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Nationalzeitung · 1906-05-22 · Heft 37 (22.5.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 37 (22.5.1906)
Date
1906-05-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 37 Rationalseikmg Seite 6 von den Pogrombanden ermordet wurden. Samstag wurde in allen Synagogen eine Haskarah (Seelenfeier) abgehalten, und niemand ging während des ganzen Tages spazieren. Samstag abends wurden in allen Synagogen Lichter entzündet und Hespedim (Nachrufe) gehalten. Sonntag früh wurde eine zweite Haskarah gemacht, darnach ging die gesamte jüdische Bevölkerung — von jung und alt hat kaum jemand gefehlt — auf den guten Ort, wo der Chasen an den Gräbern der Erschlagenen „El molei Rachamim" zitierte. Während des ganzen Tages warm sämtliche Geschäfte geschlossen, viele fasteten. Petersburg, 16. Mai. In der Adresse der Re-ichsduma an den Zaren heißt es: Gereiche der Gr bevorstchenden -gesetzgeberischen; Dcittg'keÄ erachtet es die D.u'ma als uniulmgängliich Nlvtwendig, das Voll durch genaue Gesetze sicher- Mtellen. UnaNiastbarteit der Personen, Freiheit des Gewissens, des Martes, der Presse, der Vereine, der Versanrimllnnigen und der. Ausstände, das sind die Grundlaigen, welche schon -das Manijest vom 30. O ktober -gelegt -hat und ohne die eine Reform der soKialen Verhältnisse undenikbar ist. Die Dunm geht vor: der nnerschütteMchen Uebevzewgiunlg ans, daß woder die Freiheit noch die Ordnung befestigt wer>den kann ohne die Gleichheit aller Bürger! vor «dem Gesetze. Daiher wind die Duma ein Geisetz mrsaNbetten, nach dem alle Bürger gleichberechtigt sind und gleichzieMg alle stän- | dischen, nationaleul und rellg-iVsen. Vorrechte ansgehoben! werden^" Petersburg, 10. Mai. (GleichbereckKs>ung der J-N'öen!.) Die Fraktion der Bauern und der SMalfften hat mit 106 geigen 6 Stimmen &e* schlossen, die GteichöerechtMrng der Juden zu fordern. England. London. (Jto.) Lyonel dlbrahams, Ftnanizseknetär fiir Indien' (Rang eines' F'inansmiin'isters), ist in das Zeniiralbnrenu der Jto eingetreten. London. Das Fremdengesetz wird denen, die nach England nbersiedeln wollen, kaum noch lästig. Eine Statistik tib>er die Handhabung des Gesetzes in den ersten -dvcii Monaten nach >seine'nr Jnkraisttreten läßt erkennen, daß Herbert Gladstones Einschränkungen wildernd ge'wlvtt Habens Jnr Jänner trafen in England 21986 Ausländer ein, von 'denen 202 hea-nstän'det und 80 defstnitiv Äurückgewiesen wurden. Im Februar betrng die Zahl der Ankömmlinge 22 216, von denen 162 beanständet und 60 zurückgewiejen rvurden. Iw März stieg die Zahl der! Einwanderer a>nf 36—«16 nnd von dieser 'großen Zahl wurden nur noch 77 beanständet und 20 üesinitijiv z'urttckgewiesen. Mährend so die Abweisung von Einnianderungslustigen zurückgegangen ist, sind die Richterlichen dsilt'sweilsun'gen von A'usländern, die sich strafbar gemacht 'haben, gestiegen. Jim Jänner, fand n>ur eiine derartige Ans'we'isling statt, iw Felbruar 10 und im Mär'z 27. „F. Ztg." I»r politischen Lage in Galijie«. (En Interview.) Ein hervorragender Funktionär einer «alizischen Großgemeinde, der vermöge seiner Stellung sich einen genauen Einblick in die jüdischen Verhältnisse zu verschaffen imstande ist, weilte dieser Tage vorübergehend in Wien vnd ich benützte, , diese Gelegenheit, um ihn über seine Ansichten über die aktuellen politisch-jüdischen Fragen zu vernehmen. Diese Ansichten verdienen um so größere Beachtung, weil sie von einer Person herrühren, die außerhalb des nationalen Lagers steht, mithin auch nicht von der Parteibritte getrübt find. Unsere Unterhaltung drehte sich über die Chancen nationaler Kandidaten bei den künftigen Wahlen in Galizien. Hierüber äußerte sich mein Gewährsmann folgendermaßen: Die