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Nationalzeitung · 1906-06-29 · Heft 46 (29.6.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 46 (29.6.1906)
Date
1906-06-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ikjite 4 Nationalzeitung Nr. 40 20.?ei>6 Legal, 4(5 Arbeiter; getötet aus der Aleranberü^a^e, Hwus Arenisohn, Bitzmiö LchuittlriHkdeu. 27. Tavid Llmvatzuvsii, 15 Satire, Hutavtzeiter, lmrrde am 0. Juni morbus auf Bojari durch eine Oieoviverl'u-gel im Kopf getötet. 2«. Mordch- ,s{ renMancfi, 50 Juhre, ist natf der Otilkvlaist ratze am 2. Juni 'hürter deur Gefängnis abends durch Flunerilugel getötet worden. 29. tz'ha'ja Pescha Legal, 40 Jahre, mnf derselben L trage getötet. 00. Lender Lathein:, 10 Jaihre, auf der Argen tinastrane getötet. 01. Zlöram Nerselö, (55 Jahre, aus Wieugrouv Ledle'ser Gonriernemerit, auf der Bajaruafastraße, Haus Luxemburg, durch eine Schußwunde du>vch die Brust getötet. 02. Abranr Katz, 50 Jahre, Petrolenünhärrdler, A rkv la ist r atze. 00. Jede! Lebte n ri tz, 45 Jahre, Letzer, Petscharajastratze. 04. Lcholern Nemäk, 28 Ia>hre, Lederarbeiter, auf der Lägenrühle durch Bajonettstiche getötet. 05. Llata Lchlachter, 50'Jahre, durch Axthieibe in den Kopf auf der Arrilleriestratze getötet. 06. (5 ha im Lchlachter, 16 Jahre, Lohn von Sbata, ermordet da-seWst; eirre Lchutzmwrrde in den Leib. 07. Limche WemPoin, 24 Jahre, Maler, ge. tötet durch drei Lchntzrvuudeu a'irf der Ni'tolaistraße. 08. Jtzko La-pir, 17 Jahre, Bäcker, getötet auf dem Polizeirevier, ivo er arretiert war; Schntz- Mlun'de durch den Leib. 09. Wdordche Levi-u, 05 Jaihre, Fleischer aiuZ Aabludowo, gelötet aus dem Bahnhöfe: drei tiefe Kopfwunden, zerschmetterter Lchädel. 40. Israel . . ., Kind, 2 Jahre, erwürgt, am K ö rpe r N ägel spuren. 41. Knabe, 4 J ach r e, Lchutzwundc in de r Brust. 42. Blnma GinSbu-rg, 25 Jahre, Lchutzw-irUde in der Brust. Umgebung der Wunde verkohlt. Getötet am 2. Juni. 43. Rachil Kleinberg, 50 Jahre, Lipewäsastratze, Hauö Frises, Lchutzwuude durch den Körper. 44. Jtzko . . . ., J-r>isenr, 00 Jahre, Schutzwunde durch die Brust. 45. Lchmuel Zakewitsch, 60 Jahre, Schutz- .wunde. 46. Bert Pat., 20 Jahre, erschlagen auf der Dleist ratze am 1. Juni. Mehrc-re tiefe SchDelwunden. 47. Kleingold, Frau, 30 Jahre, getötet a'm 1. Juni aus der KupetscheSkajastratze. SchädelwliNde. 48. Mendel.. 05 Jahre, Hausierer. Getötet am 2. Juni morgens Lagerodnasastratze. Schutzwrrnde durch die Brust. 49. Lchloma Lnschitzli, 00 Jahre, FelÄscheer des jüdischen Kran!ken>hanses. Lchädel nn>d Gesicht zerlriimmert. Al-exarckerst ratze getötet, als er deu Verwundeten Hilfe leistete. 50. (Mann Freidkin, 50 Jahre, geötet alm 1. Juni durch Slrllhiebe im Lchädel. 51. Jsaä'r.aus Lolölki, getötet mn 0. Juni abends auif denn Wege Mn Bähuhof; tiefe Nie'fsermnn'de in der Brust. 52. Abrami Lchwarg, 24 Jahre, Lchntzivnn!de in der Brust. 50. L-orach Pa-Nde, 18 Jahre, Fkmientngel. 54. Nachiuami GrabowSki, 28 J-ahre, Lchutzrvunde in der Brust. 55. Jakob Lurärvitz, Lchutzwuude in der Brust. 56. Lchloma.. Lchnhmacher, getötet auf der Lchkolua'jastratze, Lchutziounde im Kiops. 57. -Mordche Lapirstein, 25 Jahre, Lchutzwuude in der Brust. 58. Lara Jawoiosla'ja, 05 'Jahre, Dchuszrv'unde in der Brust. 59. Krüppel Leib Papuö, 40 Jahre, Schutzwunde im Hals. 69. Tchrt JaslolSki, 22 '.Jahre, Lchutzwien'de im Leib. (>l. Lalman ldrin.öerg, getötet am Bahnhof, Lchädel zertrümmert, stzinge heransgefchnitton-. l>2. Hirsch Hepn.er, 60 Jahre, gelötet an, 2. Juni in der Lägenu'chle. Lchutzwunde in de-r Brust. 60. Leib Atasur, getötet in der Lägemühle, mehrere Lchntzwirrnden. 64. Jtzko Rawivki .... 65. Aitzndek Arkiu, 55 Jachre, Ziiudhöl.zcheuhän'dler. 66. Pat, Iran .... 07. Mvier Meinzier, 40 Jahre, getötet am 1. Juni Gorschowastaätze, LchntzwnUde. 