Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 42 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nationalzettung Nr. 4i» Teiles de- Vereinsvorstandes geöffnet, und wenn es auch gelang, die Mitglieder an einer Kritik der Mißwirtschaft, die jetzt im Vereine herrscht, zu hindern, so ist man sich heute dessen bewußt, daß Herr Rabbiner M a y e r s o h n nicht die Persönlichkeit ist, die gesetzestreuen Juden Wiens zu ersprießlichem Zusammenarbeiten zu führen. Es ist Herrn Rabbiner Mayersohn gelungen, den Zwiespalt unter den Mitgliedern dieses so überaus wichtigen Vereines herbeizuführen, was ihm aber nicht gelungen ist, und nicht gelingen darf, ist, zu verhindern, daß Männer, die für die Religion und das Volkstum unseres auch ohnehin arg bedrängten Judentums zu arbeiten und zu opfern bereit sind, diese Arbeit leisten und die arbeitswilligen Elemente um sich scharen, auch gegen den Willen falscher Propheten. Hochachtungsvoll Ph. S. Mitglied des Vereines „Machoike Hadath" Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 10. Juni 1906 unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern. (.fikßimii 10 Uhr vormittags.) 31111 (rtuXrtit!Kv befinden fichtz. An Spenden': Won den Erben nach Frau Mithtlde Fischt zuir Errichtung einer „Gustav und -Mathilde FiWl--4seelengedächtnis-Widnmng" X 2040. Julius nnd Ernestine Philippso'hn als Widruung für den Vierem „K inderheim" K 2000. Won Herrn Salo Cohn tz-ur Stärkung des Vertreteirisonds X 240. Von Leopold und Sara Saborsky anläßlich der Konfirmation seiner Tochter: für Arme X 100, fiir arme Bräute K 50, für arme Schrlkkinder X 50, znsa'mimen X 200. Won .Herrn Dr. Josef G-rünselid anläßlich der Hochzeit 'feines Sohnes Dr. Richard Grünfeld: für das Ferieniheiim zur Errichtung eines Seehospizes X 50, für den TtndenteNverein (Dir. Josef Griünfeld Widntri'Ng) X 50, fiir die Talmud Thora Volksschule X 10, für die Arbeitsvermittlung jüd. Hochschiiler X 10, für das Verso rgnugshaus X 20, fiir 'den Verein „Jrauen'hort" X 10, zusammen X 150. Von Familie Marmorek anläßlich des Hinscheidens des Herrn Dr. I. W. Marmorek fiir wvihltütige Zwecke X 100. Von Herrn Saborsky anläßlich der Konlfivmation seiner Enkelin für arme Bräute X 50. Von „Anonymus" für das isr. Siechenhaus X 20. Von Herrn f. t Hofrat von Baiersdorf anläßlich der Konfirmation seiner Dochter zur Verköstigung armer Kinder im FerienHeim X 20. Von Herrn Franz Schwarz fiir arme russische Juden X 4. Bon Herrn Elias Pli risch nnd feiner Nichte Fran Rosa Mahler für den Betsaal der isr. Versorgungsanstäkt eine Tischdecke im Weric von X 50. Bon Herrn Nn!dolf Jnwald Edl. vön Waldtren anläßlich des dlblebens seirres Vaters des .Herrn Josef Inwald Edl. v. Waldtren fiir -Arme der Knltlisgemein.de K 200. Ein D'arrbschvoiberr der Familie Atarnwrek für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Hinfcheidens des Hcrrn Dr. I. W. Marmorek. Danikschreiben der Familie v. Gnietvosz für die Kondolenz des Klckinsvvrstandes ans Anlaß des HvrtfcheidenS 'des .Herrn Eduard Ritter von GniiewvSz. Die Mitteilung, daß Herr Vanrat Oskar Marmorek feine De nr i ssto n a'ls Vorstandsmitglied der KnitusgeNreinde z n r ii ck z i e h e, wird mit Befriedigung znr Kenntnis genoiNmen. Die voll