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Nationalzeitung · 1906-06-22 · Heft 44 (22.6.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 44 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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iNr. 44 Aationalzeilung 'S de a Vuti den Jntensionen des Vorstandes in voller Uebereinstimmung befand. Zugleich wurden dem Vorstände verschiedene wertvolle Anregungen aus der Mitte der Versammlung gegeben denen dieser entsprechend ihrer Wichtigkeit Folge zu geben versprach, - .'Herr Dr. Schiffer Karlsruhe erhält sodann "das Wort zu einem eingehenden Referat über die Mcziza-Frage. Mit großer Sachlichkeit und außerordentlicher Gründlichkeit beleuchtet der Referent alle Seiten seines Themas. Unter Zusammenstellung und Sichtung, der ganzen halachischeu und polemischen Literatur bis auf die jüngste Zeit kommt er zu dem Resultat, daß die Meziza nicht nur aus prophylaktischen Gründen geboten sei, sondern einen wesentlichen Bestandteil des Beschneidungsaktes bildet, daß daher ein Aufsaugen des Wundblutes d'urch Umlegen von Watte keineswegs .der religiösen Anforderung genüge. Dös .Referat wird, ergänzt durch die vom medizinischen Standpunkt ausgehenden und zu dem gleichen Resultate gelangenden Ausführungen des Herren Rabb. Dr. med. et Phil. Biberfeld- .Berlin und vervollständigt durch Heranziehung zweier Neuerscheinungen, auf die der als Gast anwesende Herr Oberrabbiner Dr. Nichter- ' Rotterdam .hinweist, bald in extenso veröffentlicht werden. Herr Prov.-Nabb. Dr. Cahn-Fulda referiert alsdann über den gegenwärtigen Stand der Anti-Schächt-Agitation und die geeigneten Ruttel zu ihre Bekämpfung. Auch dieses Referat gab zu einer lebhaften Diskussion Anlaß, die sich lange ausdehnte und abends acht Uhr abgebrochen werden mußte, weil die Teilrnehmer einer Einladung des Vorstandes der Synagogengemeinde Israelitische Religions- ■ gesellschaft zu einem Festmahle folgen wollten. Die Verhandlungen des zweiten Tages ' wurden hellte um 9 Uhr vormittags mit der . Fortsetzung der am Abend unterbrochenen Debatte eröffnet. Tie von vielen Anwesenden im bisherigeil Kampfe gewonnenen und der Versammlung mitgeteilten Erfahrungen werden dem Vorstand als wertvolles Material für seine weitere Abwehrtätigkeit empfohlen und cs wird'ihm'der Auftrag erteilt, wie bisher der gesamten Bewegung seine Aufmerksamkeit zuzuwenden und in jedem Spezialfalle schnell und energisch einzugreifen. Anläßlich eines solchen Spezialfalles, der Polemik der „Kölnischen Zeitung" gegen das Schächten, beschließt "die Versammlung, dieser Zeitung eine kurze Erklärung über den göttlichen Charakter des Schächtgebotes zuzusenden. Mit Rücksicht auf die von so großem Erfolge gekrönte Tätigkeit, welche der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer in Deutschland in Verbindung mit d!em von der Rabbinertkommissiou dazu veranlaßten Vorstande Iber Freien Vereinigung in Angelegenheiten des ' preußischeil Schulunterhaltungsgesetzes entfaltet hatte, war ein Referat über Entstehung und Entwicklung des Bundes auf die Tagesordnung gesetzt worden. Dieses wurde von Herrn Direktor Dr. Lange erstattet und von der Versanliulmlg mit großenl Interesse eutgegengenonlinen. Eine Debatte schloß sich naturgemäß nicht ail. Deil vielleicht wichtigsten Gegenstand der 'Beratungen behandelte Herr Oberrabbiuer Dr. Lerner-Altona ii^ seinem Referate über die Bestrebungen zur Schaffung einer Gesanitorgaiu- 'sation der preußischen Judenheit. In scharf logischer Dlirchführullg weist der Referent zunächst auf die inneren Widersprüche ver von Rosiil in. seinem bekannten Referate gemachten Vorschläge Hill uild kennzeichnet sodann in überzeugender Weise die Gefahreil, die