Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 46 (29.6.1906)
- Date
- 1906-06-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 46 Nationalzeitung Seite 3 Der Tod des Reichsratsabgeordneten Dr. Bdk gab den verschiedensten Vertretern, der Aßimilationspolitik Anlaß, den Judm die Assimilation als eine Panacce für alle ihre Leiden zu empfehlen. Während aber die meisten Redner, dern traurigen Anlaß entsprechend, taktvoll genug waren, diese Tätigkeit des Verstorbenen nur flüchtig zu berühren, scheute sich der Obmann des Polenklubs Ritter von A b r a h a in o w i c z nicht, die Gelegenheit des Nachrufes zu einer D r o h u n g gegen diejenigen Juden Galiziens zu benützen, welche in der Assimilation eine Erniedrigung und schnöde Verleugnung ihres Volkstums erblicken, und lieber zugrunde gehen wollen, als noch länger das Joch der Schlachta zu tragen. Die Drohungen des Herrn v. Abrahamowicz, daß „die politische Separierung der Judm in Galizien zu einer Spaltung zwischen der jüdischen und christlichm Bevölkerung führen müßte, die unabsehbare, für d i e I u d en s elbst gefährliche Folgen haben könnte", werden bei dm selbstbewußten nationalen Judm nicht verfangen, denn sie wissen Wohl, daß es ihnen auch in Zukunft nicht schlechter ergehm könne, als dies bis jetzt unter der Zuchtrute der Polen der Fall war. Andrerseits soll hier auf dm Gegmsatz Hingewiesm werden, der zwischen dieser Drohung und der Auffassung des früheren Klubobmannes und jetzigen Ministers Grasen Dzieduszicky in dieser Frage besteht. Graf Dzieduszicky hat bekanntlich die Assimilation eine Lüge des 19. Jahrhunderts genannt, und das ist sie auch! Die Judenmetzeleien in Bialystok haben in der Person des Mitgliedes der österreichischm Delegation Dr. Kramarsch einm Verteidiger gefunden. Er behauptet, daß die Juden an der Revolution in Rußland einm hervorragmden, ja führenden Anteil, nehmen, und dies berechtige die Regierung zu solch blutigen Repressalien. Es steht dem Abg. Kramarsch sehr schlecht an, wegen der Beteiligung der Juden an der Revolution sich aufzuregm. Die Tschechen, die in diesem Reiche sicherlich niemals so unterdrückt warm, wie die Juden in Rußland, haben dmnoch zu den revolutionärsten Mitteln gegriffen, wenn es galt, staatsrechtliche — und nicht menschenrechtliche — Konzessionen zu erlangen. Allerdings wurden diese Kämpfe der Tschechen ganz nach russischem Muster geführt, indem da wie dort, die „patriotischen" Demonstrationen in Ausschreitungen gegen die Judm ausarteten, mit dem Unterschiede bloß, daß es in Böhmen und Mähren, nicht zu. Judenmetzeleim kommen konnte, woran sicherlich nicht Herr Kramarsch und seine Gleichgesinnten schuld waren. Und die Sympathie des Herrn Kramarsch für patriotische Emanationen nach russischem Muster erklärt seine Auffassung über die scheußlichen Metzeleim in Bialystok, aber sie — entschuldigt sie nicht! Den Antisemitismus im Heere brachte der Abg. Dr. S t r a u ch e r in der österreichischen Delegation zur Sprache. Er ftihrte Beschwerde gegm die Zurücksetzung der Judm bei Besetzung von Auditorftellm und beim Avanemrent der Militärärzte. Er forderte die im Gefolge vorgesehene Anstellung von aktiven jüdischen Militräseelsorgern, und die Einrichtung eines jüdischen Gottesdienstes. Die Rede fand überall viel Beachtung; ob sie was nützen wird, ist bei der heutigen Strömung in unserer Militärverwaltung leider mehr als fraglich. Protestresolution der Bukowinaer Juden. Wie wir bereits in der vorigm Nummer unseres Blattes berichteten, fand am 20. d. M. in Czernowitz eine Protestversammlung der dortigen Juden gegm die beantragte Wahlkreiseinteilung in der Bukowina statt. Solche Protestversammlungm finden nun auch in dm Provinzstädten des Landes statt. Di? in der Czernowitzer Versammlung angenommene Resolution lautet: „Die heute