Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 41 (12.6.1906)
- Date
- 1906-06-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nationalzeitung Nr. 41 die Wahlen eingeb rächten Protest erwähnt, aufgezählt: 1. Zur Wahl durften nur die von der Kultusgemeinde ausgegebenen amtlichen Stimmzettel verwendet werden. Diese amtlichen Stimmzettel differierten nun in Form, Farbe und Ausführung so voneinander, daß selbe geeignet waren, falls Aufzeichnungen dari'lber geführt werden, die Abstimmung jedes Wählers zu kontrollieren. Tatsache ist, daß nach der Wahl Personen, die die Stimmzettel der einzelnen Wähler nicht gesehen, genau konstatierten, für welche Namen einzelne Wähler gestimmt Haben. 2. Aus der Urne wurden während des Wahlaktes von Kommlssionsmitgliedern Stiminzettel herausgenommen und wieder hineingelegt. 3. An der Schwelle des Wahllokales wurde Wählern der Stimmzettel geöffnet und nachgesehen. 4. Das Skrutinium wurde teilweise bei geschlossenen Türen vorgenommen. 6. Die nicht ganz unabhängigen Wähler und insbesondere die Angestellten der Kultusgemeinde wurden gegen ihren Willen moralisch gezwungen, für die Gegenseite zur Wahl zu gehen. Und trotzdem man „solche Wahlen" aufführte und trotzdem man sogar den Bürgermeister, den Kultusvorsteher und ihre Stellvertreter ins Vordertreffen stellte, trotzdem konnte die herrschende Partei nur eine Majorität von 8 bis 14 Stimmen erzielen. Viele, viele würden es sehr von sich weisen, infolge solcher Wahlen ein Ehrenamt errungen zu haben. Die Zuwendung eines Ehrenamtes soll doch bedeuten, daß die Wählerschaft ihr Vertrauen dem Gewählten entgegenbringt. Die Gewählten hatten nun wohl um einige Stimmen mehr wie die Opposition, aber selbst von den Gewählten wird keiner den Ausspruch wagen, er habe auch das Vertrauen der Mitglieder der Kultusgemeinde Nikolsburg. Die Opposition hatte weniger Stimmen, die wiegen aber einige Male diejenigen der anderen Partei auf; man bedenke, welche charaktervolle Männer die Wähler der Opposition sein müssen, wenn sie trotz des beispiellosen Druckes, der auf jeden einzelnen Wähler ausgeübt wurde, sich ihre Stimme weder abschwätzen noch abkaufen ließen. Ein herzliches „Wacker", „Wacker" diesen charaktervollen Ehrenmännern. S- K- Lemberg. (Konfiskation.) Die letzte Nummer des „Wschod" ist wegen eines Artikels „Die Lemberger Avantgarde Trepows gegen die jüdischen Emigranten", in welchem Blut, eines der edelsten der Welt, in ihren Adern rollt, eine Gesinnung, durch welche sie dem Judentum mehr schaden als alle christlichen Antisemiten zusammengenommen, denn ein jeder Jude, welcher die Tatsachen, welche Prof. Schleiden in seiner so interessanten Broschüre angeführt hat, betrachtet, müßte notwendigerweise stolz sein auf seine Abstammung, sich ihrer rühmen, ja sogar mit ihr posieren, dieselbe nach außenhin, so oft sich eine Gelegenheit bietet, zur Schau tragen und sogar dann, wenn er vom jüdischen Glauben zu einem anderen ubergetreten sein sollte. Nur dann könnte er sich in den sogenannten „arischen" Kreisen Achtung erringen und Interesse für das Judentum erwecken. Aus diesem Grunde wünsche ich der Schleidenschen Broschüre von Herzen die größte Verbreitung. Hochachtungsvollst Ihr sehr ergebenster Jur. und Phil. D. Gf. Coudenhove-Kalergi, k. und k. Legationssekretär a. D. Dieser köstliche Brief an Louis L am m - Berlin — vermutlich die letzte Aeußerung Graf Coudenhoves über Juden und Judentum — verdient den Annalen des Judentums einverleibt zu werden und sein Verfasser hat ein Anrecht