Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 38 (25.5.1906)
- Date
- 1906-05-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 38 Nation« lzeitung Seite 3 K 04.617 fast tonstamt cjcBli^be« sind. Verursacht ro'ur&eit die erhöhten dtusgalien tiauptsächltch durch Mchransgaben an Gewalten umö Löhnen, 'itisolge Mistelkivia eines PrHinaMchtes ulnd einer Oberschwester, durch erhöhte A>usga>ben für die Ge- WndeerhaMlttla, endlich durch die Sticlgrnig der Lebenslm ittelpreise. Die Ausgaben isür Unterstützungen haben sich lvorr Kronlen 161.867 im Jahre 1904, a>U'f Kronien 188.311 iw Jiahre 1905 vermehrt. Die Deckung dieser Ausgabe erfolgt, wie bereits e>rwühnt, durch den Ueberischnß ans dem Kapitel Beerdig ttugsiwesen, ebenso wie die Aus gaben für Subiventibnen an W ohltüt ig>keitsveroi-rke im Be^ trage von X 46.760. Wie Kliltnsfletrer hat im Jahre 1905 nur eine unbedeutende Erhöhung, undzwar mit rund X 6000 erfuhren. Tie dlnsgaben für die allgemeine VerüNaltung erhöhten sich imt rund X 30.000, hgulptfUchlich hervor ge öufeu durch GehMserhöhN>ugen, durch PerisvnallvermehrNng, endlich, und ziwar mit einem Betrage non X 14.993 durch die Umgestaltung und NM-einrichtiing non Lolalitäten iim Hainse Leitenstettengasso 2 für BtlreauMvecke. Jlu KaPHtel „diiverise Einnahmen und Zlnsgaben", dessen Ge'sa'mtaNsMbeu X 31.725 betragen, sind X 15.000 als Beitrag an die Israelitische Allianz anläßlich der russischen Judennerfolguingen enthalten. Gickapester Brief. (Landeskonferenz der Orthodoxen. — Eine Mische Trauung in der Stefanskirche in der Neologcngemeinde. — Durchgesallcne jüdische Abgeordnetenkandidaten. — Soma Visontai kommt wieder ins Parlament. — Achtzigster Geburtstag eines hervorragenden Gelehrten. — Goldfaden int „Ungarischen Theater".) Wie in diesem Blatte bereits mitgeteilt wurde, fand hier vergangene Woche die Jahresversannnlung der orthodoxen Landesrepräsentanz statt. Von den Beschlüssen, die gefaßt wurden, seien hier die wichtigsten erwähnt. Auf Antrag der politische n K o m rn i s f i o n für interne konfessionelle Angelegenheiten wurde beschlossen: 1. Die Zentralkouunission wird angewiesen, den restlichen Teil der Organisationsergänznng auszuarbeiten und der Regierung behufs Sanktion zu unterbreiten. 2. Die Zentralkommission wird beauftragt, ihr Bestreben zur Befreiung der jüdischen Kinder vom Besuche der nichtjüdischen Schulen am Sabbat fortzusetzen, ferner zur Erwirkung von Erleichterungen der Sonntagsruhe für die Glaubenstreuen alles mögliche aufzubieten. 3. In der Frage der B e a m t e n p e n s i o n i e r u n g wurde wenn außer dem Chor kein Mensch anwesend wäre. Und je mehr er sang, desto größer ward das Staunen und die Verblüffung. Und wenn er mit einem Gesänge zu Ende war, schlugen sich die Gojim in die Hände, das ist nämlich bei ihnen ein Zeichen des Wohlgefallens und des Dankes. Schon war die Mitternacht vorüber und Awrämele mußte immer wieder neue Gesänge zum besten geben. Die kleinen Kinder sind inzwischen müde geworden, doch das half nichts, denn die Schlachzizen waren besoffen und nahmen gar keine Rücksicht. Einige griffen frech nach den jungen Mädchen des Ehasn's und beleidigten sie. Man hatte kein Verständnis mehr für die schönen Melodien und fasste das Auftreten des polnischen Juden mit seinen Kindern als einen gelungenen Spaß des Hausherrn ans. Man rief dem Ehasn zu: „Sing' Ma-Jufith, Jud'l" „Maische, sing' Heirei-Heirei-Lieder!" Die halbangekleideten Frauen umringten ihn, langten nach ihm und forderten lustige Weisen. Der' Litwak befand sich in großer Bedrängnis und sang immer von neuem. Eines seiner Kinder Hub zu weinen an, weil es schläfrig lvar und sich vor dein ungewohnten Lärm fürchtete. Man gab ihnr deshalb die Erlaubnis, die Kinder nach