Mittwoch den 20. Juni im Bauhandwerkersaale tagende jüdische Volksversammlung erklärt, daß die Wahlreformvorlage für das Abgeordnetenhaus dm Bukowinaer Juden kein einziges Mandat sichert, daher diesm gegenüber das schreimdste Unrecht enthält, wie es in einein solchen Maße nicht gegenüber dm galizischm Juden geschehen ist. Die Czernowitzer Jrrdenschaft protestiert gegen diesen Wahlrechtsraub und richtet an die Regierung und die Abgeordneten, die Freunde des jüdischen Volkes und eines gerechten Wahlrechtes sind, das dringende Ersuchen, die Forderungen der Bukowinaer Judm auf zwei Wahlbezirke mit jüdischer Majorität im Wahlreformarisschuß unmittelbar oder mittelbar mit allen Kräften zu verteidigen." Diese Resolution wurde an den Ministerpräsidenten, Minister des Innern, an die Bukowinaer Mitglieder des Wahlreformausschnsses Abg. Nikolaj von Wassilka, Aurel Onciul und Dr. Straucher gesendet. Bialystok. Liste der in Bialystok Getöteten und Bezeichnung der Wunden. 1. Sitrnel Zlukermmvn, 23 Jahre, Angestellter, fft auif her AVexairiderstraße, Haus Miakowsiki, von einer SoldatenDugel öut'rdj die Brust geschossen und getötet worden. 2. Pj.ne Asch', 17 Jahre, LederNrbester, aus dem Boden der Fabrik twit einer Flintenkugel getötet; er hat zwei Wunden': vorn und aus der linken Seite. 3. Aisiik Bachrach, 22 Jahre, getötet a!u>f 'dem Boden der Fabrik Peleschnk. Er Hat 8 Wunden: drei, die den Körper durchbohrten und drei iin der Brust- 4. Schilome Furmann, 20 Jahre, ans de'm Boden der Fabrik von BleschNk eine Flintenikugel durch Brust und Körper geschossen. 5. Jtzeck Gän>rmann, 36 Jahre, antf der Fabrik von Bleschulk; eine Schnßiwiunde öiurch die Brust und unter deim rechten 'Schlüsselbein. 6. Jtzeck Sownik, 25 Jahre, Schnßlw'unde in der Brüst und den Leib. 7. Mioffche Miuistik, 21 Jahre, Lederarbeiter, ans der Fabrik von Podleschels; einer Flintenkugel in der Brust, hinten links -wischen 'der 7. und 8. Rippe, ferner 8 Bajouiettst'iche ln den KBrper und im Kops. 8. Aron Lapidus, 18 Jastre, ein Schüler der HandelsschNle. Kops und Gesicht zerschmettert. 9. Max Lapidus, 22 Jahre, Kops nnd Gesicht zerschmettert. 40. B'lnma Lapidns, 19 Jahre, getötet mit einer scharsen Axt; durch tiese Munde den' Kopf gelspalten. 11. Leiser Arnstein, 45 Jahre, Lehrer, getötet an'f der Straße Bosar; eine' Flinten'kügel in der Brust, Kngiel önrchldrarrg den Körper, Nägel in den Kopif rmd in den Körper geschlagen. 12. Scheine Arnstein', 40 Jahre. 13. 'Eachmlel Alnstein, 21 'Jahre, Schußiwünden durch die Brust. 14. Schlmiuel Ainsteiiu, 18 Jah>re, Schlnßwnnde dn'rch die Brust. 16. Sönsa Zlinsiein!, 18 Jahre. 16. Jtschek Lewartewsiki, 18 Jahre, Tischver a!U's Wolkew'ick. Bruch des Schädekbeins; öle Zähne des unteren Klesers a'usgeschlagen, Kiefer zerschmettert. 17. Clll'i Giutkin, 10 JÄhre, getütet durch Filmten kugel, die Füße mit einer Axt abgehackt. 18. Jtzeck Gebet, Maurer, 30 Jahre, getötet am 2. Juni aus dem Bahnhose. 19. Slchloma' Prnschans'ki ist von! einer Flinten'kugel getötet. 20. Sora Gvodfeinsikasa, 19 Jahre, ist aus der Jn'stitiutstraße in einem Brotkaden getötet -worden. 21. Abrani Bornstein, 47 Jahre, Krämer. 22. Mi. Biaffin, Schneider, am> 3. Jnni aus der Argenti'uastraße 'durch' FlinteniSugel lgetötet. 26. Falk OhmelnMr, 28 Jahre, Söh'n des Vorstehers des j'üdischen Kranlkenh'aluses. Am 1. Ju'nl aus der Akexauberstraße durch schwere Stockschläge getötet. 24. JNnlkel Newik, 34 Jahre, Schußwiu'nde, Hals abgeschnitterv. 