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Nationalzeitung · 1906-07-03 · Heft 47 (3.7.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 47 (3.7.1906)
Date
1906-07-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite Nationalzeitung Nr. 47 Handlungen wurden mit'einerTrauerkuudgebuug für die iDpfer der jüngsten russischen Judenverfolgung in Bialystok eröffnet. Die Versammlung beschloß unter dem erschütternden Eindruck dieser Nachrichten um so uttensiver in der bisherigen Richtung zu arbeiten und am Baseler Programm unerschütterlich sestzuhalten, welches allein eine endgültige Lösung der Judenfrage herbeizuführen imstande sei. Es wurde weiters ein immer stärkeres Anwachsen der zionistischen Bewegung in allen Teilen Böhmens, insbesondere am Lande, konstatiert. Die Beratungen, denen Herr Bechert- Teplitz und Herr Max Epfteirr-Raudrntz präsidierten, betrafen aktuelle Fragen und den Ausbau der inneren Organisation. Krems. Der Einzelverein „Zion Krems" veranstaltete am 14. Juni einen Tagesausflug in die Wachau nach Aggstein, an dem sich 70 Personen beteiligten. Das Dampsschiss führte die Ausflügler um 10 Uhr vormittags von Krems aus durch die schöne Wachau nach Aggstein, wo man um 12 Uhr anlangte. Infolge ungünstiger Witterung unterblieb der Aufstieg auf die Ruine, auf die sagenberühmte Raubveste. Die Teilnehmer begaben sich deshalb in das Gasthaus des Herrn Varetfchneider, wo Herr Neufeld aus Wien für Unterhaltung bestens Sorge trug. Selbstverständlich vergaß man badet nicht des Nationalfonds. Um 6 Uhr abends trat man die Rückfahrt an und langte um 8 Uhr in Krems wieder an. Der schöne Ausflug rief bei den Leuten den Wunsch wach, am 6. August einen zweiten nach Rosenbnrg zu unternehmen. Um das Gelingen dieses Wachauer Ausfluges haben sich besonders verdient gemacht: Frl. Käthe K o h u t und Herr Leopold K o h u t, beide aus Lcmgenlois, außerdem Herr H. Deutsch aus Wien. Weiters wäre noch zu erwähnen, daß das isr. Distriktskomitee, welches versprach, einen Redner heraufzusenden, dies zu tun, unterließ. N. Sch. Czernowitz. Demonstration vor dem russischen Konsulat.) Nach Schluß der am 20. d. M. hier stuttgefundenen Volksversammlung in Angelegenheit der Wahlkreiseinteilung, gruppierte sich eine große Anzahl der Teilnehmer — es waren ungefähr 600 — zu einem Demonstrationszug, der sich vor die Wohnung des russischen Konsuls bewegte und dort gegen die Judenmetzeleien in Rußland demonstrierte. Mehrere Fensterscheiben wurden eingeschlagen und Schmährufe gegen Rußland ausgeftotzen- Die Polizei zerstreute die demonstrierende Menge. Gleich am andern Morgen sprach der Landespräsident persönlich beim russischen Konsul vor und entschuldigte diesen „unliebsamen Vorfall". Zweiter Zioniftentag für die südstawischen Länder. Der Verein „Bar Giora" in Wien veranstaltet am 14. und 16. August d. I. in E s s e g g einen Abiturienten- und Hochschüler- Kongreß und eine zionistische Bürgerversannnlung, in der Herr Tr. Leopold K a h n die Rede über den 'jionismns halten wird. Unter anderem soll die Gründung einer zionistischen Organisation für .Kroatien beschlossen werden. Der Erfolg verspricht ein großer zu sein. Der Verein wendet sich an die Zionssreunde in den südslawischen Ländern mit der Bitte um materielle Förderung. Die Abiturienten und Hochschüler, die während dieser Veranstaltungen freie Station in Essegg wünschen, werden ersucht, sich diesbezüglich an die Vereinsleitung, Wien, 8. Bezirk, Langegasse 14 oder an Herrn sind, techn. Gustav Kunetz, Essegg. Chavrakgasse, rechtzeitig zu wenden. Deutsches Reich. Zentralbureau für jüdische Aus wuttderungsangelegeuheiten. Dem ersten Jahresberichte des Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten (Hilfsverein der deutschen Juden), Berlin, Lützowstr. 