aus der Annahme seilles Entwurfes bem religiöseil 'Leben und der Autonomie der Gelneindeil erwachsen lilüßten. Das Referat klingt in einen scharfen Protest gegen die Organisations- .aus besten Qiellen empfiehlt den P. T. Hau*- rfrauen das seit mehr als 20 Jahren bestehende Irestkelrannte Milchdepot Ferdinand ALTMA'NN, IX., Prainergase 17. bestrebungen aus, welcher die ungeteilte Zustimmung der Versainnlelten findet. An Stelle eines Korreferates lvird eine beim Vorstand eingereichte ausführliche Denkschrift über denselben Gegenstand verlesen- , < .. Nach einem mit großem Beifall aufgenommenen Bericht über die bisherigen Verhandlullgen mit außerhalb der Freien Vereinigullg stehenden Gefillilungsgenossell wird folgende .Resolution einstimlnig angeilommen: „Die Gelteralversammlung der Rabbinerkoinnlissioll nimmt mit lebhafter Befriedigung von den Verhandlullgen Kenntnis, die der Freien Vereilligung mit der Vereinigung traditiollell-gesetzestreuer Rabbiner führt. Die Rabbinerkommission erklärt sich bereit, zu ihrem Teile jedes grundsätzlich mögliche Zugeständnis zu machen, das den Anschluß-der noch fernstehenden, gleichgesinnten Rabbiner all die Freie Vereinigung und den Ausbau dieser letzteren zu einer alle Jereiin in Deutschland umfassenden Organisation zu fördern geeignet ist." Nachdem die Verhandlungen nahezu ununterbrochen 9 Stunden gewährt hatten, wurden mit Rücksicht auf die vorgerückte Seit die noch eingelaufenen Anträge dem Vorstand als Material überwiesen und die Tagung geschlossen. Herr Rabbiner Dr. Breuer dankte den Mitgliedern für ihre angestrengte eifrige Mitarbeit, Herr Dr. Carlebach-Lübeck den: Vorsitzenden für die geschickte urld würdevolle Leitung der Versammlung. Bialystok. Massenftucht ans Rußland. Podwoloezyska, 19. Juni. Der heutige Zug aus Rußland brachte mehrere hundert Flüchtlinge, Frauen und Säuglinge, aus Odessa und Kiew, welche über die dort herrschende Panik erzählen. Wohlhabende und auch die Intelligenz bereiten sich zur Auswanderung vor. Handel und Wandel stocken. Kattowitz, 19. Juni. Russische Flüchtlinge aus Bjelostok treffen fortwährend hier ein und sammeln Unterstützungen. Ein Deutscher, Generaldirektor Preiß von den Huldschinsky- Walzwerken an der russischen Grenze, ist mit Familie nach Kattowitz geflüchtet, weil er von den Sozialisten ein Todesurteil zugestellt erhalten hat. Das Huldschinskysche Bureau wurde heute von Sosnowice nach Kattowitz verlegt. Die Werke werden von 800 Kosaken bewacht. Sämtliche Sosnowicer Arbeiter führen ein Sechstel ihres Lohnes an die Streikkasse für die Ausständigen der Huldschinskywerke ab. Köln, 18. Juni. Bei dem zionistischen Zentralbureau lief heute folgendes Telegramm ein: „Prostken. 18. Jum, 11 Uhr 25 Min. Antwortlich Ihrer Depesche in Bialystock veranstaltete Behörde und Militär mit Hilfe niederer Volksschichten, Anzahl Fabriksarbeitern, auch verkleideter Schuljungen einen beispiellosen Pogrom, wütete drei Tage, 14., 15., 16. Juni. Gegen hundert gräßlich ermordete liegen jüdischem Hospital, außer vielen in Häusern und umliegenden Feldern. Verwundete zahllos, fast sämtliche Geschäfte auf den Hauptstraßen vollständig kahl ausgeplündert. Nebenstraßen meist verschont, wo weniger Militär, wodurch jüdischer Selbstwehr gelang. Hooligans zu vertreiben. Grenzenloser Jammer, unzählige Witwen, Waisen, unglückliche Krüppel. Dringend sofortige Hilfe notwendig. Ein noch schrecklicherer Pogrom wird den Nebenstraßen gedroht, endlose Panik. Handel, Erwerb für unabsehbare Zeit völlig gelähmt. Massenemigration bevorstehend, man appelliere an das europäische Gewissen zwecks Vorbeugung in Zukunft solch bestialischer Greueltaten. Suchowolski." Der Absender wohnt in Bialystock und ist