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Nationalzeitung · 1906-07-10 · Heft 49 (10.7.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 49 (10.7.1906)
Date
1906-07-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nationalzeitung Nr. 49 tarn» aUs, der Regierung Durnoivo-iWIttte Gelb Mir Niieberschießung von FreiheitskämpftM, Mr BeranstaMlug von Juiöenmassalkers, zur Bestechung europäischer Zeituugicin, Mit einem Wort!zur Fortsristung ihres mlhMbar'en, korrupten, kulturfeindlichen und bl«utbefleckten Absolutismus zu schenken." D'iese Jntevpellatton ging von folgenden Erwägungen ans: Dke 'Höhe deir ru ssischen! StaatsischUlö beläiUft sich gegenwärtig ans etwa 22 MWurrden Franken. Die Verz-hOiug und Amortisation derselben ersordert jährlich! 723 Millloneni Franikens V«on dieser Staatsschuld per 22 Milliarden «befinden sich n'icht Weniger als 16 Milliarden i>m AuSlMve. D«ie SUblfkription ans die neue Anleihe von zirka 2138 Millionen Kronen Hat «den Zeichnern ganz besondere Vorteile geboten, die Bed>iugunigen waren ausfallend günstig, nämlich ein Auflegung skurs von 83V-, 5 Prozent Verzinsung uUd zehnijährtge Unkonoertierbarte>it nnd Unlkünidbnrleit. Die russischen Staatsfinäuzen b-esinden sich aber bekanntlich, und zwar auf GrUub eines Nachwchses des konservativen preußischen Rechtslehrers Martin, in einem höchst traurigen Zustande. Er wies nach, daß der russische Finanz- Minister im Oktober und November 1906 100 Milliousn Rubel Schatzirvechsel, im August 1908 160 MMionen R«ubel Rentenbilletts, im Mai 1909 800 MMionen Frauken Nprozentige Schatzscheiine Mrüchzuzahlen, im JE 1911 -das deutsch-holländische Anlehen^ von 500 Millionen Mart zw amortisieren', bis dahin also an Schatzwechseln und Anlehen Mein- 2282 Miillionen Mark bar zurückzuzahlen Hat. Bedenikt man -jedoch, daß die KviegMostön noch immer fortg-elhen, da die in Ostasien n«och immler stehenden 4<X).00v Soldaten monatlich Ungefähr IM Millionen Kronen, kosten, daß die MusbesserfuUg der Gehalte der Eisenbahn-, Telegraphen- und Pollizeibejamten jährlich« bei 200 MMioneu Kr'one>n erfordert, daß überdies durch die Revolution die Zerstörung der Pietroloumgruben, die Streiks a!us den Bahnen und das sich fortwährend steigernde Defizit der Eisenbahnen überhaupt immer neue Belastungen Eintreten, so^ erscheint die Berechnung Martins, daß Rußland irr den nächsten sechs Jahren 15 Milliarden neu«ö Anlc>ihen aufz'uuehmen gezwungen! sein, wird, völlig berechtigt. Durch diesen' Nachweis der Zerrüttung der russischen Finanzen wurde, di'e> öfter reichi>sche Oeffentl'ich'keit gewarnt, daß sie sich nicht beteiligen soll an der Subskription der russischen, Staats^ anleihe, an welcher Oesterreich mit 166,420.VM K sich beteiligen sollte. Nun, auch der österreichische FinMrz,minister schien einige Zeit Bedenken zu, haben, dieser Anlelihe die Kotierung zu bleiwilligen, da er zuvor bei der kaiserlich russtschen Regierlung ansrageN ließ, ob dieseM'e nicht vorhabe, in 'den nächsten zwei Jahren eine! neue Anleihe ausz'unehmen. NUn «kam allerdings eine verne«iu«ende Antwort von der kaiserlich russischen Regierung, aber man weiß ja, was von diesen Versicherungen der ruiffischen Regierung zu h«alten ist. Man weiß auch, wie verschlesert das russische Budget überhaupt ist, und daß selbst die Mitteilungen übe-r das effektiv bestehende Defizit wicht das richtige Bild der russischen Finanz,Wirtschaft bieten. Tie Aufforderung an die Oessentlichkeit, sich an dieser ruiffischen Staatsanleihe, welche dann doch später vom österreichischen FinanzNikuister zur Auslegung an der Börse zu,gelassen, worden ist, ist unbeachtet geblieben, und leider hat die Folge jenen recht gegeben, welche ihre Stimme warnend gegen die Beteiligung an dieser russischen Staatsanleihe erhoben haben. Die geehrten Herren werden ja a«us den Beirichten über die letzten Ereignisse u,ud namentlich aus lden Berichten der Pariser^ Berliner und Wiener Börse wissen, daß derzeit schien,, speziell an der Wiener Börse, der Kurs di«e«ser letzten russischen Anleihe weit unter den Emffsionskurs gefallen ist, und daß ein namhafter Kursrückgang der ruiffischen Papiere an« der Pariser und Berliner Börse zn verzeichnen ist. Es war daher eine ganz unerhörte Ausbeutung österreichischer Sparer, öfterreich'ilscher kleiner Leute, welche sich an dieser Anleihe beteiligt haben, daß sie, trotzdem von kompetenter Stelle' über die Verhältnisse der russischen Finanzen und über die Gefährl'ichke'it der Beteiligung nachweisbar Daten geliefert wor«d'en sind, durch das Vorgehen des österreichischen FinanziMinisters verleitet w'orden sind, sich an der r!n«ssilschen Staatsanleihe zn beteiligen!. EH ist dies um so sträflicher, als,dadurch tatsächlich der russischen Despotie die Mittel an die Hand gegeben worden sind, um ihr zerstörendes Werk zn vollenden, um weiter gegen die russische Reichsoevtretung aNfzntrelen uud> dem russischen Volke die politischen Rechte' zu nehmen, die sie ihr fe'ierlich verlsprochen hat, nur um> weiter Masfcnanorde' zn betreiben und insbesondere das B!olk auszlubeutein. 'Es war auch bezeschn'end, daß jener Staatsmann, welcher damals die ru-ffischen Staats«- g!ejsch!äfte gesiihrt Hat, Gras Witte, sofort, nachdem die Anleihe ausgenommen worden war, verabschiedet w'orden ist. Selbst ein russischer P'atriot, der von mir schon früher erwähnte Gorki, verkündete kaut: 'Gebt Rußland -kein Geld zlum Morden! Es muß geradezu als eine Gewissenlosigkeit bezeichniet weden, daß die Beoölkerung verleitet wurde, diese!)« Kolosse Geld zu solchen unlauteren. Zwecken zu geben, da doch damit das rujffische Blv'lk noch weiter geknechtet w«ivd. Es verlautete auch schon in «den letzten Tagen, daß die russische Reg«ie>rung tm. Herbste an die Ausnahme einer neuen Anleihe schreiten! wM. Nach den bekannten EreigUffsen ist ZU! erwarten, daß die europäischen Baulken daraus wohl nicht eingeheu werden und wenn! ich eineu Bovwnrs gegen die Reg>ierUng erhebe, so ist es «der, daß man die Banken und Bankljnden er'st «dazu verleitet und dies dann gegen die ganze J!udcn«schast ausnützt. 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