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Nationalzeitung · 1906-06-26 · Heft 45 (26.6.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 45 (26.6.1906)
Date
1906-06-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 45 Nationalzeitung S^ite :i Dr. Strsiicher über die Judenmaffakers. Reichsratsabgeordneter Dir. Lira u cher Hielt als Mitglied der österreichischen Tielegation in der DelegatiorlSsitztittg vom 21. d. M. eine großangelegtc Rede, in welcher er an dam Expose des Ministers des Aenßern Kritik übte. Ter größte Teil dieser allseits beachteten Rede beschäftigt sich mit der Lage der In den in Rußland nnd Rnmänien. Wir reproduzieren im folge njden den hiemuif bezüglichen Teil! der Rede niach dein nnS vorliegenden st«e!nographisch!en Protokoll: iMvine verehrten Herren«! Ich habe früher jene Stelle aus dem Expose des Herrn Ministers!deS Ztelißern zitiert, welche von dem B^erlinee Vertrag Handelt. Eilie ähnliche Stelle finde ich in dc!nr Berichte des Herrn! Berichterstatters nicht. Ter Hern Berichterstatter hat «über viele Fragen gesprochen,' er hat sich sogar in «Details eingelassen und selbst die Debatten im Zlnssch'usse gestreift, ja auch di>e Frage der Nenwaihlen von Gemeinldevertretnnglen in Makedonien hat er in den Bereich fieitmer Bosprechtmgen gezogen, lieber eine einzige wichtige Frage aber, die! Heute die gesa'lnte Kult>n«rioelt bewegt, die in« den letzten Jahren die ge!fa«nlte gesittete Welt und alle, die überhaupt menschlich fühlen, erregt hat, hat sich der Herr« Minister des ArrsiwärtigeN grlinidliich auAge!sch!wi!egeir n«nd diese Frage weder in seinem Expose noch in seinen! wiederholten Tln's!fii!hrirngen in öc-n Zlnsschüssen, in den ungariischen sä wohl wie in dort! österreichischen, berührt. Auch der Herr Berichte>r«statter, der ja ein!e freiheitliche Vergangenheit halben soll, hat sich gründlich da«r!üb«er ansgeschwie'gen.!Der Berliner Staatsvertrag datiert bekan'lltlich vom 13. Juli 1878. D'ieser« Berliner Stcvats- -vertrag ist abgeschlossen« zrvüscheu Oesterreich.- Unigarn, Tentschland, Frankreiich, Großbritannien,, Italien, Rn'ßland und der Türkei. «Er beginnt .mit den Worten: „Im Ätamen Gottes des Allmächtigen." Und da heißt der Eingang: Seine Majestät nsw.!si>u>d einntütig in de>m Gedanken, die europäische Ordllü«tt«g. enksp rechend den Stipnlati'onen des Pariser Vertrages vom« 30. März 1896 us!w., mit den anderen Staaten zu einem Konlgresse znfctmnciengetreten, unr ihr Einvernehmen zu erleichtern. Nachdem eutic liebe re instim,ntnng!Miter ihnen glücklich erzielt worden« ist, sind sie über« «folgende Stilpnlationen ü'berei«ll«geko mimen«. «Es ist das jener Staatsvertrag, der ein Jahr vor Abschluß des dc!utisch-«österreichischen Biinildnisses zustande gekomimeu «ist, fenes internatio-- tka'len Bünidniisses, welches uns die bisherige Anfrech«terh!a>ltu«ng deS Friedens in beiden« Staaten NlN'd man kann rvohl >beha«upten, in Europa verbürgt hat. Und ich erlaube mir, bei! diesen: Anlasse ausdrücklich nreirie Znlstin>!m,n«ng zu «denjenigen Teilen der Anssührnngeu des Herrn 'Abgeordneten D«ove«rn!ig anlszufpr-eck-en,, welche er ideim Ab!fchln!sse, bom Bestände n!nd der Wirksalnikeit dielses deutschösterreich!i!scl)en, Blindn'isses goividinret «hat. In -gleicher Weise stimme ich seinen AuSsttlhrningiou in betWfs itniseres Verhältnisses nnd der zupflegen^ den, fre!nn!d!scha!ftlichen «BezlicilMinge!» zn, ö«e>nr Königreiche Rumänien b«ei. 