Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 46 (29.6.1906)
- Date
- 1906-06-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 46 Nationalzeitung Seite 5 trauen, daß die Duma es durchsetzen werde, daß die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden, damit neuen Untaten vorgebeugt werde, und ist voll den: Wunsche beseelt, daß es der Macht des Fortschrittes und der Kultur gelingen möge, aus Rußland einen modernen Verfassungsstaat zu machen zum Segen Rußlands, und als eine zuverlässige Bürgschaft für die friedliche Entwicklung der Beziehungen zum Deutschen Reiche." Dr. Strancher über die Judenmassakers. tzForkfetznng statt Schluß.) -Damit mir nicht Ciltiseitigkeit vorgemorfen uns der Vvrionrf g-e»n acht werde, als ob ich m metuie'u A-ussührnngen in be t ress der Rechtlosigkeit imeiner BEs-gion'oss'vn, der Juden, in Rnrnä-nien, etwa ei-nlseitig wäre, Mer bah ich' mit -meinen 9ruSfi1101 nunVien möglicherweise eilte Spitze gegen ldas rtt'nt-äni'slhe Volk richten ivollte, rnuß ich ausdrücklich betonen, daß die' derzeitige Re>cW-o'sigkeit öer Juden in Rri-mänie-naiii&fclj'fiiCBliclj bell r;itittaill'ischon! Machthabern, die ans ein-em ganz kle>i-n'e'n Kreise bevorrechteter Klassen en-tlt-ont!nt-e-u ist, -z-uzusch reiben' ist. R.-ulmä'uiien! hat eine Bevölkern-n-g von 5,8 Millfl-n-en- Seelen': dalvon sind fünf Mittiv-lten Landlente, 250.000 Juden und 250.000 die Herrsche-n!d-en. 'Die Jnd-e-n. 'H-Nben -keinerlei politische Rechte. Die fünf Millionen Land-lente, die -die dritte Wla'hlabteiln>ng bilden, -wählen! -80 Mitglieder in das Unt-erh-ans oder etwa ein Zwölftel der gart,zerr Zahl und -be'itl! -e-dnziges Mitglied inden Senat. D>ie 260.000 Herrisch>enden wählen drill ganzen Reist, also den (aaaiö'eiit Senat n-nd elf Zwötstel der N-ativ-lt-alver-salm-ntlnng, der Tep-nti-erte-n-kam'mer. Won d-i-escn- 250.000 iverden aiSch alleBeamte-lt ge-Nontlm-en, und jed>ov Eriivachsene unter ihnen deikleidet ei-nerl ' Posten, entweder unter Hier 'kv-llisenvativen oder der lib-erale-n- Reg-iernrtg oder n-nter 'beiden. Witre dem W-erli-n-er Vertrag enlsp rochen n.nd .wären die Inden ornamiziilpiert worden, Äanm -miirden sie, da sie -all».' schr-oibe-n und lesen' tonnen und Städtebellv-ohn-er sind, nach den BestiNliMNiNgen des WallMesetzes enkw-eder znr ersten oder zur' zrv-e-iiert WMerMei'tlmg gchören- und würden' daher die ' Rechte der jetzigen -priVil-egiertell .Masse, deren- Zahl S-ona-n miit der 'Il-ntz-M der Jrtden ülvereinlstimlmt, genießen^ o-nd >mit ihr die Abacht teilen, -oder sie wurden die prllvWegilerte. Klasse z-rv-in-gen, ihre Vlorrechte anszu-gehen und die G-e-setze so zn ändern, daß anch' ii'iie große Masse des rnniänischeN Vblk-eS Stimlmrecht hat j.n der Berwaltning ihrer öf.f-e-uitlicheli?lttg-elle!gen!h-eiten. Sv ist di-e Lage der J-uidetr nnd die Laige des Voll'-eS tatsächlich ein! nrtd dieselbe. Die ©mmiö'iip-nthm der Iiideni bedeutet nichts wellUger, 'als die E-ntartzipationanch der füns Milli-on-en rnrn-änischer Nanevn nnd Prvdn-- zelttell! lind die Verdrängung der 50.000 znmieirst wirtkli-ch -srem-den Parasiten aus ihrer Machtstellung. Dias ist der -Grund, ivm-nnt man sich der J-nd-ene-manzi-p'at'i'vnso hartnäckig a>ls e irrer Ges-ahir für die tlbation 'widersetzt. Whe'n-ndie herrscheltde Klasse die Nationist, dan,n ist die Eniantzipation der Q'u&an duie Gesaih-rfür sie, und z'lvar