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Nationalzeitung · 1906-05-11 · Heft 34 (11.5.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 34 (11.5.1906)
Date
1906-05-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nationalzettung Nr. 34 kroatischen Volkes Judeirstämmkirrge, diese aber werden sicherlich in den Chorus rniteinstimmen: „Nieder mit den Juden!" nur um sich vor dein Vorwurf einer geheimen Gen:e:r:schaft mit denselben zu bewahren. Die kroatischen Juden haben bis nun — von einigen Ausnahmen abgesehen — mit der Negierung respektive mit der sogenannten Nationalpartei gehalten, weil sie in deren Händen die jüdischen Interessen am besten gewahrt wußten. Sie begaben sich in den Schuh der Negierung, weil die Opposition nicht selten antisemitische Regungen empfand und ihnen auch des öfteren inehr oder weiiiger energischen Ausdruck gab. Nur: soll jedoch die Opposition in Kroatien an die Regierung konnnen, und die an Schuh gewöhnten, besser gesagt — verwöhnter: — Juden fragen sich nun: „Wer wird der neue Schutzherr sein?" Bangen Herzens blicken die kroatischen Juden nach allen Windrichtungen aus und ihr Auge erblickt den Retter rächt . . .. Und sollte auch bereits irr zwei Jahreil der kroatische Landtag ivieder aufgelöft werden, für den Juderl wird der Eintritt in denselben ein unrealisierbares Postulat bleiben: denn auf Grund des allgemeiilerl, geheimer: Wahlrechtes, das auch in Kroatien arlgerlommen werderr soll, wird niemals ein Jude in Kroatieil gewählt werderr! Das ist auch der Grurrd, warum es diesmal so heiß bei der: Wähler: in Essegg, der zweitgrößten Stadt Kroatiens, zuging. Vor: seiteil der Regierurrg war der Essegger Bänker und Großindustrielle Gemeinderat Oskar W e i ß m a y e r als Kandidat aufgestellt wordeir und da es sich diesttral irebstbei darum harrdelte, einen, den einzigen Juden in der: Landtag gn bringen, boten die ohnehin seit jeher regierungsfreundlichen Juden Esseggs alle Kräfte auf, um der Nationalpartei zum Siege zu verhelfen. Es war selbstverständlich vorauszusehen, daß die Opposition biefen Anlaß zu judenfeindlichen Hetzereier: benützen werde und sowohl die oppositionelle als auch regierungsfreundliche Bevölkerung der Stadt Essegg ausfordern werde, selbst mit Verleugnung ihrer Prinzipien gegen den Juden zu stimmen. Selbstverständlich mißverstaild die Opposition auch das Vorgeheir des Präsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Doktor Hugo Spitzer, der die Gemeindemitglieder zu einer Wahlbesprechung einberief. Sie konnte es nicht begreifen, daß es auch spezifisch jüdische Interessen geben könne und tatsächlich gibt, zu deren Vertretung es eines unerschrockenen Juden bedürfe! In dieser ihrer falschen Ansicht wurde die Opposition noch dadurch bestärkt, daß sich ihren Reihen einige Assimilairten anschlossen, die selbstverständlich auch die Existenz besonderer jüdischer Interessen leugneten. Es ist nur: eine ganz verschiedeire Frage, ob es von seiten der Regierung opportun war, einen Juden in der zweitgrößten Stadt Kroatiens als Kandidaten aufzustellen oder nicht. Tatsache ist, daß dadurch die Judenfrage in Essegg und damit auch in ganz Kroatieil wieder aktuell geworden ist. Es hat sich