'Wjenn ich rinn diesen- Dtaatsvertrag zitiert habe, so möchte ich mtcö einige seiner Bestimmnngen dein« geehrten Hanise zur Kenntttlis bringen und hieran jenen- Teil nreiuer ülusfiihrliügen knüpfen, rvelche ich den: hohen Hanse und der Oesifentlichkeit niiirtjt vvrenthülten zn dürfen« gla«nbe. 9l«rtikel 1 lautet lliest): „Bulgaivien« rbivd zu> ci'itieim selbiständigeu tribll'tpflichtigen Fürst entliült unter der Suzeränität Sein«er kaiserlichen Mlüjestät des Sultans erhoben«. Es «wird eine fürstliche Negierung nnd eilie Nativualinili'z haben." Artikel 6 lautet (liest): „Der «Unterschied der Religion nnd der Konfession! «darf gegen niemanden als ein Grund zn«r Zlnsschließung oder der Unfähigkeit, sofern es den Geninh der bürgerlichen und politischen Rechte, die Zulassung >zll össentlichen Aerntern, Fn«n>kti!onett und Ehren'stellen oder die Ansübungen derverschiedenen Profeissiotlen und Jltduftrien! betrifft, geltend gentacht werden, in rvelchem Ort es a«tt<h sei. D'ie Freiheit und die offc«tttliche! Ans'übung aller Kulte sind allen Einheirnischen Bulgariens so g«nt wie den 'Fremden gesichert ttslv." dlrtikel 29 lalltet slielst): „Die Provinzen Bosnien und Herzegowina werden von Oesterreich-U'ttgarnbesetzt uüd verwaltet werden." Artikel 26 sagt (liest): „Die Uilvbhä'Ngigkeit Montellegros wird von der hohen Pforte und von allen feilen hohen vertragschließenden Teilen ane!rkannt, welche sie bis 'jetzt ll'och nicht zngegebeir hatten." dlrtikel 27 ist glel«chla«ll'tend lv«ie Artikel 5 bezüglich Bulgariens, iwelcher die Rechtsgleichheit aller Staatsbürger und die Gleichberechtigung der 9l»ge!hörigen aller Korrsessionen und Religionen garantiert. «Artikel 34 lautet (liest): ,,'D ie hohen vertragschließende«» Teile eröenin>en die Ull'abh«ärigi«gkeit Serbiens an, illdern sie dieselbe air die rin ilachftehenden Artikel auseinandergesetzte n Bedillgungen knüpfen." ^Artikel 35 ist gleichlauteicd mit Artikel 5 bezüglich Bulgariens und garantiert gleichfalls die Gleichbercchtigllnig lurd Gleichheit «der Alligeihörigen aller Ko^nseissrouen! und Religionen. Slrtikel 44 besaigt bezüglich Rmnäniens gleich dein Ztrtikel 5: «In« RlMll«äri!ien« darf der Unteiischied der Religion« und «der Konfession gegen liiewanden als ein« Grund z«u«r Aulsschließn'llig oder der Uufähi-gkeit, sofern eS den Gell'nß der bürgerlichen mtd politischen« «Rechte, die Znlassn«llg z«ll öffentlichen Ilemtern, Fu«n-ktionell iln'd Ehrenstellen oder die An«Mbimg der verschicidenen- 'Profeisfion'en lind JnÄll'strien betriifft, gelten'd gemacht werden, in welchem Orte es auch sei. Die «Freiheit und öffentliche Ainsttbung aller Kulte sind allen Einheilnischen des rlMlänischelr Sta«atcs so wie den Frencden gesichert, lr-ll'd lein H«inderu!is darf ihnen weder in der hierarchischen Organisation der verschiedenen Ge«nieiii!den noch Mt deren Beziehungen zn ihren geist«lichen Chefs in den Weg gelegt werden. ,D>ie StaatS-angehörigen aller Mächte, handelstreib e«lld!e- ,o>der andere, werden in Rnmälrien oh Nie «Unterschied der Religion