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Nationalzeitung · 1906-05-22 · Heft 37 (22.5.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 37 (22.5.1906)
Date
1906-05-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nationalzeitung Nr. 36 rvkssenHaftmkert, mit welchem Miste, mtt welcher mlermWttchon Sorgfalt hast -Au es gepfteat, wi-e koiner vor dir unö wie vreLÄcht feiinrr nach Gr! Es wa-r skrr TätWettsörmrtz, welcher üeirr Wchen erfüllte. «We nn nach -der UrM&mm so pieler BerufAgeschäfte, welche dir oblagen, 'du fct unseren: Hause erschienest, da war es, als vb öu sprechen würdest, jetzt halbe ich mein geschä-stMthes Daigewerk erledigt, jetzt arbeite ich fürs Hertz, jetzt arbeite ich jetzt fiir »reine Fianrrlie, fiir die erweiterte FauMie deiner, -unserer Ma-uibeitSbriiiderschaft, unserer KnltuAgemÄnöe. So hast du zehn lJahre lang in nnsever Mitte, zuletzt an -meiner Seite als Bizepvcisident unserer Gemein'de unermüdlich gearbeitet und viel, sehr viel des Knuten ist es, was du gestiftet und evarlb-eitet hast, so vor allem die Hevstelluug der Ovdn-un-g mnnlserenr Gemeinchshäushalte. Und dafür gebührt dir unser aller wärmster -Dan-k, -Darik für all das Gute, was du geleistet, Dmtk für die Fireunidlichkeit, das Wohlwollen,' öiie, Liebe, die -du uns entgogentgebracht und die wir alle mit gleicher, warmer Kieibe dir erwiderten, Dank seitens -der Bea>inten^ schüft, welche mich auffovderte, hiev ihr Wartfü-Hrer .m sein, für das ihr bewährte Wiohlliwollen und nicht zuletzt auch Dank dafür, -dast du stets mit offener, freigebiger Han!d 'den verarmten- Glaiu- -bensbrü-dern eine Stütze tind Hilse zu bieten bereit >warst. Dsm,Brld -wird u-n-seren Sitzungssaal zieren und die Legende an diesem Bilde wird lauten: „Danresch tauw l'a-mau w''daiuwer schola-unr l'chol farmt",' er hat gestrebt nach allem Guten für sein -Volk und er hat (rnein ehrwürdiger Vorredner hat dies so schön dargelegt) das Wort der -Eintracht und des Friedens gesprochen seinen Nachkommen. Sein Andenken sei gesegnet! Wien. (Oeffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes.) Die am 20. d. M. stattgefundene öffentliche Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes stand unter dem Zeichen der Trauer um den so plötzlich verstorbenen Vizepräsidenten, kais. Rat Moritz Hirsch s. A. Präsident Dr. Alfred eröffnetdie nur spärlich besuchte Sitzung mit einem kurzen, aber herzlichen Nachruf für den Kollegen- Das Andenken an den Verstorbenen wird protokollarisch verewigt werden. Nach Verlesung des Einlaufes, in welchem auch eine Spende der Familie des weil. kais. Rat Moritz Hirsch in der Höhe von 1000 Kronen figurierte, verlieft Sekretär kais. Rat Dr. Lieben das Referat über den Rechnungsabschluß, die letzte Arbeit des seligen„FinanzminjsterS". Dr. L i e b e n erwähnt auch, daß ein Gemeindemitglied (wie wir erfahren, Herr Moritz Baum) von dem Rechte, eine Erinnerung an den Vorstand zu richten. Gebrauch gemacht hat. Obgleich nach Anschauung des Vorstandes diese „Erinnerungen^ mehr das Budget als den Rechnungsabschluß betreffen, wurde dennoch beschlossen, die wertvollen Anregungen des Herrn Baum in Beratung zu ziehen. Nach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte und nachdem sich zur Generaldebatte niemand gemeldet hat, wird in die Spezialdebatte über de« Rechnungsabschluß eingegangen. Bei« Kapitel „Unterricht" urgiert kaiserlicher Rat Kauder« die Fertigstellung der „Präparativ« und des Vokabulariums" für den hebräischen Unterricht, deren Herausgabe schon vor zwei Jahren beschloffen wurde. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn beruhigt den Interpellanten dahin, daß dieses Hilfsbuch noch bis Ende dieses Jahres ferliggestelll sein wird. Dem widerspricht Dr. Maxim Steiner in auffallend scharfer Weise, indem er gleichzeitig über die Mittetschullehrer scharfe Kritik übt. Diese hätten die Angelegenheit verschleppt. Nach zwei Jahren wurde erst das erste Kapitel fertig und auch dieses sei, nach Ansicht des Redners, unbrauchbar. Er beantragt, die Arbeit dem Vereine der Mittelschullehrer aus der Hand zu nehmen. Vizepräsident Dr. G. K o h n »immt die Mittelschullehrer in Schutz, obgleich er selbst zugeben muß, daß bei Aufteilung der Arbeit durch den Verein der Mittelschullehrer mehr Courtoisie als Rücksicht auf Sachkenntnis gewaltet habe. Die Verhältnisse hätten sich in dieser Richtung bereits gebessert, wenn sie auch noch nicht zufriedenstellend sind. Die Schulkommifsion habe jetzt mit der Beratung über die Lehrerpräparandie zu viel zu tun gehabt und da diese jetzt ihrem Abschlüsse naht, wird dann für das Lehrbuch die Zeit frei werden. Es sprachen dann noch zu diesem Gegenstände die Herren Dr. Markus Spitzer, der der Ansicht ist, daß nicht die Mittelschullehrer, sondern der Lehrplan schuld sei an dem Darniederliegen unseresReligionsunterrichtes und auf eine Agitation in Kreisen der Gemeindemitglieder hinweist, welche eine Besserung der Zustände anstrebt. Ferner die Herren kaiserlicher Rat K a u d e r s, Dr. S t e i n e r und Salo Landau, welch' letzterer die gegenwärtige Lehrmethode für unrichtig hält, indem die Schüler jetzt, mit Literaturgeschichte, jüdische Geschichte rc. ohne System überbürdet werden, während sie nicht einmal korrekt hebräisch lesen können. Er beantragt, die Schulkommission möge sich mit der Abänderung der gegenwärtigen Lehrmethode befassen. Hervorzuheben ist noch eine Mitteilung des Präsidenten, wonach der Verwaltungsgerichtshof in einem konkreten Falle die Entscheidung gefällt hat, daß ein Jude, der zwei Domizile hat, in b - rden die Kultus st euer zu entrichten habe. Diese Entscheidung, die übrigens einer alten Praxis entspricht, ist deshalb von Wichtigkeit' weil gerade diese Juden es sind, die mit solchen Ausreden sich der Pflicht, Kultussteuer auch in jenem Orte zu zahlen, in den sie sich die Hälfte de- Jahreüber aufhalten, zu entschlage» suchen. Zum Schlüsse rvmd: sowohl dem Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn für die energische juristische Vertretung in der oben erwähnten Angelegenheit sowie dem Vorstande des Versorgungshauses, Herrn Salo Cohn, Oberfinanzrat Dr. Rappaport und insbesondere dem Damenkomitee dieser Anstalt der Dank ausgesprochen und die öffentliche Sitzung geschloffen. Sowohl da- Referat wie auch die „Erinnerung* des Herrn M. Baum bringen wir in der Freitagnummer. Wien. (DMi>kjiag>u.nig.) Die Adischnvtto-nttle Vevbrnldung „Herzlon-va" sagt auf üiKüfemi Wege allen, die durch Kon-doleMHveiiben Gve Doitrmjhme an ihrem unsterblichen- Verluste bewiesen haben, besten Dank. Wien. Wor-tva-g.) Samstas Äon 26. d. M. -Monds 8 U'Hr -findet im- Verein zur A b- -weHr des Antisemitismus seitens des beLannton Hof- und Gerichtsabvobate» Herrn «Dir. Friedrich Eidogen ein Vortvag im großem Festfaale des Ingenieur- und Arch-ite'kteniooredn-els, 1. Bez., Eschenibachgafse Nr. 9 Wer der: „Protest H'iisner" statt. Eingesührte Gäste, auch Damen, willkommen. K-ßllMd. E-ine nationaljüdische Gruppe in der Duma. Ans Petersburg wird dom ,?Meg" telegraphiert: Dii-e jüdischen Abgeordneten' sitzen in -der Dnma nebeneinander. Sie werden eine nat-ionalijttdische Gruppe bilden nnd <in allenjüdilschen Fra-gen geeint vovge'hen. Ihre gegenwärtige Taffik geht dalhiu, nicht Mit allzn scharfer Kviti-k hevoovzutreten, die zur Abkürzung der Lebensdauer der Dinma beitragen Wnnte, sondern zunächst innerparteUiche Arbeit zn leisten, für ihre weitere Taktik werden die Beschlüsse des bereits lega-l-isiorten ,/Verbandes zur Erlangung der Gleichberechtigung sür die J-üden" maßgebend sein, der a-in- 22. zn einer Äonseren^ Zusammentritt.; Warschau, 1.4. Mai. Wie, dem „Weg" mitgeteilt wird, haben die jüdischen Abgeordneten der Duma beschlossen, in der Duma nicht mit strengen Kritiken, welche die Lebenszeit der Duma verkürzen könnten, herauszutreten. Wegen der jüdischen Frage faßten sie den Beschluß, auf der am 22. Mai stattfindenden Versammlung des Verbandes für die Gleichberechtigung der Juden zu beraten. Wilna. (Jahrzeit für die Tschudlwwer