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Nationalzeitung · 1906-06-19 · Heft 43 (19.6.1906) · p. [Seite]

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 43 (19.6.1906)
Date
1906-06-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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NatmchtitN Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Dolfes, mm 01 1 "' -----1 Redaktion: IX/l, Wasagaste 81. Telephon Nr. 14788. Sprechstunden: Kn Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Nationalzeitung" Wien. IXjI. B«f(liwcr4(n wegen verspäteter oder gar nicht erfolgter Austeilung erbitten wir uns dringend. — Msnuektlpte werten Hiebt *urficbd«tem. Postsparkassen-Konto 47037. In das Abonnement kann man täglich eintreten. st ä Erscheint jeden Dienstag nttd Freitag. Eigentum einer Sozietät. — Scrinisgelier und Chefredakteur: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: 3. Panneberg, ITC. Dukes Nachfolger, Haasenstein & Vogler, Nudolf Masse, M. pozsonyi, a. Schalet in Wien ferner alle kinnoncen-Expeditioiien im auslande. Einzel - Nummer in Wien 15 Heller. 9- Administration: Telephon AbonnementS-PreiS: Für Wien «. Oesterreich- Ungar» s. Frankozustellung: Ganzjährig. . . . K 18.— Halbjährig . . . . K «.- Vierteljährig . . . K 8 — Für daS gesamte SluSl« d Ganzjährig ... X 18.18 1 -, IX/l, Wasagast- 31. Nr. 14788. Preis der Anzeigen: Die 5mal gespült. Nonpareillezeile oder deren Raum 12 d. „Eingesendet" die3spaltige Nonpareillezeile 50 Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. m Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entqeqengenonnneu werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgässe 7; Robert Weiß, Wieit, I. Jakobergasse 7. Kr. 43 Wien, Dienstag den 19. Inni 1906 (26. Kirvarr 5666). VIII. Jahrgang. Aufruf zur Sammlung für die jüdischen Auswanderer! ans Rußland. Jüdische Schwestern und Brüder! : Am 15. Mai d. I. haben ivir unser Ausi lvauderungsbureau der Oeffentlichkeit über-! geben, lmd am 10. Juni erhielten wir von! unserem Petersburger Berichterstatter folgen- > des Telegramm: i Jndenmassakers in Bjelvstok und anderen! Städten. Masscnanswandcrung bevorstehend, j sammelt, helfet."! Wer hatte es geahnt, daß der russische! Massenmörder so rasch wirdwieder hunderte und j hunderte zu Witwen und Waisen, 31t Bettlern j und Heimatslaseu machen, die hilflos 31t ihren i westeuropäischen Brüdern flüchten, um die j Gnade flehend, sie in eilt sicheres Obdach zu > befördern! j Brüder! Schwestern! Erinnert ibr euch noch > an die slirchtbaren, fast zu Tode gehetzten, der- I hungerten Gestalten, die im Vorjahre, in diesem! schrecklichelt Uuglücksjahre unserer russischen > Brüder ratlos und mittellos unsere Straßen füllten?!! Erinnerk ihr euch noch der ntarkerschütteru-! den Szenen vor uitseren Synagogen, unseren j Wohltätigkeitsanstalten und in den — Gesangj uisseu?!! Wr^....ert ihr euch noch, Unc uns das unsägliche Glend unseres eigenen Blutes, unseres eigenen Fleisches u n v 0 r b e reitet traf, wie iitachllos wir dent großen Jammer gegenüberstanden?! . Brüder! Schwestern! Tiefe Szenen werden sich jetzt wiederholen! In Rußland hat das Judenmorden von neuent begonnen und weilt sein Leben teuer ist, verläßt Hab und Gut und flieht mit seinem nackten Leben über die Grenzen zu seinen jüdischen Brüderit, bei denen er mit Rat uitd Hilfe fleht. Tie Szenen voitt Vorjahre werden sich wiederholen, die russische Bureaukratie ist dieselbe geblieben, aber wir dürfen ilicht warten, bis das Glend unbeztvinglich wird, mir müssen gerüstet sein, mlt das mindeste zu-tun, was uns Menschlichkeit, Stamlnespflicht uitd Stammesbewußtsem gebieten: helfen, rasch und zweckdienlich Helsen! Rieht soll der verfolgte Bruder vergebens an unsere Türe pochen! Nicht nutzlos soll er um die Weiterbeförderung in einen sicheren Hafen bitteil, lvo er sein Leben durch Arbeit fristen tiitd dem Judentunt erhalten bleibell kann! Brüder! Schwestern! Gebet rasch und gebet soviel ihr könnt! Tie Spenden sind an die Redaktion der „Nationalzeitnng" (für Auswanderungsbureau), Wien, 0. Bez., Wasagasse 31, einzusenden. Jede Spende wird in diesen; Blatt ar'sgewiesen. i Spendenlisten silld ebenfalls in der Redaktion dieses Blattes zu haben, l Wien, den 18. Juni 1906. : Für den Vorstand des jüdischen Nationalvereines „Einheit":; Dr. S. 51renberger m. P. S. Meisels m. p. j Wir eröffnen hiermit die Sammlung mit i einer Spende der Redaktion von K 10.