aus dem Fuße vollständiger Gleichheit behaicdelt. «Seit Ja'hrzehntell hatte närnlich das daina'lige sti«zeräli«e Fürsteliiti'ill- Idüm'äuien wegenseiner vielfa«chell! Jn-d-eit!verfolgli.lig!e>lt die Anfmerksawkeit Europas n«nd der ellrvpäischen Regierltugell tu nn!lie!bsallller Weise ans sich gelen'kt, und die Klagen der verfolgten Jlldeii! dil!rch!hall«te«ll daiumls die ganze zivilisierte Wielt. Tie Digniata«rmächte des Berliliier 'Vertrages -waren daher ingenauer Kelmtlliis von der Rechtlv'sigkeit der BerfolgUiN!- gen n«nd B>edr'ückll!llgle!ll der Juden in Nnmäniell,' enthielt doch die Versassuug, und zivar die Borifassnng vonr Jahre 1866 im Ilrtilel 7 die Besrilniln!n«ng (liest): „Nur Ehri!st«en« können rumänische B-ürgerrechte erlangen," weshalb die Juden, trotzdem sie schon! seit Jahrhunderten irr RUlnäuiien «wohnen, auch alle öfsentlichen Abgaben und Lasten tragen, ihreu M'ilitärdien!st leisten und sällltliche Gefahren des LallldeS llrit ansge'stariden hüben, doch als „Freiinde" erklärt ivitrden und «sehill von allen bürgerlichen ltti'd politischell Reechieu ansgeschlossell warnt, lleberdies sandelt in dert darnaligerr Jahren große Exzesse, arge Ansschreitnirgelt ttrrd Geiv«^!lttätigkeitell aller Art gegen die «Inden statt, Plüttiderrrrtgell jüdischer Hübe u. s. f., und als Folge des Verbotes, auf dern flacherr Laride woh>- ne!n! zu dlirfen, «sind Aiasselransiveifltngen deir J'lliden ans Ziiinrällien erfolgt,' da 'sie als „Freillde" «bezeich«llet rvnrden, lvUrd«erl sie einfach als Vagüblm'dell behalldelt nud des Landes verwiesen. «Gegen diese Barbarei erhob das europäische Konifiilarkorps in Galatz um 15. Juli 1867 energischerr Protest rrrrd die Elltr>ü«stll«llg der zivilisiertelr Welt veran«laßte danralS derr Katser Napoleon dell« Drittelr tele>arüph«i!s«che Borftellung itt Ntlluünien zn machen. Irr «dieser Vorstellung heißt es (liest): „Daß die öffentliche Meillmrg Fraukwichs tief bewegt sei ü«ber Vers>olg«u«ngell, dereir -Opfer die Juden in der Moldau sind u«lld daß der Kaiser nicht arilrehmen könne, daß die rrmräliische Regiernllg solche, jeder Hluitalntät urrd Zivilisation wide-rlstrebende Ma«ßn«ahmelr glltheiße-n soll." «Da aber die Versolgirrrgen der lJ«rlden trotz gegenteiliger Versicherungen der fürstlich rnimä«- nischc«n Regiernng fein En'de nahlnen, auch die Proteste der Konisllln nichts srnchteten, erh«oben die ellropäischen Mh'chte bei der damaligen sürstlich-rmniütt«ischett, Regie-rnug Vovstellllng. Als arlthellitiischeu Beleg für diese! >Tiarstelllti>«g verw«e«i«se ich aus den Bericht des da'lllattgeir öster- -reichHische'u sÄeneralkolüsnls in Bnbarcist, Bmpll v. Eder, nnd zwar datierend vom 24. «April 1868, w«elche Bor stell nng er im Narnen d«es Konsn'larkr«rps an die fürstlich rn«m«äuische Regierung gerichtet hat. "An dem von Rußland irn Jahre 1877 un«tertt«om!mene«n« Kriege zur Befvei!ll«n«g der u-nter türkischer Herrschaft lebenden Bälikanvölker nahm auch das danralige Fürstentunr Rn>m!