26. Jankel Leoin, 62 Jahre, aus Bosarr, durch Flintcnkugel getötet. Gestaltung zu einem Reiche von Brüdern zu machen, das, nur dm edelsten Beweggründm nachgehend, gmieinsam sich weiter bewegt. Besondere Hervorhebung verdient die Sprache. Dieselbe ist einfach undffchlicht, ohne Wulst und ohne Schwulst, die Worte hängen dem Inhalte nicht wie ein schlotteriges Gewand um, das für einen anderm Leib angefertigt ist, sondern sind aus demselben herausgewachsen. Dabei verzichtet der: Prediger nicht auf des Kanzelredners gutesRecht wirkliches und Mögliches, Nahes rmd Fernes, Gegenwart und graues Altertum zu verschmelzen, die Blumen aller Weltgegmdm in ein Bukett zu binden, Göttliches und Menschliches, volkstümliche Legenden und tieffinnige Allegorieir 31t einem Symbol zu vereinigen- Aber: bei aller innerlich gesättigstm Plastik und Fülle des Ausdruckes erkennt man doch, daß es ihm ernst ist, etwas zu sagen, rmd er nicht Worten nachznjagen braucht, wenngleich er allenthalben nach wohltuender Abrundling der äußeren Form strebt. Die von ihnr gebrauchten Bilder sind fein rnnrissm, sauber ansgeführt rmd lebenswarm bis ins iiuicrfte Herz getroffen. Auch manche Frau, die sonst nur vor dm Schaufmstern der Modemagazine ihre Andachtsübungm hält, wird vielleicht gerne Herz und Gemüt' in diese Kanzelreden versenken, die auch damr noch ihre Wirkung nicht verfehlen, wenn die äußeren Mittel des Redners nicht in Anwendung kommen könnm. Wim-Hietzing. Prof. Josef Frank. Ein judenfreundlichcs Schreiben Roosevelts in der jüdischen Synagoge zu Bialystok verlesen. Am Mittwoch abend fand in der Synagoge Bialystok eine jüdische Trauerversammlung aus Anlaß der Metzeleim statt, an der 3000 Personen teilnahmm; eine große Menge Judm, die das Gebäude nicht mehr aufnehmen konnte, sammelte sich außerhalb an. In der Versammlung wurde ein Schreiben des Präsidenten Roosevelt zur Verlesung gebracht, in dein es heißt: „Ich werde mich über die Angelegenheit mit dem Staatssekretär Root besprechen. Sie wissen, wie sehr wir Ihre Gefühle teilen, wie ergriffen und ensetzt wir über die Vorgänge in Rußland sind. Sie lvissm aber auch, daß es nahezu unmöglich ist, durch eine Intervention etwas anderes als Unheil anzurichtm." „Jewish Chronicle" erhielt von dem jüdischen Finanzmann Jakob Schiff ans New Uork eine Kabeldepesche, in der dem Blatte mitgeteilt wird, daß Präsident Roosevelt mit großem Bedauern erklärt habe, daß ein offizielles Vorgehen der Regierung der Vereinigten Staaten in der Angelegmheit der russischen Judenmetzeleim untunlich sei. ist „Schildkrötensuppe ohne Schildkröten". Nein, es ist vielmehr Judentum von echtem Schrot und Korn, was er uns verkündet, wenn auch für den feinfühligen Leser das Verfängliche von dem Ewigen leicht auseinanderzuhaltm ist. Es spricht aus jedem seiner Worte jene aus tiefem Herzen quellende Ueberzengung, die in dm Hauptsachen zu keinerlei Kompromissen und Transaktionen zu haben ist. Er ist stets darauf bedacht, daß das Wesen der Lehre durch fremde Beimischung nicht verfälscht werde, und daß ihm der Teufel nicht unter der Hand Unkraut in den Weizen säe. Er ist kein Leisetreter, dessen Gedanken wie ans Filzsockm dahinschleichen, sondern er verlangt, daß man für ihn oder wider ihn sei, und aus seinen Reden weht uns der männliche Geist einer harten Zeit entgegen, der aus ihrer kernhaften Sprache zuweilen wie Feuer aus dem Felsen hervorbricht. Es ist echt Praktisches Judmtum, wenn wir als Ertrag aus seinen Predigten das bene agere et laetari! zu unserer Lebensphilosophie machen, unbeschadet allen höheren Strebens, das uns nie in den Schlamm des Eigennutzes und niedriger Begierden versinken läßt, sondern mit der Ueberzengung erfüllt, daß wir das Land der Ideale nicht nur ahnen, sondern uns in sein innerstes Heiligtum emporschwingen können. Das letzte Ziel dieser Religion bleibt immer, die gesamte Menschheit in ihrer letzten KicBsdroTiiEKc 5. niTTELPdCH purgier.pasllllen. rvTÄX'U» Ulion I Unlion Uank« Mm U‘ man an ain KutfS Abf&brinHtel stellen kann. Wirkung > 1 noner M&rKt Nf. O gelinde, ohne Schmerzen. Verwöhnt den Körper nicht. (Palais Sina) im Zentrum der Stadt.# Preis pro Dose 2 Kronen.