Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 41 (12.6.1906)
- Date
- 1906-06-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 dem Bilde Herzls geschmückt. Der Besuch der Versammlung war sehr stark. Gg.U or k- Steiner sprach über: 10 Jahre Iudenstaat. Gg. Adolf Böhm sprach über den Weltschekeltag. Beide Redner erweckten großen Beifall. Der Vorsitzende Dr. M a r g u l i e s richtete noch einen warmen Appell an die Anwesenden. Außer dieser äußerst gelungenen Festversammlung veranstaltete der Zionistische Zentralverein noch Versammlungen am 28. Mai in der Brigittenau und in Favoriten, und Donnerstag den 31. in Mariahilf; ferner fanden im innerösterr. Distrikt statt: Sonntag den 28. Mai eine große Versammlung der „Poale Zion", Redner Dr. Weise:: gr ü n, je eine in Krems (Artur Freud), Neunkirchen (A. B ö h m), Leoben (Dr. M eise l), Graz (Dr. Meise l). Ueberall bot sich das erfreuliche Bild einer großen Begeisterung für unsere Sache. In Neunkirchen dürfte demnächst die Gründung einer Ortsgruppe erfolgen, in Leoben, das 26 jüdische Familien zählt, wurden sofort 29 Schekel gezahlt, in Graz erfolgten 15 Neuanmeldungen zu dem dortigen Vereine. (Ueber Krems liegt Spezialbericht in der vorwöchentlichen Nummer vor.) Te p l itz -S ch ö n au: Montag den 28. Mai Schekelversammlung. Referent Doktor Emil M a r g u l i e s sprach über „ 10 Jahre Judenstaat". Versammlung durch Plakate angekündigt. Einladungen mit Flugblatt verschickt. Sehr guter Besuch trotz ungünstiger Jahreszeit. Sammlung von Schekelspende::. Bisheriges Ergebnis der Schekelspendensammlung während der Schekeltage zirka 880 Kronen ohne die jährliche und für 1905/06 bereits abgeführte Schekelsteuer der Zionisten. Noch einige kleinere Beträge ausständig. Auch der moralische und agitatorische Erfolg der Schekeltage ist trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit ein ausgezeichneter. Gattzien. D r o h o b y c z. Als Vorbereitung für die Schekeltage wurden sechs Vorträge abgehalten. Einen veranstaltete der Verein „Moriah" (Der Entwicklungsgang des Zionismus und die Bedeutung des Schekels) fünf der Verein „Makkabäa" (1. Die Geschichte des Zionismus, 2. Nationalfonds und Schekel, 3. Kolonialbank, 4. „Judenstaat", 5. Palästinakolonien). Ferner wurden 2000 Flugschriften (polnische und jüdische) verteilt. Für den 27. d. M. wurde eine Volksversammlung in den hiesigen Turnsaal vom zionistischen'Arbeitskomitee einberufen. An der Versammlung nahmen Anteil über 1000 salem" usw. besprochen. Die Fußnoten zu den einzelnen Abschnitten geben Hinweise für Forscher und Schriftgelehrte. Wie gesagt, es ist ein Werk begeisterter Liebe, das uns Dr. Kaufmann widmet. Begeistert sind die Schilderungen des Gesehenen, ohne des Kritischen zu entbehren. Doch auch die Kritik ist mild- Man muß sozusagen den Tadel an vielen Stellen selbst herausfühlen. Nur hie und da sind scharfe Wendungen vorhanden, die sich aber allerdings gegen die Verhältnisse in der Gemeinde des Autors richten und daher auch nur bei dem Kenner der Verhältnisse in Kroatien-Slawonien Verständnis finden werden. Nur da ist das Persönliche scharf pointiert, dessen ja eine solche Arbeit nicht wohl entbehren kann. Der junge Rabbi scheut sich nicht, seinem Berufe zmn Trotz die Waffen des Humors und des Komischen auch gegen sich zu führen, wie überhaupt eine wohlwollende Komik oft angeweudet wurde. Gerade durch das Persönliche gewährt uns der Schriftsteller einen tieferen Einblick in das gesellige und gesellschaftliche Leben der Juden im Orient und dadurch gewährt es einen besonderen Reiz dem Leser, der sich