Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 44 (22.6.1906)
- Date
- 1906-06-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seit)' -4 Nationalzelümg skizziert, indem er dessen beschämendes „Sichanbiedcrn" und Anfdrängen als Erziehnngs- und Ebarakterfehler darstellte. Zum 3d)iu[£c forderte er mit flanunenden Worten die jüdische Studentenschaft auf, das zionistische Endziel nicht aus dem Äuge 31t lassen, und für 'die Verwirklichung demselben mit ihrer ganzen Iuaendkraft einzutreten. Namens der rutbenifchen Studentenschaft sprachen ftub. pbil. Iarme lowicz < „Siez") und Phil. Brenzali („Sojnz"), die ihren Sumpathieit für die Bestrebungen der jüdischen Studentenschaft warmen Ausdruck gaben und diese ihrer tatkräftigsten Unterstützung in ihrem gerechten Kampfe versicherten. Nach dem Schlußworte des Referenten wurde die nachstehende Resolution unter stürmischem Beifall der Versammlung einstimmig angenommen: „Die ain 17. Juni 1906 in der Ezernowiher Ilniversität tagende Bersamntluitg der jüdischen Studentenschaft erklärt, in voller Uebereinstimmung mit der ruthenischen Studentenschaft, die bisherige Einrichtung des Nationales, ebenso wie den Usus, in ben Semefterberichteu der Universität die Juden als Deutsche auszuweisen, als mit dem jüdischen Ebr- und Nationalgefühl der jüdischen Studentenschaft für unvereinbar und drückt ihren Entschluß aus, im Kampfe gegen die Verletzung ihres Ebr- und Nationalgefühles von allen ihr zusteheudcn und mit dem Gewissen vereinbaren Buttel den rücksichtslosesten Gebrauch tnachen zu wollen. Weiters erklärt die heutige Versammlung die Inkompetenzeinweitdung der Universität zur Entscheidung der von der jüdischen Nationalität an der Ezernowitzer Universität für völlig unstichhältig, die einzig und allein den Zweck verfolgt, die Veraittwortung für das uns angetane schwere Unrecht ans die Regierungsbehörden zu überwälzen." Die Versammlung, mit tiefem Ernst und akademischer Würde geführt, machte auf alle Teilnehmer einen imposanten Eindruck und wird hoffentlich den akademischen Behörden die Ueberzeugung bringen, daß die jüdische Studentenschaft sich durch keine Mittel von ihrer gerechten Forderung werde abbringen lassen, die Anerkennung der jüdischen Nationalität durchzuseben. Das gute Recht ist aus ihrer Seite. Die Hilfsaktion für Galizien. Berlin, 18. Juni 1806. Am Sonnabend den 16. Juni fand irr den Räumen ldes Hilfsvereines 'der Deutschen Juden eine 'Sitzung der galizischen ll '0. m m i s') i 0 n unter Zuziehung einer Anzahl kompetenter Per- Fran gegebenen Scheiidebrieses getrennt werden und weiters tm § 165 ebendaselbst: „W'en>li die Ehegattin einen Ehebruch begangen hat lind die Tat erwiesen wird, io steht dem Marrne das stlecht zn, sie auch wider ihren Willen von sich zn entlassen." Es gibt demnach nach dein gegenwärtigen geltenden (besetze zwei Fälle, in welchen es zu einer Tre'nnlnig der Jude ne he dem Stande nach kommen kann. 1. T ie einverständliche Trennung, wenn beide Ehegatleiv frei in die Auslösung der Ehe einwilligen. 2. Tlie nnein'verstälidliche Trennung, wenn der Mann dieselbe wegen Ehebruches der Iran auch wider ihren Willen verlangt. Vergleichen wir in dieser Hinsicht das jüdische Ans nalmis-Ehe recht mit den für die Makholiten geltenden Grllndsätzen, so ergibt sich: Tie Inden sind bezüglich der Atöglichteit der Trennung ihrer Ehe gegenüber den Akathvliten teils begünstigt, teils aber beschränkt. Begünstigt insoferne, als sie allein n>nter sä mt lichen :>!elig i0 n sge»nsielischa sien in Le ste r re ich das Institut der freien einverständlichen Trennung ihrer Ehen staben. Diagegen. sind sie stark beschvüttilt hinisichtkich der nitein verständlichen Trennung. Die «kamt nach dem jüdisch-österreichischell lÄesetze mir der Mann verlangen, und zwar nur ans einem einzigen Grunde, wegen Elrebruches seiner Frau. sönlichke stell statt. Bau dem Hilssverem für die notleidende jüdische