darauf, daß wir ihm ein ehrendes Andenken bewahren. ein heftiger Angriff gegen die Taktik der Bezirkshauptmannschaften enthalten war, von der Staatsanwaltschaft konsisziert worden. Noch am selben Tage wurde eine zweite Ausgabe veranstaltet. Czerrrowitz. Bei der jüngst stattgehabten Generalversammlung des Vereines „Machsike Sabbat" wurde der frühere Obmann Herr Isaak Krämer und der frühere Kassier Herr Salomon Gronich neuerlich von der Generalversanunlung einstimmig und zu Ausschußmitgliedern die Herren: Moses Roth, Ire Geiger, Israel Besen, Israel Sternklar, A. S. Brenner, Chaim Presser, Leiser Groß, Isaak Ziegler, David Zloczower, Pinkas Bomser, Leiser Jankel, Abraham Drimer, Hersch Barasch, Moses Levin, Meier Waldmann' auf Jahresdauer gewählt. Bei der hierauf erfolgten Konstituierung dieses Ausschusses wurden Moses Roth zürn Vorstandsstellvertreter, die Herren Isaak Ziegler und David Zloczower zu Schriftführern, dann Herr Leiser Groß zum ökonomischen Verwalter und Moses Lewie zu dessen Substituten, die Herren Ire Geiger und Israel Sternklar zu Kontrolloren, darm B. Bomse, Hersch Barasch und Leiser Jankel zu Rechnungsrevisoren, endlich die Herren Israel Besen, Meier Waldmann und A. Drimer 31t Aufsichtsräten gewählt. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. (Nordau über das jetzige Verhalten der Juden in Rußland.) Der Vertreter des Frankfurter „Jsr. Familienblatt" veröffentlicht den Inhalt einer Unterredung mit Max Nordau. Wir reproduzieren hier die wichtigsten Stellen aus dem Interview: Auf meine Frage, ob die jüdischen Abgeordneten in der Duma gut tun und politisch klug handeln, wenn sie sich zu einer besonderen jüdischen Fraktion konstituieren, antwortete mir Mar Nordau: „Ich halte den Zusammenschluß der jüdischen Duma-Abgeordneten nicht nur für eine absolute politische Notwendigkeit, die durch die Lage der Juden in Rußland bedingt ist, sondern noch mehr für eine Sache der jüdischen Nationalehre. Alle Völkerschaften haben in der Duma ihre Vertreter, ihre speziell organisierten Vertreter, so Polen, Armenier usw. usw. Da jede dieser in Rußland ansässigen Völkerschaften ihre eigenen Bedürfnisse, die sie nur selbst kennen können, hat, da diese Volkswünsche mehr oder weniger erfüllt werden müssen, so ist es selbstverständlich, daß die Interessen dieser kleinen Völker spezielle, zu diesem Zwecke bestellte Verteidiger haben müssen. Diese Verteidiger der speziellen Volksinteressen sind die Vertreter dieser kleinen Wenn auch gegen manche seiner Anschauungen Einwürfe erhoben werden können, so dürfen wir doch sagen: Er war einer der Ehrlichsten und Besten! Die Fahrt nach dem Heiligen Lande. („Vorlesungen und Essays anläßlich der ersten Gesellschaftsreise nach dem Heiligen Lande 1005." Rabbiner Dr. H. E. K a u f in a n n in Virovitica, Slawonien, 1000. Selbstverlag.) In einem kleinen Neste Slawoniens, in ziemlich trostloser Umgebung, von den Bitternissen des Lebens hart hergenommen, zu wohnen, verurteilt, das Leben dort zu verbringen: Dünkt euch die Sache nicht wie eine Deportation? Der Rabbi von Virovitica, Dr. Kaufniann, sprengt die engen Grenzen seines Amtsgebietes durch die Kraft seines bewundernswerten Idealismus und feinen Geist. Letzteres zu brechen vermochte das trübe Milieu nicht. Nachdem er sich bisher den wissenschaftlichen Forschungen, einer liebevollen Behandlung des Chassidismus und der Kaballa namentlich, gewidmet hatte; oft publizistisch in Anspruch getwmmen wurde, sich in Kroatien und Slawonien und auch in anderen Gebieten Völker