nun sozusagen dem ganzen Milieu näherer, ja ganz nahe fühlt. Das Buch (sein Preis ist 3 K und ist vom Nationalzeitung Personen. Die Vereine „Makkabäa", »Moriah", „Kadimah", Poale-Zion" und „Esra" erschienen in corpore. Dr. Maximilian Appenzeller referierte über „Die zionistische Organisation und der Schekel" (polnisch), H. Leib Taubes über „Zehn Jahre Judenstaat" (jüdisch). Im Namen der hiesigen Jung-Nuthenen-Partei gratulierte und sprach ihr Anerkennen der Versammlung Miron Kondrat. H. N. Axelrad sprach im Namen der hiesigen Poale- Zionisten. Die Versammlung akklamierte folgende Resolution: »Die an: 27. Mai versammelten Drohobyczer Juden erkenne,: den Zionismus als die einzig richtige und wahre Lösung der Judenfrage und beschließe,: denselben möglichst zu unterstützen und zu propagieren. Nach der Versammlung fand ein Demonstrationszug statt. Auch in Boryslaw (das dem hiesigen zionistischen Arbeitskomitee angehört) wurde wurde am 27. v. M. eine Versammlung in der Synagoge abgehalten. Die Versammlung zählte über 300 Köpfe. Ueber den Zionismus und die Bedeutung der Schekeltage sprachen Ing. M. Sukascher, Axelrad (polnisch) und Driemer. K o s s o w. Am 27. Mai d. I. imposanter Schet'eltag, veranstaltet von einem aus Ziong'len bestehenden Komitee; anwesend einige Hundert Herren und Damen, festlich gekleidet. Programm: 1. Warum und wozu muß jeder Jude einen Schekel zahlen? 2. Musik und Gesang. Redner: Dr. Füllenbaum und S. A. Häusler. Schekel gesammelt zirka 200.—. Der größere Teil davon vor der Versammlung. Die Schekelsammlung dauert fort. Iuderrrettrmg in Galizien. Löbliche Redaktion! Wenn noch jemand daran zweifeln sollte, daß wir uns in einer Zeit der Renaissance befinden, daß die Assimilationssucht in den letzten Zügen liegt und deren Apostel reuige Sünder geworden sind und gebrochenen Herzens sich auf die Brust schlagen und mea culpa, mea maxima culpa schreien, die Ruhmestaten unserer neuesten Juden werden ihm jeden Zweifel nehmen. Juden, die vom Judentum soviel wußten, wie zum Beispiel unser Schachet vom Brahmaismus, die mit uns nur das eine gemein hatten, daß sie in der jüdischen, Pardon! „israelitischen" Matrike eingetragen sind, die selbst in ihren Familiennahmen die jüdischen Autor zu beziehen) ist allgemein verständlich verfaßt, das mehr Wissenschaftliche ist in die Fußnoten verbannt. Am Schlüsse bringt es ein hebräisches Akrostichon Exzellenz Elia Chasans, des Chacham Baschi von Alexandrien. Ein Akt der Courtoisie . . . Eine wissenschaftliche Abhandlung über einen Fund in Palästina inußte entfallen, aus Verschulden der primitiven Buchdruckerei . . . Das Buch kann allen, die den: heiligen Lande ein Interesse entgegenbringen, empfohlen werden. Alexander Li ch t (Wien). „Das Eine Wort". Unter diesen: Titel bringt die letzte Nunnner des „Wschod" eine gelungene Skizze. Stimmung, Stil, Pointe. Inhalt: Ein Idealist wartet in der Schewuothnacht den Moment ab, wo sich der Himmel spaltet, um das Eine Wort anszustoßen, das bekanntlich dann in Erfüllung geht. Verfasser: Markus Sommer. Der Mann hat eine Zukunft. . Denn es fallen ihm dieselben Gedanken und dieselben Sätze ein, die einst Rubin Ascher Brandes in einer gleichnamigen Skizze niedergeschrieben hat. Das einzig Traurige an der ganze,: Sache ist nur, daß diese bekannte Braudessche Skizze einer L e m b e r g e r Redaktion unbekannt war. Flos. Leite 8 Laute ausmerzen und dieselben mit allen logischen Mitteln und Mittelchen polonisierten, haben, Gott sei Dank, endlich einmal ihr jüdisches Herz entdeckt, und wie verirrte. Schafe von Reue und Gewissensbisse