Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 34 (11.5.1906)
- Date
- 1906-05-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 34 Nationalzcitung Seite 6 miert. Bei dieser Gelegenheit sei auch auf die Blättermeldlmgeu hingewiesen, wonach zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Obmann des Polenklubs, Grafen Dzieduszicky in der 'Beurteilung des Zionismus Differenzen beständen. Da man nach der Erklärung des Abgeordneten Dr. B y k, daß Graf DzieduSzicky die auch non uns seinerzeit registrierte zustimmende Aeußerung über den Zionismus nicht getan habe, lvogegen die beiden Herren, welche die fragliche Unterredung mit dem Obmann des Polenklnbs hatten, die Tatsache dieser Aeußerung wiederholt bestätigen, nicht recht weiß, welche Ansicht Herr Graf Dziedllszieky über den Zionismus h e u t e hat, so ist es auch nicht ganz klar, welcher Art die angeblichen Differenzen zwischen den beiden führenden Politikern sind. Das neue ungarisch«: Abgeordnetenhaus .luiitö viel nx’uifycr jMWe Mitglieder haben als das vorige. Während das «ori>g>e Slbgeordne'lon'haus 21 jüidlsche Reichs tags dep M-e r te zählte, besitzt >das neue mnvi 15 ^rnden. Ter Parteistettllna «lach gehören vonihnen 10 -u-r .Nvssuthpartei, einer -ur Berfasfuilgspartei, 8 hil'den die Tein,vLrätenParte'i lind einer ist der einzige nenorganti'ierte inativnale) Sozialist des nngarischen Parlaments. Indische Abgeordnete in Rußland. Bis jetzt sind elf Juden in die Reichsduma gewählt worden, und zwar: Dr. Winawer, einer der bedeutendsten Führer der „Kadettenpartei", die Schriftsteller Jolles, ' OstrogorSki, ferner Dr. Frenkel, Advokat Branffon, Advokat Scheftel. Die übrigen fünf jüdischen Abgeordneten sind bekannte Führer der Zionisten, nämlich: Dr. Levin-Wilna, Dr. Bruck-Wittebsk, R'echtsanwalt Jacnbsohn-Slonim, Rechtsanwalt Rosenbaum-Minsk und Dr. Katzenelsohn-Liban, der Präsident der Jüdischen Kolonialbank in London. Die Ausweisungen von Russen. Vom deutschen Bureau der „Miance Israelite universelle" wird uns geschrieben: Am Dienstag den 1. Mai vormittags hatten Vertretei' der Berliner jüdischen Gemeinde', der deutschen aeonselenzgemeinichaft der „Allianee Israelit'.' Universelle" und des Hllfsvereincs der deutschen Juden eine Besprechung! bei dem Minister des Jn'Mvn. Gegenstand der Besprechung lvar d>i-e Handhadlmg der von der Staatsregierung angeordneteu Ausweisung der russischen Zugezogenen. Der Minister des Innern erklärte, daß er bei der Ausführung der von ihm als notwendig erkannten Maßregel lebe huimme Rücksicht walten lassen wolle, daß es sich bei den Ausweisungen insgesamt um ctilÄi 5500 Personen jüdischen Glaubens handle, die sich seit 1904 in Berlin neu angefammett hätten. Bon der nnmitt.'lbaren Ausweisung sollten mir mittel- und ausweislose sowie politisch verdächtige Personen betroffen weiden. Die Zahl der zu dieser Kategorie gehörigen Personen, betrage etwa 700. Bezüglich der anderen Personen sollte jetzt keine Ausweisung verfügt, sondern es sollte den Betreffenden von der Behörde mitgeteilt werden, daß sie auf die Erlaubnis dauernder Niederlassung hier nicht rechneu dürften und sich deshalb vorbereiten müßten!, das Staatsgebiet wieder zu verlassen!. Diesen Personen werde eine bestimmte Frist nicht gestellt. Wogeu der russischbürtigeu Personen, die vor dem Iah«! 1904 hier Hel gekommen seien, solle es bei der bisherigen Praxis verbleiben, foferu sie sich nicht lästig machten. Ten v e r eint gleu j ü dis ch e 11 H i l fsorgai ri sa t i o n en sollten von Polizei wegen, die Rainen der Personen genannt werden, denen das Berlfaffon« des Staatsgebietes ohne Ausweisung empfehlen werde, damit die Hilfsorganisationicäi' ihrem Zweck entsprechend Unterstützungen mit Rat und Tat gewähren und dazu beitiagen könnten, daß die Abwanderung sich' ohne Schwierigkeiten und. möglichst ohne Härte im einzelnen Falte vollziehe. Ter Minister behielt sich vor, über dein ihm ferner