Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 32 (4.5.1906)
- Date
- 1906-05-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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£>o»!h 4 NationalzeLlmig bers -es verflossenen Jahres, allen Grund haben, -cm (Gebaren der „Oesterreichisch-israelitiscln'n Union" auch dann Mißtrauen entgegenznbringeii, wenn sie eine Mtivn beginnt, die an sich den Intentionen der Iüdischnativnalen entspricht. Das Verhalten des 'Vorstandes der „Union" in der Wahlrechtssache ist noch in aller Erinnerung. lieber die Köpfe der Aiitglieder hin'ivcg hat der Vorstand der „Union" in der Wahsrechtssache eine Stelinng ein.aenoinlnen, die mit der Ansicht eines großen Teiles der Mitglieder irr Widersprach steht. lind jetzt, wo vielleicht Gelegenheit gewesen wäre, in ruhiger und sachlicher Iorm an der Politik des Vorstandes Kritik zn Üben, hat der Bvi'stalid der „Union" der Tagesordnung ihrer aiu jüngsten La instag stattgesnndenen Generalversammlung iu geschickt berechneter Weise einen Punkt einverleibt, von öenr er voran siehe n tonnte, dag er die AnfinerksaMkeit der Mitglied?r von dem Bericht rmd den andereil Pn litten der Tagesvrdtnlil'g aAenken werde. Und so kanr es auch, mit Ausnahme des zweiten NedirerS, des Herrn Lneian B r ii u n e r, der in bekannter scharfer Iorm dem Vorstände der „Union" das 'Lunden reg ist er vorhielt und ihm die heftigsten Vorwürfe darüber machte, das; er stets die Meinnng des Vorstandes fälschlich für diejenige des Vereines ansgebe, daß er ferner seine AUtivirkung an den Arbeiten der nationalen Gruppen in der Wahlrechtsfrage, in selbstüberh eben der Weise verweigerte, rvie gesagt mit Ausnahme dieses einzigen Redners sarid keiner mehr (belegen heit, sich nrit der „Union" zu beschäftigen, denn alles war so arrangiert und inszeniert, damit die Gen-eralversammlnilg den Eharakter eines großartigen, zu Ehren der mit allen Künsten der modernell Technik zusammengekriebenen Mitglieder ansgesührten Hinricht-ungsichanspiel-es nicht verliere. Unser StandpnM in der Tauffig-Affäre ist bekannt. Schreiber dieser Veilen hat ihn anch in Versammln »gen des öfteren anseilk-andergesetzt; die Tanfsig-Afsäre ist nnd bleibt oern-erflich, aber das hindert nus nicht, zu kvnftatiereri, daß das Ion.cr der Entrüstung, welches Rl.'ter vvn Tanssig durch sein Vorgehen in den Gemütern an iahte, von den verichiedenarkigstetc politischen kleinenj Hw gerne dazu benützt werden möchte, um ihr bereits latt und fairer geivordenes Süppchen wieder anfzw.värn'.elk. Ebenfe muß konstatiert iverden daß die offiziellen ^'eitretev der nationalen Gruppen mit Recht dieser Hiw hhjnngstomvdie, die eigentlich eine Huldigung für die „Union" werden sollte, fernblieben, nnd es ist zu bedauern, das; die Anhänger der nationalen Politik, die her „Union" diesmal sehr erwünschte Stacksten abgaben, von der allerdings zu spät ausgegebenen Absentierniigsparole keine stennckiis hatten. Man hätte die „Union" ganz unter sich lassen und ruhig Zusehen sollen, wie die Pl-niv- Gloffen versehen, sprachivissenfchaftliche unb maßvretische Werke. Eregeien, ans denTalnrnd und die Neligivnsgesetze bezug habende Bücher, geschichti licheTöknmente, ck abbalas, Liturgien, mathematische, medizinische, theologische und philosophische Werke. Ter