Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 40 (8.6.1906)
- Date
- 1906-06-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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-r>eite 4 Nationalzeitung benibcit Brüder erheischt, und wie es dem allezeit sich bewährten jüdischen Herzen der Wiener Juden am glänzendsten entspricht. Iwri. regeln nicht denkbar ist. (Gegenüber diesem Tadel inns; ich mir jedoch die gewissenhafte Erwägung vor Äugelt halten, ob ein anderer Vorgang mit meiner beschworenen Amtspflicht oder mit meiner sittlichen Ueberzeugnng ver- Kullusvorftand und Religionslehrer. Herr Redakteur! Die abfälligen Aeußeruugeu, die Herr Dr. Mariinilian Steiner in der öffentlichen Plenarsitzung des Kulttisvorftaiides vom 20. Mai d. I. über die Religionslehrer an den Bcittelschtilen abgegeben hat, nötigen mich zu nachfolgenden Entgegnungen, beziehungsweise Berichtigungen, uitd ich bitte Sie im Hinblick auf Ihre Gerechtigkeit und Objektivität, denselben in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes Raum geben zu wollen. Ich habe nun ans diese Aeußeruiigeu folgendes zu erwidern: t. Bon den 17 Religionslehrcrn, die derzeit den Religionsunterricht an den Wiener Mittelschulen besorgen, stehen 11 außer ihrer Lehrtätigkeit im Dienste der .Kultusgemeinde und müssen den Weisungen des Vorstandes unbedingt gehorcheil. Von den übrigen sechs find zwei em vor kurzer Zeit in den Dienst getreten und zlvei als sehr bescheidene tind gegen die Schüler liebevolle Lehrer bekannt. Somit trifft der Tadel des Herrn Dr. Steiner höchstens e i n e n oder z w e i Religionslehrer. Es muß daher als höchst ungerecht und unzulässig bezeichnet werden, daß wegen des angeblich unkorrekten Verhaltens eines oder zweier Lehrer in öffentlicher Plenarsitzung der ganze Lehrstand der Mittelschulen pauschaliter angegriffen und verunglimpft wird. 2. Ich erkläre für meine Person, daß ich den mir zur Richtschnur gegebenen Lehrplan und die Instruktionen nad) meinem besten Wissen und Gewissen genau befolge und rechtschaffen bemüht bin, diese Vorschriften in dein Geilte zu handhaben, in dem sie der Vorstand gchandhabt zu sehen wünscht. Wenn dessenungeachtet eine Differenz besteht, so liegt sie noch nleinenl Dafürhalten darin, daß ich die unausgesprochenen Wünsche des Vorstandes, die sich weder ini Lehrplane noch in den Instruktionen ausdrücken lassen, nicht ganz erfülle. Ich werde deshalb getadelt, weil ich die Ansprüche an die Mitarbeit der Schüler nicht von diesen selbst bestimmen lasse, weil ich kein Bedenken trage, gegen pflichtvergessene oder obstruierende Schüler erforderlichen Falles die letzte Konsequenz zu ziehen und weil ich der lleberzeugung folge, daß der Unterricht in einer fremden Sprache ohne die Voraussetzung der primitivsten und elementarsten Sprachen.bar ist. Der Vorwurf, daß die Religionslehrer sich als Organe des Unterrichtsministeriums befrachten, ist mir ganz unverständlich. ES wäre der schlverste Vorwurf für einen vom Staat angestelkten Beamten, wenn er sich n l ch t als Organ desselben betrachtete. Hingegen erkläre ich die Beschuldigung als eilte ungerechte, wenn behauptet wird,, die ReligionSlehrer seien dein Einflüsse des Vorstandes nahezu unzugänglich. Gerade das Gegenteil ist wahr. Die Religionslehrer lassen sich durch den allgemeinen und durch den im besonderen geübten Einfluß des Vorstaildes oft Zli einer Milde bestimmen, die von ihrem Innersteil nicht iminer ganz gebilligt wird. 4. Herr Dr. Steiner spricht voll den „vielen niatcriellen Opfern", durch welche der Vorstand „eine Art Friedenszilstand" herbeigeführt habe. Dabei läßt er in hämischer Weise die Religionslehrer in dem Licht erscheinen, als hätten sie bcm Vorstande diese Opfer herausgelockt iliid ihn nachträglich geprellt. Dem gegenüber erkläre ich, daß die Religionslehrer seit 30 Jahren den Standpunkt einnehmen, daß der