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Nationalzeitung · 1906-07-03 · Heft 47 (3.7.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 47 (3.7.1906)
Date
1906-07-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47 NakionalzeiLmig Seite 6 Vorsitz. Letzterem wurden hier große Ovationen zuteil. Die Debatte knüpfte an die jüngste Äeußerung des Ministers des Innern Baron B i e n e r t h an, wonach die Juden nicht der deutschen Nationalität zugezählt werden könnten. Die Wichtigkeit dieser Äeußerung von so kompetenter Stelle wird hier allgemein anerkannt. Die Delegierten besprechen die durch den Tod Dr. Byks geschaffene Situation, wobei allgemein betont wird, daß durch den Abgang Dr. Byks wohl der größte jüdische Feind der Jüdischnationalen — allerdings in bedauerlich tragischer Weise — vom Schauplatze verschwunden sei, dafür aber die Drohung Abrah amovicz, welche ebenfalls stark diskutiert wird, daraus hindeute, daß die Polen selbst jetzt mit desto größerer Energie die Unterdrückung der nationalen Strömung fortsetzen werden. Im allgemeinen herrscht unter den galizischen Delegierten Kampfesmut und Zuversicht. Ausführlicher Bericht folgt. Krakau. 2. Juli. Die auf Einladung des galizischen Distriktskomitees Samstag, den 30. Juni hier abgehaltene g a l i z i s ch e Landeskonferenz, an welcher ausschließlich Delegierte aus Galizien teilnahmen, beschloß die Gründung eines zionistischen Tagblattes in polnischer Sprache, einigte sich bezüglich der Stellungnahme der galizischen Delegierten zu dem von den Einbernfern des zionistischen Parteitages vorgelegten politischen Programm und Organisationsstatut. Wer Zionistentag und besonders die Diskussion über die politische Betätigung und die Exklusivitätsklausel gestaltet sich zeitweise sehr stürmisch. Schließlich wurde die Gründung einer politischen nationaljüdischen Organisation mit österreichischem sozialfortschrittlichen Programme zum Beschlüsse erhoben. Ans der Menarsthung des Kullirsvorstandes. Vom 24. Juni 1906. Unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern. Im Einlaufe befinden sich: Ein Dankschreiben des Herrn Baurat Theodor Ritter vor: G o l d s ch m i d t für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens seines Bruders, des Herrn Alexander Ritter von Gold schmidt, Paris. Dankschreiben des Herrn Adolf Ritter von S o n n e n t h a l für die Gratulation des Kultusvorstandes aus Anlaß seines 50jährigen Burgtheaterjubiläums. Dankschreiben des Brigittenauer Frauenvereines für Beteilung aus dem Rudolf Ausspitz Legate. Telegraphische Mitteilung der Kultusaemeinde Lemberg von dem Hinscheiden ihres Präsidenten, des Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. Emil Byk Zu Beginn der Sitzung hält der Vorsitzende dem plötzlich dahingeschiedenen Reichsratsabgeordneten und Präsidenten der Lemberger Kultusgemeinde, Herrn Dr. Emil Byk einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er der hervorragenden Eigenschaften des verewigten, seiner unermüdlichen Tätigkeit im Dienste der Oeffentlichkeit, insbesondere aber seines hingebungsvollen Wirkens für die Alleressen des Judentums in warmen Worten gedenkt. Der Vorstand werde das Andenken des Verstorbenen stets in Ehren halten. Der Vorsitzende gedenkt weiters des Verlustes, den das Mitglied des Kultusvorstandes, Herr Hermann E l tb o g e n durch das Hinschelden seines Bruders, des Herrn Moriz Ellbogen erlitten hat, welcher bis vor kurzer Zeit dem Wiener Gemeinderate angehörte und sich auch sonst im öffentlicher Leben, namentlich auf humanitärem Gebiete vielfach betätigt hat. Tao Vorstandsmitglied, Herr Dr. Felix Katzau hat durch den Tod seines Schwagers, des Herrir Dr. von K ö r ö s y, der sich als Gelehrter eines hervorragenden Rufes erfreute, einen schweren Verlust erlitten. Die Versammlung, welche sich zum