Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 48 (6.7.1906)
- Date
- 1906-07-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2429839-2429840-2429888--344-2430438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 48 NcttionatzeitiMg Seite 3 aus, weil es in dieser Kategorie noch wen ig e r >6i l s 4,7 Prozen t Jude n tz i d t. Mer das, was der Herr Minister zugestand, ist schon Beweis genug, dafür, daß im ReichskrieciA ministeMumi jetzt eine Auffassung herrscht, die mit dein Staaitsgru-ndgesetzenin keiner Weise in Einklang gebracht werden kann. Der Wahlrcformausschuß hat sich, mit der Wahlkreis ei ntcilun-g in der B u k o «v i n a, be^ schäftigt. Tie angenommene Wahlkretseinteilung sichert d e n I u -d e n n i ch' t; ei n einziges M a n d a t, denn wenn! auch im Sinne des- Antrages Tr. G r o ß, Sadagora^ zum. ersten- Czernotvitzer Wahlkreise zugesÄagen wird, so wird es ilnmer'hin, noch einen, Kampf um, dieses Mandat geben. Sehr auffallend ist die. Haltung des Abg. Ritter von W a. s s i l k o in, -dieser Frage. Er-, vertrat den merkwürdigen Slamdpunkt!, daß die Schaffung ausschließlich ji'ldischer Wahlkreise die Juden von den> christlichen Wählern, unabhängig manchen würde. Wir begreifen schließlich die Ang't des Ritter von Wassilko. War es doch! den Ruth ewen. mit Hilfe der Juden möglich', in der Bukowina zu jener Rolle zu gelangeir, die ne beute einnehmiene Aber es war doch, unklug, den krassen Egoismus, der, wie es sich jetzt herariszuftellen! scheint, die Ruthenen Lei dein Bündnisse mit denn Juden geleitet hat, zu verraten. Dr. S t r a. u ch e r, der Schöpfer dieses Bündnisses, hat ohnichin! einen! schweren Stand, weil -er denr Biindnifse unter allen Umständen treu, bleiben will. Ob es ihm-;mch dieser -eigcntiimifttfiem Zluffasfung -des Führers der Bukowina-er Ru-thie-nen! über die Rechte dc-r Juden auf nationale S-e-lbständigkeit noch möglich sein wird, e1 iwc Revision der Kritik d -e % I u, d e n i n. der B u k o w i n a auf die Da-uer hinta-nzuhalten, lvollen wir bezweifeln. Im Gegensätze zum päpstlichen Nuntius in Wien, der bekamMch die russischeir- Jrldenmetzeteien vom, Standpunkte der katholischeu, Religion aufs schärfste verurteilte, hat der Bischof den W a i z e n (Ungarn), Graf Ci z a k y, sich, auf de),, Standpunkt gestellt, daß wir „jetzt w i ch t i g, e r e s z u t it n hä t t e n>, a l s uns n mi d i e v it ssis ch c n I it. dc n. z it k ü mm e r n>". Es ist ganz in. Ordnung, daß auch die Juden, leiden müssen, da die Christeneinstmals ebenfalls zu leiden ha-tten (!), nur, meint der edle Kirchen sürst, haben die Christen für ihren Glauben gelitten, währcind die Juden deshalb erschlagenwenden, w e i I f i c c r w ex b c rt, u n d v e r d i e n e u. Wenn die Juden! an den Wirren, in- .Rußland schuld siud> dann ist ihre Verfolgung eine gerechte." Bischof Csaky ist ein naher Verwandtem jenes unschätzbarem Werte. Dabei läßt er sich nicht blenden vom äußern Glanz, von Kunst und Wissenschaft, läßt sich nicht einfangen durch Schauspielkünste und geschulte Beredsamkeit und läßt sich nicht berücken durch den Flitter der herrschenden Mächte. Aus einer eingehenden Vergleichung der Polaken einerseits, der böhmisch-ungarischen und der deutschen Juden andrerseits würde sehr vieles zu Ungunsten der letztern herausschauen. Es könnte jedoch zu einer persönliche«) Erbitterung führen, da bei Beurteilung nichtpolnischer J««de«« nicht mehr das versöhnende „Wir" gebraucht «verden kann. Der Litfak steht den« Polak ncnnentlich an Sprachfähigkeit «veit nach. Oblvohl die Nmlantung von n in i und die Ablantnngen von o in u, die bei uns sowohl in der jüdischen Mundart als auch in ebräischen Anssprache erfolgte««, m Litauen keinen Eingang fände««, so ist doch die ganze Sprechlveise des Litfaken ««nschön und u««klar, stark verstümmelt und unsicher. Alle Zahnlaute, auch solche, die es im Ebräischen und i«n Jüdischen gar nicht gibt, wie Z und cz, verwechselt er mit eina««der u. dgl. Es ist jedoch keine Schwäche der Litfaken, sondern