vorgetragenen Wunsch zu entscheiden«, ab und wieweit etwa die seit dem Jahre 1904 hier zugezogenen luffi scheu Arbeiter, die hier ausreichenden Unterhalt gefunden und sich einwandfrei geführt hätten, unter die Kategorie der hier zu belassendeu ftemdbürtigen Personen! anfzuuehmen wären. Gegenüber der Anregung, es möchten die russisch-jüdischen Arbeiter hier belassen werden, deren Verbleiben im, Interesse mancher einheimischen, an Avbeitermaugel leidenden! Industrien liege, erklärte der Minister, daß es bei den allgemeinen' Bestimmungen über die Zulassung sremdbültiger Arbeiter sein Bewenden behalten müsse. Ter Minister sagte ferner zu, daß etwaige Jrrtümer, die bei der Handhabung der ministeriellen Vorschriften in einem Berliner Vorort vorgeko-lmnen sein sollten, Korrektur finden sollen. Die Vertreter der Hilfsorgalüsatiouen, die prinzipiell die Rücknahme des ganzen Vorgehens dringend erbeten hatten, sprachen die Hoffnung ans, daß die Handhabung der ministeriellen Vorschriften' gemäß den! Absichten« des Ministers vom Geiste des Wohlwollens getragen sein möchte. Betreffend die Ausweisungen der russischen Inden ans Berlin hatten Vertreter der Berliner jüidi schien GaiEinde eine Besprechung mit dem preußischen Minister des Innern, Hierru v. BetHmÄN-tt-Hvll'treg, über die von der Staatsregierung angeordnete Aasmeifuna von Russell. Bettzmauill- Hvllrreg erttärte, daß er jede huinaur Rücksicht bei den Auslweisnllgen walten lassen werde. Es handle sich u-m etwa 5500 Personell jüdischen' Glaubens, die sich seit dein Jahre 1004 in Berlin angesarm illclt hätten. Bon der Answeifnug sollen n'ur mittelnlld allsweislofe sowie politisch verdächtige Personen betroffen' werden. Die eladl dieser Personen betrage etwa 700. Bezüglich! der anderen solle jetzt keine Ausweisung verfügt, sondern es sollte den Betreffenden von der Behörde lN'itgeteilt «lverden, daß sie ans die Erlaubnis dauernder 'Riederlassllng hier nicht rechnen' dürfterl und sich deshalb vorbereiten müßten, das Staatsgebiet wieder zu verlassen. Ten jüdischen HU'fs«organ>tsattmlen sollen von der Polizei die lllameu der Personen genannt werden, denendas Verlassen des Staatsgebietes ohne Ausweisung empfohlen werde, damit die Hi'lfsovganiisationen Unterstützungell mit Rat und Tat gewähr'en itmi> dazu beitragen, daß die Zlbivauderiliig sich ohne Schlkvierigkeiten und tunlichst ohne Härte im einzelnen Falle vollziehe. Die Russenanswcisungen aus Berlin bildeten den Gegenstand einer Interpellation im Deutschen Reichstage. Die Interpellation wurde von den Sozialdemokraten eingebracht. Tie Regierung verweigerte die Beantwortung der Interpellation. In der Debatte beleuchtete Abg. B e b e l in einer groß angelegten Rede au der Hand mehrerer krasser Fälle das Vorgehen der Polizei. Alle Parteien, mit Ausnahine der Konservativen und Antisemiten mißbilligten die Art der Ausweisung. Eine weitere Interpellation^ in derselben Sache wurde von der Freisinnigen Vereinigung eingebracht. Die Wahlen in Kroatien. Die jüngsten Wahlen in Kroatien, bilden einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der kroatischen Judenschaft. Sie sind ein Schritt nach rückwärts in der Emanzipation der kroatischen Judenschaft, und zwar ein so gewaltiger nlld bedeutender Schritt, daß er in absehbarer Zeit nicht rückgängig gemacht werden können wird. Die vollkommene Gleichberechtigung der Juden in Kroatien mit der übrigen Bevölkerung war ja nicht einmal noch auf dem Papier, das bekanntlich so geduldig ist, vorhanden — wie sich dies anläßlich der Debatte über das interkonfessionelle Gesetz im kroatischen Landtage klar und deutlich zeigte — und nun droht der kroatischen Judenschaft ein noch ärgerer Schlag: die Angriffe auf das Judentum werden im neuen kroatischen Landtage nicht mehr abgewehrt werden, denn der kroatische Landtag ist bei den jüngsttzn Wahlen judenrein gemacht worden! Zwar gibt es auch unter den neuen Mandateuren des lassen. Sie