—.! Ferner sind uns zugekommen: Von den Herren Tr. S. K r e n b e r g e r K 10.—, S. K 0 - in e t K 10.—. Zusammen K 30.—. Zeitungsschau u. Klmespondenzen. Inland. Wien. (Promotion.) Heute, Dienstag den! 19. d. M. um dreiviertel 12 Uhr vormittags i wird Herr Rabbinatskaudidat cand. phil.! Johann Stüßle r im großen Festsaale der i Wiener k. k. Uiliversität zum Doetor philosophiae promoviert werden. Wir gratulieren!! Wien. (Lese- und Redehalle jüdischer Hoch-! schüler, 9. Bez., Grünethorgasse 34.) Diens-! tag der; 19. Juli l. I. findet in: Vereinslokal!' ein Vortrag des Herrn Dr. Hermann Kadisch über „Die österreichische Reichsidee itnb die I Magyaren" statt. Anfang präzise 8 Uhr i abends. Gäste herzlichst lvillkommen. Feuilleton. Ei» neues deutsch-hebräisches Wörterbuch. Deutsch-Hebräisches Wörterbuch von Dr. M. Margel, Rabbiner in Pozega (Slawonien). Verlag L. Klein, 1906. XVI. 867 S. Preis 20 K. Dos Werk, das mir hier besprechen tvolleii, verdieilt eigentlich mehr Ziamn, als den eilte politische Zeitung, wie die „Notiouol-Zeituilg" es ist, gewähren darf und kann. Denn es ist ein Werk, das seinem Charakter nach einzig lind allein dasteht und wie das, um seiner Qualität llach zu urteilen, die sogeummte „Wisseilschast des Judentums" schon seit sehrlanger Zeit ilicht mehr geliefert hatte. Es ist ein Werk, dessen Mangel fühlbar, ja sehr fühlbar war und deswegen sehr nützlich ist und das groß angelegt nnd mit einem außergewöhnlichen Aufwand von Fleiß und Gründlichkeit bearbeitet ist. Während die früheren Vertreter „der Wissenchaft des Judentums" so gerne sich mit Wortklaubereien und etymologischen „Pilpulim" befaßten nnd die jüngeren Rabbiner es ein leichteres Werk finden, über das > „Wesen des .Judentums" und „liberales Judentum" Bände zu schreiben, worin sie nach Herzenslust faseln können, ohne auch je kontrolliert zu lverden, griff Dr. Margel zu dem Teile der Wissenschaft des Judentums, in dem es sich regt und bewegt, der lebt und strebt und den Ausdruck der besten Söhne Israels bildet — zu der hebräischen Sprache, die mit dem Erwachen des Judenvolkes zu neuem Leben erstanden ist. Diese Sprache, die der Dreibund der christlichen Theologen, la gründe juiverie und den rotblusigen Israel aus den verschiedensten Gründen totgeheißen hatte, bewies mit Hilfe des Zionismus, der treibenden Kraft der Renaissance unseres Volkes, daß sie noch lebt nnd, wie jede moderne Sprache, die subtilsten Gedanken, die feinsten Regungen des Herzens znm Ausdrucke bringen kann. Freilich sah diese Sprache sehr arm ans, als man anfing, sich für sie zu interessieren, aber die Begeisterung, deren Schöpfungskrast keine Grenzen kennt, lieferte wieder einmal den Beweis, daß es nichts Unmögliches gibt, wenn man nur recht lv i l l. In einer Dekade wurde die Sprache so bereichert, ihr Wortschatz so vergrößert, daß es wirklich kaum einen modernen Begriff noch gibt, der seinen Ausdruck in der heiligen Sprache noch nicht hätte. Dieser Wortschatz wurde größtenteils aus den unermeßlichen - Schätzen einer 4000 Jahre alten und uner-! müdlich schöpferischen Literatur gezogen. Was jedoch fehlte, mußten die Schwestersprachen, besonders die arabische, und die modernen Sprachen geben. Dieser plötzliche Reichtum jedoch^ machte es unmöglich, sich die alle neugeschaffenen Ausdrücke anzueignen, und viele, die von der Existenz eines Ausdruckes nichts wußten, waren gezwungen, einen neuen Ausdruck zu erfinden und dadurch eine gewisse Anarchie in den Stil zu bringen. Hebräische Schriftsteller, besonders Uebersetzer ans modernen Sprachen ins Hebräische und Kaufleute, die hebräische Korrespondenz führen, Lehrer und sonstige Freunde des Hebräischen lverden aus Erfahrung wissen, welche Schwierigkeit sie hatten, wenn ihnen ein Ausdruck fehlte. Ter Ausdruck war wohl vorhanden, aber lvo ihn finden? Da beschenkte uns Dr. Margel mit seinem Wörterbuch, in dem der nie geahnte Reichtum einer viele Jahrhunderte hindurch totgesagteu Sprache zum ersten Mal in seiner ganzen Bedeutung znm Vorschein kommt. Jetzt sind alle Sehlvierigkeiteu aus dem Wege geschafft. Der ganze Wortschatz der ungeheuer reichen deutschen Sprache ist hebräisch lviedergegeben. Man schaffe sich nur dieses Werk au und niemand dürfe sich beklagen. daß er den oder jenen Begriff nicht »b- Die nächste Nummer erscheint Freitag den 22. Juni.

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