zeugt in« Gegenteil vo«« ihrer höhere«« geistigen Entwicklung. Inden« ««ämlich die Sprache fast das einzige Werkzeug für die Ae««ßer««ng der Geisteserzeugnisse Grasen Csaky, unter dessen Regieru>ng> die liberalen Kirchengesetze geschaffen wurden. Heute ist abev die antisemitische Volkspartei die einflußreichste, wenn, auch nicht die numerisch stärkste in Ungarn, und das erklärt alles. In der österreichischen Delegation wird jetzt viel über die Massakers gesprochen'. Dr. öl r a nt« a r s ch hat seine jüngsten Anslassniweu, wohl zu mibvern gesucht, aber das Stigma, die Metzeleien, .auch nur eine Mi««-ut!e lange gutgeheißen zu, fyinben-, bleibt auf ihm, haften. Dr. S t r a n ch- >e r nahm auch' Veranlassung, die A ««würfe Kirmnarsch' znvückzuweffen!, u>nd, ganz im Sinneunserer Ausführungen in» unserer letzten Freita-guumm-er, Herrn Dr. .Kramarslhdie O im f a d i n a in. E.rimi-erunig gebracht, die sogar politische Morde verübt haben, obgleich es sich, N!ich>t> um die Erlangung normalster Menschenrechte, wie bei den Juden Rußlands hanbclte. Auch, der Reserent des Budgets des Ministeriumsdes- Aeußern gab seiner bedingungsiloisen, Erbitterung« über bite rnssisMn Gräuel Ausdruck, nur Graf Goluchowski — schwieg. Die Juden in Bukarest. Bukarest, den 1. Juli. Die Rede, welche Reichsratsabgeordneter Dr. Straucher in der österreichischen Delegation gehalten, hat, besonders was den rumänischen Teil betrifft, hier großes Aufsehen erregt, und fast alle hiesigen Blätter beschäftigen sich mit ihr eingehend. Die ineisten weisen natürlich die Vorwürfe des Doktor Straucher zurück. Demgegenüber dürste es interessieren, zu erfahren, wie sich die maßgebenden jüdischen Kreise über die heutige Lage der Juden in Bukarest äußern: Ein hiesiges Blatt veröffentlicht eine Reihe von Artikeln über die Verhält««isse der Juden in der Hauptstadt. Der erste Artikel bringt ein Interview mit Herrn Dr. Adolf Stern über die israelitische Gemeinde in der Hauptstadt. „In Bukarest — sagt Herr Dr. Stern — wo die Zahl der Juden begreiflicherweise weit größer ist, als in anderen Städte««, gibt es keine israelitische Gemeinde, und deshalb ist das Los der philanthropischen und kulturellen jüdischen Institute eine so prekäre. Der Mangel einer jüdischen Gemeinde in Bukarest stellt ««ach zwei Richtungen hin eine«« Uebelstand dar. Ernstlich kann die „Gabela" (die Taxe für das Schlachten von Koscherfleisch) ««icht eingesührt werden, durch welche die Mittel für die Erhaltung der phila««thropischen und kulturellen J««stitute beschafft «verden würden, die infolgedessen schwer ist, so ««ätzt sie sich desto früher ab, je mehr sie durch die geistige Fruchtbarkeit ihrer Sprecher im Gebrauch steht. Die Vollkommenheit der Sprache eines Volkes steht deshalb im un«gekehrter« Verhältnis zu dessen Gesamtbildu««g. Aus dieser Ursache ist das Polnische voller und schöner als das De««tsche, das Deutsche als das Französische u««d dieses als das Englische. Das Litfakische hat starke Aehnlichkeit mit den« Englischer«; wie der Engländer so hat a««ch der Litfak die Geschlechtsunterschiede verlernt. Mit dem Niederga««ge der Sprache hä««gt auch die Verkümmerung ihres tonkünstlerische««' Gefühls zusa«nme««, «vie es schon ü« der Verwandtschaft von Singen unb Sagen c-ivL—ivw liegt. Sachlich erlerne«« unsere litauischen Brüder auch fremde Sprache«« rasch, aber zu einer lautlichen Vervollko«nn«««««ng bringen st. c& fast nie, selbst ««ach jahrelanger Uebung. Das Ebräische ««nserer titanischen Schriststeller ist inhaltlich fein durchdacht und begreiflich, gediege««, entbehrt aber der Re«««heit der Sprache ur«d des kürrstlerischen Satzbaues, des Wohlklanges ««««d des Ebei««naßes. (©ine löbliche Ausnahme bildet Jaiviz.) Da sich ««ächst den Litfaken« die Polaken am meiften an der Wiederbelebung u««serer heiligen Sprache beteiligen, so täte«« beiderlei Jude«« gut, sich bezüglich der Forn« mehr an polakische M««ster | um ihre Existenz kämpfen müssen. Zweiteirs gibt es kein Mittel der Kontrolle über die