Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 43 (19.6.1906)
- Date
- 1906-06-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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- Minsk 2× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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Nr. 43 Nationalzeitung Seite a barsten Art statt. Die Zahl der Getöteten steht noch nicht fest, da das Militär niemand nach Bjelostok bis zum 15. ds. nachmittags hinein und hinaus lies;. In Petersburg ist das Gerücht verbreitet,, das; General Bogdcmowitsch, der Organisator der „Schivarzen Hundert", durch ganz Rußland das Signal zu diesem Blutvergießen wiederum gegeben hat, linb man will ferner wissen, das; eine ziveite Stadt, bei der die Vorbereitungen bereits getroffen sind, das von Inden stark bevölkerte Minsk sei. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat sofort zuverlässige Persönlichkeiten nach Bjelostok entsendet, mit der Aufgabe, über die Lage zu berichten. Es ist charakteristisch für die russischen Zustände, daß Telegrauune mit telegraphischer Empfangsbestätigung, die der Hilfsverein an prominente russische Persönlichkeiten in dieser Angelegenheit nach Petersburg sofort übermittelt hat, erst nach außerordentlicher Verspätung in die Hände der Empfänger gelangt find. Die russische Zensur hat also alle Mitteilungen und Anfragen vorn Auslande nach Petersburg in dieser Angelegenheit so lange als möglich zu unterbinden gepicht. Petersburg, IG. Juni. In der Reichsduma sprachen heute zahlreiche Abgeordnete über die Interpellation an die Regierung ivegen der Judenhetze in Bjelostok. Levin betonte, er spreche als Vertreter des Judentums; Bjelostok sei nur ein Glied in der langen Kette von Verbrechen, ivelche gegen die Juden begangen werden. Die große Masse in Rußland fei in der Ansicht ausgewachsen, daß den Juden gegenüber alles erlaubt sei. Aladjin empfahl die Entsendung von Abgeordneten nach Bjelostok zur Untersuchung des Falles, und erklärte, alle Hetzen seien von der Regierung ausgegangen. Roditscheiv griff das Ministerium des Innern heftig an. Dieses Ministerium, rief er, könne die Ehre Rußlands nicht retten. Nach Moskau und in das Innere des Reiches sind 16 Abgeordnete abgereist, um die Ortschaften, ivelche von Agrarunruhen ergriffen sind, zu besuchen. Heute reisen die Abgeordneten Jakobson und Dr. Bruck nach Bjelostok ab. London, 16. Juni. Der Petersburger- Korrespondent der „Times" meldet, daß Depeschen von Bjelostok nach Petersburg, in reiren über die Massakers berichtet wird, von der Post- und Telegraphenverivaltung zurückgehalten und nicht zugestellt werden. Berlin, 10. Juni. Aus Bjelostok, 10. £>., 2 Ufjir 40 Mumien, wirs berichtet: Das Plündern und Morden dauert auch heilte fwt. Die hiesige und einige benachbarte GarnÜfoneg haben die Stadt eingeschlossen iml5 beschießen sie unausgesetzt. An verschiedendn Stellen der Stadt ist Jener ansgebrochen. Die Lage ist trostlos. Nur wenige Inden vermochten unter hohen. Getdopsern ans der Stadt .vir entkomnien. Lemberg, 16. Juni. Wie aus Odessa gemeldet wird, verlassen zahlreiche Jndensamilien fluchtartig Minsk, Prosknrow und Berdiksche'w, da neuerlich Metzeleien befürchtet tvevden. In Odessa wnrde die Garnison bedeutend verstärkt. Rnmanien und die Juden. Anläßlich des Jubiläums König Karols und der Bukarester Ausstellung und aus geschäftlichen Gründen ist in letzter Zeit für Rumänien viel Reklaine gemacht worden. Die Königin selbst, Carmen Sylva, ließ einen Artikel in einer amerikanischen Monatsschrift los, in welchem sie, die geborene deutsche Fürstin und Gemahlin eines deutschen Fürsten, des Königs von Rumänien, die rumänischen Juden, die seit den röniischen Kaiserzeiten im