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Nationalzeitung · 1906-05-25 · Heft 38 (25.5.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 38 (25.5.1906)
Date
1906-05-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nationalzeitung Nr. 38 schon lange den Unwillen der Gemeindeangehörigeu erregen, die es aber vorziehen, anstatt der Vordrmgung von Beschwerden, in dem Fernbleibell von aller: religiösen Veranstaltungen ihrer: Standpunkt zu markieren. In sämtlichen Synagogen der Welt ist es Gebrauch, daß die I a h r z e i t f e i e r in irgerrd einer Form zugunster: der Syrmgoge und everrtuell der Wohltätigkeitsar:stalten abgehalter: wird und hat erst jüngst der Vorsrar:d des 6. Bezirkes ein diesfälliges Regulativ ausgearbeitet. Ir: der Seitenstetter:- gasse ist auch dieser pietätsvolle Akt ein Monopol der S ch a m o s si m geivorder: und es ist gewiß seltsam, daß selbst der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde anstatt eine Flasche Oel zu kaufen, die 40 kr. kostet, und dabei für Monate hir:reicht um das Jahrzeitlicht anzünder: zu lassen, hierfür X 4.50 pro Jahrzeit dem ersten Tempeldiener vergütet (Seite 9, Zahl 6), was rveder dem Stiftungszweck noch der so wünschenswerten Qekorwmie entspricht. Da ich voraussetzte, daß bei den größeren Positionen des Budgets, namentlich wegen des geringen Erträgnisses der Realitätei:, des mangelnden Ausweises über die Verwendung der Stiftungsgelder, des unverhältnismäßigen Aufwandes für das Kantorat, bei notorisch minderwertigen Leistungen (G. F. u. Sm. ausger:on:men) der enormer: materiellen Mittel für Juger:dgottesdienst, Konfirmationen rc. im Vorstande selbst auf Abhilfe gedrurrgen werden wird, beschränke ich mich darauf, einige sonstige, besonders interessante Ziffer:: hier arrzuführen. So finde ich auf Seite K 31 für Bezüge bei der Fteischregie 80.000 39 „ prov. Lehrer u. Supplentei: 56.000 55 „ Funktionstaxer: für Friedhofkantoren u. Sänger 16.000 69 „ Wäschereinigung i. Spital 15.000 81 „ Versorgungsanstalt 14.000 durchwegsZifferr:, die auch in eurem Millionenbudget Staunen Hervorrufer: müssen. Gegenüber der: reellen Eirrnahmen der Bethäuser durch Bethaussitze erforderten die fünf Gemeindebethäuser im Vorjahre folgende Zuschüsse: I. Seitenstetterrg. K 19.464.30 gleich 50% II. Tempelgasse „ 142.281.79 „ 75°/0 XV. Turnergasse „ 20.734.39 „ 250% XVI. Hubergasse „ 16.488.77 „ 175% XVIII.Schopenhauerst... 22.109.85 „ 400% Es würde sich empfehlen, daß die zur Generalversammlung der unterschiedlichen Bethausvereine delegierten Vorstandsmitglieder, sowohl Hinsichtlich der Gebarungsförmliche Abstimmung statt, wer der ungewöhnliche Gast fein tonne und man kam zu dem Resultate, daß es doch der Kaiser sei. Deswegen wurden rasch alle Fenster mit schabbesdigen Decken beflaggt. Und als der Fürst seinen Wagen wieder bestieg, rissen alle Juden die Hüte von ihren Köpfen, sodatz sie in ihren Samtkappen stehen blieben und schrien: Vivat! Der Fürst war sehr angenehm berührt und grüßte nach rechts und links, was den Juden in der Hoichegaß große Freude bereitete. Hierauf stürzte eine Anzahl von Neugierigen in Awrämeles Wohnung und begehrte zudringlich Auskunft über den seltsamen Besuch- Awrämele aber hüllte sich in Schweigen. Auf alle Fragen hatte er nur eine Antwort: Ich kann euch nichts sagen- Und er entschloß sich, den Wunsch des Fürsten nicht zu erfüllen. Nein, das wollte er nicht tun. Gottes Wort soll durch fremde Ohren nicht entweiht werden. Wozu brauche er Geld? Es fehle ihm ja nichts. Als er aber am nächsten Morgen mit seiner Frau beim Frühstück saß und mit ihr die seltsame Begebenheit besprach, traten zwei goldbetreßte Diener in die Stube und legten zwei scheppernde Säcke auf den Tisch. Sie öffneten, ohne zunächst ein Wort zu reden, die Beutel und schütteten eine Flut von Goldstücken auf den Tisch. Awrämele und seine Frau waren von