Jude«« in Bukarest, und es fehlt den Behörden an einer wirksamen Unterstützung bei der Lösung geivisser, die Juden betreffender Fragen. Heute, weiß man nicht enrmal die genaue Anzahl der in Bukarest lebenden Juden. Nach einer von mir gemachten Berechnung muß es in Bukarest 38—40.000 Jude«« geben." Dr. Ster«« erinnert k)ierauf daran, daß . es in früheren Zeiten eine israelitische Gememde gab, dessen Konritee den Namen Epitropie trug. Schon in Urkunden des 17. und dem Begin««e des 18. Jahrhilnderts «vurden die Befugnisse dieser Epitropie angeführt, die auch eine Art von Gerichtsbarkeit auf die Mitglieder der Gemeinde ausübte. 'Diese Epitropieu blieben auch unter dem Fürste«« Cuza und unter dem König Carol tätig, bis unter Jon Bratianu der Ministerrat e««tschied, daß es nicht berechtigt sei, sich in die A««geleger«heiten der israelitischen Gemei««den einzumengen, die frei seien und tun könnten, was sie «vollten. Damals begannen dann die Streitigkeiten und Mißhelligkeiten, die es zur Folge hatten, daß ein Jahr später die Bukarester israelitische Kultusgemeinde sich auflöste. Alle seither bei den aufen«anderfolge««den Regierungen geinachten Versuche, die Wiedereinrichtung der Gemeinde durchzusetzen, blieben aber gänzlich erfolglos. In der Frage der jüdischen Auswanderung äußert sich der Bukarester Sekretär der Gesellschaft „Jca" Dr. Loewenthal folgendermaßen: „Es heißt im allgemeinen, daß die Auswairderung durch das Mißjahr von 1899 hervorgerufen wurde. Das ist nicht richtig. Die Auswanderung reicht nämlich, wenn auch nicht in so großer Proportion, aus 15 Jahre zurück, und erfolgte in larrgsamer Weise, nicht in Gruppen, sondern einzeln. Das Mißjahr 1899 rief i«n ganzen Lande eine lebhafte Ailswanderrmgsbeivegung hervor, welche insbesondere die ärmeren sowie die arbeitenden Klaffen» erfaßte, die durch die ausgesprochene wirtschaftliche Krisis am meisten betroffen worden waren. Infolge der Krisis begannen die jüdischen Handwerker, welche keine Arbeit fanden, aus dem Lande auszuwandern. Die Bewegung stieg in furchtbarer Weise und nahm i«n Sommer des Jahres 1900, wo man erst die Folgen des vorangegangenen Mißjahres mit vollerj Kraft zu spüren begann, den Charakter eines wahren Exodus an. Damals bildeten sich die Gruppen der zu Fuß Auswandernden. Diejenigen, welche Mittel hatten, «vanderten auf ihre eigenen Kosten aus. Die Auswanderungsbeivegung hielt in dieser Weise ohne irgend zu halten. Schließlich wäre es schon an der Zeit, daß auch unsere ungarischen und deutschen Juden einen Schritt näher machten. Es versteht sich, daß bei der leider noch innner herrschenden unjüdischen gegenseitigen Ausschließung eine zweckdienliche Beeinflussung uriter einander unmöglich ist. Wenn «vir es mit der Selbstbefreiung unseres Volkes ernst meinen, so «nüsser« wir alle aus unjeren Eigendünkel hinaustreten, brüderlich «niteinander verkehren und uns tüchtig durcheinander mischen. Dann «verden die Fehler des eilten an der« Vorzügen des anderen abprallen, die Mängel «verden schivinden, die Vorzüge Gemei««gut unseres Volkes «verden. Das ist der Gang der natürlichen Veredlung in G—ttes großer Welt und auch «vir sollen u««s derselben gehorsam nnterrverfen. Gerade bei uns Polaken läßt sich die «vohltuende Wirkung von außen a«n besten beobachten. Unter sich zeigen sich die ausgervanderten Polaken im Westen in ihrer ganzen Erbcirmlichkeit; da, «vo sie nicht d««rch alte Ueberlieferung zur Not zusammengekittet sind und sich erst von lleuein zusammentun sollen, ist ihnen ein Zusammenleben und Zusammen- «virken rein unmöglich. In nicht polnischen Gemeinden und Vereinen dagegen sind die besten und regsten, erhaltende und friedliebende I Mitglieder. Im richtigen Gefühle der eigenen KREBS rtPOTHCKE 5. niTTELD/lCn Aromatisches Piaster. vjii* „ | unl.n« IUIahLi tl. o li ilsrnd. Anzuwwuden bei allen sclimor/hafteu Zuständen Wien, I , H0II9I MärKt Nf. U die intolge von Zugluft, Erkäitungeu etc. etc. auftreten. (Pulais Sina) im Zentrum der Stadt.$ PFöiS I Schachtel 2 Kt OntJIl