Helden). Eine tiefergreifende Jyhrzeitfeier haben die Trojanower Juden für die zehn jungen Leute veranstaltet, die vor Jahresfrist, als sie beit Trojanower Juden zur Hilfe eilten, es sinh, die zuerst nach Amerika kommen, in der Absicht, erst eine Existenz zu gründen und dann die Familie Nachkommen zu lassen. Ich habe aber auch bei einer großen Zahl von Mädchen geradezu verzweifelte Fälle vou Nostalgie beobachtet. In Rußland sind die „alten Mädchen" fast unbekannt, und wenn ein Mädchen in reifen Jahren noch unverheiratet ist, so dient sie ihrer Umgebung nicht selten zum Gespötte. Jedes jüdische Mädchen in Rußland trachtet daher so früh als möglich zu heiraten, und zwar — „gut" zu heiraten. Es kommt rum oft vor, daß ein Mädchen hier sein Glück macht. Sie beeilt sich, hiervon ihre Freundinnen in Rußland zu verständigen und sie zu überreden, ebenfalls hierherzukommen. Ta kommen nun Mädchen ganz allein in dieses frenide Land mit einer ihnen unverständlichen Sprache, und finden sich den großen Erwerbsschwierigkeiten gegenüber. Sie finoen bald, daß es hier nicht mehr reiche Ehekandidaten gibt wie in Rußland und die Ehemöglichkeit vielleicht noch geringer ist als zu Hause. Manches junge Mädchen, das mich mit allen Symptomen der Nostalgie konsultierte unb angab, sie könne das hiesige Klima nicht vertragen, gestand mir schließlich ihre Enttäuschung ein. Interessant ist auch die Tatsache, daß kein einziger Revolutionär — obgleich es davon hier viele gibt — noch zu uns gekommen ist, mn nach Hause geschickt zu werden und dort für die Revolution zu kämpfen. Es sind ja sicherlich viele heimgekehrt, aber sie alle haben sich ihre Reisespefen selbst bezahlt. Nur an einen Fall erinnere ich mich, und der sei hier erwähnt. Vor ungefähr drei Jahren bat ein junger Sozialist um freie Rückbeförderung. Ich machte ihn darauf aufmerksam, daß er in Rußland sofort nach seiner Ankunft werde verhaftet werden- Der junge Mann erwiderte lächelnd: „In Rußland weiß keine Seele, daß ich Sozialist bin!" Nun erinnerte ich ihn daran, daß er sich wohl in Rußland ruhig verhalten habe, aber hier durch seine Reden und Schriften gegen Rußland bekannt ist und die wachsamen russischen Spione nrcchrscheinlich über sein Verhalten nach Rußland berichtet haben. Meine Warnungen blieben ohne Eindruck auf den jungen Mann und als wir sein Ansuchen zurückwiesen, beschaffte er sich das Geld auf andere Weise und fuhr zurück nach Rußland. Am Tage seiner Ankunft in der Heimat wurde er verhaftet und Ihm der Prozeß gemacht. Meine private Ansicht über die Nostalgie ist die, daß sie die erste und verläßlichste Handhabe für eine natürliche Auswahl der wünschenswerten Einwanderer bildet. Nltr bei den am allerwenigsten assimilationsfähigen Einwanderern stellen sich Symptome der Nostalgie ein. .In dem Maße, als ein Einwanderer sich unfähig zeigt, sich den amerikanischen Lebensbedingungen anzupassen, in demselben Maße wird er von Nostalgie heinigesucht. Die hoffnungslosen Fälle scheiden sich voii selbst aus durch Tod, Selbstinord, Siechtum oder durch Rückkehr nqch Rußland. Das wi'lnschenswerte (destrable) Element paßt sich den neuen Verhältnissen^' ' rasch an und liefert gute Bürger des. adoptierten Landes. Buenos Aires.' . (Ein)mirdernng.) Aus der soeben erschienenen amtlichen Ssatistik über die Einwanderung in Argentinien für das Jahr j'906 entnehmen wir folgende Daten: Die Gesamteinwandernng bering im Jahre 1905 177.117 gegenüber 125.567 im Jahre 1904. An erster Stelle stehen die Italiener mit 88.950. Es folgen dann die Spanier mit 68.029. An dritter Stelle die Juden mit 7616. Ankauf von Land. Eine größere Anzahl eingewanderter russischer Inden hat ein Territorium für 400.000 Pesas in Bamdero, Provinz Buenos Aires, angekauft und eine landwirtschaftliche Kolonie unter dem Namen Max Nordau begründet. Die Kolonie hat die besten Aussichten, schnell emporznblühen. W„0bb,rl «•••ftrdlohtl Qtruohlo«! Pollenz echte Reform-Scbweissblätter

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