Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 43 (19.6.1906)
- Date
- 1906-06-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nationalzeitung Nr. 43 Wien. Samstag ktt 23. Juni, halb 8 Uhr abettds, findet tut Cafe Stefanie, St'efantestr., eine M itgttede r've rfantwl u-n-g der Poale-Zivii-Ortsgruppe statt mit der Tagesordnung: 1. Berichte; 2. Stellungnahme znm nächsten Zioniistentag; 3. 9revrgani>sation des jttgettdlichett Arbeiterwrckttes; 4. Gventnalia. Es werden die Poale-Zionistett ersucht, zu-verlässig und pünktlich zu erscheine«. Wien. Im Wiener Israelitischen T a ub - st n m me nt nst rt u t fand Mittwoch de» 13. d. eine Feier anläßlich des 30. Todestages fernes ehemaligen Präsidenten Tr. Ignaz Edlen von Hofmann sth at statt, bei der der Verdienste dieses Mannes danK'ar gedacht wurde. Ungi.-Hradisch. Unsere Stadt steht gegenwürtäg vor den Genr>oin!deratsilvählen. Ter herrschenden Beamtenpartei, die sich vor einigen Jckhrett die (GemeindestNbe zrr erobern wußte, steht die genräßigte Bliirgerpartei iw Katttpst gegenüber, rvelche den Inden einige Mandate ernznrärrinen gewillt ist, da *5ie südifche Bevölkerung unter dem .Hetzatitisetnitisnt-ns der herrschenden Eligne irr der letzten- Zeit stark zrr leiden hat, ist es nur zu 'wünschen, daß die Inden dirrch ein geeinigtes Vorgehen 'der bürgerlichen Partei znm Siege verhelfen und sich den ihnen vermöge ihrer Zahl und Steuerikralst gebührenden EinfliO sichern. Es kann nicht genug verurteilt werden, wenn einzelne Inden mit der anDsenritrschon Eligue aus persönlich-egoistischen Motiven zrr paktieren suchen. Hoffentlich wird ihnen die jüdische Bevölkerung unserer Stadt, die von der streberischen Natsstiib'enclique wirtschaftlich -bedroht wird, die richtige Antwort ans ihr Benehmen nicht schuldig bleiben. Nnisere Juden können sich nnlrinehr ra.n den Folgen ihrer jahrzehntelangen verkehrten Assrmi'latitenpc'litit liberzeugen, jetzt gilt es, zrr retten, was noch zrr halten ist. Die IudenmassaKers in Knhlanv. Petersburg, 16. Juni. Die hiesigen Blätter nrelden aus Bjelostok: Tie Zahl der bei den dortigen Unruhen getöteten Personen beträgt 20, die der Verwundeten etwa 150. Ter Vorstand der Station Bjeloftök telegraphierte gestern denr Vorstand der Petersb-nrg-Warschamer Bahn: Tie Unruhen in BjiolostoE dauern fort. Die R-tihestörer verivehren bcn Zügen die Einfahrt in den Bahnhof. Die Absendn'ng von Frachten nach Bjelostok ist einzustellen. T-ie Militär-obrigkeit ließ den Bahnhof ohne -Schutz. Gestern erf-ölgte eilte Ordre, nach Bjelostok zweieinhalb Regimenter u-nd eine Kofakensotnie zu elltsen'den. Der Minister des Innern erklärte gegenüber zwei Tln-maabgeordneten, welche i'hn über die Vorgänge in Bjelostok befragten, er beabsichtige, dort wieder den .Kriegszustand zu verhängen. hebräisch wiedergeben könne. Es war ein guter Gedanke von Tr. Margel, die deutsche Sprache als Basis zu wählen, die einerseits von allen Gelehrten, andrerseits von allen mehr oder weniger intelligenten Juden verstanden wird. Ein derartiges Werk darf in keinem jüdischen Hause fehlen, wo noch Liebe zu unserer alten Sprache vorhanden ist. Dr. S a l i n f a n t e. Huntes Feuilleton. Die Gesamtzahl der Juden auf der Erde. In der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" veröffentlicht Herr Dr. Arthur Ruppin eine sehr angehende Abhandlung über Zahl und Verbreitung der Juden auf Erden, der wir folgende wichtigste Einzelangaben entnehmen. Erst seit wenigen Jahren ist es möglich geworden, den früheren sehr weit auseinandergehenden Schätzungen einigermaßen sichere statistische Angaben gegenüberzustellen. Und zwar gebührt Rußland der Verdienst, die Zahl der in seinem Territorium lebenden Israeliten bei der Volkszählung vom Jahre 1897 annähernd genau ermittelt zu haben. Damals wurden etwa 5’/< Millionen Juden im russischen Reiche gezählt. Man kann nunmehr mit eiuiger Sicherheit behaupten, daß auf der ganzen Erde gegenwärtig etwa 11 Millionen Juden leben. ffatehbirf WaMordlchll Geruchlos I Petersburg, 