Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 42 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/2429839-2429840-2429882--301-2430389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
.^eite 2 Nationulzcilnng Nr. 42 haben wir die Neberzeugung, daß Herr Ritter von Taussig solche unerhörte Beschimpfungen des hebräischen Gottesdienstes und unserer heiligen Sprache niemals gewagt hätte. Herr Wilhelm Kuffner möge doch eine Körperschaft unbehelligt lassen, in welche er mit seinen antisemitischen Allüren nicht hineinpaßt. Herr Wilhelm Kuffner möge doch, aber schleunigst, seine Stelle als Kultusvorsteher mit derjenigen eines Agitators für den Mechaniker Schneider vertauschen. Herr Wilhelm Kuffner darf nicht länger Mitglied einer Körperschaft bleiben, welche die Erhaltung des Judentums zur Aufgabe hat, und wenn die Herren Rabbiner nicht pflichtvergessen werden wollen, so werden si; selbst es fordern, daß der Kultusrat von solchen Räten gesäubert werde. Und zum Schluffe noch eines, Herr Kultusrat Wilhelm Kuffner! Sie geben die Parole aus: „Mit dem toten Plunder der hebräischen Sprache muß man aufräumen!" Dem gegenüber lautet unser Kampfruf: „Mit dem das Judentum tötenden Plunder der Kurie der Höherbesteuerten muß man nun ernstlich einmal aufräumen!" Wir wollen sehen, wer den Sieg davontragen wird! Die politische Betätigung under Prager Parteitag. (Aus einer Rede, gehakten im Prager VoWsvereiU „Zion" au» 9. Juni von Julius Löwy.) Der letzte in Prag tagende Parteitag hatte in .Form einer Resolution ausgesprochen, Hast die österreichischen Zionisten keine österreichische politisch.' Partei da ist ollen und daß die politische Betätigung jedem einzelnen frei flehe, jedoch nur insoweit, als er damit nicht mit dein Baseler Programm, mit dessen nationalem Geist und der fortischrittlicholr Tendenz des Zionismus überhaupt irr Kollision! 5ojm>int. Ich bitte Die mm, vor a££icim daran sestz »»halten, daß an dieser Tatsache formal 'bisher weder etwas geändert wnride, noch etwas gcäriidert werden kann. Mer als «wir iw letzten Jahve den Bielschluß faßten, konnten mir nicht dorrten, daß die Ereignfsse über uns hiiriwegschreiten wäiden. Die Griinde, die uns speziell hier vevaulaßte»», für diese Nefolntivn' e'MlMtvete'N, waren folgende: 1. Bringer» es die politischen Verhältnisfe im Lairde Böhmen, rnit sich, daß jede Form der B-etätigriiig lind sei es auch die in der uus-chuDigste.n sozialen .Form, daß — iv'ie nnlser sehr verehrter lGesiilnrurgsgenosse Herr Dr. B'erginann in Pardubitz richtig 'sagte — jeden Pseisenrainchtl'U'b ein politisches Gepräge hat. Der Zionist strengster Obser-vanz -rnnßte daljer stets im Ji»'»:eru das Gefühl haben, best jeden» Schritt, wenn auch nicht 'de facto, so doch dem Dcheine nach rnit dem strengen Statut unserer Omgauisation in Konflikt zu koinmeri. Jli!ivid>re>it ein solcher konslükt kein erlöster (tzervissenskonflikt sei, konnte riatürlich narr von Fall zu Fall 'entschieden werden. Und da lag ldcirn die Gefahr rrahe, daß nnwillikürlich das Gewissen sich erireitere und man löscht als erlaubt annahm, was de saeto verboten 'sein sollte. Einerseits mußten wir in Betracht ziehen, daß oft die harte Notwendigkeit des Leberis, der reine äußere Zwang den einzelnen dahin führte, der Not, »licht dem eigenen Drliede zn gehorchen, wen>n allch nur ,rnateriell und mit geringen Dämmen, so doch welligstenS jchviaibar freindpolitische R-ichiltitgen zu nnterstntzeir. 