breiten jüdischen Massen sind politisch meistens noch wenig differenziert. Allerdings, wenn einem jüdischen Kandidaten — mtb mag es wer immer sein — ein christlicher Gegenstand gegenüberstände, so würde der Jude alles daran setzen, um den jüdischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Anders verhält sich die Sache, wenn ein Jude, einem Juden gegenüber steht. In diesem Falle ist die kandidierende Persönlichkeit das ausschlaggebende. Eine Persönlichkeit, die in ihrer öffentlichen Wirksamkeit sich bedeutende Verdienste erworben hat, — und mag der Kandidat auch ein Assimilant sein — §at, üu<fy wenn keine Partei hinter ihm steht, bedeutende Chancen, gewählt zu werden. Noch ein wichtiges Moment kommt bei den Wahlen in Betracht. Um in Galizien Wahlen machest zu können, ist viel Geld notwendig, erstens für die Agitation als solche, zweitens muß auch der Agitation durch Geldmittel nachgeholfen werden. Nun ist es aber eine bekannte Tatsache, daß die Zionisten über keiste Geldmittel verfügen, während sie auf der anderen Seite in mehr als genügender Masse vorhanden sind. Freilich, die Zionisten besitzen eine stramme, wohldisziplinierte Organisation über eine Presse, durch die sie in weiteren Kreisen sich Gehör verschaffen können, haben hunderte von freiwilligen Agitatoren und auch sonst stehen breitere Volksschichten hinter ihnen; aber bei alledem scheinen mir die Chancen für beide Parteien die gleichen zu sein. Das gilt alles von den Hauptstädten. In der Provinz scheinen mir die Aussichten der zionistischen Kandidaten günstigere zu sein. Hier dürfte es ihnen gelingen, einige ihrer Kandidaten durchzusetzen." Es kam nun die Rede auf ein von der Lemberger Kahalgruppe neu herauszugebendes jüdisches Tagblatt. Ich äußerte nun die Ansicht, daß ein jüdisches Blatt mit antinationaler Tendenz gegenwärtig in Galizien unmöglich sei, daß das Blatt nur zu dem Zwecke gegründet sein kann, um durch Bekämpfung der Führer, in das zionistische Lager eine Verwirrung hineinzutragen. Darauf mein Gewährsmann: »Es gibt noch eine Möglichkeit und die ist: nationaljüdische Politik auf Grundlageder Interessengemeinschaft, aber ohne Zionismus. Vor allem dürste sich das Blatt zur Ausgabe machen, sämtliche Parteien im Judentums unter eine gemeinsame Fahne zu scharen ... Oskar Keßler. Aus dem Aufruf und der Instruktion des Jnnerösterreichischen Distriktskomitees des Verbandes Zio« für die Schekeltage 1906. Gesinnungsgenossen! Das Aktionskomitee hat angeordnet, daß die Tage: 27., 28. und 29. Mai l. I. für hie Zionisten der ganzen Welt als S ch e k e lt a g zu gelten haben. Die Festsetzung der Schekeltage, welche bisher schon bei einigen Landsmannschaften in Uebung waren, als eine allgemein-verbindliche Einrichtung für die Gesamtorganisation, hat den Zweck: 1. Die Zahlung des Schekels zu einer Probe der Leistungsfähigkeit unserer Organisation zu gestalten. 2. Nicht nur den Gesinnungsgenossen, sondern auch der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit den Umfang, den Gehalt und die Bedeutung der Bewegung vor Augen zu führen. 3. In die Schekelzahlung System zu bringen und dadurch den finanziellen Apparat der Organisation auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Gesimumlgsgelwssen! Darüber, daß ihr eure Pflicht insoweit erfüllt, daß ihr selbst den Schekel zahlt, wollen wir kein Wort verlieren. Wir rufen eitdf> aber auch auf, die Erlvartungen unserer Leitung auch in anderer Weise nicht 3it enttäuschen, und namentlich an Werbeeifer es nicht fehlen zu lassen. Sehr viele Juden scharwn mit Wohlwollen aus unsere Arbeit, nehmen Anteil an unseren Erfolgeil, köuuell sich aber aus kleinlichen Gründen nicht aufraffen, sich uns anzuschließen. Andere wieder, lvelche mit unseren Zielen