Herrn Baron Albert Rothschild mit einem Kapitalsbetrage von K 0000 errichtete SeewNgedächltn'iswidnrmrg für denvereidigten' Baron Rathaniel Rothschild rvirid in die 'Berwaltltng der KultrisgenreiNde übernvurmen. Die Herinann Freiherr von Todeskoische WaisenstMung '4 Plätze zu X 450 und 5 Plätze zu X 070 wird an die vvNr Waiservvereine in Vorschlag gebrachten Bener-ber verliehen. Ter Sinrorr E^l. von LänriMebschnle in Jiern'- salenr wird anläßlich der Feier ihres 50jährigen Bestandes ein Beitrag von X 800 votiert. 'Nach Behandlung mm Steuerangelegen'heiten und mehreren Personalien wird der Antrag auf Errichtrllng eiiie^ B r l d u n> g §>) a nMft a l t fiir israelitische R e l >i g t v.n slehre r an Bolksunld Biürgerschnlen in Behandlung gezogen. Das Vertreterkolleginm beantragt 'dein. Plen>um die EvrlWnng eitler Bildrtugsanistalt fiir israelitiische Religionsleh-rer in Gemäßheit des vorliegenden. Entwurfes. Dieser Entwurf ist das Ergebnis mehrmonatlicher gründlicher VeratüNlgen der Unterrichtskolnrniffivn rmd eines 'Spezial- Komitees. Nach ein!gühender Debatte, an welcher sich außer den Herren Vorstandsmitgliedern Prof. Dr. S. Ehrmlann, Dr. A. Berger, Dir. M. Spitzer, H. EktdoMu, Salo Cohn, kaff. Rat S. Kauders, Vizepräsident Dr. 'Gustav Kohrr, Wilhelm Knffne.r, Bänrat Oskar Mannroreik, auch, die Referenten iiit dieser Angelegenheit, die Herren Rabbiner Dr. E. David und Tr. D. Fenichtwang beteiligen, wird der vorgelegte Entwurf des Or'ga-ri'isations!- ftatutes mit Ans-nähme einer Abän'dernng, betreffend di>e Zusanrinr-enisetzung des Kiuratorirtms unverändert angenommen. 'Ten Miitgliedern' des Spezialkomitees, insbesondere derr Herren Rabbinern Da'. Da vid und Dr. Feuchtwang, den Jnfpektoren Prof. Ni. K a n t tz iitlid Pros. Dr. Leop. L a n g f e l d e r, ferner den externen M-itglted-errri des Komitees Direktor IlleMNd'er Hecht, Direktor Dt. S. K r e rr b e r g e r urid Regie rungs rat Dr. I. Schlag wird der Tank für ihre MHiheivMung ansgefprocheni desgieichoir Herrn' Direktor D. Simon in Tepiitz-Schönalt, welcher sich bereits seinivvzeit a'ls Mitglied d>es Wiener Knltonsvorstandes mit diefer Ilngelegetcheit -befaßt rrnd auch jetzt bei der Ansarbeitmrg des Entwurfes in ersprießlicher Meise mitgeiwirkt liat. Die lve!se»tlichste>r Be!stilnmu.nge>n des Organisationsstatlites, dem auch Herr Oberrädbiner Dr. G ttdem a n n die ZustmiMimg erteilte, sind: D'ie?ln!fgabe der Neligiollslehrerbildungsanstält ist die Heranbildung von 'Lehrkräften znr Erteilung' des!isrfteliti!sche,n> hieligionsuusterrichtes au Wiener Volks- und Viürgerschuten. Die Anafllt befte'ht ans einer Klaffe mit vierjährigem Lehrku-rse. 0>ogett!stäikde des Uuterrichtes sind: Neligivuslehr'e, bibilische und jüdische Geschichte und die dazu gehörige- Geograp'hbe. Die Bibel im U.rtexte, Peutateuch, Propheten, Hagiograplien. T>as üü'betbnch. Nabbinische Literatur. He>bräilsche Päd'agogik. Deutsche Sprache -und Literatur. Ge- 'schichte Nud (Geographie. Naturgeschichte, Natu-rtehre und 'Nlatematik. Mnfik und Synagogengefang. Turnen. Schönischreilhen. Die?l>nfna!hme von Schiilernr findet nNr alle 4 Jachr-e statt, ausnahnrs'weise -können.- geniigenid gnälisizierte Bewerber auch itt.N'e'rhalb des 4jährigen Zeitranmes zu. Beginn eines jeden Senresters anfgoulvimen werden. 