Hause zu schicken, doch er selbst mußte bis znm ersten Hahnenschrei in der ansgelassenen Gesellschaft! beschlossen, den Verein orthodoxer Schächter „Agudas-Hasowchim" zu einem alle orthodoxen Kultusbeamten in sich fassenden Pensionsverein auszugestalten. Außerdem soll im ganzen Lande eine K r o n e n s a m m l u n g zur Schaffung eines Jeschibah-Nnterstühungsfonds veranstaltet werden. Int Gegensätze zu den Orthodoxen, die alles aufbieten, um die jüdische Religion und das jüdische Selbstbewußtsein zu festigen, tragen'die Neologen, und besonders ihre Führer, ein Benehmen zur Schau, das auch in minder konservativen Streifen peinliches Aufsehen erregt. Eilt solcher öffentlicher Skandal war die Trauung des getauften Fräuleins Dora R e i m a n n, einer Tochter des Direktors Lasar R e i m a n n, mit einem Brüsseler Großgrundbesitzer. Die Stefan sk i r ch e, in welcher die Trauung vollzogen wurde, war von den Koryphäen der hiesigen jüdischen Gesellschaft überfüllt. Sogar das Magnatenhausmitglied Siegmund Kornfeld, der erst jüngst deputativ gebeten wurde, das Präsidium der neologen Gemeinde zu übernehmen, fehlte nicht. Wie demoralisierend eine solche Demonstration auf unsere ohnehin schwanke Jugend wirkt, ist ja bekannt. Im übrigen sei hier erwähnt, daß die Neologengemeinde noch immer keinen Präsidenten hat, weil bezüglich der Person bisher noch keine Einigung erzielt werden konnte. Die Präsidentenwahl wurde jetzt zum fünften Male bis znm 10. Juni verschoben. Bei den jüngsten Reichstagswahlen sind mehrere Juden unterlegen, die viele Jahre hindurch im ungarischen Abgeordnetenhause eine hervorragende Rolle gespielt haben. Unter anderen Dr. Julius R o s e n b e r g, ein treuer Kampfgenosse T i s z a s, dem zur Zeit der liberalen Äera das Marinereserat Zugeteilt war, und Soma V i s o n t a i, ein intimer Freund des Justizministers P o l o n y i. Visontai gehörte stets dem klerikalen Flügel der Achtundvierzigerpartei an. Auch zum Zionismus stand er zu Beginn dieser Bewegung in Ungarn in freundschaftlichen Beziehungen und es hieß sogar anfangs, daß er die Führung der ungarischen Zionisten übernehmen werde. Visontai ist in seinem erbgesessenen Wahlbezirk, in G y ö r g y ö s, von seinem langjährigen Freund und Oberkortes überlistet und zürn Schluß auch besiegt worden. Nun will ihm sein Freund P o l o n y i, dem nicht weniger als drei Mandate zufielen, das eine, in Unavar, zuschanzen. In warmen Worten empfahl der Justizminister seinen intimen Fremtd und Parteigänger der Magyaren und die Wahl Visontais wird nunmehr als gesichert bebleiben. Er sang nicht mehr aus Vergnügen oder Pflicht, sondern ans Furcht. Man verlangte van ihm, daß er tanzen solle und machte Miene, ihn dazu zu zwingen. In einem freien Augenblick stahl er sich fort und verließ den Palast. Noch ist ihm ans dem Gange die Sünde begegnet. Eine junge Polin, die Augen hatte so schwarz wie der Satan, fiel, vom Gesänge betört, dem Ehasn um den Hals und hattchte ihin sündhafte Worte ins Ohr. Er erschrak, riß sich von ihr los, doch hielt sie ihn fest an seinem Rocke. Da fiel ihm rechtzeitig die Geschichte von der Frau des Potifera ein und er tat wie der fromme Josef, entledigte sich des Nockes und lief auf die Straße. Und er lief wie ein gehetztes Wild, wie ein Verbrecher, der jeden Augenblick den Schuß des Verfolgers in seinem Nacken gelvärttgt. Er lief atemlos, keuchend mit großen Schweißtropfen auf dem geröteten Gesicht. Er ließ die Zunge hängen und seine Lungen arbeiteten wie die eines dahinjagenden Hundes. Zu Hanse angelangt, sank er erschöpft nieder. Es erschrocken sein Weib und die älterem, seiner noch harrenden Kinder." Abba schwieg. Er nahm ein wenig Apstlmost zu sich und erhob die grauen, ausdruckslosen, blinden Angen znm