überhaupt wieder gezeigt, daß die Judenfrage auch irr Kroatien noch rricht gelöst ist, wie dies vor: seiten der Herren StffimiCanten immer in die Welt hinausposaunt worden ist, den:: wo Hie Jude! — Hie Nichtjude! als Losuugiswort ausgegeben werden, dort läßt sich die Existenz einer, das heißt der Judenfrage mit schöner: Worten rricht wegleugnen. Große Besorgnis erfüllt daher das Herz eines jeder: weiter blickenden kroatischer: Inder:, da er sich dessen inne wird, daß die Zeit wiederaekehrt ist, nro es niemanden im kroatischen Landtage gab, der feine so zahlreichen jüdischer: Interessen wahrte. Mit schwerer Mühe — ur:d daß es Geld gekostet hat, kann man ja auch nicht leugnen — rvurde seinerzeit eir: Jude in den kroatischer: Larrdtag gewählt, und r:ur: ist dieser eir:zige Vertreter des Juderüums der heranstürmenden Opposition auch zum Opfer gefalle::, ohne daß Ersatz für ihr: gefurrden worden wäre! Die kroatische Judenschaft hat nur: einer: schweren Stand. Sie darf jedoch ihr Selbstbewußtseir: rricht verliere:: urrd nruß kühr: vor die kompetenter: Kreise mit der Forderung hintreten: Wir rv o l l e r: e i n e n jüdis ch e n Vertreter i rr: Landtage! Rasch muß der schor: längst geplante „Jüdische Gemeindebnnd" in Kroatien ins Leber: gerufen werden, der einer: Vertreter in der: Larrdtag zrr crrtsender: hätte — außerdem müßten wenigstens die Oberrabbiner vor: Agrarr: rn:d Essegg. gleich der: römisch-latholischer: urrd griechisch-katholischen Bischöfen ur:d den: serbisch-orthodoxen Patriarcher: Sitz unb Stimme in: Landtage bekommen. Nur auf diese Art werderr die Inder: ihr volles Interesse rvahrer: können und deshalb ist es Pflicht eines jeder: kroatischer: Juden, zur Erreichung dieser gerechter: Forderungen das Seirüge beizrltrager:. E. Kraus (Essegg). Austvandernngsangelegeuh eiten. (Ans dem Klorrespouderrzblatt des Zentralbnrcaus für jüdische Ans-wanderungs - Angelvgeuhciten.) Prepaids. 'Aast die Hälfte aller jüdischen Auswand-cr-er erhält wem den Verwandten in Amerika oder Eanada Schiffs-karten zu r U-ebcrfahrt gesandt (sogenannte ,/Prepaids"). Beim Kauf solcher Prepaids lassen viele es an der nötigen« -Sorgfalt fehler:. Die Karten, die sie ihren Verwandten nach Rußland oder anderen Länldern senden, könn-en häufig nicht benützt werden, rveil sie der: «Anforderung-en nicht entsprechen, die die lSchissahrtsg-esellschasten öder Behördenausstellen. «Lehr häufig -werden die Käufer, die oft die SchiffskarteU' auf Abzahlung entnehmen können und dies vielfach! irttr bei kleinen unsoliden Agenten tun köuuen, überhaupt betrogen. Sie bekommen für ihr Geld nur -wertlose Scheine, die hier in Europa niemand honoriert oder« anerkennt. «Gerade irr der letzten Zeit hänfen sich die Fälle, irr denen Auswanderer solche wertlose Scheine bei sich führen. In gutem Glauben an die Grilligkeit der Scheine machen sich die Auswanderer auf den Weg, um in den Hafenplätzen öder in der: Grenzstationen gn erfahrendas; sie auf Grund der--Warten, die «sie im Besitz haben, nicht befördert lwerden können. Tan':: geraten solche Auswanderer natiirlich in die bitterste Not. Jeder Käufer einer «Schiffskarte in SlMer'ika oder Eanada sollte sorgfältig darauf achten, daß die Karte::, die er