Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 47 (3.7.1906)
- Date
- 1906-07-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seifp 4 Nationalzeitrmg Nr. 47 Die Fortsetzung mn dieseut Recht und dieser Gerechtigkeit findet ihren furchtbaren Ilusdmck in den iNassakern der Oktvdertage. Doll ich, ineine Herren, diese grauenhaften Bilder von Tollwut, Tod und Verzweiflung hier reproduzieren, soll ich die kan-in vernarbte Wunde wieder auf reißen, Nnr mich selbst und alle jene, die sich zum Judenvolöe bekennen, 51t peinigen und zu quälen? Wollte ich es auch, ich v-erwag es reicht,' leine menschliche Stimme ist es ilnstande, das in Worte zu kleideu, was sich in b rutalster Tat sacht ichkeit adgrsp ielt hat. Am 18. Ott ober 1906 begannen die Plünderungen in Kiew, die Häuiser, in denen die Juden wohnten, walreu bezeichnet; die indischen Kaufläden wurden auf ein gegeb!c-nes Zeichen aufgebrocheu und die Wären Hinausgeschleuöert. Das Pnblilntn wurde aufgesordert, sich an der PMnderung zu beteiligen. Alt und jung, KnabeU und Msädchen, Soldaten, Osfiziere, Beamte, elegant gekleidete Tla-men, DienstmÄdchen, Polizisten, alle, die nicht Juden waren, raiubtett und jeder Jude, der sich ^itr Wehr setzte, wurde auf he!stiali!sche Weise erschlagen. Kaum hatte die tierische Menge Blut geleckt, ging sie hinaus in die Borstadt, und ein Sterben begann unter den Juden, so grauenhaft, so schrecklich und so furchtbar, daß das Hetz im Seik) erstarrt, denkt man daran-! Fünf Tage dauerte die Schlacht in Odessa, viele hunderte Juden wurden getötet, viele taufeude schwer verwundet, taufende und abertaufende an Hab und Gut nnd an den- Bettelstab gebracht. G-a-nze Häuserzeilen wurden dem Erdboden gleichgslHacht. Im Haufe 73 der Juden gasse in Odessa wohnten 78 jüdische schwer arbettende Familien, meistens Handwerker. Hier fand Man amdritten Tage 17 Toto nnd 54 Schiwervevwundete, die dem Tode nahe waren', von denweniger Schwer!verwualdeten nicht An reden. Dieses große vierstöckige Haus war durch nnd durch zerschossen, allles war vernichtet, nnd nur die ärmsten Ueberve-ste von, Kleidnngsstücken, Harrölwerks zeugen nnd Möbeln, die mit Blut getränkt waren-, ließen erkennen, daß auch Hier einst Menschen gewohnt hatten-. Äm zweiten Tage legteder Tarnpfer „Ismail" in Odessa an. Auf die Bitten der zu Tode ge ängstigten jüdischen Reisenden kehrte der Kapitän auf die Hohe See zurück. Die jüdischen Passagiere glaubten! sich gerettet, da kamen die Matrosen heran und forderten Geld. Diejenigen, die genügend Geld Lei sich hatten, bezahlten flir ihr Leben, die nichts oder -nur wenig hatten, wurden einfach über Bord geworfen I Als die Indenin Odessa sich zu flüchten begannen nnd alle Züge benützten, wurde diese Flucht gleich -hinan sgo'meldet; kaum rvar der erste Zug in der nächste-n IlUi-steigstation, Rastelnlaja, angelanigt, als sich der Pöbel unter Führung von 14 Eiisenbahnbedieufteten auf die Inden warf und 39 Indienin den Waggons tötete. Damit kein Jude entkonimen könne, hatte der Stativ ns vorstand vorheralle Ansgänge absperren lassen. So geschehen im Jahre des Heiles- 1905. Das Resultat der Massakers in- Odessa war ein glänzendes. Ein ganhies V-olk Hatte manfast vernichtet, viele Tausendewurden sch>wer verwundet, u-nd die Zahl der dem Massaker sofort