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Nationalzeitung · 1906-06-12 · Heft 41 (12.6.1906) · p. [Seite]

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 41 (12.6.1906)
Date
1906-06-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Mmchkitm Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentum einer ZofleM. — Herausgeber und Chefredakteur: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: 3. Vanneberg, M. Hufes Nachfolger, Haasenstein & Vogler, Rudolf Mosfe. M. Pvzsonyi, kl. Schale! ln Wien ferner alle Annoncen. Lxpeottionen -im kluslande. Einzel - Nummer in Wien 15 Heller. Verschleiß stellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgegencienommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 1t; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgasse 7; Robert Weiß, Wiell, I. Jakobergasse 7. Adininistrakim:: Telephon SlbonnementS-Preid: Ulür Wien u. Oesterreich- Ungar» s. Franlozustellnng: Ganzjährig. . . . K 12.— Halbjährig . . . . K Vierteljährig . . . K 3.— ^iirdaS gesamteAnSl, d Ganzjährig ... X 85,12 IX/J, Wasagaffe 31. Nr. 14723. Preis der Anzeigen: Die Smal gespült. Nonpareillezeile oder deren Raum 12 h. „Eingesenbet" die Zspaltige Nonpareillezeile 50 Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. #»- Kedakrkmr: IX/1, Wasagaffe 31. Telephon Nr. 14723. Sprechstunden: An Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Nationalzeitung" Wien. 1X>I. lkerehiverile» wegen verspülkU'r oder gar nickt erfolgter Zustellung erbitte» wir uns drinaend. — Msmirhriptc lveraen nicht ztirucKgeftclit. Postsparkassen-Konto 47037. In das Abonnement kann mau täglich eintreten. A-m Ur. 41. Wien, Dirnstag den 12. Jnni 1906 (19. Siman 5666). VUJL Jahrgang. r *' „«Horrespollden;kll. Jnl'ind. Wien. (Kurfreiplätze und Kurbeiträge für Arme.) Der unter dem Protektorate Sr. Ehrw. Herrn Lektor M. F r i e d m a n n stehende „Verein zur Unterstützung jüdischer Kurbedürftiger" mit dem Sitz in Wien, 2. Bezirk, Josefineng. 7, appelliert in Anbetracht der immer steigenden Anforderungen der armen Kranken an die Humanität und bittet, durch zahlreichen Beitritt sein Wirken zu fördern. Der genannte Verein, dessen Aufgabe es ist, armen Kurbedürftigen Freiplätze in Kurorten zu verschaffen oder Kurbeiträge zu gewähren, hat im Jahre 1906, vem zweiten Jahre seines Bestehens, verhältnismäßig viel geleistet. So wurde einer Anzahl von armen Kranken Kurfreiplätze in Karlsbad verschafft und vielen Kurbeiträge bewilligt. Leider reichen die Mittel des Vereines nicht aus, um allen an denselben gestellten Anforderungen zu entsprechen. Es konnten die Gesuche einer größeren Anzahl voll würdigen und armen Kurbedürftigen nicht erledigt werden. Der Vereinsvorstand sieht sich daher genötigt, an alle Menschenfreunde die innigste Bitte zu richten, durch Spenden, Legate und Beitritt die humanitären Tendenzen des Vereines zu fördern. Beitrittserklärungen und Spenden wolle man an den Verein (obige Adresse) oder Postsparkassenkonto Nr. 84.270 richten. Wien. Sonntag den 2. Juni l. I. hielt Herr Richard Rappaport im großer: Saale des Hotel Huth einen von der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler veranstalteten Vortrag über die Stellung der Jude:: unter den österreichischer: Nationen. Trotz der vorgerückten Saison war der Besuch ein äußerst starker. Alle jüdischen Studentenkorporationen .waren korporativ oder durch den größten Teil ihrer Mitglieder vertreten. Besonders erfreulich war auch der starke Besuch aus der Wiener jüdischen Bürgerschaft. Der Vortrag, der sich in vollendeten akademischen Formen bewegte, besprach die politischen Geschicke der österreichischen Juden seit den: Jahre 1848. Herr Rappaport schilderte die jüdische Politik unter der Aera des Liberalismus, die Bloßstellung der jüdischen Liberalen innerhalb der Partei, die Umwandlung des Liberalismus in. einen deutschen Nationalismus und das Scheitern des einsichtsvollen Versuches Dr. Fischhofs, die Juden von der neuen korrumpierten Partei loszulösen und sie innerhalb einer österreichischen demokratischen Volkspartei mit national-föderalistischen: Programm selbständig zu rangieren. Mit dem Scheitern dieses Planes folgte die zerfahrenste Zersplitterung der politischen Kräfte des Judentums innerhalb der österreichischen Parteien. Den Schluß des Vortrages bildete die Darstellung aller jener. Momente, die das Judentum Oesterreichs naturnotwendig zur Raillierung in einer österreichisch-jüdisch-nationalen Partei führten. Der glänzende, zwei Stunden dauernde Vortrag erntete langanhaltenden Applaus. Wir werden demnächst die instruierenden Ausführungen vollinhaltlich in unseren Blättern veröffentlichen. Krems. Der