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Nationalzeitung · 1906-05-04 · Heft 32 (4.5.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 32 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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jNr. 32 Nationalzeikmg Seite 5 Prager Umschau*). 0. Int Prager Landcstheater gastierte in der Vorwoche' die Meinhardtruppe ans Berlin. Angeblich führte sie „Die Juden" Tschirikoffs auf, doch wer von der Lektüre dieses Bildes begeistert, dessen Figuren lebend vor sich zu sehen erhoffte, ging bitter enttäuscht von dannen; das Meisterwerk Tschirikoffs wurde durch Abstriche zu einem derart abscheulichen Machwerk, daß nicht eilt Funken des Geistes, der das Original durchweht, übrig blieb. Und fragen wir nad) dem Grunde dieses abscheulichen, unverantwortlichen Kunstvandalismus, so werden wir uns die Antwort gewiß nicht lange schuldig bleiben. Der getaufte Jude, Direktor Angela N e u m a n n, dein aus seiner jüdischen Zeit noch der Name „Amschel" blieb, machte seinem Kommandanten, dem berüchtigten Prager .Kasino, wieder einmal einen großen Gefallen. Wozu diesen Tatsachen in Erinnerung zu bringen, daß die Assirnilationsaera schon vorüber ist, wozu ihnen das lebende und kämpfende Judentum vor Augen zu führen? Das könnte ja den Herren unangenehm sein. Wozu ihnen den Zionismus, der.ihnen ohnehin das Leben bitter macht, noch von der Bühne predigen lassen'? Das Stück sah auch darnach aus; inan erkannte es einfach nicht. Aus 4 Akten in 3 znsammengedrängt, die begeisternden zionistischen Reden Nachmanns weggelassen, Doktor Fuhrmann zu einer Karrikatur gemacht, die typischen Erscheinungen aus dem Leben abgestrichen, so das nur ein Torso blieb, zu dem sich T s ch i r i k o f f gewiß als Autor nicht bekennen wollte. Und trotz der gewaltsamen Abstriche hat das Stück gewirkt. Wenn auch das Bild des Geisteslebens unserer Stammesgenossen in Rußland in mangelhaften Zügen sich dem Zuschauer darbot, blieb die Ueberzeugung von der Notwendigkeit anderer Lebensbedingungen für diese nicht aus. Die korrupte Kasinopresse fühlte es ganz gilt heraus und in der journalistischen Prostituierten, die sich selbst zu Kuppelinseraten hergibt, dem „Prager Tagblatt", läßt Herr- Heinrich T e w e l e s ein Feuilleton los, in dem es an infamsten Verlämudungeu nicht fehlt. „Die Antisemiten sind ja auch Zionisten", schreibt dieser T a i t s ch e in unverhohlener Wut gegen die jüdische Moderne, imputiert den Jüdischnationalen alle unmöglichen Absichten, um zum Schluß den Ässimilanten Boris mit einem schönem Knix gegen das Kasino als Muster eines Juden, wie er fein soll, hinzuftellen. Vom „Tagblatt", das gegen jede freiheitliche Bewegung seinen giftigen Speichel schleudert (wir erinnern nur an seine Schreibweise in den Novembertagen des Vorjahres) kann ja niemand etwas besseres erwarten, alles was an Selbstbervußtsein erinnert, wird in beu Kot gezerrt. Und doch wird dieses Blatt als Judenblatt bezeichnet. Fort mit diesein Schnndorgan aus allen jüdischen Häusern, entfernt es aus allen jüdischen Korporationen, entziehet ihm die moralische ttttb materielle Unterstützung, die ihm leider auch von Zionisten zuteil wird! Fortschrittliche, wirklich fortschrittliche Organe gibt es genug, weg mit der korrupten Presse! ' * Die Prager antisemitische Publizistik kann sich wieder mit einer neuen Brochure rühmen. In dem von der verkrachten, von den Klerikalen ausgeraubten Wenzelsvorschußkassa gegründeten Cyrillo-Method-Verlag erschien dieser Tage eine Brochure „Die Unterjochung her Welt burd) die Juden." Nicht cjcuug daray, daß dieses Pamphlet in den Organen der tschechischen Klerikalen als Beilage erschien, zvpr.de es. noch