Zeichen der Trauer von der: Sitzen erhoben hat, ermächtigt bcn Präsidenten, den Familien der Verewigten das Beileid des Kultusvorstandes auszusprechen und die Trauerkundgebungen dem Protokoll einzuverleiben. Herr Vertreter Dr. M.S tei n e r interpelliert den Präsidenten ob und welche Schritte derselbe zu unternehmen gedenke, uni die von einem Redner in der österreichischen Delegation erhobene, unwahre Behauptung, daß die russischen Juden an der Spitze der Revolutionären stehen und daher die gegen sie verübten Greueltalen selbst verschuldet haben, zu widerlegen. Der Präsident bringt die gehaltene Rede nach dem stenographischen Protokoll in der Abendpost der Wiener Zeitung zur Verlesung. Er erklärt, daß er die Entrüstung des Kollegen Dr. Steiner über diese Rede im vollsten Maße teile, daß er überzeugt sei, daß auch der Gesamtvorstand hierin mit ihm übereinstimme. Er werde unverzüglich das ihm geeignet Scheinende verfügen, ein Schreiben an den Präsidenten der Delegation, Prinzen L o b k o w i t z, richten und über das weitere in der nächsten Vorstandssitzung berichten. Bei diesem Anlasse teilt der Präsident auch mit, daß das Präsidium der Kultusgemeinde voraussichtlich gemeinsam mit dem Präsidium der Allianz angesichts der jüngsten Judenverfolgungen in Rußland dem Minister des Aeußeren neuerlich eine Eingabe mit der Bitte um Intervention bei der kaiserlich russischen Regierung überreichen werde. Die Unterrichtskommission beantragt auf Grund eines Vorschlages der Religionslehrerkonferenz, in der 2. Klasse der Volksschulen eine fakultative 2. Religionsstunde einzuführen, welche hauptsächlich zur Erteilung des Leseunterrichtes dienen soll. Eine Erweiterung des Lehrstoffes soll durch die Anfügung dieser Stunde nicht stattsinden. Das Plenum genehmigt unter Voraussetzung der behördlichen Bewilligung die versuchsweise Einführung in sechs/ Schulen im Schuljahre 1906J07 und die hieraus entspringenden Kosten. Ueber Antrag der Kommission I wird beschlossen, in den Gemeindebethäusern an Wochentagen nach dem Minchagebete „Olenu" sagen zu lassen, um Trauernden Gelegenheit zu geben, ein Kadischgebet mehr verrichten zu können. ' Ueber Vorschlag der Direktion des Spitales der israelitischen Kultusgemeinde und der Leitung der gynäkologischen Abteilung dortselbst wird beschlossen, mit Rücksicht auf die gesteigerte Inanspruchnahme dieser Abteilung durch Operationen und erhöhte Frequenz der Ambulanz, einen zweiten Hilfsarzt für die Abteilung mit den normalmäßigen Bezügen zu bestellen. Ein Konkurs wird ausgeschrieben werden. In das Kur4torium der zu gründenden Bildungsanstalt für israelitische Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen werden gewählt: Vom Vorstande: I. Vizepräsident Herr Dr. Gustav Kohn als Obmann der Schulkommission, ferner die Herren Dr. Alfred Berger, Professor Dr. Salomon Ehrmann, Dr. Markus Spitzer, die Inspektoren Rabbiner Dr. E. D a v i d, Prof. M. Kanitz, weiters die Herren Direktor Dr. Moriz Brunner rnd Direktor Alexander Hecht. T empelbau - Angelegenheit Wieden-Margarethen: Ueber neuerliches Ansuchen des Tempelvereines für Wieden und Margarethen wird nach längerer, eingehender Debatte beschlossen, dem Tempelvereine behufs Ankauf eines geeigneten Platzes unter gewissen Bedingungen die zugesicherte Bausubvention pro K 60.000 vorläufig als Darlehen auszubezahlen. Dr. Strarlcher über die Judenmassakers. (Fortsetzung.) Wer hat kürzlich den, fpan-ischcu Mmistcrpräsidcnlcn crmdrdct? -War es ein Jude? Oder wich' hat das Bombcnaktentat ans den König von Spanien am 30. Mat vorübt? War es ein Judo? Spanien ist vollständig judenrein, nn'ö trotz alledem konnten sich dort Anarchismus und andere gesetzwidrige Ausschreitungen festnstten. Das hatmit dem Mauden, mit der Rasse, absolut nichts zu tmi. Wollen Sie, verehrter Herr dies gütigft -zur Kenntnis nehmen. Ich glaube, daß Ihre historischen Kenntnisse mir wohl recht -gehen. Ich erinnere den Herrn Kollegendaran, daß vor -einigen Jahren erst, als cs sich darum handelte!, daß in Müaichvrv eine gaUz kleine protestantische «Kapelle« ein-gemeiht wurde, das -von Fanatikern gegängelte Bock dagegen Stellung genommen, revoltiert und diese protestantische Kapelle gestürmt hat und dort sin!d> wie gesagt, fieiiitie Inden. ^Delegierter Stei >n: In München?) Pardon! In Msadrid, in der Hauptstadt des Königreiches Spanien. Meine sehr verehrten Herrenl Hart an der Grenze unseres Reiches spielte sich. vor etwa mehr als einem Halden Jahre -eine der blutigsten Tragödien der Menschheit ab. Ein Orkan des zügellosesten, brutalsten, leidenschaftlichsten- Judenhasses durchtobte« Rußland und erschütterte das Jndem tnm in 'seinen Grundfesten. Msas -aber Barbarei, Unperstündnis und WvlksMNt in jüdischen Leibern -wütete, vermag eine menschliche Stimme nicht zn schildern. Wieder wurde gemordet und geplim«- dcrt, wbe'Äer sind- Greise getötet, Kinder verstümmelt, Frauen geschändet worden, wieder einimal war die jüdische Welt ein- Dal des Jammers und des 'Glends gemorden. Das Manifest vom 17. Oktober 160-5, welches Rußlanddas Morgenrot der Neuzeit künden« sollte, wardzum Anlaß, nm ein Jndenmassalker in einer Wieste erstehen zu lassen, wie es die Neuzeit noch nicht gekannt hat. Das M!o-rgenrot der Freiheit wurde gekündet, and schon watete man fußhoch in jüdischem, Blute. Diev starre Absolutismus war gefallen, und im Sterben grnib er dem IudeUvolke eine gväWche Wnnde, vo-n der sich dieses nicht so bald erho'len wird. Es ist ge-ri-chtsordnungslm-äßig erwiesen, daß diese Massakers nicht dem blindlwiitenden Fanatismus des Pöbels entsprangen, sondern daß sie planmäßig angelegt und von der BUr-raukratie, dem Militär und der Polizei aus das intensivste unterstützt wurden. Es ist eriw>ies-on-, daß die Beamten, an die sich die Jn«d«en Um -Schutz wandten«, diese zu'rliickstießen,' es ist erwiesen, daßdie MM augeiblichen Schutze der Inden ausgerückten Truppen und Polizisten nicht nur die Plünderer an «ihrem Bern-ichinngswevöe nicht gehindert, sondern sogar aktiv bei der Plünderung und -bei den Massakers eingegrifsen halben. Und auch diese Anteiknaihime des Militärs und der Polizei war Nicht dem augenblicklichen Jimipnlse entsprn-ngen, 'sondern war nur die Folge ähnlicher zahlreicher Erscheinungen, die seit «den Sch-veckenstagenboin Kstcheneiw und Hdmel eingesetzi hatten-. Leh-rreich ist diesbezüglich der Prozeß vo-n Hdmel. Am ersten Tage Min-rde dlcrch ZeugenanAfagen 'erwiesen, daß ein Offizier den Illden Dalwidoss, der von den Räubern auf der Straße bewußtlos z-urückgelassenwordenwar, mit einem Säbelhiebe die -Schädelderke spaltete und so tötete. Dev Polizeimeiste-r Drajemskr erklärte offen: „Wernr ich iiber das Militär hätte versiigen könnenhätte ich im Augenblicke die Ruhe wieder Herstellen können." Die Truppen hatten die Gassen a/bgesperrt, aber nicht deshalb, um d-ie Plünderer von der Vemliichtnng der jüdischen Häuser fernznhalten, sondern u«m -de'n« JirÄen die Möglichkeit au nehlneu-, sich zur We>hr au setzen. Dem. gegenüber hatte die rnstische Staatsanmaltschaft die unversroreine Kühnheit, in ihrer Anklageschrift die Versuche der Inden, ihre- Fam-il-iennritglieder der drdhenden Todesgefahr zu entreißen, als einen „Altschlag der I«ude-n ans das Bll-litür" z«ll kenr:- zeichnen ll-nd gegen viele Juden in diesem- Sinne die MEage zn erheben. KREBS-APOTHEKE 5. niTTELB/lCH purgier-paftillen. atvrÄ'VÄ iu;__ ■ U..I.I u. o an ein Abfdhrmittel bt«llen kann. Wirk mg Iwlöilj I>, ilOnBr iHÄrKl NP. O gelindo, ohne Schmerzen. Verwöhnt den Körper nicht, (Palais Sine) iw Zentrum der Stadt. + Preis PN» O0S6 2 Kronen.

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