dem Anblicke dieses ItyMOhbfr! IVa'ssordIchtl QaruQhlo«! Ziffern dieser Vereine, wie der ruhiger: urrd würdigen Art des Gottesdienstes die Nutzanwendung für die eigenen Gemeindeb e t h ä u s e r zieher: wurde«:. Wern: ich schließlich noch hirrzufüge, daß die vor: nur seinerzeit in Erinnerung gebrachte hohe Ziffer für Begleitrvager: zu Leichenbegängnissen, auch unter dem gegenwärtige«: besserer: Regime irr: Friedhofsamte keine Verminderurrg erfuhr und im verflosserrer: Jahre X 24.921.26 rrebst der Vergütrrng vor: 2909,80 für direkte Fahrten erforderter:, so habe ich damit einige Punkte berührt, derer: Sanierung ich vertrauensvoll vom geehrter: Vorstande erwarte. Der geehrte Vorstarrd hat erfreulicherweise neben den allzu nachsichtigen urrd milder: Opporturntätsmännern auch solche Persönlichkeiten, die ihre kommerziellen Betriebe mustergültig leiter: urrd denen es bei Entrvicklung der nötigen Energie urrd Orgarüsationskraft auch gelirrger: körrrrte, Ordrnnrg urrd Oekörwrnie ir: unsere Gemeindefirrarrzer: einzrrbürgerr:. Es gehört viel Ueberwindung dazu, um sich die Begeisterurrg für die ethische Bedeuturrg des Judentums rricht durch solche Kreise trüber: zu lasser:, die in der Rcligionsübung arrderer nur ein Harrdwerk erblickei:; eine Art Fortsetzung der Judengasse des I. Bezirkes. Wien, den 26. April 1906. M. Baum. Drr Kechrmogsnkschlaß für das Jahr 1803. Ter Nechuuugsäbfchkuß für das Jahr 1905 schließt mit einem Fehlbeträge vor: X 78.021,59. Es stechen nämlich — nach Aus scheid uvig der Kapitel „Zentrakfriedhof" rmd „BeerdiWMtzswese:^ und der Kapitel „Unterstützungen" uni> „Subventionen" den Einnaihmien von K 1,748.953,80 Illusgacheu von K 1,828.975,39 geigonüber. Tire Details Mm Nechmm'g>saVschLusse weifen im großen «und ganzen gegenüber dem- Bovfachre nur geringe Aenderungen aus. Etuzeklre befoiM dere Posten seien in nachfolgendem ch>e!r>vorgehoiben: Das Betchaus Innere Stadt erforderte 'im achg'eliäufenen JgHre wnt K 6000 mehr als inr Jahve 1904. Die Einnahmen erfuhren inslbesom dere aus „TraNnngstaxen" und für „Betsitze" eijne Erhöhung von rund ft 4900. D>ie Heraihrninde-- vnng der' Zlllsgaben für bei: Tempel H u b e r - g affe um rund X 7000 ist Nur eine scheinbare, weil nämlich unter den Ausgaben des Jahres 1904 K 6000 für größere Renovierungen enthalten waren, die 1905 fellbstverstä üblich Nicht mehr evfchvinen,- weiters gelangte die Stelle eines ersten Kantors in diesem Tempel erst im Laufe des Jachres 1905 zur Wiederöesetziung, '.wodurch sich die Herabminderung, dev Post ,-Gehalte" erklärt. Schatzes geblendet. Es herrschte tiefes Schweiger: im Zimmer, bis ein Diener aus einem goldenen Behälter zwei große Brillantohrgehänge der Hausfrau überreichte und sprach: „Hier sind zehntausend Dukaten, die Euch der Fürst Chlomirski übersendet. Die Ohrgehänge aber schickt er Eurer Frau. Nächsten Sonntag läßt der Herr Fürst Euch und Eure Kinder mit einem Wagen abholen, damit Ihr an dem großen Feste der Frau Fürstin teilnehmet." Der Diener sprachs urrd ging. Der Zweite folgte ihm. Awrämele saß sprachlos da. So viel Geld hat er noch nicht gesehen, aber auch seine Eltern und Großeltern nicht. Er hat überhaupt nie geglaubt, daß man so viel Gold in einer einzigen Stadt zusammenbringen konnte. Unwillkürlich griff er nach den kleinen runden Scheiben und ließ sie klirrend durch seine Finger gleiten. Seine Frau hielt unaufhörlich die strahlenden Brillanten in der ausgestreckten Hand und lachte das Geschmeide an. Dann sah sich das Ehepaar gegenseitig an. Die Frgu brach das Schweigen. „Awrämele, sagte sie, wir sinh, reiche Leute." „Jawohl," sagte der Chasn, von seinem Sitze aufstehend, „sogar sehr reiche Leute." Die Einnaihmen des Bekhanses Sch o pen - , Hane rst ratze weisen eine Zunahme der Dran>- nugstaxeu um rund X 1000 ans. Tie „S ubve uti o u für Vereinsbet H ä n s e r" halber: sich -gegenüber dem