Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 49 (10.7.1906)
- Date
- 1906-07-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2429839-2429840-2429889--353-2430448- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 49 Naiionalzeitung Seite 3 (Stürmischer I treten, sondern ötmtifcüßieiu im Namen Oesterreichs seine Unterst'ützu-ng leihen. in den mordenden iitntö plündernden Banden sind -die Schuldigen szu -suchen. Wir protestieren hier nicht gerade gegen die Judenmetzeleien, sondern gegen dieses barbarische Rutzla'Nd, daß auch viele taulsende CH in eien in einen Fluß drängte, wo sie ertranken. W>as aber soll -man erst zu den europäischen Gel öle Uten sagen, die zu diesen Orgien des Blutes G e l d 'h e r l i e h e n? Wn-se-: Pfui Ta-nffig!) Jetzt werden Sie es vielleicht eiitsehen, we'lches Verbrechen diese Geldaristokratie begangen hat. (Stürmische, nicht euderr wollende K-uNdgebungeu. — Pfui die FinaNzjuden!) >Abg. -Dr. Ofner: Man muß die religiösen -und die politischen Gründe der blutigen Vorgänge in Rußland betrachten. Die Kirche -hat immer den Volksfanatiswus gebraucht und ihn benützt, aber nie ist dies in so hohem. Grade gesche-h'e'n, wie in Hömel und Bialystok u nd Kischenew. Dieses Pulver bedarf bloß des Funkens. Man wird wahnsinnig, wenn man denkt, daß Menschen so gegen Menschen zu wüten, vermögen. Wie lange aber werden sich noch ö-ie Fürsten und Staatsmänner Europas zu Mitschuld i g e n machen? Denn mitschuldig sind sie und werden es bleiben, so lange diese 'Schmach des Antisemitismus nicht ausgetilgt ist. — Wir haben in Oesterreich einen Politiker, Da. Kramak -(Pfui Kramak! — Rufe: Er will Botschafter in Petersburg werden.) nnd -Dir. Krama r hat den Inden die Schuld gegeben. (-Erregte Zwischenrufe.) Es ist währ, indische Arbeiter stehen in der Mitte der kärnpfenden Revolutionäre. ('Zwischenrufe: Hoch, die russischen Arbeiter!) Man kann -sagen, daß neun Zehntel der- Juden von der Revolution nichts wußte, sondern nur leben und -hungern wollte. Und ein D-r. Krä'mak wagt es, über die Revolution so wegwerfend zureden, er, der ohne unsere Revolution heute nochein böhmischer Rob-ottbauer wäre. — Die Ethik ist es, die uns -heute zusamweNführte, und ich bin auch von der ^Ethischen Gesellschaft" gesandt, hier unsere Stimmezu erheben. Dr. Ofner schlägt schließlich vor, an die D uma, die mit der Regierung Nicht einverstanden ist, die folgende Reisoluti-on nachderen Annahme zu senden: „Die heutige Verfanmluug spricht ihr tiefes Mitgefühl mit den Opfern' der u-nsmenschlichen Metzeleien in Bialystok und anderen Orten Rußlands undihre Empörung über deren Urheber aus. -Es ist ihre Ueberzeng-ung, daß die Roheit und der eth-ische Tiefstand, -der sichin diesen Greneltaten -kirndgibt, mit der politischen Unterdrückung des Volkes im engsten Zusammenhänge steht und daß nur non einer kräftigen Volksvertretung eine Besserung zuerwarten ist. Sie begrüßt das Auftreten der Diuma, wendet sich aber zugleich an die fühlende Mevschheit aller Länder, sich im flammenden P r oft e st gegen der- Staatsleniker verwahren. Vom> jüdischen