haben Greise und Kinder nicht geschont. Sie haben Frauen und junge Mädchen gepeinigt und Säuglinge an Steinen zerschmettert. Bethäuser aber steckten sie in Brand und schändeten die heiligen Rollen. So geschah eS, daß unzählige jüdische Familien das Land verlassen mußten. Sie wußten nicht wohin, mußten aber fort, weil sie das Entsetzen jagte. Sie zogen nach allen Windrichtungen, wohin sie nur ihre Füße trugen. Viele von ihnen kamen auch zu uns, wo man für sie, so gut es ging, gesorgt hat. Ein solcher Flüchtling kam zu jener Zeit zum alten Premyschlaner. Er kam nicht allein, sondern führte mit sich ein Weib und zehn Kinder. Fünf Kinder waren ihm in den Schreckenstagen teils int Heimatlande teils auf dein Marsche zugrunde gegangen. Vier Monate schleppte er sich mit seiner Familie, bis er Preinyschlan erreicht hat. Er bettelte sich vorwärts von Stadt zu Dorf und von Dorf zu Stadt. Als sie aber nach Premyschlan kamen, waren sie alle sozusagen mehr tot als lebendig. Sie hatten mir Fetzen ans ihrem Leib und der Hunger schaute ihnen aus ben Augen. Als der Premyschlaner (er mhe in Frieden) ihrer ansichtig wurde, begann er bitterlich zu lveiiien. Der Rabbi hatte ein sehr weiches Herz und konicke keinen Juden leiden sehen. Wenn ihm ein Jude sein Leid erzählte, so kalnen ihm! sofort Tränen in die Angen.^ So hat er einmal feine ganze Gemeinde zum schluchzen gebracht, I als er, heiße Zähreu vergießerid, von einer jüdischen Familie erzählte, die all Schabbes faften mußte, weil sie ilichts zli essen hatte. Doch das gehört lricht zu unserer Geschichte. Als sich der Rabbi beruhigt hatte, sah er ben Litwak scharf an, wie er es zll tun pflegte, wenn er einen Menschen zum ersten Male sah. Der Litwak konnte den Blick nicht ertragen und senkte die Augell. Hieralif ließ der Rabbi Frau und Kinder abtreten liild blieb mit dem Litwak allein zurück. „Wie heißt du?" fragte ihn der Rabbi. „Abraham," sagte der Frenlde. „Und womit hast du dich beschäftigt?" „Immer mit der Thorah. So haben es meine Väter und meiue Großväter gehalteli. Nur in freien Stmldell haben wir für den Unterhalt unserer Familien gesorgt. Ich hatte einen Purez, bcffeit Hallsjude ich war. , Er ist sozusagen erblich auf ulich übergegaugen, denn meine Varfahren haben den Seinigelt gedient. Von diesem Purez habe ich gelebt." Der Rabbi zog seine Allgelibrauell zusauiinell und sprach mit merklichem Unwillen: „Purez —- Purez -- als wenn es keine Hilfe Dann sprach der Rabbi weiter: „Höre iilich an. Du und deine Kinder, ihr seid jetzt der größten 9kot preisgegeben. Ich weiß es, ihr sterbet Hungers. Das wird aber nicht lange dauern. Du wirst iloch heute mit deiner ganzen-Familie Prernyschlan verlassen. Deine Reise geht nach Krakali. Was btt bis zur Ankunft in dieser Stadt brauchst, das gebe ich dir in barer Münze mit. Dort angelangt,- gehst du, ohne dir eine Rast 31t gönnen, zum Raw. Er heißt Berisch lind ist ein gutes Herz. Ihm sagst bn nicht mehr und ilicht welliger als folgende Worte: „Reb Maier von Prelilpschlan läßt Euch grüßen. Und er läßt Euch ferner sagen, daß Ihr mich, da Ihr schon längere Zeit feinen Chasen in der Alten-Schul habet, als solcheli dort anstellt." „Rebbe," stotterte der Litwak, „ich bin kein Chasn, ich!var nie ein Chasn." Da geriet der Prenuffchlaner in Zorn, wie immer, wenn sich ientanb erdreistete, eine Einwendung gegen seine Worte zu machen, und er Zagte: „Das weiß ich gerade sa gut lvie dll. Da Haff du dein Geld und reise." Dann fügte er hinzu: „Mit Gott!" lFvrtsetzung folgt.) gäbe außer diesen Perizem, vor beiten man kriechen muß wie vor einem Götzen. Du und seinesgleichen verlängeril das Golus." KREBS-dPOItlEKE 5. niTTELMCH Wien, I , Hoher Markt Nr. 8 (Palais Sina) in Zentrum der Stadt. 4 K n1»a<M Vieser beetbekannte u. in allen Familien l^alsau)« eingefübrte Balsam — ein unentbebri. Bansmittel — wird nach wie vor nach den lewiibrt. Vorschriften erzeugt Preis I Fläsohchsn 20 Heller.