'Bei der Aufnahme iverden Bewerber, die zumindest die 4 ersten K'lafsen einer Mittelschule iwtt Erfolg äbsolvilert haben, bevorzltgt. Es können jedoch auch solche Bewerber anfgenom-men werden, die eine Btirgerfchute mit guten: Erfolge absolviert haberr oder eine anderweitig erworbene entsprechende V'orbildnirg nachiveiisoir. Die Bewerber imr dlirslrahme in den 1. Jahrgang müssen das 14. Lebensjahr zrirückgelegt haben, lkörpevlick) und gjeift'kg' gesnnh und in ihrem sittlich re'liigtöfen Lebensiwandel unbescholten' sein. — Die Bewerber haben sich einer Ilrrfnähmsprüfnng zu' unterziehen. Ueber die Zn'lassung zu 'derselben entscheidet das Knratoriujm. Bei der Prüfung haben die Bewerber nachzuimeisen: 1. dm Hebräischen: vollkommene Fertigkeit im korrekten, 'lind geläufigen Lesen und die Fähigkeit, leichtere Abschnitte aus dem Pentateuch lt.mö dsm Gebetb'uche zu übersetzen. 2. in allen iibrigen Fächern, dieden Lehransgabon der vier -unteren Mittelschlulktassen, bezw. dop Bürgerschuile entsprechenden Ken'UtNisse. Sv weit letztere aus den vorliegen>den ZeNlgntsserr ersichtlich sind, kann» bei Mittelschülern von einer allgemein'en Prüfungabgesehen' werden. Eine Befreiung von der 'schriftlichen Pvülfnng ans der Nn-terri'chtslsprache miß der mündlichen ans Religion sip'det jedoch i-u keinom Falle statt. Ueber die A>Nfnahme entscheidet eine Priifnngskommission, welche ans dein Lehrkörper unid einem Delegierten des Knratoriiulms als Bo-rsitzenden besieht. Für die Lehrziele und Lehranfgaben -in- Pädagogik, Deutsche Sprache imd- Literatur, Geschichte und Geographie, Natu'rgeschichte, Natnrlehre und Mathematik sind im 'allgemeiUen die nicht, warum der C'hassidisNiNS sich gerade auf die Po'kciken bejschräMte. Eine staatliche GteNze zwischen Polaken- und Litsalkeugab es dochnicht in der chaffidischen Zeit! Tatsächlich hatte der Ehassidismns in Litauen keine geringere Vertreter als in. Polen,' dort war er ein!e gefimde Berwa!hru«ng, die das Gefühl gegen die trocken gewordene Vevniinistigkeit einlegte,' dort wirkte er befruchtend und hetlbrittgenid un>d stellte das Gleichgewicht zwUfchen Ge-sülü, Vernnnift und Tat wieder her. Bei uns dagegen, wo er sich trotz der iNAwischen aulsgerichteiteni Grenhe zwischen Rußland und Oesterreich und Nuimäuien- (der Mitbegriin'der des GH. N. Bär Mezriea starb i!m Jahre der ersten Teilu'lig Polens 5532) un-gestört fvrtbildete, nahrn er die Formdes polnischen' (tzottrnenIschentNms an. Die chafsüdisrhen Wällsahrteu erinnern lebhaft an Ejzentochviiva, denbesuchteste»' Mallfahr-tSort der Welt. Trotzdem mnß zugegeben tverderc, daß das Ehassidus »licht wenig' der Esinszeilfncht steneche -durch die Schaffung neuer. Santmelptt'nlkte. Sollenwir >unn vorzioeiseln oder gar ans den verneiiienden- Betrachtungen, bejaheirde Scyliisse ziehen? 