än!ien hervor^ rage«n!d teil,' die J«n!derr Rn!nlän>ien«s brachten vile«le Opfeir, die jüdischen Soldaten fochten« tapfer mit, ihr Blut ve«reinigte sich mit dem ihrer christlichieln Mitkälmpfer und in einelm «gerneilrfamen« Grabe ruhen die entseelten «Körper' sowohl der jüdischen wie der rnnläntschen Soldaten lind Un«äbhäugigke-itsstreiter. «Als n>llu nachl Beendig U!nig dieses «Krieges die europäisch>en Groß«m«ächte Oesterreicht-Ungarn, De!lltschla«ttd, Frankreich, GroHbritannjen, Italien, Rußland nnd« die Türkei iin Berlin zu einem Kowgresse zusammengetreten« waren, erachteten sie es als ihre vorrtehine Ausgabe, «de«r Gerechtigkeit und dem, Zeitgeiste R!echn«lln«g zn tragen, u«nd machten dem« null« uln!aibhä«nigige'U Serbien, Monte rregro, dem neu geschüsfenen Bulgarien und dorn öamalige«u Fiürsteintll!m R«u«ln«ä>ll«ien! die Rechtsgleichhett nnd!Gleich!be«rechtig'lln«g «aller Kon«sef.si!o«neu nnd Religionen ans pv'litischeim, bürgerlichenr und ö«kv-livlilri!schem Gebiete zur Pflicht, wie dies in den Artikeln 6, 27, 34 und 44 des Berliner Staatsvertragles' vom« 13. Ju«l«r 1878 ansdriiMch nnd wörtlich statll«iert ist. Hierzu kom!lllt n«och die BeftinljlUung des Artikels 43 des 'Staatsvertrages, welcher bezeichnendoriweise!folgenderMa'ß«en lautet, ein «Is>r«t«ikel, voll deinr ich benrerbe, daß er über spezielle Veranlassung der deutschen Delegierten nlld des Vorsitzen'den F'ürsten Bisrnarck auifgenommen worden ist (liest): „Di«e hohen vertragschließenden- Teile erkennen d«ie lluabhängigkeit Rumäniens an, irrdem sie an ö«ie in den be'i'de'N« folgenden Artikellr a'Usgezäh«lten Bediln«gn>ngeu knüpfen." Es wli rde also d ie So>uve«ränitüt des Staates nur unter der Bedill«gun«g anerikanlit, daß die Glei«chlberech't!iM.ng der Koufeffmneu, wie ich da vo«rjze«le!seni habe, verffassll«ll!gAg«eilllläß dnrchgefülh«lt lvüröe. Ätichtsdestolveuiger «würde der Artikel 7 der Verfassung vom Jahre 1866 i«n der neuen, am 13. Oktober 1879 pronlill«lgiertett rlunüni sch«eu Bersassning da!h«ill« abgeä'Ndert, daß die Znerkeillinilig der rilllmäuischeN Staatsbiirgerschaft cm Freimde, die ll«otor«isch in« den nreisten zivilisiertelr« Staat>en> im politifch-adln-inistrativen Wiege erfolgt, darunter ll«ü>nelltlich die dtatnrülisation der rniilänischen J«n«den n«n«r individuell dn«rch ein« eigenes, von den rn'inüirischen Kaillnrern mit einer Ziveiöritte«l«lnehrheit zn beschließendes Gesetz nilld nur da«n«n gewährt werden soll, rverm der unr die Natnralisation« einisch vedteil«de Fremde vüilr« Zeitpunkte des bet der 9iegjerin«ng eiuznbringett!deu Gesuches rroch rveitere zehn Jahre «inr Lande roohlre nnd seine allgemeine öt'ützlichkeit durch Daten beiveise. Sv wurde die G leichbe ch'chjti'gliug, die Rllilnärl'ien« «a«llsü«etragelr ,vv«rden ist, durchgoführt! >Was speziell die Juden betrifft, so sind seit dainals, in diesem Vierteljahrhnlldert, im gauzell. cMua 200 Juden naturalisiert worden. 'Die Signatarnlächte des Berliner Staatsvertrages verhielten sich ansäliglich üblehnerld und wollten die «Sonneränität 9ill«illän«ie.liö llicht an«- erkennen. In der Folge aber üerreichten nach ttlehrfachen diplolnatischen Verhandliliigell am 8. Februar 1880 Dentschlarld, Engtanü «lind 2. ttlTTELB/KH Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 (Palais Lina) im Zentrum der Stadt. ♦ Hühneraugen-Pflafter. Prsis pro Kuvert 50 h. — Preis pro Schachtel 70 h. Hillineraugenbalsam (Tinktur) Preis pro Fläschchen 70 Haller.

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