in der Duma. Unsere Brüder in Rußland haben ebenfalls ihre eigenen Bedürfnisse, die nur durch eine jüdische Fraktion in der Duina ehrenvoll vertreten werden, können. Das Zustandekonnnen einer jüdischen Fraktion in der Duina hängt lediglich von dem Grade des jüdischen Selbst- und Ehrbewußtseins der jüdischen. Duma-Abgeordneten ab." „Liegt es in unserem Jilleresse, die Forderungen der K. D. zu unterstützen?" „Darauf kann nur die Zeit und der Umstand jedesmal eine Antwort geben. Die russischen Juden haben ihre doppelten Interessen in der Duma durch ihre Vertreter verfechten zu lassen. Als russische Bürger haben sie eine liberal-bürgerliche Politik zu unterstützen, und mithin können sie lm großen und ganzen mit den K. D. Hand in Hand gehen. Aber, abgesehen davon, dürfen sie keinen Augenblick die Tatsache ans dem Auge lassen, daß sie Vertreter einer Nation, der jüdischen Nation, sind, die ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse hat. Und Rußland ist der einzige Staat, der die Juden als selbständige Nation anerkennt. Es bestreitet auch sonst kein vernünftiger Mensch in Rußland, daß die sechs Millionen russischer Juden keine nationale Einheit bilden. Diese Tatsache muß ihren Kampf für ihre nationalen Interessen erleichtern. Es wäre geradezu schreckliche wenn sie diesen Umstand nicht ausnützen würden." Bezüglich des Territorialismus sagte mir Nordau, daß die I. T. O. im besten Falle eine beratende Körperschaft sein könne. Selbst bei der Ausfindigmachung eines Territoriums könne sie nur mit Rat den Emigranten zur Seite stehen, denn sie hat ihnen keine Ideale und keine großen materiellen Mittel zu bieten. In dieser Hinsicht greift die Jto in die zionistischen Bestrebungen. gar nicht ein. Aber die Zentralisierung der Emigration ist notwendig, und diese Notwendigkeit gibt der Jto ihre Existenzberechtigung. Maxime Le Maitre. Die Schekeltage in Oesterreich. Jrmerösterreichischer Distrikt. Außer der Massenverbreitung der Schekelaufrufe ist im innerösterreichischen Distrikt auch durch eilte große Anzahl voll Versammlungen fürdieSchekelsammlung agitiertworden. Der Z i 0 u i st i s ch e Z e ll t r a l v e r e i ir in Wielt veranstaltete Sonntag ben 26. Mai eine große Festversammlung im Hotel Post Der Saal war blau-weiß dekoriert und mit durch seine Vortrüge einen gewissen Ruf erworben hatte, gilt das vorliegende Buch seiner Liebe: dem Volke, Zion und dem Lande der Väter. Es ist kein Werk wissenschaftlicher Forschungen. Es ist mehr impressionenhaft, als vertieft, es ist ein Produkt verhältnismäßig zu kurzer Beobachtungen, mit als besondere Bereicherung der Palästinai-Literatur gelten 311 können. Es erhebt auch keinen Anspruch darauf. Eine angenehm zu lesende, warn: empfundene Sammlung von Eindrücken. Und doch keine Reisebeschreibung' im landläufigen Sinne. Denn an vielen Stellen offenbart es sich als das Werk eines Forschers, insbesondere wenn es auf die kulturellen Gebiete des jüdischen Orients zu reden konunt. Die Schulen und Kultusinstitutionen sind es, die das Interesse des Autors am meisten in Anspruch nehmen. Da ist er — man fühlt es — zu Hause gewesen, bevor er die Reise angetreten hatte. In diesen Fragen also kann das Buch als kritische Beobachtung die Beachtung berufener Kreise beanspruchen. Namentlich werden sie in den Essays: „Beir Jehoudas berühmter Millon", „Das jüdische Pilgerhaus „Eschel Abraham" in Hebron", „Die Chaluka", „Die talmudischen Hochschulen in Jeru- Wasctibar I Waas erdicht! Qaruohlasl Pollenz echte Reform=$cb weissblätter