Einzelverein „Zion", Krems, veranstaltet am 14. Juni 1906 einen Ausflug durch die Wachau. Abfahrt von Wien (Franz Josefs-Bahn) 7 Uhr 10 Min. früh. Ankunft in Krems 9 Uhr 23 Min. Von hier per Schiff (Abfahrt 10 Uhr) durch die Wachau bis Aggstein, Ankunft daselbst 12 Uhr, hier Aufenthalt und Aufstieg zur Ruine Aggstein. Abfahrt 4 Uhr 40 Min., Ankunft inMelk^ Uhr 38 Mm. Von hier per Bahn nach Wien (Westbahn), Ankunft 8 Uhr 35 Min. Kombinierte Fahrkarten: Wien-Krems-Melk-Wien, sind im Reisebureau Schenker & Co. I., Schottenring 3 zum ermäßigten Preise von 4 K 30 h erhältlich. Gäste willkommen! Dieselben werden am Bahnhef in Krems erwartet. Erkennungszeichen: Blau-weiße Kokarde. Nikolsburg, 4. Juni. Am 27. und 28. Mai fanden hier die Wahlen in die Kultusvertretnng statt, bei welcher die Opposition niedergerungen wurde. Diese Kultuswahlen waren wohl die stürmischsten, die je in Nikolsburg stattgefunden. Der am Ruder befindlichen Partei war kein Mittel, das ihr zu Gebote stand, zu schlecht, um nicht gegen die Oppositiou ins Treffen geführt zu Werder:. Zur Illustration sei hier eine kleine Auslese von Fakten, welche die Opposition in ihrem gegen Feuilleton. Graf Condenhove-Kaiergis letzte Aeutzermrg über das Airderrtmu. Wehrawald Post Todtmoos, Gr. Baden, den 8. Mai 1905. Sehr geehrter Herr! Die mir gütigst eingesandte Broschüre; „Die Bedeutung der Juden für die Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften in: Mittelalter" vor: Staatsrat Professor Dr. M. I. Schleiden habe ich erhalten und mit den: grüßten Interesse gelesen. Der Verfasser hat hi dieser gelehrten Broschüre dem Judentuu: ein vollendetes Denkmal gesetzt. Es wäre zu wünschen, daß diese Schrift sowohl ii: christlichen, als auch in jüdischen Kreisen die größtmöglichste Verbreitung fände; dies um so mehr in einer Zeit, in welcher die auf dem Boden der Ignoranz (Rassenschwindel!), des Neides und des Fanatismus entsprossene Pflanze des Antisemitismus so giftige Blüten treibt. Der theoretische Antisemitismus wäre wohl bald zu Ende, wenn wenigstens die denkfähigen unter den Christen sich den Inhalt der Darstellung Schleidens zu Gemüte führm wollten, weil sie dam: erkennei: würden, wie ungeheuer viel die Kultur, die Moral und die Wissenschaft dem Judentum verdanken, weil sie sich dann eine Vorstellung machen würden, wohin unsere heutige Zivilisation gelangt wäre, wenn in den Jahrhunderten der Unwissenheit Juden das Banner der Wissenschaft nicht hochgehalten hätten. Das Judentum, diese merkwürdige und interessante Religionsgesellschaft, ist tatsächlich bedeutend gewesen, wie heute, so zu allen Zeiten. Die germanischen Arier lagen nach auf ihren Bärenhäuten zu einer Zeit, wo Israel bereits einen hohen Grad von Kultur errungen hatte. Schon damals blickten die Juden auf eine große Vergangenheit zurück. Hub wirklich, was immer der Jllde anpackt, er leistet Großartiges, überall und in allen Zweigen der Kunst und des Wissens, ob er mit der Feder oder dem Pinsel arbeitet, überall schafft er Tüchtiges, sogar auf den Schlachtfeldern in blutigem Ringen, wie dies j die Geschichte der Makkabäer, die Verteidigung j Jerusalems gegen Titus und der Befreiungsj krieg des Bar Kochba beweisen. Was hat doch! diese kleine, kaum 10 Millionen zählende! Menschengnippe, von denen jedoch bloß vier j Millionen in freien Ländern leben, für eine > Schar tüchtiger Gelehrter auf allen Gebieten des Wissens, was für hervorragende Künstler und Schriftsteller hervorgebracht. „Wo viele Juden, dort ist viel Licht," wo die Juden menschenwürdig behandelt werden, prosperiert der Staat, wo man sie bedrängt, geht es mit ihm zurück, so daß mm: fast geneigt wäre, den Satz wörtlich zu nehmen: „Ich werde segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen." (Gen. 12, 3.) Warum vergessen Christen und Mohammedaner immer, wieviel sie dem Judentuu: und seinen heiligen Schriften verdanken .' Die jüdische Religion ist die Mutter, aus deren Schoß Christentum und Islam geboren wurden.Nach der Ansicht Schopenhauers sind die Juden sogar die Erfinder des Monotheismus. So ungeheuer groß und bedeutend ist dieses kleine Volk. Wer sich diese Tatsache zu Gemüte führt und wer über sie nachdenkt, wird diesem wunderbaren Volke seine Bewunderung nicht versagen können. Aber nicht nur Christen ist die Lektüre der Schleidenschen Broschüre zu empfehlen, heilsamer noch und nützlicher dürfte sie auf gebildete junge Juden wirken, von denen leider eine so große Zahl sich ihrer Abstammung schaust und durch alle denkbaren Mittel zu verbergen und zu vertuschen trachtet, daß jüdisches Die nächste Nummer erscheint Freitag den 15. Jnni. 45

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