kauft, auch tatsächlich den» Ver- 'rvandten oder Freunde, dvrn sie zngeschickt werden, -das «Recht geben, nrit einer der bestehenden Schiffahrtsgesellschaften zu fahren. «Es sollen durchröeg nur io'Icbc Karten gekauft werden, die genau die Linie benennen, welche die Beförderung überneh-nien soll, nicht solche, die auf irgend eine Agentur lauten. Die hauptsächlichster: fürdie jüdischen Auswaniderer in Betracht kommer:den Schiffahrtsgesellschaften sind: Die Prepaids der Hamönrg-Amerika-Linie, des 'Norddeutschen Lloyd, der Holland-Amerika- Linie, der Red Star Line und der Eompagrrie Generale Drau-satlan-tiqne berechtigen zürn Durchzug durch Deutschland. Die Prlepaids der Ameriearr Line, der Eunard Line und der White Star Line berechtigen zum Durchzug drtrch Dleiutschlanld nur danrr, rvenn sie ab Vrem-err oder Ha-mbu-rg lauten, nicht von einem anderen Hafer:. Mit Karten der Anchor Line, der Allan L>i-ne, der Diominior: Line, der Eauadian Pacific Railway und der Austro Ilurericana ist der TUrchz-ng «durch Teutschilarrd rricht erlaubt. Die Auswanderer, -die. Alitteilungen über der: vollzogener: Kauf eines Prepaids aus Aurerika erhalten, sollten niemals auf Grund dieser Notizen öder lauf Grurrd eines eingcsan-dten gedruckter: Scheirres allein ihre Reise arr treten. Sie müssen vielniichr warten, bis sie vor: der «Schifsfahrtsgesellschaft, für die ihr Billett lautet, eine Nachricht erhalten, in- -der bestätigt wird, daß eine Schiffskarte für sie irr Amerika gekauft fei u-nd irr der sie ansgesordert -werden, ihre .Mise a>n>z«n'- treterr. Wer vor einer solchen Vellachrichtigur:a durch die Schilffah-rtsgesellfcöaft sich aus die tlkeise begibt, setzt sich der Gefahr aus, das; er arr der Weiterreise in den Hafenstädten öder irr den Grenzorten gehindert wird. Käufer -und Ernpsärrger der Prepaids rnüsser: sorgfältig davarrf achten/ das; die öbigeu- Crfvrder nisse erfüllt -werden, wierm sie sich vor Schade-u hüten wolle r:. Krankheiten unter den Kindern der Auswanderer. «Arrs «Nerv York wird uns geschrieben-: In «den letzten Monaten sind in der Mnrvandcrerstation- Ellis Island zahlreiche Fälle von Masernborge kon:n:eu,' 00 Prozent der kranken Kinder waren jüdische. Die große Anzahl der Erkrankungen unter den jüdischer: Kindern wird vielfach daraus zurückgeführt, «daß die jüdischen Answallderer weniger wie andere arrs das Deck des Schiffes gelier: — auch nicht -bei gutem Wetter — sondern sich meistens im Zwischendeck in der schlechten Lrift dort anfhalten. Tiadu'rch werden sie und namentlich ihre Kinder für Krankheiten empfänglicher und ferner wird -dadurch der: Schiffsbedienfteten die Möglichkeit genommen, die Schllafstütten und Ztvischendeckräil-me gehörig zu lüften und zu reinigen. Wir machen alle jüdischen Emigranten darauf aufnrerksam, daß sie im Interesse ihrer Gesundheit möglichst viel mit ihren Kindern: auf das Vierdeck des Schisses gehen sollten. So vermeiden sie am besten Krankheiten, die ihnen und ihren «Familien außeror deutlich gefährlich werder: kör:ner:. «Werrn die Kinder krank irr Ellis Island entkommen, so rverden sie sofort ins Hospital gebracht und die Elternwerden in -Ellis Island zurückgehalten, bis die Kinder untersucht sind und bis fest-gestellt