die -grösste Gefahr. Diie herrsch-enden Klassen belassen' lieber daS Land in Arnilnl nnd Elend, als daß sie die Schranken n-iede-rveij-ßenttrtd ihre Pri-oi-legieri vKistiererl. Die J'uiden' 'sind treue rrnd loyale Bürger liaid Hütten' dies an's lnannigsache Weise belviesen, lind wan'li inl'iner sie eine-- G-elcheutheit dazn h-atlen» Der Rnlinäne 'ist teil» Slntise-niiit lind> die B>eziehnngen zi,v,isch,en ihn, und den Jllden sinid 'he-rzlich nnd srenndschafillch. Der S-lnch, unter rvelchenl iltnNmnlen' leidet, sind seine (besetze, die sowGl die Nlullll'änenalS die J'nden vonallen pvlitischell. liechten und 'wirlschasilichen' Gelegellheiten ansschliestell' und die riatürlicheil Hilssqnellen^ des Landes n-iierschlvsse» Hallen. Ich keii'ne die Rniinänen' in nleineln engeren! Heiinatslainde, der Bntowin'a — sie sind aufgeklärte lind tolerante Leute,' wir Jllderl' Iieiüen auch mit den Rllimä'ne'll in glitenl' C'ilivernehnien — der rn'lllä'li'ische Baner namentlich ist ein prächtiger Ndenisch, liNid sind die Bezichullgerl der Inden 51t km rlllllänischen Ba'llern,volt die! denllba'r »bestell. Präsident (nnierbrechetid): Ich lstöchte derr Herr» D'elegiertell' an'sllierlsanl machell, daß ich selb'stverständlich der Äiedefreilieit -weitestgeheliden Spielraum, lasse,' ich würde nlir aber doch erlanben, ihn zu ersllchen, betreffs dieser Augelegenh'eüten-, die doch, nicht das! Tätigkeitsgebiet der Telegati'vn berühren, sich' vielleicht einer gewissen Kürze zn befleißen. >Teleg'ierter Tr. Strancher: Ich gestatte mir, Seiiler Düvrchlmrcht 51t erwidern, dast ja die ander eil Herrear weiter ablirgende Fragenbespr-ochen haben, -we-lch-e znkm Gege'lilstande, der die Dielegatioil he'nte beschäftigt, in keitler Beziehung stehen, rväh'rend ich lediglichdie Staatsvertrüge behandle, roelche anch O!c!sterre-ich Mitunterzeichnet hat, und tot Nachweis führe, daß die BestilltmiUiNg'en -deser Staats'vertvügle nicht «lit* gehalten' werden, trotzdemdie>se >Sta!ats,ve,r!träge d'ltrch mehr als ein Vie-rtelsahr-hil-nidert in Wiirksantkeit sind. Nnd rveil Sei-lte' Exzellenz der Mirr iste-r des A'NAwä-rtigen sich a'n!f dert Berliner StaatSne-rtrag gegenüber ei'ne-m attdereu -Staate berufe-n hat, fühle ich lnich ver!pflichtet, atl-ch diese Frage 51t berühren, -wicfl sie ja gbeichsalls ans das Expo'se!des Ministers des Airn-ßern reflektiert. Ich bitte Seine Dnrchka-llch-t als Vorsitzenden die von khm ill der Antrittsredezugesi-cherte und st-ets belcbnchtete Iled-esrelhieit auchinir gege-rtüber gütigst gewähren 51t w'ollen. Es ist ja. -übrigens tnicht besonders zn verwundern, daß die Best'ilümutlg ei-lles Staatsn-ertrages, welch>en an-ch die rnifsischiril M-a-chth-asbe-r -ltn-te-rschrseben. haben, nicht in der Mleiise duirchgeführt wird, w>ie es nrsprütiglich j-n den' Jnte'ntionen der Signatarmächte gelegen war. DIe,lr Berliner Staatsvertrag vom 18. Jntr 1878 h-abeir -atlch Bertrete-r des russischell Staates lltikntitersc-rtigt. Der hohen V>ersa'mnil.