daß sie g-erade densenigeu n/ibekannk bleibe//, die Hierüber /l/iterrichtek sein sollte//. Ich kann hierüber -ans eiMnerErsahr/i/i-g einen bezeich- //eudd/ Fall anführen. Es -ivar vor nn-gesähr zlivaühiig Jak) reu, ich w>u-r da/nals tAabbiner tu B rü x (Böhmen) ///id wir besande// /ms gerade in der erste//- -Epoche der «rntiiei///tischen ilgitativ// in Oesterreich und besonders in De'lltisch-GVH/m'n, »velches injsiokge der nvi-ionalei» 9ll"i!bereie-// i/iz-ivischeu z// eine/// «wahren Treibha-ns des Ar/tisem-ltis-/n-/is geivorde» i-st. Ein Fabrika/lk in W e ipe rt, eine/// Stäldtchen an/ Fuße des Erzgebirges, au der l>öhn>iich--sächsi-üheu Grenze verösfenttlchte eine a/ltis-emitische Fl/lgschrist, ivelche a/l jedebn/an//, der sich 'dar///// b-e/varb, gratis verschickt wi/rde. Ein solch a>i»srejzendes 'Pamiphlet geriet ai/ch in die Hände eines Geudaru/s, der den/ St!ala-töa-n!ivalt von der Berbreitn-ug der Hetzschrift die -dl-//zeige erstattete. Der St'a^atsa-n/valt wollte die Ai igelege i «heit vert/kschen, doch der Obersta-atsml/vakt vr'd//ete die Einleitn'N'a des Verfahrens ein. Die?li»geleg-e»-heit ka/// vor die Ge-

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