in Brochurenform herausgegeben. Systematische Hetze gegen die Jude,: .wird unbeanstandet getrieben, die Symbole des Judentums und die Juden selbst dem ärgsten Spott ausgesetzt, doch rührt sich keine Hand, mu diesem für österreichische Verhältnisse, symptomatischen Unfug ein Ende zu bereiten. •) Unliebsam verspätet. Der Prager Staatsanwalt, der sollst gegen alle fortschrittlichen Blätter mit der Konfiskation sofort vorgeht, läßt die Klerikalen ullbeanstäildet die gesetzlichen Bestimmungen übertreten, iveil es sich ja nur um Judcll handelt. Diesell unhaltbaren Zuständen fauit nur eine zielbewußte jüdische Politik ein Ende bereiten; erst darin, wenn wirklich jüdische Vertreter im Parlamente für derartige grobe Unterlassungssünden der staatlichen Organe Rechenschaft verlangerr werderr, tarnt auf eine Besserung der Verhältnisse gehofft iverderr. * Auch ilt Prag beginnen sich die jüdischen Allgestellten zu organisieren. Die Prager Ortsgruppe der „Poale Ziorr" wird in nächster Zeit durch eine große Versammlttng irts Lebert treten. Trotz der mannigfachen Hindernisse, die der jungen, kräftigen Organisation von verschiedenen Seitert in den Weg gestellt rverdert, entrvickelt sie sich erfreulich unb wird gewiß eine kräftige Jltteressenvertrettrng des jüdischen Proletariats Böhntens werden. Die letzte stummer der „Oesko mdovske listy" veröffentlicht eütett Aufruf der hervorragertden tschechischen Ässimilanten an die Juden in Mähren, sich in den tschechischert Wahllätaster eiittragert zu taffen. Die tschechischen Journale begrüßert diese Enuntiattou, die zivar etwas zu spät kam, freudig, körnten es aber nicht verwirtdert, für den Fall des Vorgehens der Judert mit dert Deutschert, dem jüdischen Elemertte Mährerts mit dem schärfsten rvirtschaftlichert urtd gesellschaftlichen Boykott zrt drohert. Wo es sich um jüdische Stimmert handelt, dort sucht der Tscheche und der Deutsche diese zu ergatterrt, um bann ihre Dienste mit einem entsprechenden Fußtritt zu quittieren. Hier hilft rrur jüdische Politik urrd das Losurtgsrvort HavliöekS, das heute so oft zitiert wird, „Nie jim nevefit a nie jim nedävat“ sollten die Juden aut ehestert beherzigen. Der „Rozvoj" erschieit zu Pesach als Osternummer urtter dem Titel „Nase velikonoce“ (Unsere Ostern), welche sich als Ersatz der Hagada entführen ivill. Es wäre unnütz urtd schade sich mit dem Werte dieses „Surrogates" zu beschäftigert; man' rvird eben irr der Ueberzeugurtg, die in diesen Blättern des öfteren ausgesprochen wurde, daß dieses Blatt die Assimilation bis in die äußerstert Konsequenzert, bis zur Taufe, durchzuführert bentüht ist, nnr bestärkt. * In Prag schreitet man jetzt an die Gründung eilt es jüdischert Museunts, dem die Kultusgeuteinde provisorische Lokalitäteit im jüdischert Rathause zur Verfügung gestellt hat. Viele Artdettkelt jüdischer Kultur und jüdischert Kurtstsirtnes sind bereits durch die unnachsichtig durchgeführte Assartierung der Judenstadt in Verlust geraten, weshalb diese neue Gründurtg umso freudiger zu begrüßert ist. Der Kontmissiort gehören unter anderem auch der Dozent der Archäologie an der deutschen Urtiversität Dr. Arthttr Mahler und Magistratsrat Dr. August S t e i n, der Leiter der Assartierurtgsarbeitert urtd ein bekannter Kenner der alten Judenstadt art. Es ist zu erhoffen, daß durch diese Nettgrürtdurtg, die in Prag bereits seit langem entbehrt wurde, dasjenige, was rtoch ztt "retten ist, der Nachwelt erhalten bleiben rvird. Die tschechischert Ässimilanten arbeiten fieberhaft an dem Wiederaufbau ihrer bereits käst mx Gänze etugegangenen Bewegung. Eine Versammlung folgt nach der anderen und die Assimilation wird mit einer erneutert Energie gepredigt. Es