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Nationalzeitung · 1906-05-22 · Heft 37 (22.5.1906) · page 1

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 37 (22.5.1906)
Date
1906-05-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ratmcheit«W Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. »--1 Rrdakiton: IX/l, Wasagaffv 31. Erscheint jeden Dienstag nnd Freitag. T .... U Administration: IX/l, Wafagaste 31. Telephon Nr. 14728. Eisealum einer Sostetät. — Keransgeber und Chefredakteur: Telephon Nr. 14728. Sprechstunden: Wn Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. stlbonnementS-PreiS r Preis der Anzeigen: Postadresse: „Nattonalzeitung" Wien. IX! I. Jakob Kraus;. Aür Wien u. Oesterreich- Ungarn f. Frankozustellung: Die Smal gespalt. Nonpareillezeile oder deren Raum 12 h. Seredver»«« wegen verspüterer oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns drinaend. — Mannrlitlpt« wer»«« nicht xttrfiekaemiit. Postsvarkassen-Konto 47037. In daS Abonnement kann man täglich eintreten. ft-:-ä ^njerate übernehmen die firmen: 2. vanneberg, ITT. vukes Nachfolger, kjaafenftein & Vogler, kudolf Moste. M. pozjonyi, 6. Schäkel in Wien ferner aNe Annoncen.Expeditionen im kluslande. Einzel-Nummer in Wie» IS Heller. Ganzjährig.... X 12.- Halbjährig . . . . K Vierteljährig . . .K 8— Für daS grämte SluSl d Ganzjährig ... X 18,12 ft „Eingesenbet" die Sspaltige Nonpareillezeile 50 Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabat». m Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgeqengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgasse 7; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Ur. 37. Wen, Dienstag den 22. Mai 1906 (27. Ijar 6666). VIII. Jahrgang. 3ri!mi0Qfi1mu h. KarrefMdkNstu. Inland. Karserlicher Rat Moritz Hirsch. Ern miigowöhnEich großer Trauerzlug öew^gche sich Diomverstag Lear 17. d. M. vormiMags Vom Arkaid'eirMertel üiber Hie .LasterOraße Kmn AentvaLfrieHhof. In Acchllasen Wagen folgten Dvaluernö-e aus allen Wiener GesellschalftsErersen dem Sarge des vovbientelr -Vizeprüsiibenben der iswelllröifchen KnltusgemeinÄe kaiserlichen Rates Miorrtz Hirsch. Dertreter der lKnltusgemeinHe, Hohe Beamte, Persönlichkeiten Wr Hante ifisnance, inÄustriiMer untd komwevztieller Kreise, Delegierte Huimariitärer tUn- Mute svwie viele Perlsönliche 'Früunide des Verstovbenen, seiner K'iinöcir -mild der, lMamUie» seiner Schwiegersöhne AimwM Rosenthal, >D!r. Jevome Stern rmö Robert Peüntz gaben dem trefflichen Manne «das letzte Geleite. lJin der großen Menge der -Traitlergäste, die sich im Sterbehanse, Reiichsratsstraße Nr. 1, eiNsainsden, >mav6nj M sehen: Sektionlschef Dir. 'Stadler von Wol'fersgrnn, >GetveraWonisnl DschiNköl, Generalkonsul La>ise>Mcher Rat v. WiosenibNrg, 'der deutsche Koujsnl Dr. v. MiveNot, -David Ritter v. GiMmann, der Generalsekretär der Ochterrekchisch-ungair'ischon Bank Hofrat v. Pranger, Hofrat Professor Dr. >Oser, die Regierungsräte Dr. Schlag 'unid Ritter v. Sonndovser, der Präsident der Handels- und Geiwerbekammer Reichsratsabgeordneter 'Jlnltus Ritter v. Kink mit dem .Sekretär Dir. Pistor, der Präsident des Gremiums der Wiener Kansmannschaff Pollak v. 'Parnegg, die Genemtväte Friedrich 'Sueß und Klein, Truchseß Oskar v. Hoesst, die Proburfften des Bankhauses S. M. v. Rothschild, Komnlierz'ial!