ein bekannter, sehr zuverlässiger Mann. Eine Anfrage des Grafen Kternderg. Reichsratsabgeordneter Graf Adalbert Sternberg, der bei wiederholten Anlässen für die berechtigten Wünsche der Juden sich eingesetzt hat, richtete in der NeichsratSsitzung vom 19. d. M. an das Präsidium folgende Anfrage: „Hohes Haus! Ich richte cm das hohe Präsidium die Anfrage, ob dasselbe gewillt ist, eine Protestkundgebung gegett die Massakt'ierung der Juden in Rußland uach dem Beispiele des englischen Parlaments zu veranstalten. Man mag über die russischen Juden verschiedener Ansicht sein, aber bezüglich der Kultur kann man nur der Ansicht sein, daß die Sicherheit des Lebens und des Besitzes die Grundlagen des Fortschrittes und des Staates ftitb. Deswegen liegt es im Interesse aller Staaten, die Sicherheit des Lebens und des Besitzes in Europa gewahrt zu sehen." Vizepräsident Dr. Z a c z e k: Jch^ werde diese Angelegenheit im Präsidium zur Sprache bringen. Interpellation im österreichischen Avgeardrreterchause. Breiter und Genossen interpellieren den Ministerpräsidenten, betreffend das Verhalten der österreichisch-ungarischen Regierung gegenüber dem Massaker in Rußland. Die Greueltaten in Bjelostok haben ganz Europa schmerzlichsten Widerhall gefunden, dies um so mehr in unserem Lande, wo zahlreiche Einwohner den Tod ihrer nächsten Angehörigen und Verwandten zu beklagen haben infolge der bestialischen Missetaten der „schwarzen Banden". Die Interpellationen wegen früherer Massakers seien leider unbeantwortet geblieben. Die österreichisch-ungarische Regierung scheint trotz oder vielleicht wegen der Entente cordiale mit Rußland keinen Mut zu haben, im Interesse der eigenen Staatsangehörigen etwas zu unternehmen, die ihr mindestens so nahe stehen sollten, wie etwa die Makedonier. Die Würde unseres Staates erfordere es, von Rußland Genugtuung für die Menschenleben und den Vermögensverlust unserer Staatsangehörigen und Schutz für die Zukunft zu verlangen, um so mehr, da jetzt, wie in früheren Fällen, die abscheulichen Greuel über Anstiften und unter direkter Mit- Ivirknng der russischen Behörden, des Militärs und der Polizei verfügt wurden. Die Interpellanten fragen: Was hat die Regierung unternommen, um Genugtuung und Schadloshaltung der österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen anläßlich der vorjährigen Metzeleien in Rußland zu erlangen? Was gedenkt sic angesichts der neuerlichen Bedrohung österreichisch-ungarischer Staatsangehöriger an Leben und Eigentum durch die „schwarzen Banden" in Rußland zu veranlassen?" Vermischte Nachrichten. Wien. Smustaig dorr 28. Juni, halb 8 Uhr aNends, findet im Cafe Stefanie, Stefamestr., ehrte Nt ckglisderve rsanrlncknn'g der Poa>le-Zlvn-Ortsgruppe statt mit der Tagesordmr>rm: 1. Berichte,' 2. Stettrrn^rra'hme zum nächsten Zivniisttntag,' 3. Neorsarrilsation des juMildOcheil Arbeite rverei'mes,' 4. EvenAmlm. Es werden die Pvale-Zionisterr euv sucht, zuverlässig und pünktlich zu erscheinen. Theologischer Berei« der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien. Unsere Bereinsmitglieder, Herr Moritz Löwy und Herr Johann S t ö ß l e r wurden an der hiesigen Universität zu Doktoren der Philosophie promoviert. F. d. B. M. Halberstam dz. Schriftführer, M. Tauber, dz. Präses. Wien. (Akad. Verein „Jüdische Kultur".) Dienstag den 26. ds. findet im Eafe Rahnhof (9. Bez., Porzellangasse 31) ein Vortrag über „D i e. semitisch-hebräische Ki l t u r i m Licht e moder n e r Forsch u n g" statt. Referent: Med. A. Sandberg. Beginn präzise 8 Uhr abends. Jüdische Gäste herzlichst willkommen. aus frischen Kokosnüssen! JSarenHerf narurechtes feinstes*» fflanzenfett. 9

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