'Darüber nächstes Mal. „Awrämele Ehasns Glück und Ende". Die lmter diesem Titel in unserem Blatt veröffentlichte Erzählung von David Nuthblum lvurde ins Nmnänische übersetzt und erscheint in der Bukarester „Ehronira Jsraelita". welche auf (^emeinsiny beruhen, vernichtet. MerkwiirdigMweise -hat di-e rtachwivkende polnische 5rrankheit bei n ns die meisten Verheerbugen angerichtet in ei-ner Zeit, als die Polenselbst von ihr durch das Geraten in die Botmäßigkeit fremder Staaten erlöst waren. Während sich die pöln-ischeu Sch-lachzizen arrf i-hreri Sejms mit ihrem Veto z-erfletschten, wa'ren die polnisch-jüdischen Gemeitzderr nicht >krast des Staates, sondern aus eigener Fa'Nst sein geordnet und bildetensogar alle z-nsa mimenein festes Gefiige mit dem sogen. „Bierländerrat" (Waad avba arozo-ns) an der Spitze, der erst durch die russische Kaiserin Katharina und König Poniatowsky im Jahre 5524 (1764) aufge-hvbctt! wurde. Heute bestcht bei uns die jüdische Gemeinde nur zNnr Schein-,' eine wirkkiche geistige (^emeiltschasi zwischen den Inden eines Ortes kennen wir nicht. Ais Ueberbleibsel der alten Zeit hat n>och die „Gemeinde" eine Schül, wo sie noch nicht eingestiirzt oder abgebrannt ist, die a'ber kein anständiger Jude besucht. D'vrt, wo die Schiil durch Altersschwäche oder Brand zu ihren Müttern eingega-rtgon ist, wird sie selten wieder a-n'fgeba>tt't oder durch eirr Bretterzelt ersetzt. In R-lunä-itiein, wo sich u-nsere polnischen Brüder erst in der Zeit des Verfalls niederließen, gibt es gar keine Schülen. Unsere litanischien Brüder, welche von der polnischen Einzelsucht verschont geblieben sind, beweisen mit ihrer geistigen llnd sittlichen Neberlegenheit, was der Jude bei hälbwegs natiirlicher Entwicklung ohne schädigendeiii Einfluß von außen nietden kanilt. Deshalb gehen auch alle unsere grossen Bewegungen, wie Zionismus, die Berb'essei'nng, -des UnborrtcW^ die Mi>ederbe-lebnnjg unserer Sprache in Wort und Schrift nsw. vor: ihn-en aus, lvährond wir ihnen Nur schwerfällig utl-d liiikisch nachhirikon und na-chhüpfen. Auch an -n'ns Pöläkeu. sind die Zeichen ehemaliger Geistesgröße, aus der Mäurter wie Rämo un>d Nt-äh-rlschv, Bach und Schachhervvrgegangen sind, l»icht -ganiz verwischt, a-uch wir können noch als Gelehrte und Klünistler, als Baihnbrerher un>d Staatsinänner Vorzügliches leisten — aber mir auf Rechnung anderer. Diie österreichischen und russischen Polen mosaijschien OKanbenS, deren Geist durch das dlibaje-»w-e 9toivv-ilhr!übelu>ngen ihrer (hrvßvätey sein geädert nnd 'gespitzt ist, silld deshalb ihren polnischeir -Slrbeitg-ebern u>U'en'lbe!hrli>che staatliche iWerkzenge, sich selber zu vertreten im österreichitfcheil' 'vjder inr russischeu- Reichsrät reicht ihre K-ra!ft nicht, während die Inden litfakischer Zeltge 12 Vertreter in die T-Nina entsendet 'haben. Die Polen selbst verhalten sich zu nrrs rr'i-cht viel schlillrmer a>lS zn derr ttnedlen ihres (Annbens nnd ihres Starnmes. Wer bei irgend eiuern Volke der Well das esils-äntm'e'nireffen vorr tzleburtsadel unid Dinuesadel gesunden hat, mag sich über die Handlniigsiiveise des polnischen dldels ivn>ndern. Tie allgeNreine Un'sicht führt illtsern geistigeilr Verfall arrf den Ehassidismus zurlick,' diese Äiei- »l-uug M'uß als eine bberslächl'iche bezeichnet rverden. Tenn abg-eseherrdavon, daß mall reicht eirrisieht, wie eitle frische, -hirriillrelstrebe'Nde (Yefrihks- .richtung mit allgenreilt arierkanntell .Heiligen von gestern u-rrd herrte, nicht etrva arrs der Urzeit, eine Evschlaffnn'g rmd Zerbrückelrurg des V'vltskörpers znr Folge haben karr-n, rvrißten mir rroch inrNrer