68. MarenS Bel . . . 69. tzhaim Lchapira.... 70. Lalmon.. Tischler,. 71. tzhaim Leschak,. 72. J'vel Dwarkamsli, getötet am 3. Inari in der Dägemiülhle, 2 Lchutzmundeu. 73. Nlovdche Lchmnikler, 17 Jahre, 3 Bchonett- 'wltUden in den Leib. 74. Borel NewiUdowSki, getötet auf der Vota ri'stratze. 75. Mmm NewiladomSki, getötet auf der Boiar'istratze. 70. Mobsche Sinrche BrieuSki. 77. Tanb'c Katz, 72 Jahre, verbrannt in der Lägemühle. 78. Abrarn Nachlai, 24 Jahre, Lchntzwn'U'de am 5. JNlNi. 79. MubranoiwSikcha, 19 Jahre, erschossen a!m 0. iJlUns vom Osfizier Akliller mit dsnr Revolver. 80. Jena K agan, getötet am 1. Jun i, Dchlntzwun'de, Lchen'kel zerschmettert. 81 Verkohlter Leichnam. Wie obige Liste der bisher aulfgesniUdenenl Toten, die dem HilsSverein der Deutschen Juden iiderfaudt ovorden ist, und in der auch die Slrt der Tötung an'glegeben ist, zeigt Mit voller Deutlichkeit, daß es sich> im Bialystiok uni einen vom Akilitär ii'nd Polizei aa-raug'ielrteiNl Pogrom ge'handelt hat. Die Todes>n>rsache ist, soweit es sich bei den ^ftrrchtblar verstnlmilnelten! Leichim>m>e>u überhaupt feststeüen ließ, durch amtliche Autopsie felstgelstellt worden. Bon dein 81 a'ufgefnlndenen^ Leichen weisen nicht 'weniger als 44 Verivu-ndnugen dn'rch Flintenschüsse oder durch Bajonett, also von Loldaten herrührend, anls. Die Kerttner Rrotestversammlurrgen. Berlin, 20. Juni. Gestern abends fand in der Tonhalle eine große Versammlung statt, um gegen die russischen Massakers in Bialystok zu vrorestieren. Mehr als 2000 Menschen waren der Aufforderung des einladenden Komitees gefolgt, an dessen Spitze der deutsche Neichstagsabgeordnete Karl S ch r a d e t stand. Schon lange vor Beginn der Versammtnng war der große Saal überfüllt. Als erster ergriff der berühmte Strafrechtslehrer, Geheimer In st iz rat Professor v. Liszt, das Wort. Er sagte n. a.: „Ich halte es als Pflicht gerade der christlichen Bevölkerung Delitschlands, ihre Empörung knndzugeben über die in Allißland begangenen Greuel und zu verlangen, daß Klarheit geschaffen werde über die Ivahren klrheber dieser entsetzlichen Revolte. (Lebhafter Beifall.) Die Mitschlltdigeil an diesen Erscheinungen sind auch die finanziellen klnterftützer der russischen Reaklion. (Ans den Reihen der Versammlung werden die Namen jener Männer genannt, die als finanzielle Vertrauensmänner der russischen Negierung in Berlin bekannt sind.) Den: deutschen Auswärtigen Amte danken wir," sagte Liszt lveiter, „für seine ablehnende Haltung gegenüber der letzten russischen Anleihe, dagegen können wir nur mit Schmerz das Verhalten deutscher Finanzmänner christlichen und jüdischen Glaubens beobachten. Wenn lvir gegen die Greuel protestieren, handeln wir nicht nur als Freunde Rußlands, sondern auch als gute deutsche Männer, denn Dentschland darf nicht znrückstehen, wenn alle zivilisierten Völker ihren Abscheu, knndgeben gegenüber den entsetzlichen Vorgängen in Bialvstok." Hierauf lvurde eine Depesche verlesen, die von der österreichischen Jndenschaft (?) eingelanfen war und welche lautet: Wir danken Ihnen aus tiefstem Herzen, daß Sie für unsere Brüder in Rußland, die dem Menchelnwrde preisgegeben sind, Ihre Stinnne erheben und daß Sie den Mut und die Kraft Ihrer lleberznegnng besitzen. Europa muß die Inden frage in die .Hand nehrnen; die Judenfrage ist eine Frage Europas und als solche nmß sie ans die Tagesordnung der nächsten Haager Friedenskonferenz gesetzt werden." Sodann sprach das Mitglied der konstitutionell-demokratischen Partei in Rußland, der Moskauer R'echtsanwalt S h d a r o w. Er betonte, daß die Bialystoker Ereignisse nicht als Einzelerscheinung allfgesaßt werden dürfen. Diese Judenhetzen müsse das russische Volk im Kampfe um seine Menschenrechte