Knltnsvorstand ihnen gegenüber Verpflichtungen habe. Infolge der Lückenhaftigkeit des Gesetzes vom 20. Juni 1872 sind die israelitischeil Religionslehrer in ihrer Rechtsstellung, in ihren Bezügen und in ihrer Versorgung gegenüber allen anderen Lehrerkategorien arg benachteiligt worden, und es ist akteninäßig nachweisbar, daß dies dlirch das Verschuldeil eines frühereil Kultusvorstandes geschehen ist, der bei deii Verhandlungen mit der Unterrichtsverwaltung, und den Religionsunterricht auf Kosten des Schulerhalters durchzlpetzeu, die Religionslehrer preisgegebcn hat. Wir glauben also, daß es dein KultnSvorftand obliege, diese Benachteiligung auszngleichen, iun so mehr, als derselbe von den Religionslehrern ilicht unbedeutende, über ihre Dienstverpflichtullgen hinausgehende Leistungen fordert. Der Vorstand hat iliNi, ohne zu diesem Anspruch bestimiilte Stellung zu nehmen, vor einigeil Jahren einen Betrag von 3—4000 K jährlich als Remuneration für die voii den Religionslehrern abzuhaltenden Koilfereilzeil, ferner für Gutachten, Referate, Berichte ri. dgl. bewilligt, voll bcm auf den einzelnen Lehrer, der trotz seiner Erholungsbedürftigkeit seine spärlichen freien Tage dieseil Aufgaben Ividniet, 2 400 K jährlich ent- Liebe noch so feurig wäre, Sie mit der Zeit, wenn der erste Rausch verflogen, rnich diese vermeintliche Superiorität würden fühlen lassen, lind wenn ich in dein kreise Ihrer Bekannten riild Verwandteil auch nur ein Nasenrüinpfen bemerkt hätte, so würde es illich tief gekränkt haben. Die folgeildeii Ereignisse habeil die Richtigkeit dieser Anschauung bestätigt, denn iil Ihrem Zorne gegen illich, einzelne habeil Sie ilicht nur meine Familie, soiiderii uleinen ganzeil Stamm, ineine Glaubensgenossen verfolgt. Freuen Sie sich nur lveiters an Ihrem Rachewerke, weideii Sie sich all dein Anblick unseres Uiiglückes. Tie Reue, die Sie jetzt zeigen, die Opfer, die Sie bringen wollen, können nie und niinmer die Kränkungen gilt itiacheil, die Sie inls verursacht haben, und iveiln Sie Ihr ganzes Vermögen mir zu Füßen legen, ich verschmähe es. Hätten Sie nur an mir Ihren Haß nnD Groll betätigt, hätte ich Ihilell verzeihen können, Denn was Sie voll Juden Schimpfliches gesprochen uiid gedacht haben niögen, eine Rachsucht, wie Sie sie an den Tag gelegt haben, kennen wir ilicht. Doch daß Sie die ganze jüdische Nation anfeindeten, zu Haß lind Verfolgung tauseilder Menschen, die Ihnen nichts zu Leide getan hoben, predigten nnd ancifcrtcn, das kann ich Ihnen nicht verzeihen unb ich fühle mich gedrungen, Ihnen mit einiger Variation die Worte Ferdinands an Lady Milford in „Kabale und Liebe" zuzurufen: „Umgürte dich mit dem ganzen Stolze deines Ariertums, Ich, eine jüdische Jungfrau, verachte dich." Ganz zerknirscht uild im Innersten tief erschüttert ging Oswald voll dannen. Diese Lektion hatte ihil bis ins iimerste Lebensmark getroffen nnb er mußte sich sagen, das Mädchen hat vollkommeii recht uiid ich habe erbärmlich gehandelt. Das Andenkeil an sie schwand nicht bei ihm. Ob er durch diese Lehre von feinen Zornesgefühlen geheilt ward, ist sehr zweifelhaft. Ein solches Temperament ändert sich ilicht lind der geringste Anlaß kann es wieder auflodern machen. In dem Geschicke der Faiiiilie Jllst trat später eine güiistige Wendiulg ein. Der Warenwert war gestiegen nnd ilach über wundener Krisis kam eine lebhafte Gefchüftskonjunktur. Früher verloren geglaiibte Forderungen gingen ein und so konnte Herr Just seine Gläubiger befriedigeil nnb auch die Schnldtitel des Herrn Dr. Berger einlösen. Für Hermine traf sich bald eine vorteilhafte Verbindung mit einem achtbaren Finanzbeamten nnb sie vergißt jetzt in glücklichen Ver hältnissen den Mann nnd seine Rache. Huntes Feuilleton. Swakopmund. lTierschntz irr Swakvplmmd.) In der Man atsvenlan, mini m des Sivatvpmu'ildc'r Kr. 40 fallen, die ihm ilicht einmal