Lande ivohnen, „Frenide" nennt. In London wiederum hat der rumänische Gesandtschaftssekretär Catargi den Engländern die Ueberzeugung beibringen wollen, daß sie gut daran täten, ihre Kapitalien zur Entwicklung der natürlichen Reichtümer Rumäniens herzugcben. Wie es aber so konnnt, wenn Reklame gemacht wird, es finden sich dann auch Leute, die die Angelegenheit von einer anderen Seite beleuchten. Der frühere serbische Gesandte in London, Miyatovich, der Rumänien genau kennt, gibt zivar zu, daß Rumänien reich sei an natürlichen Hilfsquellen, daß es aber hinsichtlich der Kultur weit hinter Serbien zurückstehe, besonders was die Behandlung der Juden anbctreffe. Er kenne die rumänischen Juden sehr gut; sie seien energisch, ehrlich und in jeder Beziehung ein prächtiger Menschenschlag. Es sei ein Schandfleck für die rumänische Kultur, daß die Juden dort verfolgt werden und dadurch die industrielle Entwicklung des Landes verhindert werde. Auch Leon Gaster gibt zu, daß Rumänien große natürliche Reichtümer besitze, aber er warnt doch vor übereilten Kapitalsanlagen in jenem Lande wegen der willkürlichen Gesetzgebung daselbst, die zu irgend einer Zeit den Wert solcher Anlagen vernichten könnte. Also sind es die rumänische Gesetzgebung, der Mangel an .Kultur, die Rumänien nicht aufkommen lassen, nicht etwa die Juden. Nun gibt Alerander Landesco, ein rumänischer Jude, der jetzt Privatsekretär des Majors von Cincinnati, Dempsey, ist, einen trotz seiner Seltsamkeit sehr einleuchtenden Grund an für die Hartnäckigkeit, mit welcher die rumänischen Machthaber gegen das offensichtliche Interesse des Landes den Juden die Emanzipation verweigern. In dem Maihefte der „Century" gibt Landesco eine Erwiderung auf die Darstellung Carmen Sylvas, die den Versuch macht, die Behandlung der Juden in Rumänien zu rechtfertigen, weil sie als Fremde unfähig seien, für das Vaterland zu empfinden und zu kämpfen. Was Carmen Sylva von den Fremden behaupte, sagt Landesco, sei wahr, aber Fremde seien nicht die Juden, sondern die großen Machthaber. Der königliche Haushalt, der eine enorme Zivilliste bezieht, sei deutsch und sei von einer zahlreichen Burcaukratie umgeben, deren fetteste Posten ausnahmslos von Griechen bekleidet werden. Liberale und konservative oder sonstige Machthaber seien stets Griechen. Die Cantacuzena, Lahovary, Catargi, Karp, Ferichide Marghilomau und alle die Uebrigen seien nicht so viele Generationen im Lande, als die meisten ausländischen Juden. Der König fürchte nämlich, daß, wenn der eingeborene Adel zur Macht gelange, er mit ihm machen könne, wie er es mit dem Fürsten Cuza gemacht hat, und eine rmnänische Dynastie Ansehen, und darum habe er ihn hinausgedrängt und durch ausländische Neulinge ersetzt. Die Lage des Volkes sei von Carmen Sylva richtig geschildert. Die fünf Millionen Landleute, die Nation, lebten in tiefstem Elend, in Armut und Unwissenheit, und würden darin erhalten. Sie zählten überhaupt nicht. Sie und die Juden seien gleich unglücklich, der einzige Unterschied sei, daß die Inden nach der Verfassung als Ausländer angesehen werden und auf sie daher die Bestimnnmg der Verfassung, daß alle Rumänen vor dem Gesetze gleich seien, nicht zutreffe. Dem Landmann werde zugestanden, daß er rumänischer Bürger sei, aber er sei aller Bürgerrechte beraubt und aller landivirtschastlichen Gelegenheiten zum Fortkommen. Rumänien habe eine Bevölkerung von 5hh Millionen Seelen: davon seien 5 Millionen Landleute, 250 000 Juden und 250 000 seien die Herrschenden. Die Juden hätten keinerlei Politische Rechte. Die 6 Millionen Landleute, die die dritte Wahlabteilung bilden, wählten 30 Mitglieder in das Unterhaus oder etwa ein Zwölftel der ganzen Zahl, und kein einziges Mitglied