überwiegende Teil der Handfchriftien; beneht ans ilnedierten Werten. Aus der reichen! Jütte ist es schmierig, einige ÄduniNiern heranszugreisen, deshalb erwähnte der Vortragende nur die .' atterwichtigsten Exemplare ans der ilieihe der Unica. Nummer 50 der Lanmrlnug enthält einen i Koder', der den kritisch dnrchgearbeiteten Text der ' vollständigen Misch-näh mit Akzentuakionsnnd! Betonrmgszeichen bietet. CS in e zivcite '(öritppe die-! ses Teiles der Sanrmlnng besteht ans biblischen ' uns Targim^Handschriften ails Ziemen l'Llidarabient, die eitlen großen Wert besitzen und Gelegenheit zn eingehenderen Gtirdi'en bieten. In dritter Reihe erwähnte der Vvrtraigewde den Reichtnin an z »-meist aus Italien stammenden Resprn'sien, die gleichfalls noch der Aufarbeitung harren.. Als selb ständigen Teil der Handschriftensa-n minng errvähnt Goldziher die aus den egyptischen Genizahs stanmnendeii Dokumente und Fragmente teils arabischen, teils liebräischen Teptes. [\w diese Gruppe gehören erstens Briese und Tok»mente privater, svivie amtlicher Natur und zlveitens Iragmeicke vvn Büchern verschiedenen »Inhalts. Tr. Dävid Känfniann ivnrde durch seinen frühzeitigen Tod an der Ausarbeitung dieses lvahren Schatzes verhinidert und es bietet sich hier ein. weites Iekd der Betätigmrg für die Orientakksten. 4lach Besprechung der Handschriften befaßte Ni. ä» kratie der „Union" mit der Plntbkratie im Vorstände >nn die Macht ringt. TV in die nationalen Hilden hat es nicht erst dieseSMoinentes bedurft, nm init dein. Vorstände abzn rechnen, die nationalen Juden täinpsen gegen das plntdtratische System im >rultucpvrstande, deshalb zog ihre im Hotel „Post" in würdevoller Weise ber schlosse ne R-osolitttion aus dem Fall Tan'ssig den für uns ivichtigsten Schluß, daß gegen, das nndeniölratische L'ysten; der .Crnrie der Höherbesteuerten mit aller sbrast akig'ekälnpft lverden', Tie „Union" hingegen, die selbst plntotratische Interessen vertritt, lind ohne Llistenlürechsel nur die Niacht in der -.Lnltnsgemeinde anstrebt, konnte in ihrer Resolution auch nichts Programmatisches beschließen, denn ihr ivar es lediglich da nt tit zu tun, den jetzigen Personen im .gnltnsvvrftande Verlegenheiten zu bereiten. Znm. Lchlnsse erachten ivir es als unsere Pflicht, auch unsere Meirmug über die tltrbnlenten Lzeiien. in der Versamncknllg offen he ran Szn sagen. llligeschicklichkeit aitf Leite der rliedner uvill .hnktlisvorstande, iirsprüngliche und künstlich erze'ugte (Gereiztheit im Pnbkcknm n.nd schließlich die anfsällige Unbeholfeitheik anr Präftdententisch haben eine Linialion geschaffen, in ivelcher die bedanerlichen Lzenen nnver-neidlich ivurden. Herr Vizepräsident Tr. Gustav .er v h n hätte sich seine Verteidigungsrede, die Lar keine Verteidigung sein rvollte, füglich ersparenkönnen, aber man hätte in ihn; doch den ersten Vizepräsidenten der .gn.llnsgeni.eiiide und den M'ann respektieren sollen, der alles eher als Plntvkrat ist oder plulekratische Allüren besitzt, und der, ivenn umnvvnseiner allgemeinen politischen Anichannng ab-sielst, in. ^ilitnsfachen selbst einen: Altt.kvn'se rvalive n Uebergangs typus im Vvrstau de vertritt, den wir sicherlich nicht stabilisieren möchten, aber mit dessen iZ-leis; und gutem Willen dem iIüdentmu nützlich zu sein, man sich ruhig absinden