völlig einverstanden sind, haben noch keine Gelegenheit gehabt, ihre Gesinnung zu betätigen. Diese zahlreichen Freunde müssen gewonnen werden! An euch ist es, sie aus ihrer Lässigkeit aufzurütteln, ihnen begreiflich zu machen, daß sie alle kleinlichen Bedenken überwinden, müssen, denn das jüdische Volk lebt in Kriegszeiten und kann keinen Mann entbehren! Aber es gibt auch eine große Anzahl, von Stammesgenossen, die entweder noch gar keine oder eine falsche Vorstellung vom Zionismus haben. Da gilt es, unablässig aufzuklären, nicht zu ermatten in dieser mühevollen Arbeit. Gerade die Schekeltage bieten die beste Gelegenheit, allerorts gleichzeitig mit solcher Agitation einzusetzen. Gesinnungsgenossen! Das jüdische Volk erwartet, daß jeder seiner Pflicht und Ehre Genüge tut. Mit Ziönsgruß - ° Das Jnnerösterreichische Distriktskomitee. Dr. Isidor M a r g u l i e s Emst Stein Obmann. Schriftführer. Instruktion für die Schekelsammlnng. Vereine haben zunächst — soweit dies nicht schon geschehen ist — von ihren Mitgliedern den Schekel bis zum 20. d. M. einzukassieren und abzuführen. Ferner soll in jedem Verein umgehend eine Vorstandssitzung stattfinden, um wegen einer umfassenden Schekelagitation Maßnahmen zu treffen. Das Distriktskomitee ist von diesen Sitzungen zu verständigen und wird womöglich durch eines seiner Mitglieder an ihnen teilnehmen. Zu einer gemeinsamen Besprechung haben sich sämtliche Herren.Obmänner sowie die Präsideiltinnen der Frauenvereine zuverlässig zu der am 17. d. M. um 8 Uhr abends im Lokale 9. Bez., Türkenstraße 9, stattfindenden Distriktskomiteesitzung einzufinden. Schekelsammlnng durch Einzelpersonen. Gesinnungsgenossen, welche Schekelagitation betreiben wollen, können die Blocks entweder persönlich abholen — täglich von 2 bis 3 Uhr im Lokale 9. Bez., Türkenstraße 9 — oder schriftlich darum ersuchen., A b f ü h r u n g der g e s a m m e l t e n Schekel. Die gesammelten Schekel können entweder direkt per Postanweisung an das Jnnerösterreichische Distriktskomitee, 9. Bez., Türkenstraße 9, gesendet werden, oder im Wege der vom Zionistischen Zentralverein über Anweisung des Distriktskomitees ausgesendeten Erlagsscheine (mit Schekelvermerk). In jedem Falle ist an das Distriktskomitee gleichzeitig die Schekelliste, welche mit jedem Block ausgegeben wird, genau ciusgesüllt zurückzusenden, so daß Name, Stand und Adresse jedes einzelnen Schekelzahlers ersichtlich ist. - D i r e kt e Abführung e i n z einer Schekel. Jene Gesinnungsgenossen, welche keine Gelegenheit hatten, ihren Schekel durch Zahlung eines Vereinsbeitrages oder an Schekelsammler zu entrichten, werden besonders darauf aufmerksam gemacht, daß sie den Schekel (K 1.—) auch direkt per Postanweisung oder durch Erlagschein mit Schekelvermerk abführen können. In diesem Falle ist Name, Stand und Adresse genau zu vermerken. Auf diese Form der Schekelabführuug machen wir besonders auch die" jüdischen Mädchen und Frauen aufmerksam. Postsparkassenerlagscheine mit Schekelvermerk, lvelche zur Abführung von Schekeln verwendet werden können, liegen allen Exemplaren von Nr. 9 der „Mitteilungen des Zionistischen Zentralvereins" bei und im Lokale dieses Vereines, Wien, 9. Bez., Türkenstraße 9, täglich von 2 bis 3 Uhr zu haben. MILCH aus besten Quellen empfiehlt den P. T. Hausfrauen das seit mehr als 20 Jahren bestehende bestbekamnte MUchdepot Ferdinand ALTMANN, IX., Pramergaaae 17. KREBS APOTHEKE 5. niTTCLP/lCn Wien, I., Hoher Merkt Nr. 8 (Palais Sina) im Zentrum der Stadt. + Dieser beatbekunnte u, in elJeu Familien i eingaftthrte Balsam — ein unentbehrl. Bauemittel — wird nach wie vor nach den bewährt. Voruchriften erzeugt Praia I Fiüaohchan 20-Holler.

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