in den Senat. Die 260 000 Herrschenden wählten den ganzen Rest. Von diesen 250 000 ivürden alle Beamten genommen, und jeder Erwachsene unter ihnen bekleidet einen Posten entweder unter der konservativen oder der liberalen Regierung oder unter beiden. Wäre dem Berliner Vertrag entsprochen und ivären die Juden emanzipiert ivorden, dann ivürden sie, da sie alle schreiben und lesen können und Städtebewohner sind, nach den Bestimmungen des Wahlgesetzes entweder zur ersten oder zur zweiten Wählerabteilung gehören und würden daher die Rechte der jetzigen privilegierten Klasse, deren Zahl genau mit der Anzahl der Juden. übereinstimmt, genießen und mit ihr die Macht teilen, oder sie ivürden die privilegierte Klasse zwingen, ihre Vorrechte aufzugeben und die Gesetze so zu ändern, daß auch die große Masse des Volkes eine Stimme habe in der Verivaltung ihrer öffentlichen Angelegenheiten. So sei die Lage der Juden und die Lage des Volkes tatsächlich ein und dieselbe. Die Emanzipation der Juden bedeute nichts mehr und nichts weniger als die Emanzipation der 6 Millionen rumänischer Bauern und Produzenten und die Verdrängung der 60 000 fremden Parasiten aus ihrer Machtstellung. Das sei der Grund, warum man der Judenemanzipation so hartnäckig sich als einer Gefahr für die Nation widersetzt. Wenn die herrschende Klasse die Nation ist, dann sei die Emanzipation der Juden eine Gefahr für sie, und zwar die größte Gefahr. Landesco schildert noch, wie die herrschenden Klassen lieber das Land in Armut und Elend belassen, als die Schranken niederzureißen und ihre Privilegien zu verlieren. Die Juden seien treue und loyale Bürger und hätten dies auf mannigfache Weise bewiesen, und wann immer sie eine Gelegenheit dazu hatten. Der Rumäne sei kein Antiseniit und die Beziehungen Zwischen ihm und den Juden seien herzlich und freundschaftlich. Der Fluch, unter welchem Rumänien leidet, seien seine Gesetze, die sowohl die Rumänen als die Juden von allen politischen Rechten und wirtschaftlichen Gelegenheiten ausschlicßen und die natürlichen Hilfsquellen des Landes unerschlossen halten. Wir erinnern daran, daß vieles, was hier von drei Männern gesagt wird, auch von einen: Gewährsmann der „Revue des Deur Mondes" gesagt worden ist. Allerlei Empfthlensniertes. Kinderpflege. Dieser wurde speziell in den letzten Jahren von seiten berufener Autoritäten große Aufmerksamkeit entgegengeibracht und sie wirb noch von Tag zu Tag vermehrt. Mit Dkdjt wird inan das zwanzigste! Jahrhundert das Jahrhundert des zrindes neunen, so wie man das neunzehnte — infolge der Emanzipation und sozialen 'Entwicklnug des weiblichen Geschlechtes — das Jahrhundert der Frau nannte. Einen der wichtigsteu Punkte der Kinderpflege bildet naturgemäß die Steinigung und bei dieser kommt wieder die Wahl der hierzu verwendeten 'Seifen ganz besonders in Erwägung. Ist schon die Haut des Erwachsenen für den. Einfluß schlechterSeifen empfindsam, wk viel mehr die zarte Haut des Kindes, daher äußerste Sorgfalt auf die Verwendung einer neutralen, wilden Seife zu richten ist. Eine solche Steife, die allen hygienischen Anforderungen nach jeder Richtung hin entspricht und dabei im Gebrauch äußerst sparsam ist, wird von der Krebsapvtheke in Wien erzeugt lind unter dem Ramen „Kinderbadeseise" abgegeben. MILCH aus besten Quellen empfiehlt den P. T. Hausfrauen das seit mehr als 20 Jahren bestehende drstdekaimte Milchdepot Ferdinand ALTMANN, IX., Pramergase 17. KrCBSflrOTtICKC 5. MITTELB/ICH Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 (Palais Sina) icu Zentrum der Stadt.+ Menthol-Franzbranntwein. ttÄS der Hauttätigkeit bei Erkältungen, überm aasigem Schweis* nach sportlichen Leistungen, Hirschau etc. Preis I Krone 50 Heller.