hinnehmcn. Man würde dem russischen Volk Unrecht tun, wenn man die Ereignisse von Bialystok aus seinen Llntisentitisnms zurückfuhren ivollte. Dem russischen Volke liegen blutige Neigungen ferne, nur die dunklen Gewalten der Reaktion haben diese Ereignisse künstlich hervorgerufen. Der nächste Redner, Justizrat Albert T r a e g e r, Mitglied des deutschen Reichstages und preußischen Landtages, sagte unter anderem: Es ist bedauerlich, daß eine Jndenfragc heute überhaupt noch aufgeworfen werden kann. Es ist eine falsche Behauptung, wenn man ineint, der Antisemitismus sei etwas, was uns von unseren Altvordern überliefert tvorden ist. Der Antisemitismus und die Judenfragc sind erst in neuerer Zeit wieder aufgeworfen worden, und zwar von derjenigen Partei, die sich überhaupt gegen Freiheit, Gerechtigkeit und Kultur auflehnt. So oft eine Freiheitsbewegung mit aller Macht entsteht, müssen die Inden die Kosten bezahlen. Es ist kein Zweifel, daß die Jndemnassakers in Rußland in den Amtsstuben planmäßig vorbereitet wurden. All unsere Hoffnung ist jetzt ans die Duma gerichtet, da sie allein imstande ist, aus dem blutigen Chaos ein neues sii'nßland zu schaffen. Nach diesem Redner sprach der Berliner Pfarrer Tr. Paul K i r m s. Der Petersburger Arzt Dr. B r u tz k u s, der selbst Zeuge der schrecklichen Bluttaten in Bialystok war, gab eine ergreifende Schilderung der durch die Dulnakonnnission festgestellten Greuel. Die Einbildungskraft eines Europäers, sagt er, ist viel zu verwöhnt, um auch nur eine Schilderung dieser Blutorgien -ju ertragen. Ich selbst hätte den Berichten nijt geglaubt, wenn ich nicht mit eigenen Augen die zerstückleten Gliedmaßen und die von Bajonetten anfgespießten jüdischen Kinder gesehen hätte. Drei Tage lang weideten sich die Hooligans am langsamen Himnartern ihrer Opfer und das geschah mit Beivilliguug vieler Generale, mancher, 'nicht aller Offiziere und der Polizei. Eine sehr bedeutende Rede hielt dann der bekannte Führer der Nationalsozialen in Deutschland, Dr. Friedrich N a u m a n n. Erjagte: „Die Leiden der Jllden in Rußland sind nur ein Stück der hundertfältigen Leiden, deren Kunde zu uns vom Osten dringt. Hellte stehen wir vor dem Blute der Bialystoker Inden, vorher lvaren es die Deutschen in den baltischen Provinzen, die sich an uns tveildeten. Wir benlerken die Tatsache, daß wir eineil Alba und die Hugenotten llicht in der Vergangenheit zu sllchell brauchen, sondern eine halbe Ta greise voir Berlin das Vlittetalter noch inliner lebendig ist. Wir können durch Proteste den Kalllpf lim die Macht, wie er sich jetzt in Rußland abspielt, nicht aus der Welt schasfeil. Wir dürfen lins allch über die Wirknilg eines Protestes von Berlin alls nicht täuschen. Wir können die Opfer, die beim großeli Umwälzungspl^zeß unter die Rllider gekommen sind, bedauern, aber wir dürfen nicht in kteiilliches Moralisieren verfallen. Wir müssen llns sagen: Euer Bürgerkrieg ist nicht unser Bürgerkrieg, aber lvir dürfen verlangen, daß der Bürgerkrieg nicht in Barbarei allsarte. Ein Protest kann nlir Bedeutung haben, wenn, ihm auch praktische Taten folgen. Die Finanz^ männer Europas hätteil sagen müssen: „Erst den Liberatisnlns und nachher das Geld." So aber ließen sie sich binters Licht führen, nnb die Milliarden vom Westen, die ilach Rußland gingen, dienten zlir Ullterstütznng der russischen Reaktion. Darliiil lalltet unsere Anfforderling: Die klnterstützling der rllssischen Regierlmg dlirch eliropäische Geldinittel mllß alifhören. Hierauf wurde folgende Resolution cmgenoinmen: „Die Versannnlnng spricht ihr tiefstes Mitgefühl mit den Opfern der Metzeleien und ihre Empörung über die Urheber der lmmensckilichen Gralisainkeiteil ans. Sie hat das Per'-

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