Vorjahre u>m rlllnd X 5000 erhöht. Die Ausgaib-en für „K o 's ch e r f l e i >s ch" sirr d w'i>oder mn mehr als K 5000 In her: ordentlichen dli«:s gaben gestiegen. Auch die anßerordentlicheu Ausgaben crfubren irr: Berichtsjahre eine rticlit lmrüieserrtUche Erk-ö'huug irrfokge der Kosten, welche .die Abwe'hriaktiorrer: geger: die neuerlich aufg'etanchten Angriffe gegen: -das Schächer: erforderten. Tie im Jahre 1905 für größere Nenvviernlngen der MlikrvaH eingestellte Rlesenve pro X 12.000 wurde rricht in Zlnfpruch genviumeii. Tie Auslagen für den Netigimrsuutereicht sind von X 158.225 im Jahre 1904 auf X 167.379 in: Berichtsjahre aestiegerr. Der vom BezkrkssclMsvuds geleistete Beitrag ist nr'it X 36.508 fast gleich geblieben. Der Ueberschnß des Kapitels „Neerdigungswefen" im Gesamtbeträge von X 112.885 wird wlie alljährlich dazu verwlendet, nin die A>ns lagen für Unterstützungen in: Betrage von X 66.125 unid für Snibtientioner: an WvHltätigkeitsoerckne im Betrage vor: X 46.760 zn decken. Ans den: Ueberschnssc des Kapitels „Zentvalfriedhv'f" rvnrden X 41.951 den: Friedlhvferrverblilngsfonds X 73.328, den: Penlsiousfonds zng' Tilgnng des auf dem Hanfe 1. Bez., Seitenlstettengasse 2 lastenden Da'rlehe'Ns i« gleicher Höhe zngewiesen. Die gär irre bische Ansgeft^alluag des W>8>hrilrger Friedhofes >w::rde in: Berichtsjahre fortgesetzt «und vollendet. Das diesbezügliche 'Erfur'dernlis betrlulg im Jahr>e 1905 K 16.248, die Einnahmen hierfür be'zislfcrten sich auf X 2367 aus der LiebenbergstUftung und K 1000 a'us lSpender:. Mit den: Neftbetrage pro X 12.881 wurden in: Sinne eines Plenlarbefchkufses die' künftigen Erträguifsie der LieVe'nb'ergstiflung belastet. D.ie Lstlsgaben für das lSpital stiegen von X 284.915 auf X 363.508, das ist mit X 81.593. Dagegen erfuhren die Einnahnren eilte Erhöhung vo>n X 88.137 auf X 157.315, hauptsächlich durch die lErtrügUisfe der Nakhan>iel Freiherr von- Noth-; schildschen Widmung pro X 2,000.000. Die Er-; Höhung der Mlsgaben erklärt sich durch die Ber- TtueifjirüinQ des. B^elagraulmes, durch die Berkeuermw der Leöen snrittel, durch ve risch iedeue mit der ErhöhUng des Velages im Zusammenhang stehende größere Neuauschasfmlgen ulsw. Der Zuischüß, dyn die Gemeinde z:: den Kosten des SpitOes leistete, ibetvng X 206.192, mn rund X 13.000 mehr als, im V-orjahre. Diie ordentlichen dlnsgaben dr: Berforguntzsaustalt sind vor: X 130.481 crus X 146.653, um rund. X 10.000. gestiegen, während die Eingmihnwu mit Dann erhob sich der Litivak und verriegelte die Tür. Er begann die Randdukaten zu zählen. Als er damit nicht fertig wurde, nahm er seine Frau zuhilfe. Und als die Mittagssonne mit ihren güldenen Strahlen den Gold- Haufen noch Heller erlänzen ließ, war es gerade der zehlüauseiwste Dukaten, den der Litwak zu den übrigen Stücken warf. Und das Geld hat seine Gewissensbisse hinweggefegt wie der Sturn: einen Spreuhaufen. Er dachte nicht inehr "an den Ursprnng seines Glückes, an sein hohes Amt, nicht daran, daß ein Volk Heiligtümer besitzt, die es für nichts in der Welt verraten oder entlveihen darf, und daß zu diese«: Heiligtümern seine Gebete .gehören, die durch Jahrtansende geiveiht sind. Was am Sonntag beim Gelage des Fürsten Chlomirski geschah, das kam: u«:d will ich euch nicht genau erzählen. Es lviderstrebt mir, Freunde, mich gerade bei diesen: traurigen Kapitel «neiner Geschichte länger aufznhalten. Awrämele sang mit allen seinen zehn Kindern -- er hat sogar die Mädchen mitgenouunen vor vielleicht tausend Schlachzizen, die mit ihren Frauen versanunelt waren. Und die Weiber haben Kleider getragen, die nur lückenhaft ihre Leiber bedeckten und die Schlachzizen lvaren betrunken. Sein Gesang wirkte zunächst wie ein Wunder, die Gojim saßen mit aufgerissenen Mäulern da. Es war so still im Saale, als sind die tiMlw OeMl tim

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