Bevvlikernug in Gal'!,z>ien> Wien u-arcu die Herreu Dr. P a p p e n h e i m und Dr. Lederer nach'Berlin deputiert worden. Als Vertreter der Ieivisst Evlonizativn Assveiation war Herr Iustizrat Dr. Edmuud L a ch m a n n erschienen. Ans Hamburg wohnte der Sitzuilg der Vorsitzende des jüdischen Zweigbomitees des deutschen biativnaz'belN'ätees zur Bekätnpfltng des Mädcheustaiidels Herr Glrstav T n ch bei. Die löioßloge für Deutschland war vertreten durch Herrn I'n'st'izrat T i m e n d 0 r s e r und Siegmnnd Berget, der Hilss'vereiit der Deutschen Inden durch Herrn James Simon nud Dr. Paul bl a Ui a n. Auf 'spezielle Einladung wohlite der Sltznng ferner Herr Banlkier Ernst Caro, Berlin, 'bei. I'hre Slbiwesertheit entschUI'digt hakten die Herren Dr. H i l de s ste i m e r und I. W i sloch, Frankfurt a. M. Die Wiener Herren waren in der Lage, neue Proselte vorzulegen, u-m 'unseren G'lau>be>nSgeuossen in Galizien Arbeitsmvglichkciten zu schaffen. Einen besoriderS erfren'l'icheu Aniftchwmpg bat die Spitzenstäke lei genvmmelr. Ans den Berichten, die die Wiener Herren die bckite hatten, zur Verfügung zu stellen, teilen wir die folgenden Tatsachen' mit: N e n s a n d e z: In der Sitzung der Lrtsgtrippe wurde hervorgestoben, wie sehr dieser Erwerb den verschämten Arrnen dieser Stadt zugute kvntme. Sambör: Die Spitzenhäkelei bewahrt sich aliSgäyeichnet nltd entwickelt sich von Tag zu Tag,' es sind 52 Arbeiterinlien, durchweg arme Mädchen' ltnd Frauen beschästigt, für 'welche dieser Verdienst eine wahre Wö-hltat ist. Es uinterliegt keiuein Zwoifel, daß wir nirch höhere Snuvm-en alt Vei'dienst erzieleu iverdeu. T lu ma c z: Alle klammern sich an die Spitzerr-häkelei und es sind sch'vu bein-ahe 50 Mädchen. Wygvda: Ich habe über 50 Schülerinnen, wottu ich abends spazieren gehe, vor allen Häusern sitzen die Mä'dcheir tiu'd häkeln. D'ic Industrie ist wirklich ein Segen für alle. Bon Bolechow höre ich, das; die Mädchen bis 51t 5 fl. wöchentlich verdienen. , ' P i a t ij 11 bittet um Einführung der Häkelinidnstrie. Radmorna: Die Sache macht gros;artige I-ortschritte. Et'iva 160 Frauerr und Nlädchen arbeitet! und verdienen 0—10 lirroneu wöchentlich. Elin iuny: ES verdienen solche Mädchen 6, 7 nuld 8 >r-ro'neu wöchen-klich, welche noch wie, was Arbeit nud Verdienen ist, wnstielt nud siuid sehr glücklich. ' Unter diesen Umständen wird alles Notmen- . dige ge>sche>hen, nur die Weiterverbreitmrg der SpitzerAMslei zu fördern. Der Wi>ene>r HWfs'ver- : ein überNint'mt diese Ausgabe. I Ans antderen Gründen kanu der Manu die Treuu'nug nicht verlangen. iT!i>e Iran aber kann gegen den Willen des . Ehenrannes eine Trenrnrng überhauPt n'icht 'be- ' anspriichen, u'.ag rutcö der Nlarln ein E'hebrecher oder sittlich noch so verkomuceneS Iudividnn'm fei». Für die Akathvliten dagegen hat das t^eseh fün'f Trenti'N'Ngsgrii'N-de im 8 bl5 festgesetzt, aus denen säwv'h'l der Atiann wie auch die Frauaus Treun n»tg dringen tön neu. Iu der letztgenannteu Beziehliug zeigt sich ga'ng blesvliders die tResorinbedürstigkeit deS jüdisrheit Ausnahms-Ehe rechtes Für die einverständliche Trenniiug hat das Gesetz alleidings genügend vewgesvrgt. Biel dringen-der aber ist das Bedürsuis nach einer geeechteu befriedigenden Löstlug für den zioeiten Fall, närnlich die ttnein'verständlsche Trennung. Nach nu'serent' gegerrwärtigeu jüdischen' Ehe rechte'kann der Alaun die Trenuuug nur dann verlangen, wenu« die Frau einen Ehe>brü>ch begaugen hat nud die Tat eviviesen ivitzd. Blag die Ehe sonst noch so unglücklich sein, sei es wegen moralischer Verderbtheit der Frau, sei es, lveit die beiden Eharäktere »licht zueir»ander passen nud deshalb der Alaun eine niiiil>evlvindliche dlbueigunig gegen seine Frau gefaßt hat — dies niitzt alles nichts —1 wenn nicht die Ehegatt iu' selbst einer Treuuuuig znstimuit, so nulh de>r Aianu für seilt ganzes Lebe» tu dieser ituglücklicheu Ehe aushorren'. Und gar erst die