Standpunkte aus aber ist — sohart es auch klingen mag —i zwischen dem obz-itierten Ausispruche des geimeisonen Prolubators des heil-igen SyNod in der Reichshäuptstadt an- 'der Newa 'n-nd der Hetzrede Homa-n Luegers in nnserer Reichshäuptstadt Lein großer Unterschied. Wir Juden aber mögen ruhig sein. Wöder PoWedvu'oszew noch Lueger, noch Politiker vom Schläge dieser sind imstande, die jüdische Rasse Kn vernichten. Die Geschichte lehrt, daß die jüdische Rasse unzerstörb'ar ist mild daß Gr im rechten Augenblicke mit Mlse des Einigen 'Einzigen, an dem Israel sesthalten wird ftir alle Ewigkeit, 'der Netter ersteht. Es sei erinnert, daß die deutschen Antisemiten s. Z. dsm großen Hamerbing l>en Vorwurf m'achten, er habe in seinem Ahasver die Idee von der Unzerstörbarkeit der jüdischen Rasse Verherrlichen wollen, nnd daß dieser große deutsche Dichter die Antwort erteilte: ,>D'ie Idee von 'der Unzerstörbarkeit der jüdischen Nasse sei noch nicht Gemeingut aller Gebildeten, als daß ein christlicher Dichter es wagen dürfte, sie in einem Epos zu verherrlichen!! Die Idee selbst aber hat Hä'tNerliNg nicht von sich gewiesen. — Ich schließe mit den. Worten unseres großen DichterMriigs: ,)Jsrael vertrauet aNf -GM, Er 'ist sein Schützer uNd Schirmer." Seveth, 1. Juli- 1906. artige Freveltaten M vereinigen? Beifall.) Mr. Stettauer (London), der als Beauftragter des russischen Hilfskomitees zusammen mit dem Präsidenten des Berliner „Hilfsvereins", Dr. Paul Nathan, nach den letzten Pogromen Rußland bereiste, erzählt, wie in seiner Gegenwart in Kiew 40 Juden erschlagen wurden. Aus den Berichten von 256 Orten konstatiert er, daß die Ueberfälle fast am gleichen Tag, ja zur gleichen Stunde und auf die gleiche- Art geschahen: und da wage es jemand zu sagen, daß sie nicht planmäßig inszeniert waren. (Stürmische Pfuirufe.) — Was ich aber speziell in Oesterreich sagen muß, ist: In London hat es als die größte Schmach gegolten, sich an der letzten russischen Anleihe zu beteiligen. Gott sei Dank: es dachte auch 'kein Jude daran. Ein Freund von mir hat Millionen ansge. schlagen. (Rufe: Psni TauM!) ^Un-d noch nes ist sicher: Tie Hu'ligans finden 'Geschmack an ihrer Arbeit. Es wird die Zeit kommen, wo sie sich mit ihren Räuber instin'kten h ö h e r h i n a u f 'wenden werden. Und dann wehe den Anstiftern, wenn ihre Werkzeuge zeigen, was sie gelernt haben. Abg. v. Wassil-ko: Daß von slawischer Seite Sympathien -für die russischen Vorgänge ausgesprochen wurden, h-at seinen Grund in einer Verwechslung. Man öct.r'f nicht Rußland mit dem Z a r i s m at s verwechseln. Wir Ruthenen, die mir in Rußland nicht viel besser behandelt werden als die Juden, lieben die Russen und hassen den 'Zarismus. Meine Volksgenossen leben auch in Oesterreich in- Freundschaft mit den Juden, und wir stehen auch in Freundschaft zu unseren indischen Mitkämpfern in Rußland. Dr. Strancher hat in der Delegation auch für uns -gesprochen. Und wenn auch! die „maß'gobeUüen- Kreilse" in Oesterreich uns nicht hören wollen, bin ich doch mit ganzem Herzen für den Antrag des Dr. Ofner. Abg. Graf Sternberg: Er habe wegen feiner b I >oßen A n f r a g e an das- Präsidium Schwierigkeiten inseinem Wahlkreise gehabt. Was Krama r betrifft, haben ihn die In den zu dem gemacht, was er ist. Denn das Judentum dient auch in Oesterreich jedem, der ihm Honig um den Mund -schmiert, wenn er es braucht? 