- rat «Stiedry nnd Emil Horner, Prokurist der Firma Gebrü'der GutlNanN Heinrich iWiedrnann, die Bawkd'irektoren Kraßn'i, Krauiß, Rotter, von Daussig und .Otto Wiiedmann, Diirektor Fischer v. Rößlersta'mm 'der Neffelsdorsor W>a>gen>bau'sabriksgeselbfchaft, de'ren Bizepräsideintder Verstorbene .war, die Jnidnstviellen Eisler v. Terramave, L Rat Neuber, k. Rat Wilhelm Pollaik, t Rat Paul Lömberger, 'kaiserlicher Rat ÄVexander v. Engel, kaiserlicher Rat Nanmiann Schafftet nNd Mioritz Edler v. Kluffner, die KorrijmevKialrüte Hacker und Kantor, Projsiesfor Engländer, Oberstabsarzt Pvofeffor Dr. 'Pick, Professor Dr. 'Josef Pollak, G-e- -meiniderat Dr. Mittler, Bezirksrat Max HWer, Pöofeffor .Gvsef Sulzeir, Direktor. Heiller voms- - Bkindeutnstitut auf,der Hohen Warte, die Nab-' biuer Dr. Schmtvedl, Dr. David, Dr. FeuWwaug und Dr. Bach, die Oberkantoven Bela' Guttmgun, Bauer und Dion Fuchs, die Präsidentin, des „FrauoNhort" Frau Rosa Zifferer, die Vizepräsidentin .des Kaiser Franz Foiseifs-iFlerieniheiims Frau QuMner miit der Vvrstandsdame Frau Dr. Friedmann, der Sekretär des 'Expoirtveveiitnles Dr. Wilhelm, Mordnungett der Niedeüö'sterveichischen Eskomptögesellschast, der Oesterreichsschen Länderbank, der 'Oelindiustriegesselllschia'st Und andere. Diie israelitische KuWusgeineiNde wiar vertreten .durch den Präsidenten Dr. Alfred Stern, Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn, mit denen fast alle Mitglieder des Vorstandes, die Mitglieder des Bethansvorstan'des und die beiden Sekretäre kaiserlicher Rat iDr. 'Lieben und Dr. Adler erschienen. Um 10 Uhr trug Oberkantor Singer, begleitet von den ersten Kantoren Schiller und Jinrbevg 'forriie vom Ehorpevsonal, die Tvanergesänge vor, worauf der lSarg geh'vben und in -den Wagen gebracht wurde. D>er KonidM setzte sich nach dem ZentraffviöWose in Bewegung. In 'der Zeremonienhalle wurden die üblichen Steribegebete verrichtet, worawf Präsident Dr. Alfred Stern, Generalkonsul v. Wiesenburg und mehrere andere Redner dem 'Verblichenen warme Nachrufe widmeten. Danach erfolgte die Beisetzung. Präsident Dr. Alfred Stern 'hielt folgende -Rede: ,Mir das PrälsMnmfür den Vorstand unserer Kultusgem>e!inlde ergreife ich hier an dieser Balhre das Wo>rt, um dir, dem hochverehrten, dem inniigst geliebten Freunde nnd Kollegen ein Lebewohleinle^-es MbWMiv-ort W sagen. Soll ich dir sagen/ wie tief schmerzlich ich, der Eit ältere Arbeitsgenosse, wie wir alle, alle ergriffen waren, als plötzlich, unerwartet uns die Kinnide traf, unser liejber, lieber Freund- Vizelpväsident Hirsch, er, der noch vor wenigen Stunden in uinjÄrer Mlitte >das Wort führte, dem wir alle aufmerksam lauifchten, sei uns entrissen!. Nicht Morte, nicht der ganize Sprachschatz, über den ich verfüge, vermag nuferem kiesen, tiefen Schmerze Ausdruck zu geben. Arbeitssreudigkeit — so bezeichwete mein ehrwürdiger Vorredner dein Kern deines Meisens. In deiner Arbeitssreudig'keit ebrr unerreichtes Muster von freudiger Pflichterfüllung warst du uns. 