kann. Am allerwenigsten hat es Tr. Giistav gvhn von der „Union" verdieick, so behandelt zu >veröden. Tie „Utt'lvn" hatte im Herrn Landesschnlrat stets eiwcir eifrigen Förderer, er ist politisch mit den Vorstandsmitgliedern eines Sinnes, nur ' daß Herr Tr. Gustav .g o h n eine viel domvlraiischere Natur ist als die meisten Nliiglieder des 4Grß:nld.'s der „lUrivn". CS ine noch größere Un ge schick!.! chieit als das Anilrereu dcp Heyru Tr. slMw begingen die Herren- Vorsteher bei der Abstumming. Sie hatten den Wunsch ansgesprvche'.r, über die beiden Teile der hlesolntivn gelrennt a'bznstimlmen. Auftatt daß nun einer der Vorsteher diefen Antrag selbst ein gebracht und motiviert hätte, wurde er er präsidiv in. eurer »Vorm vorgebracht, die arcch im Lchreiber dieser ,-'eilen den (B-daicken an eine - Ueberrnnrpelnng wachnisen milßte. Bei nüchterner Betrachtung der Lache aber bedauern wir sich der Vortragende mit den zur Lgmmlnng gehöre ir-den Truck werben. Tiefer Teil ist verhältnismäßig sehr reich an Intnnabeln und alten Trnckiverlen. Tie wichtigsten Werke der hebräischen ickteratnr sind dlirch (Lditiones prineipes vertreten Mud man kann -wohl behaupten, daß es selten eine Bibliothek gibt, in ivelcher die einzelnen Perioden der alten Typographie in solcher Neichhattigkeik vertreten wären. Tie uenn Stück I-nknnabnla, nnd zlvar eines ans Lissabon (1180>, eines ans Imno, sechs ans blenpel stammend l'da-rnnter die liebräische Uebersetziing von Avieennas .stawrnl, sind wahre ckierden der Bibliothek, zu welchen sich in chronologischer I-olge die Trnckivetzke 'des 10. Iahrhnnderts gesehen, der Zahl >»ach hnndertsechsnnddreißig, unter denen die hervorragendsten Werkstätten der ilalienisrhei, Typographie vertreten sind. i Tie hebräischen und arabischen Originallwepke der Laiwmiung werben -dlirch za'hlreiche Werke der enrvpäischon 'I-achlitemtlir orgäik'zt. Mit Hinzurechnnng derselben besteht die vollständige .staufmann-Biblivthek ans folgenden Teilen: l. Handschrifteu m Stück, Druckwerke t588 Stück, bibliographische Werke 47 Stück, Zeitschriften 3R8 Stück, und Istngschriften, Abhandliingen m Stück, ins-; gesamt also 2840 Stück. ' Außer dieser Bibliothek schenkte >iZ-ran Gom- , petz der dbkademie noch eine mit dieser in keinem organischen Zlisaiiiineiihange stehende Saiilinluna, die ans 25 reichillnftrierten, zumeist auf Pergainentpapier gedruckte», italienischen Gvdiees bees 'heute lebhaft, daß die Abstinmn-nng nicht in der von den sinltnsvorstehern gelbün-schten Gorm erfolgt ist, denn demersten Teile, in ivelchem die Glitrüsllniiig über die Betcilignng jüdisches Bankiers an der N-lissenan-leihe allsgefprvchen wird, hätten die >t>kltnS'vorsteh«r ebenfalls zingestilmnt, und lvir hätten dann ein einstiimniges Mißtrall-ensp'.cknmerzielt, aus dem selbst Herr non Tanssig die .gonsegnenz hätte ziehen lnüssen, und es hätte nicht zu den stiiirmische.i Auftritten kommen müssen, die unter allen Umslän'del! zu bedauern sind. ÖIiiii» peinlichsten berührte wohl die -Affäre Marin vre k. Wir wollen es hier nicht nniecsncherl, ob bloß Un-gefchicklichkeit des sonft so gewandten- Archiletten Alarmorek, oder die an lind für sich schitzü-le Almv-sphäre, die im Saale herrschte, oder gar der seit der WUhl Miarmvrets znin. Zinlt.ils>vorftan-d-e zurückgehaltene Groll das Gelvitter periirfachten, das sich über dem Zk-vpse des einft so gefeierten Zivniftenfüihrers mit elemendaver Ge- -walt entlud. Die SZeli--- war unschön und liicht ani richtigen- Platze. Eine Uuiousversa-Mlnluug ist nicht der Ort, wo iutern.