geplagt, ihren nationalen Herd aufgesucht. Und nicht nur mit stummer Wiederkehr, mit untätiger Buße begnügten sich diese wiedergefundenen Kinder der Kneseth-Jsrael. Nein, sie machten auch ihre Abstinenz tausendfach gut, indem sie von göttlichem Geiste beseelt, ein Mittel ausfindig machten, das ein Universalmittel für alle Leiden und alle Not der Juden und des Judentums ist. Wären unsere Urahnen darauf verfallen, so hätte unsere Geschichte ein ganz anderes Gesicht. Wie viel Leid wäre uns da erspart geblieben! Wir hätten keine Teinpelzerstörungen, keine Kreuzzüge, keine Inquisition. Ja, hätten nur unsere Netter mit einigen tausend Jahren früher gelebt. Geistreich wie immer haben es unsere Retter sogleich hcrausgefunden, daß wir an einer eminenten Kulturarmut laborieren. Und da von der richtigen Diagnose bis zur endgültigen Heilung bekanntlich nur ein Schritt ist, war der Stein der Weisen entdeckt. Wir müssen trachten, aus uns selbst hinaus- und in Rie Wirtsvölker hineinzukommen. Unsere Unarten uns abgewöhnen. Unterricht in den Gegenständen von Moral und Sitte und das Judenleid — ist gewesen. Aehnliches haben wir, wie mir scheint, schon in den Zeiten Mendelssohns gehört und Scholem-Aleichem würde darauf sagen „das ist die eigene Jente, nur anders geschleiert". Aber das muß doch was ganz Neues sein. Die Erfinder haben es als funkelnagelneu ausgegeben und sie müssen es doch wissen. Es wurden auch bereits Schritte unternommen, das mit so vielem Geist erdachte Radikalmittel patentieren zu lassen. Und noch nicht genug des Guten. Es blieb nicht bei den so gutgemeinten Ratschlägen allein. Die glücklichen Erfinder verschmähten es nicht, in die Niederungen der Juden hinabzusteigen, ihnen in einem öffentlich affichierten, in polnischer Sprache abgefaßten Aufrufe Kultur- und Bildungsfeindlichkeit vorzuwerfen und ihnen als vorläufige Medizin eine Goldmana-Cztelnya zu verordnen. Am 27. v. M., am Tage, an dem sich die Juden der ganzen Welt mit solchen Dummheiten wie Schekelsammlung abgaben, wurden wir in Dobromil auf die einzig richtige Weise kuriert. Im Gemeinderatssaal, der den Erfindern bereitwillig zur Verfügung gestellt wurde.— welche Ehre! — produzierten sich unsere geistreichen Erfinder auch als Demosthenese. Auch zwei Lernberger Herren gossen uns löffelweise ihre Weisheit ein. Schade, daß Graf Dzieduszycki nicht dabei gewesen und Ritter v. Gniewos s. a. so früh gestorben ist. Denn auch über polnische Politik haben wir da Geniales zu hören bekommen. Ein Przemysler Student, der zufällig hier war und von dem die alten Klatschbasen zu erzählen wußten, daß er Zionist sei, wurde ins Versammlungslokal nicht hineingelassen. Die halbe städtische Polizeimannschaft wurde aufgeboten, um ihn am gewaltsamen Eintreten zu verhindern. Denn einem Zionisten sei alles zuzutrauen. So könnte er zum Beispiel sich erdreisten, das Wort zu ergreifen und vieles als dumm und verlogen hinstellen. Lieber also feig als dun::::. Auch ein hiesiger Kommis, den das wachsame Auge des Gesetzes dabei ertappte, wie er mit dem Studenten verkehrte, mußte sein Los teilen und draußen bleiben. Wir sind also gottlob endlich gerettet. Dobromil (Galizien), 4. Juni 1906. Ego. MILCH aus besten Quellen empfiehlt den P. T. Hausfrauen das seit mehr als 20 Jahren bestehende Irestdekarmte Milchdepot Ferdinand ALTMANN, IX., Pramergasse 17 KREBS-APOTHEKE 5. niTTELDdCti Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 (Palais Siaa) im Zentrum dar Stadt. § BlaucTsche Eisenpillen. Altbewährtes Mittel fttr Blntarine, Bleichsllchtige und Nervenschwäche. Preis e>ner Flasche 2 K 40 h