'Sollten »vir solch einen Mgnn, der gmvitz — wenn er die 'Diskrepanz ganz, fühlte — ein guter Zionist lvar, svlltell wir, so frage ich, doll, Mann .ho'i-ngen, ans »U'serer Orgauisatimr Mlsz'llfcheiden n'tid abseits zu stehen? Das wäre parteipolitischer Selbstmord. AirdrerseitS konnten 'wir es auch lticht dara'nf alllegen, huu'derten ll'nd tansendeur Jltden in Böhmen das Märtyrertltm crusznzw'ingeir. Maren so Ueberlegungcu et-hisch-politischer Natlrr für uns bei der Fassung jener Resolution waßgebend, so »varen es and-rerseitS lischt utindere Mscimente, die für den Staatsbürger als solchen allein irr Betracht kommen. T>ie Frage stellt sich folgendermaßen,: Soll der Zionist mit dem Momente, wo er!w>irlk>lich ein 'solcher ist, ans alle staatsb'sirger'lich'en. Rechte verzechten-? Soll er es mi-sgoben, bei dier Besetzung der Mandate in den DerwaltlNl'gskörperrl! des 'Reiches, der Stadt u>ltd des Lanides m-itznsp rechen? Und wenn er es tut, w.-.n,n er dieses Opsor bringt, hat die Partei einer» «Borteik dalvoit? Zllle diese Fraigerr niüssen ,n»it Rein beantwortet werden. Dean wie die Verhältnisse bei uns liegen, steht die Wahl geiwöhnk'ich zwischen iziwei Nebeln, nnid da -müssen wir Jnden ltns doch 'wenigstens das Riecht wahren, von zwei Uieb-eln das .kleinere wählen zn dürfen reisp. das größere Ueböl ab,wehren zn helfen. Ich erinnere itfirr an. den praktischen Fall in Kolin, 'wo einem Antösemliiten von der 3k itlMkmovd-Wb servan'z -og Pittioq lpü .»o,? chinvstac>g!rna.vc>!6 rochial nio gnngte, 'Antiseiliit der geiivvihnlichen Conikenr z»» fein, ein sogeltan'nt'eir „'Svoböd-ompsluv" ('F reisin »st gerj. Flir solche Fälle mußten wir uils EllbogeUr>e>i,he'.t lea-heeil nnid w'ir 'können ruhig sagen, daß bisher die diesbezüglich vertretene u>nd gefHtogene Taktik die richtige war. Doch was noch bis vor einem Jahre iils Reich der Märchen zic gehören schieir, hak sich heute zur Wa'hrheit entwichelt. In Oasterre'ich ist eirre ji'rd>ische Politik möglich, sie wird gemacht werden, gellracht werden! mlissen, -wir nrögen uns dazu stellen 'lp'.e wir.lvolleri, eiitfach iveil die 'Berhältnssse es erzioillgen. Wir finit» uns vollständig darüber klar, daß der Zii.'-l'/ist, der dem Berbamde Zivll. lnrd einenr seiller Eittizcllliver>c'ille an^hört, als solcher llillliöglich irgendwelche politische Arbeit leisten ifamt. Doch —< und das rvar die Frage, die n,ns in den letzten Wsochen, beschäftigte — es mußte ein Jnistru'ment geschaffen werden, das als waihrer Slnsdruck die jstdisch-politischen Anischauilüngen, lvenn sie wollen, die Privatanisichten der weitaus hiberwiögeniden Michrzahl der Zion'iister» repräsentieren sollte, ein Jnstrn-inent, das den Jaden die Sicheriheit gibt, in der n-mt> folgenden, Ent'ivickl'nng des politischen Lebens als vollwertiger Faktor anszntrelen. Dies soll nun in der Weise erreicht nwaiden, daß allüberall, wo Zivn-tste-ir sirtd, diesrkliein. sich in' politischen Be re inen eaganisieren, die jene Tätigkeit zn entwickeln habien, rvelche den Ginizel'vereineir des Berbandes Zion, statutarisch untersagt ist. Uober die Wiichtigkeit einer derartigen Zlktivn viele Worte zu 'verlieren, hieße Enten nach 'Athen tragen. D'och das ein,e möchte, ich, obzirvar, es nrir selbstverstänidliich erscheint, besonders betonen: Da eS nun in Lesterreich eine jüdische Politik gibt, so ist es selbstverständlich, daß es keinen 'Zion'i'stelr -geben darf, der bei einer anderen Politik nritt'llt. 