-mig ist ja wohl bekattlit, daß Nr den letztendrei Jahren tat vielen großen ntld klei-n>e-n Gemein!wesen Rntzlands, in -vielen Ländcrstreckeit-. -itnd- Gebieten des rüssischen Zarenreiches sichschreckliche 'Ereigüisse aibfp-ielen', die gerade das Etvtsetzen- -aller KN-ltli-r-staaten, aller ge'sitteteN' Mjen-schen her-vorrnsenmüssen. D!ie J-lld>e!n!metzeleien>, die Mia-ssellabsch!la-chtll'llge.n, die Pl-ü-lllde>rung>en, die- Bratldbeg-ungen u>nd alle svliistigenlGreneltatein, -die seit den Tagen, von K'ischenelw, Kiew, Odessa, Homeb nnd inden letzten Tagen' i-n Bialyst-ok sich, abfpielten, sind dera-rtig entsetzlich, entwickelil ei'nderartiges- Bild von Jgmnrer ltrrd 'Granen-, von- Elend nnd Mitleid, daß jeder Mensch, wutit er tibierhanpt merlschlich fühlt, gerührt fein und einsthen lnuß, daßes eine Schan-de für das J-ah-rh-n-ndert, ei,n!e -Schande für die Knlt-n-r, ei-lle Schan'de für das Zieitaitter der Hlimanität und an!ch für die nl-ode-rngesitteten- Sta,atenist, me-n-lr derartig!e Zn!stände ruhig hingen oNl'meli w-erdell. ,Es handelt sich hier -nicht um Inden- -oder Nichtijndeil, es ha>ll!delt sich n>nt -Meltsthen-, u!nr Geschöpse, die im Ebenbild Gottes geschaffen silld, -und ich appelliere an alle di'ejerl-ilgen, welche religilös' sü'hle-lls. all die! Fro-injm'enll-nsdan, alle jelie, die g!la'ube-ll, dli-rch- -ihre Geburt km e-wigelt -Ni-chter!stnh-le Gottes näher zu stehen, darall z-u denl-en-, daß eS sich üm Brje>li!sche'n handie'lt, GescWpfei, die als Ebenbild-er Gottes erschasfelt silid. Wenlt es ll.üa!hr ist, daß alle Meli!sch-en gleich silld, und sie lil'üssen, in K-ra'ft der Geibnrt gleich sei!», weil fi/e alle liach d-e-nl Ebenlülde Gottes gescljalsfesl sind, so lll'ttß eilt Schrei ks Elltfetzens in, ganz Europa ertönen o!b dieser 'S'challdiateN-, d-ie hellte, verübt werden. K-eill Volk a>n>f Erde-li ist reicher an Lei!de>u a'llest Art als da-S j-üdÜfchie, B'ojl^ diejistdischie» -Nation. D-rä'ltglsale mt!ö Berfolg-nnlgeli hat das jüdi'- sche Volk von seilier E'ntsteh-nng an erlitteinntid erleidet sie nnattishörli-ch bis ans den hellt igelt Dag. lINr gan-zelt Nt ittelalter bis an'f die. rreueste Zeit 'vertzeichtte.lt die Blätter der Geschichte tran-rütle -Ans>schreit-N'llgell gegen daS jüdische Volt ill a-llert Staa-lert tmd Ländern. Inb'ezng anlf die schönende Behandlltng der J'liden 'kann lin-r eiri Staat gell-an-llt -lverdelt, der -derl Jnde-lr Schutz imnö Zuflucht geivährt hat, und das >ivar das früher bestalidene K'öltigreich Polen, klili >es- 'saß 'kein einziger jn-denlse^ndlicher Költi-g ans delll poln-ischelt Throne. Wort seiterk kS Volkes — ich sage des Vö-lkes, nicht vielleicht hie lind dade-r pvinilegiertell Kl-asselt — lvar wek'r fn- Polerl -n-ochin Utigarn über Inkllhaß zutlagen. Man kanit daher zrt de-ln Schlüsse gela>ligen, daß jelie Völker, rvel-che sich seit nralter Zeit einer K-ollstitutivu erstelieli, a-ltch ihre Mitmen'sch-en friedlich liebelt sich leben lasseri, und das war im K'ön-igreiche Polen besonders der Falt. Was sich zu Osteml 1-903 in Kischenew ereigttet hat, lvas in ktt Oktobe-rtagell des vorigen Jahres 1905, in K iew, in Odessa, in Homel sich abgespielt hat, alle die S-ch'i!lderu>ngen der Ncenscheltnletzeleie-lt ll>ud Mensche'ltln!o'rde, vorr Schändungen, voll N'altb un>d Pl!üude'vu.n!gen, Vratidleigltligen nnd Greneltateü, verübt an Inden-, decken ein Meer voir Jammer ttttb Grauelt ans, machen das Herzblllt ie-rstnrreu. Wenn h-ie nn!