'Mo sind hellte alle die- Adeligen, die nur von den Juden leben? Wo -sind meine Stan'desgenosseu, dievon -den Bahnen und Bänken leben? Es -gibt eine Solidarität aller Bedrängten, und in den- D-ienst dieser Solidarität müssen sich alle Kulturmenschen -stellen. Abg. Dr. Strancher: Wir -stehen an der Bahre von Dutzenden ermordeter Stammesgenoffen. Siekonnten sterben, weil -sie nnter unerhörten Ausnahmsgesetzen -leben, eingezwängt in den Zaun des „Rayons". — Gewiß stehen viele Inden in den Reihen der Revolution, aber es wäre eine Feigheit, wenn sie es nicht wären. J'acoUse! rUfen wir alle mit Zola — wir 'erheben eine furchtbare Anklage namens der geschändeten! M e n schheit. (Stürmischer Beifall.) Dr. Strancher las soda'n'ndie eingelängten Zustintmungskn-ndgeibuugen vor. Nachdem die Resolution unter lautem Beifall angenommen war, schloß Dr. 'Strancher die VerfäMmKmg mit der Mahnung, der: Flugzetteln, mit der -Aussonderung „Zur ru!ssischen Botschaft!", die in 'den Saal geflattert waren, nicht zu folgen. — Auf der Stmße 'kam esnoch zu laiuten DemoUstrationen. Dr. Strancher Wer die Zudenmaffakers. '(Fortsetzung.) Ich weiß ja, meine verehrterd Herren-, von eliner Interventiongillgunsten der Juden kann absolnt keine Rede soill-. .Wenn aber in der nächsten Zett die Haager Friede-nskonsereuz e'iUberusön wirb, so möge Se'ine Exz'ellentz der Herr Minister des Auswärtigen dem Anträge, der von berufener Seite rl-nd von hervormgetldeU Mächten Europas gestellt werden wird, nicht entgegem- Se-it mehr als zwei Jahrzehnten bestelft unter der: Jiuden -aller Län'der eine Bewegung» die sich die Schafsu'ng e-in'eir öffentlich rech'tlich gesicherten. H-c'iM'stättc in- Pa-lästina für das jüdilsche Volk z-lünr Ziel gc-setzt hat. Dtlese Ve'weg'un-g hat j'üd-ische Massen ergrissen, die Jugend dient ihr, ein großer Teil der J-ntelltg'elniz gehört ihr an, viele tauifcmde zion'ist'i'sche Vereine bestehen -ans de'rn ganzen Erdeu-vuu'de, und man >ka-n'n ohne Uebertrei-b-llug sägen, daß wo-hl der größte Teil des ftldiifche-n Volkesdie Hoffn-ung hegt der Riiickkeihr in das La-nd seiner Ahnen. Dänrtt sei keineswegs -gesagt, daß irgend ein Zwang a'us'ge'übt werden soll. N-n-r der J'uide, der sich nicht assi-nn-liere-n kann oder will, soll hinaus in das Land seiner Väter: wer sich an der Stätte seiner Gebn-rt -wohl fühlt rrud sicheine -Eristenz begründet hat, von der er hof-son kann, daß sie ihn un!d> s-eiine Familie in ehrlicher und 'e'hreu'haifter Weise durchs Leben führt, bleibe, wo er ist. Der Zionismus i-st eine große kolonisatorische Wälh-lfahrtsbeiwegung, oo-n der Wohltaten u>Ud Almo'sen-geben aus-geschaltet sind. Aus' eigener Kraft soll d>er Jude das Brot sich schaffen, mit se'ine>m Schweiße soll er den Boden düngen, der ihm ein geheiligter ist. Diese Bewegung ist so