gilt dieser neuerlichen tschechischassimilatorischen Invasion rechtzeitig ein Ende zu machen,° deshalb mit doppelter Energie an die Arbeit! Die Zeit ist ernst, es gilt keinen Augerrblick zrt verliererr, bevor es zu spät wird! Aus Kruutie«. Es scheint, als ob mit der neuen Aera in Ungarn, die den Juden wenig Gutes verspricht, auch für die I u d e n K r o a t i e n s eine Aenderung eintreten wird, doch diesmal zum Besseren. — Wir konnten uns auch bisher über die kroatische Negierung nicht beklagen. Wie viele — getaufte — Juden spielen doch eine große Rolle im öffentlichen Leben Kroatiens! Aber wenn jetzt die fortschrittlichen Parteien kommen, werden wir nicht mehr unser Judentum verleugnen rirüsssn, da die fortschrittliche kroatische Presse den Juden schon jetzt völlige Anerkennung ihrer jüdischen N a t i o n a l i t ä t zusichert. Was ist natürlicher, als daß die kroatische Regierung dadurch ihre einzige Stütze, die kroatische Judenheit, verliert. — Voraussichtlich dürften diese vier — u ngetauften — Juden in den Landtag der Königreiche Kroatien—Slawonien gewählt werden: Dr. Hugo Spitzer, Vorsteher der jüdischen Kultusgemeinde in Es segg, Bankier Oskar W e i ß m a y e r, Universitätsprofessor Dr. Ernst Müller und der bisherige Abgeordnete Dr. Ludwig Schwarz. Diste Kandidaten haben bisher im Interesse des Judentums gewirkt und werden auch weiter auf diesem Wege ausharren. Deshalb können wir auf die tatkräftigste Unterstützung der ganzen kroatischen Judenheit rechnen. Essegg. In seinem „Osjeäki Tjedmk" (Essegger Wochenblatt) so rdert Dr. Spitzer die Entsendung eines Oberrabbiners als Virilisten in den Landtag det Königreiche Kroatien—Slawonien. — Die Wahlagitation hat begonnen. Die Wahl Dr. Spitzers ist gesichert. Agram. Die hiesigen zionistischen Krehe bekunden bereits viel Interesse für den „Zweiten Kongreß der Zionisten aus beu s ü d s l. Ländern", der anfangs August in El s egg tagen wird. Agram dürste durch zehn Delegierte vertreten sein. GkNkl«Äe-». Dmmsnchrichtm. Wien. W e b e t st n n d e n.) Ivertag derr 4. Mai, abends um 7 Uhr. Samstag den 5. Mai, abends tut 7.45 Uhr. Vom 6. Mai bis tnbl. 10. Mai, abends urn 7 Uhr. Freitag den 11. Mm, abends um 7 Uhr. Samstag den 12. Mai, abends nnt 7.50 Uhr. Vom. 16. Mai abends vis inkl. 17. -Mai abends nur 7 Uhr. Freitag den 13. Mm, abends mu 7.15 Uhr. Samstag dort 19. Mai, abends nnt 8.05 Uhr. Vom 30. Mai bis inkl. 24. Mai, abends nnt 7.15 Uhr. Der Gottesdienst an Wivlchentagerr beginnt tmt halb 7 Uhr fstill), an Santstagen nm 8 Uhr früh. Wien. (Adaß Jisroel.) Aut 22. April fand die Prüfung au der Privat-Neligionsfchule dieses Vereines urtter Leittutg des Direktors der Attstalt, Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner F ü r ft statt. Anivesend Iva reu außer dent Gesamtvorstartde der Schtrle trrtd der „Adau Jisroel" die Herren: Knltusvorsteher Dr. Spitz e r und Herruarnt E l t b o g e n, Inspektor Professor K a rt i tz, Professor A rt t s ch e r l, Oberlehrer P o 1 l a k, zahlreiche Eltern der Schüler und sonstige Freunde der Artstalt. Die Prüfung reihte sich würdig an die vorhergehenden au. Die Hörer fetmen zur Priisiing iit der Erlvartimg, lvie bisher schölte llrtterrichtsresultate zu sehen, urtd waren dertuoch lvieder überraflbt. denn auch die hochgespartrttesteu Erwartmtgen wtrrden übertrossett. In alten sechs Abteilungen erfolgten die Autlvorteu mit einer Rasrbbeit und Genauigkeit, die es nahezu unglanblich erfcheinert ließen, daß der ausgedehnte Lehrstoff in nur MILCH aub besten Quellen empfiehlt den P. T. Hnuvfrauen das seit mehr als 20 Jahren bestehende Ferdinand ALTMANN, IX., Pramergaese 17.

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