bleibend, solidem jedesmal ilach Ermessen des Vorstaildes zugebilligt iverdeil. Ist es mm vornehm, ist es Mich iliir des Vorstaildes würdig, dies den Religionslehrern öffentlich vorzurückenV Ist es a'ngelnessen, hier von „vielen materielleil Opfern" zu sprechend Uiid ulüßte der Vorstand ilicht mit Entrüstung die Zumutung voir sich weisen, als habe er mit diesem Betrage bat Rellgionslehrern ihre Amtspflicht mrd ihre Grundsätze abkaufen wollenV fi. Die Angaben des Herrn Dr. Steiner über die in Rede stehende Präparation für den hebräischen Unterricht entsprechen zu meinem Bedauern in keinem Belange der Wahrheit. Unwahr ist es. daß die Religionslehrer der Mittelschulen die Herstellung einer hebräischeil Präparation in die Hand genommen haben. Wahr ist hingegen, daß eine Miilvrität der Religionslehrer sich gegen die Präparatiou überhaupt ausgesprochen hat, und daß nur ein Religionslehrer sich zur Herstellung einer Probe erbütig gemacht hat. Unwahr ist es, daß die ReligioilSlehrer die Angelegenheit verschleppt habeil, wahr ist, daß sie auf den Gang der Sache ilicht den geringsten Einfluß zu nehnlen in der Lage waren. Wahr ist, daß die von einem hiesigen Religionslehrer vorgelegte Probe für unbrauchbar befunden wurde und daß sohin Verhandlungen mit einein auslvärtigen Religionslehrer behufs einer derartigen Vorlage eingeleitet worden sind. Ich zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Dr. A d o l f W e i ß k. k. Professor. W i e n, den 27. Mai 1900. Politische Rundschau, In der Wiener Gemeinderatssitznng vom 1. d. M. sind einige prinzipielle Aeußeruugeu gefallen, die auch für uns Juden von Wichtigkeit sind, Iveil sie beweisen, daß inan, in politischen Kreisen auch schon zur Ueberzeugnng gelangt ist, daß die Inden ihre bisherige politische Haltung werden ändern müssen, wenn sie nicht dein allgemeinen Hohn ausgesetzt sein wollen. Zunächst sei auf folgende Aeußerung des fozialdemokratischeit Gemeinderates S ch u h m e i e r hingewiesen: Sch u lirn-e 0c r: Der WiahWanipf ist — daS sagt jVt schon das Wort — keinVHorhzellAsoierkichLeit, da kann cs nicht so .aeiniltlich isein, wie Sie wünschen. Wennein. Terror geiilbt mu>rde, 'jlo ist er von chrsstlichsozialer Seite ausgegan-MNl, denn der Terrorismus setzt die Macht voraus. M i ch l a s s e n I st r e S i e g e e st >e n 1 v I a I t, rv 'r e Blirger Vereins an, 19. Mürz tarn ein BviMnlg zu Sprache, der uns zotat, daß, >lven'n anch sonst nicht allzu viele demtsche '.U'ultur, so doch oim* Blüte gar schnell ^dorthin iinporkiert ist. Die Sivakopnisunider „Deiltsch^SilAivei'tasriiika-Zeit!il!llg" lstevichtet darüster: „Dü Mitglieder der hwsige» israelitischen Gemeinde „koscheres" F-iessch halben lovllten, >hat Herr Schlächte'rm>c'li>ster Erkrath, »nstetliniinert uni seine listvige .Unnvschast, all sein Vieh, das geschlkachtet ivnrde, »ach jjüdischem! Ritus geschachtet, 'fb stasi in letzter Zeit eben jeder koscheres Fleisch essen musste. Tie M'itteiliüiiü Äiüser Tatsache, Re ntir iveuigeu stekaiiiut war, ries in der Bersanunl'ung aslstemeine Eulrüsluug hervor, mild Herr Erkrath, der zngegelc llvar, ivutde vor .die Mahl gestellt, eiitiveder mtif das Schächten oder aus seine christliche Knndschaft z>>l vevzlichteir. Natürlich entschied sich Herr Erkrath für seine g röste re alte Kundschaft nnd versprach hostbimut, das; feruerhin ans fotmem Schlachlstvse kein Stück Äidh neschächtet ,verdeu1 sollte." Man sieht, jnst so in Detctsch- Afrila, iiolie audersivv «im europäischen Dleatschlaiid. Wird sich das afrikanische istindvieh aber freuen, das; es nicht mehr geschachtet, sondern nach der nenesten deutsch-arischen Mode sterben tann>! ttiilsere lSla>ll>eusgeuosse>l ist Swakopmststd aber iverden gewist »licht iin Ver lege »stell konuueu, >voher sie >loscheres Fckeisch beziehen kounen. Es ivird n>och niestr Schlächter in SivakopilNlNd gebe», als Herrn Erkrath.