'Das schwierigste dorn'eNoollste Arbeitsgebiet nt unserer Gemeindetverlwaltung hattest du dir erwählt lind m>it welcher Treue, Ge- Feuilleton. Nostalgie bei Wische» Emigranten. Von Dr. Maurice Fishberg-New Jork. (Schluß.) Vor einiges Zeit kam/ ein Mann zu uns, auf dessen Gesicht sich diö" Nostalgischen eigentümliche Angst wiederspiegelte. Er klagte — wie alle seine Leidensgenossen — über allgemeine Schwäche und Arbeitsunfähigkeit. Die Luft sei ihm hier zu stark, und er müsse zurück nach Rußland. Meine Frage, ob seine Frau und Kinder in Rußland geblieben sind, wurde bejaht. Ich frug nun den Mann, ob er bisher in der Lage war, seiner Familie Geldmittel nach Hause zu schickm, was er verueinte, und als ich ihn frug, ob die Familie anderweitig versorgt sei, brach der arme Mann in Tränen aus und erzählte schluchzmd, daß seine Frau ihm geschrieben habe, sie stürben zu Hause Hungers. Hier haben wir also einen Mann, der lieber nach Hause fahren möchte, um mit seiner Familie gemeinsam Hungers zu sterben, als sich hier allein durchzubringen. Eventuelle Judenmassakers dünken ihm jetzt eine Kleinigkeit. Auch unter anderen Nationalitäten ist. Nostalgie häufig anzutreffen, aber während sie bei diesen der Liebe zu dem betreffenden Lande entspringt, ist sie bei den Juden der Ausfluß der Liebe zur Familie. Hat ein Jude keine Familie zurückgelassen, so wird er nie zu uns kommen, um wieder den Gefahren und der Grausamkeit Rußlands zugeführt zu werden. Hat er aber seine Familie in Rußland gelassen, und es glückt ihm nicht bald, seine Lieben nach Amerika zu bringen, so ist ihm keine Gefahr groß geimg, die ihn abhaltm könnte, zu ihnen zurückzukehren. Dies trifft besonders in der Frilhlingszeit, vor dem Pessachfeste, diesem großen, jüdischen Familienfeste, zu. Für eine orthodox-jüdische Familie in Rußland ist es der härteste Schlag, der eine Familie treffen kann, wenn ein Mitglied, und besonders das Oberhaupt, an dem Feste nicht teilnimmt. In jedem Frühjahre, wenn der Pessach naht, beginnen Männer, die sich bis dahin hier Wohl ffihlten, fleißig arbeiteten nnd sogar einiges Geld erspart hatten, um es der Familie zll schicken, über das Pessachfest, den Sederabend nachzusinnen und sich auszumalei;, wie seine Frau und seine Kinder so allein um den Pessachtisch sitzen werden ohne ihn, den Vaters und so entwickelt sich in ihm der erste Grad von Nostalgie. Der Mann magert ab, seine Gesichtsfarbe wird bleich, xr wird nervös, der Schlaf meidet seine Augen und am Tage ist er zerstreut und er verliert die Arbeit. - Ich habe die Erfahrung gemacht, daß es für die von solcher „Pessgch-Nostalgie" Befallenen am besten ist, wenn man ihre Rückbeförderung energisch ablchnt. Ohne Zweifel würde jeder dieser Kranken, tvenn ihm nach-- gegeben würde, alles, .was er in Amerika erworben, opfern und zurückkehren in die altm, schweren Verhältnisse, nach Rußland, das ihn zwang, in Amerika sein Glück zu suchen. Wird er aber zurückgewiesen, so geht er in der Regel mit dem festen Vorsatze von uns weg, sich in der Arbeit anzustrengen, um das nötige zur Rückfahrt erübrigen zu können, und gar oft überwindet er dann in angestrengter Arbeit sein Heimweh und seine Sehnsucht, am Pessach in Rußland zu sein, weicht dem Wunsche, seine Familie im nächsten Jahre hier zu sehen, lvas ihm in den meisten Fällen auch in Erfüllung geht. Die meisten Fälle von Nostalgie lmirden unter M ä n n e r n konstatiert, was dadurch zu erklären ist, daß in der Regel die Atänner Die nächste Nummer erscheint Freitag den 25. Mai.

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