Himmel. Seine Zn-! Hörer rührten sich tticht .... Einer der hervorragendsten Gelehrten unter den ungarländischen Rabbinern feierte am jüngsten Samstag seinen achtzigsten Geburtstag. Es ist dies der Rabbiner von Eisenstadt, Salamon 51 u t t n a. Kuttna ist ein Gelehrter auch in inoderncm Sinne, und die vielen Ovationen und Ehrenbezeugungen, die ihm anläßlich seines achtzigsten Geburtstages aus dem In- und Auslande zuteil werden, gelten nicht nur dem frommen Gelehrten, sondern auch dem Organisator und Vorkämpfer der Autonomie der orthodoxen Juden Ungarns, denen der greise Rabbi sowohl zur Zeit des Kongresses als auch später große Dienste erwiesen hat. Rabbiner Kuttna ist stets für den Frieden im Judentum eingetreten, und weil ihm diese Bestrebungen in extremen Kreisen übel ausgelcgt wurden, zog er sich vor fünfzehn Jahren vorn öffentlichen Leben ganz zurück und widmete sich ausschließlich seinen Studien und seiner Gemeinde, die ihr geistiges Oberhaupt geradezu vergöttert. Zum Schlüsse melde ich Ihnen noch eine interessante Theaternachricht. Im hiesigen „Ungarischen Theater" wird jetzt ein jüdisches Singspiel „Der n e u e M e s s i a s" einstndiert. Die Musik ist von Goldfaden. Die ungarische Bearbeitung samt den Liedertexten ist ein Nachlaß des leider zu früh verstorbenen jüdischen Poeten Emil Makai. Makai, der früher Fischer hieß, war ein Sohn des Makoer Rabbiners M. Fischer und studierte ursprünglich am hiesigen Rabbinerseminar. Ueber das Stück und seine hiesige Aufführung werde ich Ihnen seinerzeit berichten. Jochanan. Irrr Abwehr. (Eingefendet.) Mehrfach traten die Berufskollegen der ungarischen Reichshälfte bittlich an mich heran, meine Ansicht und Stellungnahme zu der Organisation eines ungarischen Landesverbandes der Kantoren genau zu präzisieren. Ich habe dieser Einladung bereitwilligst entsprochen und meine Ausführungen wurden in der neubegründeten „Kultusbeamten-Zeitung" zum Abdruck gebracht. Jtt diesen figuriert ein Passus, „daß die Leitung des Oesterreichisch-ungarischen Kantorenvereines auch nicht auf unbestrittener Höhe stehe", ich schrieb dies bona fide, da ich dem Vorstande dieses Vereines selber angehöre. Dieser Passus ist nun in gewissen Kreisen zum „roten Lappen" geworden, der den Redakteur der „Wahrheit" zu einer Publizistik ^ebenso geschmacklosen als..— sagen wir'—- IV. Und jetzt, liebe Freunde, geht meine Geschichte bald zu Ende. Noch in derselben Woche erkrankten unserem Ehasn die beiden jüngsten Kinder, die an jenen: Abend sich verkühlt hatten. Das kleinste konnte der Krankheit nicht widerstehen und huschte hinüber in die andere Welt. Es war Awrämeles Lieblingssohn und der Vater hat sich über das Unglück nicht getröstet. Er glaubte in dem Schicksalsschlage den F i n g e r Gottes zu erblicken und er fürchtete sich vor des Allmächtigen starker H and. . . Die gaitze Welt begann von ihm zu sprachen. Man wagte es zwar nicht, ihm Vorwürfe iits Gesicht zu schlendern, weil matt seine Unabhängigkeit kannte, aber hinter seinem Ri'tckett zog man gegen ihn mit großer Erbitterung los und nannte ihn „Chuzpenik", den Frechen, weil er sich erdreistet hat, Gottes Wort zu verraten. Man drängte in betx Raw, daß er den Ehasn gehörig bestrafen solle. Doch Reb Berisch war ein bescheidener Mann und er wollte nicht gegen einen Schützling des Premyschlaners eigettntächtig Vorgehen. Er ließ aber dtirch einett reisenden Kaufmann die ganze! Begebenheit dem Rabbi zutragen.! Der Rabbi ließ dtirch den reisettden Kauf- KREBS APOTHEKE 5. niTTELBdCM Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 (Palais Sinai im Zentrum der Stadt. Purgier-Pastillen. äVÄ ".äL mau an ain gutes Abführmittel stallen kann. Wirkung gelinde, ohne Schmerzen. Verwöhnt den Körper nicht. Preis pro Dos® 2 Kronen.