-e zlvnistischc Abrechimng gepflogen tverdeu sollte. Architekt Mari!iorek hat iibrigeus feine Stelle im .Uilltusvvrstande bereits niedergelegt. Wie wir erfahren, hat er diese seine Absicht bereits Tonwerstag vor der Generßboer^am-mllnng der „Union" seinen '.crollegen im .(tzicltnsvorstande alkgelünbigt, er hielt mit der schriftlichen Temisfion nur deshalb zurück, -weil er die Erklärungen des 'Vizepräsidenten Tr. (Zilstao u v h n abwe.rte» rvvllte. Diese Ertlärnngen häbeil ihn. nickt befriedigt und er fiih-rte daher seinen schon srüiwr gesoßte» nnd angetündiglen Entschluß nnnmehr ans. Hätte in der Verfalmnlniig der Union überhaupt eine normale Stim-mnng geherrscht, hätte man vielleicht «ll dies au-s der Erklärung des Herrn Akarm-owk hevansgehört, aber bei der (Gereiztheit, die anr jüngsten Samstag unter den. V-crilvimn-etten vorherrschen-o war, iväre eine einfache, offene Ert-iärnng eher a-m P-latze geivesen. Wir wolleir schließen-: Die nativnälen I-nden wollen ans dieselnganzen Tanssigckstinn-uw! die einzige praktische 'Lehre ziehen, iildem sie, gestützt auf die füngsten Ereignisse sich eine Plaktsornr für die demnächst statislndenden u-illtnswahlen schassen, die in den nordernngen gipfelt: „Weg mit der Kurie der Höherbestcnerten! Heraus mit dem ailgeirreinerr Wahlrecht i„ den Unünsvorstand! Weg mit dem plntokratischen System in der Wiener Kttlinsgerneindc!" Wer da mittnn will, soll lins als ehrlichen Akitiampser a-n fenuev Seite sehen, wer aber abseits bleibt, den werden wir als Henchl-er undn-ein-d 'des Volkes bekänMsen, mag er noch so viele geharnifchte hkesolntivn-en gegen einte uns gemeiiifan: mistliehige Perfeil verfassen. —b —sz. Buntes Feuilleton. Altmeister Israels sämtliche Werke. Nahezu die sämtlichen Gemälde Joses Israels, bis a-n'f einige wenige Arbeilen vvn nntergeorbneter Beidentnlig lverden demnächst durch eine Publikation in 50 -großen Phokograpüren veröffentlicht und dadurch nicht irnr öfsentlichen und privaten Sa'ilmilnngen, solider» auch -Sam'miern und.gnn'stliebliahern zugängig gemacht. Wi-e wir erfahren haben, erscheint das Werk binnen kurzem im Verlage vvn .gart W. Hiersemann in Leipzig und tostet invon .g>i»-stlerha-lib entivorsener Prachlniappe Mk. 70lt. . Schauspielschnte des Konservatoriluns. Bei der a-lll 28. April stattgesnndenenösfeickl-ichen Ele-ven'vorstettiingfiel durch ihr gera-dez'U! voil>- enbetes Spiel Irl. iIrene B i r n b-a n t auf, die durch ihre Äteziitaiiv»en inder To-ynbee--.Hall>e rl'ih-mlichst bekannt ist. Die junge tälentbvlle Dame erntete schon als „Sapphv", die sw mit voller Hingebung spielte, den -Beifall des Publikums, der sich mich erhöhte, als sie in .Hebbels „Siegfrieds Tod" die B-rmchilde m Därstelln-ng brachte. Hier zeigte sie großes dramatisclx's Talent, bas nam-entlich durch ihr wnnberbares Orga-n und Temperarnent zur (Altung kam. Sonft iväre noch Irl. Ke ran sch zu evivahnen, welche als „Evletta" („Nenaissanee") einen schönen Erfplg zu verzeichne» hatte, Zl-nb Irl. I e hl, die als Alte in „Tattnffe" -viel Temperament zeigte.