8, entnehmen wir über die Auskunstserteilung folgende Einzelheiten: Die brieflicher: Anfragen, die an das Bureau vor: Auswanderern gerichtet worden sind, betrugen insgesamt 1164, davon kamen aus Rußland 800, aus Oesterreich 210, aus Rumänien 80, aus anderen Ländern, darunter Deutschland, Amerika, Chile, Kanada, Schweiz, Belgier:, Holland, England, Frankreich 94. Der Sprache nach waren vor: den Briefen: russisch 430, jüdisch-deutsch 245, hebräisch 155, deutsch 280, in anderen Spracher: (polnisch, englisch, französisch) 74. Die Briese gingen aus von rund 7500 Personen, da die Anfragenden zum Teil Familien, Gruppen, Vereine oder gar Gemeinden waren; etwa 100 rührter: von christlichen Auswanderungslustiger: her, diese fast alle aus Oesterreich-Ungarn. Vor: den Anfragerrden gaben sich aus: 40°|0 als Handwerker, 15°|0 als Landwirte oder landwirtschaftliche Arbeiter, 15°j0 als Kaufleute, 20°(o gaber: keinen Beruf an und 10°|0 waren ohne bestimmten Berus. Die Briefe enthielten über 500 Fragen. Von den Anfragen bezogen sich dem Lande nach auf Nord- Amerika 35°J0, England 10°[0, Kanada 15° 0 Argentinien 10°(0, Suba 10°|0f Palästina 5°<, auf andere und unbestimmte Länder 15° 0 Dem sachlichen Inhalt nach bezogen sich von den Frager: auf den Arbeitsmarkt 25^, auf Reiserouten und Reisekosten 20°|o, auf Einwanderungsbeschränkungen 20°|o/ auf Durchzugsbeschrankunger: in den Durch wanderungsländern namentlich Deutschland 15°|0, auf andere Verhältnisse, auf geeignete Einwanderungsländer, auf Unterstützungen usw. 20°>g. Zu den 7500 Personen, die sich brieftäfölung und die Bänke, als auch die Decke. Im Hintergründe ist der Thoraschrein aufgebaui, der auf der einen Seite den großen Leuchter für das Chanukkasest, auf der anderen den Leuchter für Jahrzeit-Lichter erhalten hat. Die Dekoration über dem mit einem Vorhang in rotem Sammet und reicher Stickerei geschmückten Thoraschrein zeigt Motive der Tamariske mit der Krone des Gesetzes zu oberst, der Krone der Weisheit über dem Stuhl für den'Rabbiner links, der Krone des guten Namens über dem Stuhl des Gemeindevorstehers rechts. Die mit hebräischer Schrift versehenen dekorativen Felder tragen links das Gebet für den Landesherrn, rechts das für die Gemeinde, die Seitenfelder zeigen Dekorationsmalerei, zu denen die Motive von Pflanzen genommen sind, die in Palästina Vorkommen. Oben geht rundum auf blauem Felde ein Band von hebräischen Schriftzeichen, einen Spruch über das Amen enthaltend. Die Mitte zeigt den bei den älteren Synagogen stets in der Mitte angeordneten Aln:emor mit dem Pult zur Thora-Vorlesung. Kronleuchter und andere Beleuchtungsgegenstände, auch die üblichen Stühle mit den verschließbaren Behältern zum Ausbewahren von Tallith, Gebetbuch usw. vervollständigen das Bild. Da der Vorhang während der Dauer der Ausstellung nicht zurückgeschoben und der Thoraschein nicht geöffnet wird, so soll am Eingang in einem Ausstellungsschrank eine mit dom Gesamttboraschmuck versehene Thorarolle zur Ausstellung gebracht werden. Eine große Zahl jüdischer Gemeinden sowie wohlhabende Private haben die Mittel zur Ausführung des Synagogenraumes hergegeben, und eine Reihe von Künstlern und Kunsthandwerkern hat sich Herrn Direktor Frauberger für die Ausführung zur Verfügung gestellt. Es ist ein feierlicher reicher Raum geworden, als Vorbild für , kleinere Gemeinden, welche ohne erhebliche Kol sten sich eine würdige Stätte für die Verehrung; des Höchsten schassen wollen. Denn diese präch-! tige, aus kostbarem Zypressenholz hergestellte : und auf das reichste geschmückte Synagoge kostet bloß 10.000 Mark und ist architektonisch so ani geordnet, daß sich ohne Schwierigkeit eine an- ' dere Gestalt und ohne große Mehrkosten Ver-; größerungen, dem auszuschmückenden vorhandenen Raum sich anpassend, hergestellt werden ' können.! Dresden, 8. Mai 1906. Rabbiner Dr. W i n t e r. („Jüd. Presse".) lich über die Auswanderungsverhältnisse erkundigten, kommen noch etwa 1000 Personen, die mündliche Auskunft in Berlin oder bei den Organisationen an der Grenze einholten. Außer diese:: haben rund 8700 Personen von den: Zentralbureau und seinen Schutzkonütees Erleichterungen und Vergünstigungen während der Reise erfahren, so daß insgesamt etwa 17.200 Personen direkten Nutzen gezogen haben durch die Gründung des Bureaus. Diese Zahl wird ganz erheblich vermehrt durch diejenigen, die indirekt durch die Korrespondenzblätter und durch die Veröffentlichungen vorteilhafte Belehrung und Auskünfte erhalten haben. Berlin. (Hilfsoereiu der deutschen Juden.) Für die Opfer der Brandkatastrophe in W u t s ch j e (bei Bobruisk), die den halben Ort in Asche legte und 70 jüdische Familien auf das schwerste betroffen hat; sie wurden sämtlich obdachlos, sind von: Hilfsverein der deutschen Juden 5000 Mark bewilligt und zur zweckentsprechenden Verteilung sofort nach Petersburg überwiesen worden. Berlin. Der Kultusbeamte Hermann Rieß, Klein-Hanrburgerstr. 7, der alle drei Feldzüge in den Jahren 1864, 66 und 70 mitgemacht hatte, feierte vorige Woche in Rüstigkeit im Kreise seiner Familie seinen 70. Geburtstag. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde ehrte den Jubilar durch Ueberreichung eines kostbaren Pokals. Vertreter von gemeinnützigen Instituten erschienen mit Geschenken und zahlreiche Freunde des Jubilars übersandten ihm Blumenspenden und Telegramme. Bom Krakauer Zionistentag. (Telegramm unseres Spezialkorrespondenten.) Krakau, den 1. Juli 1906. Heute wurde hier der außerordentliche Parteitag der österreichischen Zionisten eröffnet. Der heutige Tag galt zunächst der Beratung und Beschlußfassung über die Schaffung einer politischen Organisation auf jüdisch-nationaler Grundlage. Vertreten sind 53 Städte durch 135 Delegierte. Der Obmann des Landeskomitees Dr. Isidor Schalit gedachte in seiner Eröffnungsrede auch der jüngsten Judenmetzeleien in Rußland und der Zustände in den anderen Staaten. Es sei hoch an der Zeit, daß Europa sich dessen bewußt werde, daß die Judenfrage ganz Europa angehe und es die Pflicht habe, einzuschreiten. Er fordert, daß dies in der demnächst stattftndendenHaager Konferenz endlich einmal und zwar mit allem Freim u t geschehe. Ueber den wichtigsten Punkt der Tagesordnung: „Stellungnahme der Zionisten zur mnerpolitischen Betätigung" entwickelte sich eine eingehende, fast durchwegs zustimmende Diskussion, welche schließlich zur Annahme folgenden Beschlusses führte: Die zionistische Landesorganisation Oesterreichs ist keine politische österreichische Partei. Sie begrübt jedoch die Konstituierung einer neuen politischen Organisation der österreichischen Juden» da der politische Zusammenschluß der österreichischen Juden auf nationaljüdischer Basis geeignet ist, das jüdische Volk in feinen wirtschaftlichen und moralischen Interessen zu stärken, seine Beziehungen zu den anderen Nationen zu klaren und seine volle Gleichberechtigung mit den anderen Völkern durchzusetzen. Der Parteitag erwartet aber auch, daß das Programn: der neuen politischen Partei nicht bloß nationale Forderungen enthalte, sondern auch sozial-fortschrittÜch und gut österreichisch sei. Hiermit war der eigentliche zionistische Parteitag zu Ende. Die Anwesenden schritten nun sofort zur Durchführung des obgenannten Beschlusses und traten unverzögert in die Beratungen über das politische Programm, sowie das Organisationsstatut der neuen politischen Organisation ein. In diesen Beratungen führte Reichsratsabgeordneter Dr. S t r a u ch e r den Waaehbart Wasserdicht I Geruchlos! Pollenz echte Reform-ScbiveissbläKer 443

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