znm Oplfer gefallenen Juden ist bis heute amtlich noch nicht b-ükanntgegeben wo-völen. Ganze Famiilijen wurden) erschlagen, viele taufende Familien wurdenzngrnn>de gerichtet. Heber 39.090 Men'schen mußten nachden Masiäkers in verfchi-edenen Lehranftatten, Spitälern., Kasernen und son.stigen -Unterbnn-ftsstellen eingNartiert werden. Der fünfte Tag hatte in Odessa allein 360 Kinder zu Waisen gebracht! Und diese Opfer waren Juden-, brave-, ehrliche, vaterlandsliebende Juden, die willig. ihre Bibutsteuer zahtten, die treu ergeben dem undankbaren- Lande dienten, die alle Ausnahmsbesttzmmungeu und Gleisetze geduldig ans sich, nahmen, nur um in diesem Landedas trotz seiner Schrecknisse ihnen so teuer ist, neuer leben zu können. Ich Möchte nur hiereinige- Stellen ans eitlem offenen Briefe des bekannten! ruiffischeu Schriftstellers u>nd Kriegsberichterstatters Nemirowitsch DatWenlkv zitieren. Er sägt (liest): „Die G-re'ueltateuder- VaschwVodz»!ks, die ganz Europa erzitt-e-r-n machten, gaben im Jahre 1877 bis 1878 den Anlaß zNm tü Eschen Kriege; über was für Stümper warenschließlich die mnselmäu>niischeu Fanatiker gegen unsere „schiwa-rze Bank"! Diese haben sich sogar den Ruf erobert, kleiuen Kindern den Kopf abzuschlagen, Frauen den Leib anfzufchlitzeu und mit Federn vollzupacken. Ich m!nß an ö-ie jüdischen Soldaten denkott, die neben ihren rusiifchen Brüdernauf dein Felde der Ehre hingestreckt wurden, nnd über die in offiziellen nnd nichtoffiziellen Berichten! viel Heldenmütiges gesagt wrrrdei. Diese selben JU-de-n, die jetzt gefchla-genwerden, lagen in den Lazare-ten mit tödlichen Wunden neben ihren ruUschen Kaimpfgenossen-. Ichentsinne mich, wienach einer verzweifelten- Schlacht eine Riotte in- Nacht und Nebel a-nszog, um einen! jüdischen. Helden zu suchen, der im schwersten Zlrtilleriefener! die ru!ssische!Fahne verteidigt hatte. Unvergeßlichwird mir auch ein anderer J-nde bleibeu, der unter den feindlichen- Geschossen den Schaho du-rchschwamm, verwundete S-oldat-en zu retten-, die im Gefechte ve-rgesseu worden, waren. Auf keine-m Gebi-ete stand das jüdische MWitär hinter dem ruiffischeu zuirlick — aber unter den plündernden und b-efvifseuen -Soldaten. in Schar- Ving sind wir keine Juden! begegnet. Sie haben hingegen alle Unbilden des Krieges, wie-: tropische Hitze, die sintfluttichen Regengüsse, Hunger, Kälte und Anstrengungen m!it der größten Selbstbeherr-schnng u-nd tapfer ertragen, eb-en>s-o!wie die Polen, Russen und Tataren. Nach einer Nacht der schrecklichen. Qual sagte mir ein jüdischer Jäger lächelnd, jetzt werde man uns daheim nicht mehr „Jid" schimpfen. (Schluß folgt.) im Hebräischen, Russischen und auch Deutschen, sucht während der Ferien Kondition. ’ Zuschriften an die Adm. d. Blattes. Klischees (Holzschnitte) Xylographische Anstalt Julius Johann Halte WIEN, IV. Bezirk, Panigl^asse Nr. 24 a für illustriert« preis - nur ante, Zeitsehriften, vYerKa, Inserate prompt, billigst und sahön - - uchdrutkerel INDUSTRIE Alserstrasse 26 « Men. IX., Moderast ausgestattete graphische Aasialfj Alle Sprachen. "MW Spesialitat i Alctimdruok in "| Farben mit Numerierung. Billig und prompt.n Zahnatelier! Wien, XVII, Vardnikagasse Nr. 22 (im eigenen Hause) Gegründet Im Jahre 1884. 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