ö da Nusschreitunigeu rrgendein-eS! brutalen. P>olizisten gegen einen- Bürger z-ltr Kennfll'is der Behörden gebracht werden, dann wird die ganze O!e>ssentlich!keit tu Bewegltltg gesetzt, daltlt, bri-ttgen. d>ie Zeit-un!gen spaltenlange Artikel, und mmtbarin nicht genug über Verlc-tzn-n-g der pevsönbichen Fre'iheit u. ögl. klagen. Wenn aber seit Jahren tmufcuik nn-d abertausende von Men'.schen inkr brutalsten! Weise, in ge-rakzn barbarischer Art, hingemv-rdet -undhingeschla-chtet -werdielt, da erhebt sich t'eilie Stimime i!m ganzen gesitte-le-n EliroP-a und ichg-laübe doch, daß auch Oesterreich, -welches den Berlin-or Vertrag ^nn-tersch-riebell hat -nnd beanlsp-rucht, ein Ver.sassnngsstaat, eilt, Rechtsstaat., ein- Kulin-rstaat ztr sein, seine Stimme erheben sollte. Mla-n kann -nicht 'sagen, es sind ja n!ltr J'U'den, die hiik-geinordet werden-, nein, es sind Meuschert. Ich rufe Sie alle ans! Ei>lt gellender Notschrei ln-ltß e-rkönen in- 'der g-arizen Welt, wamt man diese Briltalitäten! fielst, ein sltrchtbares j'-acense! Mart würde meiltc-n, daß 'solche Bluttaten in der b'llltigeu, wildert, g-rarton Bovzeit des Mi-ttÄalters sich abgespi!elt haben, oder daß sie der Schutt vo'n Jaihrhltnderteu und Jahrtattseliden deckt. Nein! Diese Ereignisse spielelt sich' jeden Dag vor uns ab, gestern-, kitte, vielleicht gerade in diesem A-ngetzblicke, wie die össenttichen Blätter aller Zungen ge-mel-det haben. Nnbeischreibbiches Unglück, unerhörte Leiden sind üb-er ei-n ganzes Volk get)o>m-men, ein- Stück eines gang entsetzlichentragischen -Schicksals, welches üb-orha-u-pt d-as Schicksal eines ganzen Vo'lkcs und ualmentlich des u-ng-lückliche-n jüdischen Volkes ist. Ich beabsichtige Nicht-, meine Herren, irgend eilt schwaches' Mitleid fü-r -m-eine drartgsalierten-, gequälten, versvlgten jüdischen Volksgeuossen bei Ihnenhervorzu-rusen. Es gibt >we-niige, nnveränderliche, n-atürliche R-echte, welche jedem Meuschen lr-aft der Geburt . zustehen, diese natürlichen- Rechte fordere ich a-ltch für dasjenige V-oW, -dem ich a>n-gehöre. Es -mlnß doch etwas gesche-hen. Es kann, es dar-s sich das -gesittete En'ropa, die Kn!ltnrwelt nicht rtchig verhalten. Der russische Sch-ri!ftsteller Go-r>ki . . . (D'elegierker Stein: Ist auch e-in Revolutionär!) Es gab auch viele delttsche. Revolnti-onäre, die alle für ihr Volt gestritten und gelitte-n . . . lTelegierker Stei n: Alle wu-rdon-ausgehelE und erschossen-, Alesseuhanfer n'slw'.!) Präsident: Ich bitte, den- Herrn- Redner nicht zn ilnierb-rechen. Delegierter Dr. Strancher: Ich werde dem g-eehrte>n Herrn Kollegen an-f den Zwischenrus ant- -rvvrten-. l-Heiterleit.) Er meint näm-li'ch, — u-nd das gehört ja zur Sache — die Inden, seien R!evol-iltlönä-r-e, u-ndda macht er eilte A-ttspieltttt-g ans den sogena-'.tuten „zieirsetzendien- -jtidischen- Geilst". Dantöchte i-ch ilhltndoch in Erin-lt-ern-nlg bringen-, ob etwa die fra-ttzösische RevoAtti-on ihre Entsteh'uug an-chk'm zersetzenden jü-di!schett! -Ge'ist verdantt. LÄaron -ctroa Bvltai-r-e, Rvtissean-, D-ide-rot usiv. Jnde-lt'? Dallttals ist überha>ttPt kein J-ttde in Fra-ukreich geilv-esett. Wer hat dn-m-als' die französische Revo-lutiv-n bewirkt? Wo -lvar der jüdische Geist rmd Einfluß? Neh-m-en wir ein anderes Land! Das K'öuigre-i-ch 'S-pan-i-en! ist seit m-ehr als vier Jahrhn-nkrte vollstälidig ljndenvein-. dlttichheute! 'kannkein Jude seilteni Ftrß in das Königreich Spanietr setzen, n-ll-d es ist bekan.nt, daß keilt- »St-aatsloesen so sehr vorr A-nä-rchisten! zerfressen ist, als gerade Span-irn. (Fortsetzung folgt.) aus bsstmi Qu«ül6ti empfiehlt den P. T. Hausfrauen das seit mehr als 20 Jahren bestehende liestlrekaniile Mllchdepot Ferdinand ALTMANN, IX., Pramergase 17.