ist, ob «die Kran«kheit, ar: der sie leider:, zu derven g-chört, die vor: der Landung ausschließerr oder rricht. Im ersteren Falle muß das Kin«d mit einen: Erw«achseneu zurück. Wenn aber die Lan-dnr:g aucherlaubt wird, so enksteherr «doch so schwere ÜNaNnehmIlichkeiten- und Kösten, die, ganz abgesehen von «den traurigen Folgen der Krarrlheit selbst, unter UnOänden ganze Familien rriinieren. Gingesendet. L ö bliche R >c d a k 1 i o n! Die Gefertigten ersuchen höflich, den folgenden Bericht zrvecks Jnforn:ier>ung der Wierrer Jrrdenschaft abzudrncke::: Sonntag «den' 6. d., vor 10 Uhr vvpnrittag-s, oersarnnrelten sich aNf das Gerttch-t hin, daß eine öffentliche -Sitzrnig des Kilktusvovstan-des sta!ttis:n!de, vor dem Genr-eindehause in der Seitenftetten-gasse eirre große dlnzahl jüdischer Arbeiter, Han!de'lsarr!gest«Mer und Str:denten, u-nr die Entschei!dr:ng des V-orstarrides über die irr wiederholter: Volksversaln!mlrlU«ger: gefaßten Resolntioner: für die Entfernung des K::ltusvorste«hevs Ritter vor: Tairssig uu-d die GiNführu-ng des alllgemeiner: gleicher: >K>nltllswa!h!lrechtes zu -vernehmen. Ueber Cir:>ladr:ng des K'NltusPräfiiücnten Dir. dllfred Stern trrrg ihm — in (Äegeri-wart des Sekretärs kais. Rates Lieben — eine viergliedrige Deputation die -Wii'lNsche der «Evschlienen-er: vor. Der Prästderrt erwiderte dies: Heute «finde« keine öffentliche, sondern bloß eine V-c-rtretevsitzung statt. Der 5kultuAvorstal:d habe lder: Ritter vor: Tanisstg zr:r TeMifsiou r:icht ansgesordert und halte sich überhaupt u!icht für berufen, in dieser politischen- Slrvgielegenheit >S-tellung zu rrehEn. Der' BorstiauÄ n:üsse nicht bloß streng vermeiden, als politische Körperschaft an-fzutreten, sondern brauche auch, als der b-eruisene «Vertreter jüdichcr «J-rtteressen, sozial urtd finarriziell hochgestellte Persvuert, rvie Ritter von Dar:ssig, nmt «sich bei «der: nr-aßgeberrdcnpolitischen Faktoren Eir:gang urtd Gehör zu ocrschasferr, da sorist die 'Juden, besonders in Wien, der ärgster: Bergerva'ltign-n-g preisgegeberr wären. Jede Derrrvnstratioii gegen -diese einlflnßreiche Mttelpersvn-er: nuisse auch schor: deshalb unterdrückt werden, rveil letztere -durch ihre firranziellell Le-istnugen der Killtrrsgeiuein-de erst errnöglichen, ilner: ritrlelleu urtd Wöhltätigkeitspslichterr foröie deinauch -von ziorri-stischeul «Vereinerr gestellter: Verlangen nach Subventionierttttg nachzukouurren, r:nid 'rveil jer:e Leistuugei: -beirr: A-ussclieliden Tarissigs r:nd seirres dlrihauges aus dc-n: Borstande Nicht bloß vou «den« Ausscheideriden, sonderrr arrch von all jeneu eingestellt rverden dürften, die r:nr -das V-ertranerr z-u -dieser: bervährtei: Firratlz-märruernzu -Opferr: für die Genreinde böstirn-mt. -Uebrigens sei jeder Angriff ar:f Ritter vor: Ta>r:ssig llnarl«gebracht, -da es 'irrrirrerhiu rrröglich sei, «daß er -vor: der russischerr Äiegierung Zuficherrlilger: für die Inder: erlangt habe,' die Zeit sei ja noch rricht vorbei, da wir rrn«s-ere Existerrz drr-rch Geld erkaufe»: rNüsserr. Daher auch die geteilte Benrteitu'üg der -Alfsäre Tar:ssig seiterrs der Wierrer Jtt>derlschaft — er als Präsident halte rn-it seiner

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