'Es ist vongeiivisser Seile die Anisicht vertreten worden, daß bet uns die Betätign'ttg 'in jeder politischen Ri'chtnmg erlanibt 'sei, nur nicht in jüdischer Politk. Blan nmß sich tatsächlich frage»», »vie eine solche Uurlkehrnng aller Begriffe möglich sei. Wenn ich Jhn'en »um nt-ein B'ökeirntn'is für den zn, beschicken!den Parteitag darlcgen 'soll, so lautet es knrzgesaßt dahttc: Jieder Zionist ist irr seinem Privätleben verpflichtet, mt'r jüdische Politik zu machen. Die Betätigung nach anderer giichtnng schließt antoniatisch ans der großer» Weltorga-niisatio-n. aus. Jeder Zionist hat bk Pflicht, dajsüir einzntreten, daß der Jude als vvlllvertiger lFaiklor in der mmt für Oesterreich, nnlser Heimat-!lan-d, das rvir genau 'so lieben wie je'der patriotische Staatsbürger, kommenden Epoche erschüin'e, und es silid rnit voller Jntenlsität alle Vionbereitnngen zn treffen, die dies anzubalhuen' imstande sind. Tvitkens fordere ich vollste 'Wälhrnng »unserer Organisat'-eon n>nd strengste Ein-haltn-ng der Disziplin,. Tener nur in gerneinsamler Arbeit mild mit unverrückbarem Blick ans die lErvörchrring der nationäil-.'n Si'lb'ständiglest im Zkahnven der StaatSgrrindgelsetze h-ier, aber arrch mit rrNverrück- -bare-nr Bl'irk ari'f das Elvdiziiöl »rnsever großer» Fidee slm, Lande unserer Väter, in Paläß'ina, kan-n der Greg errungen 'werden. Die Pflichten der Orthodoxie. Hl. Als Antlvvrt auf den. unter diesem. Titel in der jüngsten Freitagnuimner erschienenen Artikel wird uns von koinpetenter Seite geschrieben : kes znvrickw'i.lsen, „'damit sichs nicht nnjreiNes Fndenblnt mit heiligern Adelsblrrt mische". So sehr es uns auch als füihlende Weserr schrnerzen rrnd empören urag, als Deuter »Nüssen »vir es kalt »rnd Nüchtern ans den Verhältnissen zn verstehen suchen. Das Hinschlendern einer ^lrriklage gcgen ein Volk ist 'sicher kein richtiges Äliittel, geschichlliche Wahrheiten zn ergri'nrden. Wir Jrlden, die wir so viel nilter der Rassen,Weisheit zn leiden halben, -müssen wohl dtirch Schaden gewitzigt sein, daß wir nicht denselben Fehler gegen andere Böller begehen. Ein Volk ist »licht ein Ein'ze'lner, der vermöge seiner Willenssreiheit in seinen», Tun, und Lassen zirvischen zimei Viölveggründen sich artch für den geriltgeren e»»tischeider» oder 'sogar grundlos handeln kann. Tie Sünde»» eines Volles dagegen müsse»» in dessen Verhältnisse»» gösrr'cht »verkit; die Verhältnisse selbst können zwar auch dirrch Ei-Nzelne geivaltsaimerrveHlse gemacht sein,' diese Eirizelnen gehören aber nie der lÄogeriwart, sonder»» iinnrer der Vorvergangenheit an. Wir 'wollen des,halb ruhig »l»»d fachlich, ohnei Eifer und l^erelzlheit, suchen, de'»», geschichtlichen Werdegang »cachzufühlen, a>»»ö de»»» sich das eigellartige Verbal'er» der Polen zi» den pvlniischeu, Inden' ertlären soll. Diainit iväre jedoch das Rätsel des A»Lganges der siidischen Wühlverjnche, die