groß und so erhaben, daß ihr jeder Europäer, ob Eh-r'ist oder Ju'öe oder Türke, dienen soll. Diese Bewegung -ist aber nicht nur idealistisch, sie ist au-ch eimine-nt praktischdenn sie löst mit einem, Schlage die Judensrage.. Män kann wohl Jiuden brandschatzen und töten, das -jüdische Volk aber kann man nicht erschlagen, und die so biebgerühimte Methode des Hängens, Köpseus oder Spießens w'i'rd wohl schwerlich in Europa in Anlwenidung gebracht werden können und doch drangt die Judeinsrage Mr Lö'fuug, Nicht nUr deswegen, we>il es nicht angeht, mehr alsacht MM'i-onen Inden in eintsm' AUs'nIahMszustände leben zu lassen, sondern schon deswegen-, -um> das Leitmotiv allen jenen Parteiie-n nnd VestrebiM'gen -zu neh!men, die unter dem V-ovwandedes Judenhafses eine allgemein zerstörende, zersetzende und verheerende 'Tätigkeit auf dem Geb'iete des Fortschrittes und der Men'sch'hett entfalten. Die zionistische Bewegung hat nichts Utopistiifches mehr an sich: sie ist das Ziel der Arbeit -reife-r Männer und bildet de>n Gegenstand ernster Erwägungen. Politische Machtfaktoren, regierende Persönlichkeiten und Staatsmänner sind zur Erkenntnis gelangt, daß die Jn-denfrage- -ein Problem sei, dessen vernünftige Lösung der Zionismus an- -strebt. Im SiN'ne dieser Erkenntnis' laufen Bemühungen, die Judenfrage auf die Tagesordnung -der nächsten Haager Frieden-skouferen'z zu setzen. 'Ich erlaube mir dah>er, Sei-ne Exzellenz den Minister des Auswärtigen zu bitten, die Intervention, d'ie wir bei den ruisftscheu Massakersvermißt haben, nun in der Weise zu Wen, daß imsere ge- 'Meiufame Regierung diesen BewühUngen sich nicht ,widersetze, sondern im Gegenteil -ihnen ihre wärmste Sympath-ie und Unter'stützung augeideiheu -lasse. Ich muß aber auch die g-egen die Juden m Rußland verWten Exzesse von ebnem anderen Standpunkte aus beleuchten, und z'war von jenem -Standpunkte, der bereits im Wege einer Interpellation im dsterreichi!schen AbgeordUe-ten'hau'se zu-r Sprache gebracht worden ist. Im Mai diesesj Jahpes wurde die österreichische Regie-vnng, bez-iehUngswe-ise der östevreichischü FinauzmiNister, daMber interpelliert, ob sie die Kotiern-ng der nettenrufsischen Anleihe an den österreichischen Börsen bewilligen werde. Es wUläde das zurückgesührt auf eine. Jnterventiorr, -beziehungsweise eine Beeniflussimg durch das gemeinfa'me auswärtige MinifteriNm, welches .über Ersuchen der kaiserlich rNssrschen Regiie'vtlng auch die bsterreichlf-che NegdevU'ng öartmn angegangen -hat, einen Deik der neuen rnssischell Anleihe 'm Betrage von — ich glaube — 2,25 Milliarden in Oesterreich zuz'tllassert. Die beziigliche Stelle in der Jnterpe-llatiou -läutet (lieft): „Der österreichische Finalizluin-ilster, offenbar vemrrlaßt durch den Minister des Aerchern Grafen Gölttchowski, fordert die österreichische Bevölko- KrcB5-»iP0TncKr 5. niTTCLP/JCM Wien, l., Hoher Merkt Nr. 8 (Palais Srna) i» Zsatram dsr Stadt. ♦ Aromatischer plafter. SriSÄVÄSs: liudernd, Anzuweuden bei allen schmerzhaften Zustanden die intolge von Zugluft, Erkaltungen ete. ete. auftretea. Preis I Sehachtel 2 Kronen