16. Iuui. Tie Petersburger Teleg ra!phe tragen titr meldet aus Bjelostok: Auf denr Bahnhöfe wurden sechs jüdische Reisende getötet. Heute wurdis über die Stadt ittti) den Bezirk Bjelostok der Kriegszuftanid verhängt. Petersburg, 16. Juni. Biele Einwohner von Bjelostok flüchteten nach Breft-Likewsk, Witebsk und Groduo. Ter Stationsvorsteher vetr Bjelostok und auch der Ehef >der Warschauer Eiseubahn telegraphierte hierher, die Unruhen würden noch mehrere Tage andanern. Banden von Hooligans erivarten a-irf dem Bahnhöfe die ei-ntreiffeuden Züge und mißhanldelu die anikontütendett jüdischen Reifenden. Bjelostok, 16. Inni. Tie ganze Nacht hindurch waren Revolverttnü Gewehrschüsse zn hören; bis jetzt hat matt 53 Tote avfgefuUden. Es wlirde Artillerie requiriert. In allen Fabriken stellt heute der B'e-trielb still. Niemand wird -in die Stadt eingelassen. Es herrscht Mangel an Lehensmttteln. Grodno, 16. Juni. (Meldung der Petersburger Teleg raphena-ge ntu r.) dluch während des hetttigen Tages -hielt das Getvehrfener in Bjelöstök an. Ter Gouverneur ist uachmittags dorthin abgereist. Lebensmittel wurden nach Bjelostok bereits abgesendet. Berlin, 16. Juni. Aus Moskau wird berichtet: Pvivatlrachvichten z-usvlge 'sollen bei -dem I-u« öeNmassaler in Bjeloflot üiber 600 Porisorten getötet und verivnndet ivorden fein. Mehr als 20u Magazine und Wohuungeu 'wurderi demoliert und an sge raubt. 6000 Juden flüchteten in die nä-chisken Wälder. Diejenigeu, die sich auf den Bahnhof retten wollten, wurden, ttn barm herzig niedergeinncht. In einer jüdischen Apotheke wurde die -gesamte Familie des Besitzers und alle Angeftellten ermordet; atti Lebenblieb bloß das einjährige! -st-iud des Besitzers. Militär und Polizei setzten! acht Stunden laug deru Massaker kein- Hi-Udennis erttgogen. Ganiz Bjelostok wußte, daß für den ermordeten Polizeinteister Terkatfcheiw ein Racheakt vorbereitetwurde. Zwei Wochenhindurch wurdert auf.dort Straßen, besonders arn Abend, 9ltrfrnfe verteilt, welche zur Vern-ichimig der Irrden und der FutelligenZ aufifordertien. D-ie Polizei schritt geg-c-n diese Agitation nicht ein. Das Signal o'tt'nt. Nkassater gab ein von einem Agent provoeateur ans die Prozession abgeferlevter Schuß. Berlin, 16. Juni. 2lus Bjelostok erhält der Hilfsverein der deutschen Juden folgendes Telegrantm: „Die Metzeleien in Bjelostok dauern in verstärktem Maße fort. Das Militär hält noch immer die Stadt umzingelt, nnd die Hooligans morden und plündern. Nach dem Walde Geflüchtete wurden vorn Militär eingeholt und ermordet. Augenzeugen erzählen, ein Offizier habe auf dem Bahnhof zwei Von diesen entfallen weitaus die meisten auf Europa, wo beinahe 9 Millionen Juden leben. Von diesen kommen, wie bereits erwähnt, mehr als 5 Millionen auf das europäische Rußland. An zweiter Stelle erscheint Oesterreich-Ungarn mit rund 2 Millionen Juden, von denen ll/i Million auf Oesterreich und der Rest auf Ungarn entfällt. Hierauf folgen Deutschland mit nicht ganz 600.000, Rumänien mit etwa 270.000, Großbritannien mit etwa 300.000, die europäische Türkei mit etwa 200.000, die Niederlande und Frankreich mit je 100.000, Italien mit etwa 40.000. In Amerika leben etwa 1'|, Millionen Israeliten, von denen die meisten in den Vereinigten Staaten angesiedelt sind. Asien zählt nicht mehr als etwa y2 Million Juden, von denen mehr als 100.000 auf das asiatische Rußland, etwa 80.000 auf Syrien und Palästina und ebensoviel auf Kleinasien, ferner etwa 60.000 auf Mesopotanien, ungefähr 50.000 auf Persien und 35.000 auf Arabien kommen. In Afrika werden etwa 350.000 Juden gezäblt, von denen beinahe ein Drittel auf Marokko, 70.000 auf Algier, etwas über 60.000 auf Tunis kommen. In Südafrika, namentlich imKapland und in Johannisburg leben etwa 50.000 Juden, in Australien dagegen nicht ganz 20.000 Jude». Die Sommererholung der Stadtkinder, lieber bkses Thema hat die Ethische ('»ttzsellschaft in Wien kürzlich eirven Tiskussionsobeii-d ab-gehalte», au welchem die Vertreter aller in Wien besteheiiderr