Frau! Nicht eiumal, wenn der Miauu ermiesener maßen ein Ehebrecher ist, lvenn er seine Frau niißhandelt oder gar an ihrem Leben be- H Allseitige Zustimmung fand der Plan, A »- a l v b a betells ch n 1 e u in Galt z i e ll zu errichteu. Der Wiener Hibfsvcreill ist mit den Vorarbeiten betraut 'wvrd'eu, die li^tt'lveudig sind, llm derartige Schltlen ins Leb>e>n zu rasen. Dlirch die Tätigkeit des Herrn Tuch in Hamburg besteht bereits e i n e s 0 l ch e S ch nie i n L e w - berg. Andere Projekte, die vorgelegt worden sind, rrurben bis aus die Einzelheckein durchgesprochen. Es ui'Nßte aber allseitig kon'statiert lver-deu, daß noch eiligehenide Untevsuchnngen augestellt ^lverdeni illüssen, bevor au die Verivirlklichnug der Plärie hcrallgetreten lr'erdeu kann. Da es außerordeuttich schwierig ist, auch von Wielt ans die geeigneten Jlnsormativueu nud die nötigen Details über die Verhältnisse in Galizialr zu e rjhalt'eu, so beüvilligte dee' Hilfs'vere'ill der Denkschelr Juden in UsbereinstiMlnnng rnit der Großloge für Deutschland 1000 Kveuen ansschließlich zu dem Zlvecke, da'nrit eine geeignete Perföldlichkeit allgestellt lvird, die Galistieu bereist nnd die eillschlügigen Verhältuisse stlrdiert, so daß ans Grnud der' so gzttanliuielten Ahateralien ,z>wecktmäßige Vorschläge für die Weitersührurig des gal'izischeir Hilfswerkes gemacht 'lverde.lt körnren. Orthodore Pabürnerversammlurrg in Frunstfirrl a. M. F r a n k s u r t a- M., 17. Juni. Am 0. und 7. Juni tagte im Hörsaale der Israelitischen Neligionsgesellschast eine zahl- , reich besuchte Versammlung der Rabbiner-! konnnlssion der freien Vereinigung für die! Interessen des orthodoxen Judentums unter dein Vorsitze des Herrn Rabbiner Dr. Breuer. Gegenstände der Beratung bildeten wichtige das Jlldelltmn zurzeit berührende Fragen. Nach einer kurzen Begrüßungsallsprache des Vorsitzenden berichtete der Schriftführer des Vorstandes, Herr Prov.-Nabb. Dr. Hirschfeld- Gioßen, über dessen Tätigkeit seit der jüngsten Generalversamnlllmg. Der Vorstand hat sich mit allen einschlägigen Fragen, die in den letzten Jahren austauchten, eingehend beschäftigt und eine rege Tätigkeit nach jeder Richtnng hiik entfaltet. Naturgemäß lvaren es in erster Linie innere Fragen, denen er seine Anfnrerksanrkeit znlvenden dnrste. Der Berichterstatter kann mittetlen, daß das Eingreisen bei einer Anzahl wichtiger Angelegenheiten den erstrebten Erfolg gebracht und viel zur Wahrung unserer heiligsten Interessen beigetragen habe. Unter Ausscheidung derjenigen Punkte, zn deren Besprechung die Spezialreserate Anlaß geben mußten, wllrde der Rest des Berichtes ^zur Diskussion gestellt und es ergab sich, daß die Generalversannnlnng sich droht, tonir sie verlauze 11, daß ihre Ehe zetreimt rverde, wen-ll der Mail'«' n'icht selbst hi-erzn siltivilliat. 'Tie Frau mliß äis'v mit dom- E'he'brecher, lunß anit dem Allnine, der sie an Leib Nliib Leben bedrolit, weiterleben, sie hat kein Alitiel, bisse 11»- OÜückliche Ei:e ,yit löserl nlid vielleicht eilte neue, plücklichere Verbin'dniiü einzii'zoheii. ÄAelch eilrie Fülle von Elelrd nn-d Leid er« lvächst nlis eiliellt derarttzzen Zlislanö! »Eilie derartig gesetzliche Lrduil'Ng schlägt der Sittlichkeit gevaöezn ins Gesicht! Ilutiö darum wird es anläßlich -der Äteforur der Ehezoseltzzebtilt-a die Anlsgabe der Vertreter des jüdischeli Vollkes sein, in der genannten Richtung gerechtere Bsst'inr»l'»'llge>l zu mlnmven; mau wird den Ehemann schützeli »lüsson, ganz besoniders über ivird iliaa schütze» müssell die jüdische Ehoswlt. Dlie Ailssü'hril'ligen des tüednero falliderr reiche,, Beifall. Amnerillng der ilwdaltivli: Sv lehrreich auch die Ailssührnng-en des Herrn Dr. Muß sein mögen, ist bei der Frage -dop lvichtige Gesichispli'nil nicht zii übevseheli, daß die Ivbelt lM'r eine solche Eheresvrnl anstrebe,1 tönnen li>»'d dürfen, lvelche dem traditionelle» jüdischen Ehegesetze nicht ividelsstricht.