in» t'torden so zienllich glückten, in» Süden, völlig »nißlarigen, noch lange nicht gelöst. Halben doch die russiis-chen G'c'hördd!» zngnnste»» ihrer p,ol»'.!ischel» Jeii-nde gewiß n:>cht »»»ehr die Wahlen vergeivaltigt, als sie -es zngnn'sten ihres 'bed»i0hten Beschützors getan.! Wo sirid denn die jüdische»» Helden, »ve'lche den allgeivaltigen Zarenthroir erschütterten und desse»» Inhaber den» rnssi,sch'e.»i Volke gefügig machten? Haben wirtlich, die dveih»pniderttaitsenl- Juiden Warisrhaus nicht ei »»er» einzigen Abgeordneten durchsetzen lönnen? Wahck'kreise init jüdischer Ästehrheit finde'»» sich aber nicht mir in Polen, sondern auch in Wolye, Pvdolie», Ukraine, Bessarabie»» nsliv., »vo seit der Aniflösriug des polnischen Reiches die Polen nur spärlich vörlreten si»»d l»nd ans die Siaatsereign'isse einen sehr geringen Einflll'ß ansii'ben. Die (beschichte aller Zeite»» 'lehrt ferner, daß die Niederlage von A gegen B niemals an>f der inöerwü'ltiWe'.rvdelv Kraft des Besiegers alleii» beruht, sondern' intm-er hanptsächlicl) a-»»f den bereits vorher er-solgten ill-nern Zerfall des Besiegten zlirückznisü'hren ist, da gegen eil» nalüiiliches und geslindes 'Gerneinivesen, n»ag es doch so llein lind bescheiden da,stehen, alle Helden der Weckt vergebens auikämpsen. Die Ni-edertage »»'»»sere'r Brüder im südlichen Teile des jitdische»» AiiisiedlnngSgebietes n»nß also an ihrer eigenen staatlichen Unzniänglichtleil, an ihrer 'eigenen Willensschwäche n,»d nicht an der polnischen Ueberuracht liege». Diese Meiliung würde z»»r Geivißlieit, ivenn z»vii!schen nn-sern, südritssischeu, bei k'.nr R-eichöratstvahlen erfolglos 'kä.ln,psellde»r Brstderii »ind den nordrrlssilfchen erfolgreich sechteniden Jltden a», Wesen und Sinnesart sich sonst- »vie ein Unterschied mache»», ließe. E'ii»» solcher- Unterschied zivische»» südrussischen und no.rdrllsjischen Jitden oder zwischen, P-olakvir ,»ii»ld Litfäken n»u,ß nicht erst ausfindig gemacht werden, er spr»»»,gt den», F»-er»»den veiin erste-»» Anblick beiderlei Inden so seinins Gesicht, daß »nun sich »vNilider»» muß, »v'ie Finden, derlsetber» He'riknii'st sDentsch'kaitd), die ans dasselbe Lebensgesetz tDchll'kchvli. Oruch) schiioöre»», »n-ehr ais fttuistM»»- d,ert Fnh're (seit der Bereinignug vo»»' Polen- »l-»»d Litaue»» in» Jahre 6146 in de»»»ls'e!lben Staat (Polen, seit der TeHlnng desselben Rinßland) 'leben, und »mans'höul'ich rn.iteinander verkehre»», in diesen» Grade voneinander abstechen können. Wie»»,»» n»g»« einen potakische» Hochtschü-ber n»ik einemkitsaikisrhen i-m An Stande vergleicht, wo -beide das äußere Wesenbereits abgestreift -Haber», so merkt »»»an noch in»>>ner dentlich, wiie der Polak sich feigei nnid schmeichlerisch, zugleich aber auch stoflz und a-ii'sdring!ich beniiritmt, der Litsak dag-cge»» »nntig und selbstbewußt nnd dabei angeriehim n-nd bescheiden airft-ritt; der Polaik ist genußsüchtig »rnd ehrgeizig, den,kt inrnr-er -a„ P'riiisnngeu nnd Laltsbah-n »nid geht mir aus kleinliche, persöitlich-e Vorteile ans, der Litsak hingegenist ge- »»ügisam »lud llrel'isrhensr-ennd'lich, stürzt sich a»»s die Wissertschaft mit Heißhunger »»>»» ihrer selbst Waschbar! ttasserdichü uoruchlos I Pollcnz ~ echte Reform-$cbwei$$blätter Mi! taten Mn» eritl