Durchreisende ohne jeden Anlaß mit seinem Revolver erschossen. Außer den in Bjelostok liegenden vier Regimentern nnd den kommandierten .stosaken ist ein Regiment ans Brest- Litelvsk zur Assistenz bei den Metzeleien hinzugezvgen worden. Allgeineine Panik ergreift auch die Nachbarstädte." Ein späteres dem Hilssverein zngegangenes Telegramm besagt: „Bon Bjelostok nach Grajewv znrückgekehrte höhere Zollbeamte erzählen, sie hätten selbst gesehen, lvie Polizeibeamie den Mordbanden vorangingen. Die Christen lvaren vorher gelvarnt und anfgeserdert lvordcn, in ihre Fenster Heiligenbilder zu stellen. Russische Offiziere teilen mit, daß niemand lvährend der Prozession eine Bombe geworfen habe, vielmehr habe die Prozessionsmenge Feuerwerk explodieren lassen, lvas die Polizei als Signal zur Metzelei benützte. Durchreisende lmtrbcit wiederholt aus dem Zuge herausgeschleppt nnd in Gegenwart der Gendarmen und Soldaten von Hooligans totgeschlagen. Juden werden aus Bjelostok nicht herausgelassen. Die Vorgänge sollen jeder Beschreibung spotten." Ein Telegramm ans Petersburg an den Hilfsverein lautet: „Nach der offiziösen Telegraphenagentnr soll die Ursache der Bjelostoker Judenhetzen das Schlendern einer Bambe in eine kirchliche Prozession gewesen sein. Diese Angabe erlveist sich nach hierher gelangten Mitteilungen als erlogen. Sofortige Schritte beim Ministerium hatten zwar die beruhigend^ sten Versicherungen zur Folge, tatsächlich aber sind keine Maßregeln zum Schutze der Bevölkerung ergriffen worden." Berlin, 16., Juni. Der Hilssverein der deutschen Juden erhält über die Massakers in Bjelostok noch die folgenden weiteren Details: Vor einigen Tagen war der Nolizeimeister in Bjelostok durch ein Attentat getötet ivorden. Gr ivar dem Ansbruche von Pogromen stets mit der höchsten Energie entgegengetreten und ihm ivar es zu verdanken, daß trotz der Agitation der „Schwarzen Hundert" Bjelostok von Massakers bisher freigeblieben ivar. Man ziveifelt in Bjelostok nicht daran, daß der Mord des Polizeimeisters ein Werk der „Schivarzen Hundert" war und es wurden sofort Befürchtungen laut, daß es nunmehr zu einem Pogrom kommen würde. Diese Befürchtung ist zur Wahrheit geworden. Es wurde eine Bombe gegen die Prozession am Fronleichnamstage geworfen. Dieser Bombenivurf wird gleichfalls dem „Schwarzen Hundert" auf das Konto gesetzt. Unmittelbar darauf fanden unter Beteiligung von Kosaken und regulärem Militär Maäakers der furcht- Jrri-eii'kv-wü'ienvercin-e kej-lncchmien. Es wurde von mohvevein Setten 'hervovgeihvben, daß die EvnröglichtlM eines Lauöavjeltthaltes für jette breite Schichte vtm Schnlkin'dern notwendig wäre, deren Ettern alö nicht gäiilzl'ich ttrttteklvS, von der Slrwettlfürforge attsgeschlvssett sittd, andreüseits aber — teils ans utaterielle-n, teils ans evitierbStechnifchon- Grüttdenihren Mintkwn diese zur .tträftignn'g evf-ordevliche Wohltat zu 'bieten außerstande f'ttd. — Atit Befriedtgll'n'g nähw die Vevsamiti-linig zur Ketttttn-is, daß eine Wiener Lehrerin in der Äkähe Wiens ein Ferieicheim für MMdchett ans bemittelten Häufernin diefent' Sontnter eröffnet, das; aber auch bereits seit eitler Reihe von Fähren!d-a s ,M a i f e r F r a ti z I o 's e p H s - F e r i e n - He tittt" jene Plätze itt seinen Kolonien, die inmnge'ls ansreichender Nliittel nntzesetzt bleiben nt'tlßten, a>: K'in'der, für tvel-che — sei es von den Eltern, sei es von einem- Wohltäter — die Verpsleaskoftett tzezahit luer-deti, verleibt. — Es ist >di-es eine sehr präktifche Ein>s'ü'brtm-g, da dtirch das Vernt-eidett von leersleihetidett- Betten die Kvsten des Betriebes reriniitdert, >vielett Fatttiilien aberdabei die n-icht zu tinterschähetl'de Akögllichkeit geb-oten wird, ihre Kinder uttt-er bewährter Attfsicht atu Lande nnterzubringen. Wir ntachen ans diefe Eittrichtntfg mit dem Vettterkett attftttersksatn, daß näher« dlt's'künfte int Btmwu des „Ferienbeint", 9. Bei;., Türkenßraße 17, täglich in der Zeit oo» 4—7 Uhr tlnchtttittags, erteilt >verden. Reform -$chwei$$blätter SS